Das Ziel dieser Arbeit ist es, herauszufinden, wie weit der Stand der Technik bei intelligenten Systemen für Immobilienfinanzierungen ist und ob die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht autonome Kreditentscheidungen akzeptiert beziehungsweise akzeptieren kann. Dazu wird die folgende Forschungsfrage gestellt: Wie realisierbar ist es, eine Kreditmaschine für Immobilienfinanzierungen auf Basis von künstlicher Intelligenz, die völlig autonom funktioniert, zu modellieren?
Um die Forschungsfrage zu beantworten, hat eine Literaturrecherche stattgefunden und es sind ferner Experteninterviews durchgeführt worden. Die Literatur soll die Grundlage für Definitionen und bestehende Prozesse bilden. Es gibt derzeit keinen vollständigen autonomen Immobilienfinanzierungsprozess auf Basis von KI und somit musste die Literaturrecherche mit Experteninterviews ergänzt werden, um ein adäquates Ergebnis zu erzielen. Bei den Interviewten handelt es sich um Experten mit langjähriger Erfahrung in der Immobilienbranche. Im Rahmen der Interviews wurden offene Fragen gestellt, um möglichst umfangreiche Einblicke zu erhalten.
Es soll gezeigt werden, wie der derzeitige Forschungsstand ist und ob ein autonomer Prozess in Verbindung mit KI vorstellbar ist. Ferner wird beantwortet, an welchen Themen gerade gearbeitet wird. Auf Basis der Ergebnisse aus der Literaturrecherche und den Experteninterviews wird gezeigt, wie derzeit der optimale Prozess beschrieben wird. Auf dieser Grundlage wird ein Prozessansatz vorgeschlagen, mit dem Systeme modelliert werden können.
Die künstliche Intelligenz ist ein aktuelles Thema, das in zahlreichen Lebensbereichen anzutreffen ist. Im Bankenbereich, einschließlich im Immobilienfinanzierungsbereich, ist die KI ebenso aktuell und wird mittlerweile vereinzelt eingesetzt. Die Baufinanzierung hat für Banken weiterhin einen hohen Stellenwert, doch durch den starken Konkurrenzkampf herrscht bei den Privatkunden ein besonderer Margendruck. Zudem macht es die Bankenaufsicht den Banken generell nicht einfacher, sondern verschärft durch regulatorische Neuerungen im Rahmen von Basel IV sogar die generellen Bestimmungen.
Inhaltsverzeichnis
1. Ausgangssituation
1.1. Zielsetzung der Bachelorarbeit
1.2. Aufbau der Thesis
2. Begriffsbestimmungen und der aktuelle Forschungsstand
2.1. Künstliche Intelligenz
2.1.1. Was ist künstliche Intelligenz?
2.1.2. Was bereits erzielt wurde
2.2. Immobilienfinanzierung
2.2.1. Der allgemein grundrechtlich abgesicherte Kredit
2.2.2. Standard-Beratungsprozess zur Immobilienfinanzierung am Beispiel der HypoVereinsbank
2.3. Der autonome Prozess
2.3.1. Bedeutung des autonomen Prozesses
2.3.2. Der autonome Immobilienfinanzierungsprozess
2.4. Scoring und Kreditentscheidung
2.4.1. Scoring-Modelle
2.4.2. Kreditentscheidung
3. Empirische Analyse
3.1. Methodik der Analyse
3.1.1. Qualitative Datenerhebung
3.1.2. Das Experteninterview
3.1.3. Qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring
3.1.4. Sicherstellung der Gütekriterien der Forschung
3.2. Auswertung der Experteninterviews
3.2.1. Die Vorstellungskraft der Experten
3.2.2. Überzeugungsmöglichkeiten für die BaFin
4. Der Prototyp des vorstellbaