Diese Arbeit untersucht, welche ökonomischen Auswirkungen die nicht standardisierte Geldpolitik der Europäischen Zentralbank seit der Lehmann-Brothers Pleite 2008 auf die Wirtschaft hatte. Die ergriffenen Maßnahmen werden im Rahmen einer expansiven Geldpolitik kritisch evaluiert und in ihrer Wirkungsweise analysiert. Geldpolitische Handlungen auf der Ebene der Nationalstaaten bleiben in dieser Arbeit unberücksichtigt.
Zu Beginn von Kapitel 2 werden wichtige theoretische Grundlagen erarbeitet. Wesentliche Informationen zur Gründung, Zielsetzung sowie zum Aufbau der Organe des ESZB bilden hierfür die Grundlage. Darauf folgt in Kapitel 3 eine Erläuterung der zentralen, geldpolitischen Instrumente der Europäischen Zentralbank. In Kapitel 4 werden die geldpolitischen Maßnahmen der EZB seit der Lehmann-Brothers Pleite erörtert. Hierbei finden sowohl konventionelle als auch unkonventionelle, geldpolitische Betrachtungen Eingang in die Betrachtung.
Anschließend wird der ökonomische Einfluss nicht standardisierter Geldpolitik der Europäischen Zentralbank analysiert. Nach der Darstellung von elementaren Zusammenhängen zwischen Wirtschaft und Geldpolitik, werden die Auswirkungen der unkonventionellen Geldpolitik auf die Wirtschaft erläutert und daraus sich ergebende Chancen und Risiken abgeleitet.
Die Pleite der amerikanischen Investmentbank Leman Brothers am 15. September 2008 sorgte für den größten Kurssturz an der Börse in der US- Geschichte. Sie gilt als der Höhepunkt einer Krise, die sich bereits zuvor über Jahre angebahnt hatte. Die Immobilienkrise in den Vereinigten Staaten löste weltweit eine tiefgreifende Rezession aus und machte auch vor der Wirtschaft Europas keinen Halt. Die Auswirkungen sind bis heute spürbar, nicht nur ökonomisch, sondern auch politisch. In der Krisenzeit wurden von der Politik tiefgreifende Reformen für den europäischen Finanzmarkt versprochen, an deren Umsetzung es bis heute mangelt. Als Auslöser der Wirtschaftskrise in Europa werden in der Literatur häufig gierige Bänker, ahnungslose Bürger und Politiker sowie laxe Aufseher in den Zentralbanken aufgeführt. Woran lag es, dass es zu einem wirtschaftlichen Kollaps in Europa kam?
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Vorgehensweise
2 Theoretische Grundlagen
2.1 Das Europäische System der Zentralbanken (ESZB)
2.1.1 Gründung und Zielsetzung des ESZB
2.1.2 Aufbau und Organe der EZB
2.2 Konventionelle, geldpolitische Instrumente der EZB
3 Analyse der Geldpolitik der EZB seit der Lehmann Brothers - Pleite
3.1 Weg in die Eurokrise
3.3 Störung der konventionellen, geldpolitischen Übertragungswege
4 Ökonomischer Einfluss nicht standardisierter Geldpolitik
4.1 Unkonventionelle, geldpolitische Maßnahmen
4.1.1 Umstellung des Tenderverfahrens und Erweiterung des Liquiditätsrahmens
4.1.2 Erweiterung des Sicherheitsrahmens
4.1.3 Notfallkreditprogramm ELA
4.1.4 Kauf von besicherten Schuldverschreibungen und Staatsanleihen
4.2. Einfluss der unkonventionellen Geldpolitik auf die Wirtschaft
5 Schlussbetrachtung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die ökonomischen Auswirkungen der nicht standardisierten Geldpolitik der Europäischen Zentralbank seit der Lehman-Brothers-Pleite. Dabei wird analysiert, inwiefern die Maßnahmen die Finanzmärkte stabilisiert haben und welche langfristigen Konsequenzen diese expansive Geldpolitik für die Wirtschaft und die Stabilität der Eurozone mit sich bringt.
- Analyse der EZB-Geldpolitik in der Finanzkrise
- Störung der konventionellen Transmissionswege
- Unkonventionelle Maßnahmen wie ELA und Anleihekäufe
- Evaluation von Chancen und Risiken expansiver Maßnahmen
Auszug aus dem Buch
3.1 Weg in die Eurokrise
Mit der Gründung der Wirtschafts- und Währungsunion am 01. Januar 1999 verloren die Staaten ihre individuelle Handlungskompetenz in der Währungspolitik. Sämtliche geldpolitischen Befugnisse wurden der Europäischen Zentralbank übertragen, wie in Kapitel 2.1 bereits dargelegt. Seitdem konnten währungspolitische Entscheidungen nur gemeinschaftlich getroffen und umgesetzt werden. Die wirtschaftlichen Voraussetzungen der 19 Mitgliedstaaten waren und sind auch heute noch unterschiedlicher Natur, was sich in den Wachstums- und Inflationsraten widerspiegelt. Jedes Beitrittsland erfüllte zwar bei Eintritt die Konvergenzkriterien, jedoch kam es im Laufe der Zeit zu teils gravierenden Abweichungen von diesen.
Zwischenzeitlich verschärfte die gemeinsame Geld- und Währungspolitik sogar die Differenzen in den Kapital- und Leistungsbilanzen der Mitgliedstaaten und Interventionen der Währungshüter mussten das Eurosystem vor einem Zusammenbruch retten. Vor allem die südlichen Staaten wie Griechenland, Italien, Portugal und Spanien konnten durch niedrige Zinsen ihre Importe deutlich steigern. Allerdings wurden diese mit Krediten finanziert, bei gleichzeitig sinkenden Exporten. In der Folge verschlechterte sich die Leistungsbilanz drastisch und die Zinslast stieg. Innerhalb eines Staates führt ein Leistungsbilanzdefizit schnell zu einer Abwertung der Landeswährung. Im Euroraum hingegen werden negative Leistungsbilanzen einzelner Staaten durch Überschussbilanzen anderer Mitgliedstaaten ausgeglichen. Dieses strukturelle Problem der EWU verstärkte die negative Entwicklung schwacher Nationalstaaten während der Eurokrise, da ihnen die Überschussländer selbst keine zusätzlichen Kredite mehr zur Verfügung stellen konnten.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung thematisiert die Folgen der Lehman-Brothers-Pleite für Europa und führt in die Fragestellung ein, wie die EZB durch geldpolitische Maßnahmen die Stabilität des Eurosystems sichern konnte.
2 Theoretische Grundlagen: Dieses Kapitel erläutert die Struktur und Zielsetzung des ESZB sowie die konventionellen Instrumente der Geldpolitik, die der EZB zur Steuerung der Preisstabilität zur Verfügung stehen.
3 Analyse der Geldpolitik der EZB seit der Lehmann Brothers - Pleite: Hier wird der Weg in die Eurokrise aufgezeigt und dargelegt, warum die klassischen Transmissionsmechanismen in dieser Phase an ihre Wirksamkeitsgrenzen stießen.
4 Ökonomischer Einfluss nicht standardisierter Geldpolitik: Dieses Kapitel analysiert detailliert die unkonventionellen Maßnahmen wie Tenderumstellungen, ELA-Kredite sowie Anleihekäufe und bewertet deren ökonomischen Einfluss auf die Realwirtschaft.
5 Schlussbetrachtung und Ausblick: Das Fazit bewertet die Effektivität der ergriffenen Krisenmaßnahmen und betont die Notwendigkeit von Strukturreformen durch die Mitgliedstaaten, um die Ursachen der Krise nachhaltig zu bekämpfen.
Schlüsselwörter
Europäische Zentralbank, Geldpolitik, Lehman-Brothers, Eurokrise, Preisstabilität, ESZB, Tenderverfahren, Liquiditätsrahmen, ELA, Anleihekäufe, Transmission, Zinskanal, Staatsanleihen, Wirtschaft, Stabilität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit analysiert die geldpolitische Reaktion der EZB auf die durch die US-Finanzkrise 2008 ausgelöste Eurokrise und die damit verbundenen unkonventionellen Maßnahmen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Schwerpunkte sind die Funktionsweise der EZB, die Störung konventioneller Zinskanäle, die Implementierung unkonventioneller Liquiditätshilfen und die Anleiheankaufprogramme.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Wirkungsweise der expansiven Geldpolitik kritisch zu evaluieren und deren Beitrag zur Stabilisierung der Finanzmärkte den damit verbundenen Risiken gegenüberzustellen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer Literatur- und Dokumentenanalyse der EZB-Berichte sowie einer kritischen Auswertung wirtschaftlicher Datenreihen zur Geld- und Zinspolitik.
Was steht im Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die Analyse der Störung konventioneller Übertragungswege und die Einführung unkonventioneller Instrumente, darunter ELA-Notfallkredite und das OMT-Programm.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Geldpolitik, EZB, Eurokrise, Liquiditätshilfe, Staatsanleihen und Preisstabilität definieren.
Warum war das Mengentenderverfahren für die EZB notwendig?
Aufgrund des Vertrauensverlusts am Interbankenmarkt nach 2008 konnten Finanzinstitute nur noch eingeschränkt Liquidität erhalten, weshalb die EZB die Zuteilung von Zentralbankgeld auf unbegrenzte Mengen umstellte.
Welches Risiko bergen die unkonventionellen Maßnahmen der EZB?
Kritiker sehen in den Maßnahmen, wie dem Ankauf von Staatsanleihen, ein Risiko der mittelbaren Staatsfinanzierung sowie Gefahren für die Preisstabilität und die Anreizstruktur für notwendige Reformen in den Krisenstaaten.
- Citation du texte
- Tobias Brinkmann (Auteur), 2020, Die nicht standardisierte Geldpolitik der EZB. Ökonomische Auswirkungen seit der Lehman Brothers-Pleite, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/941179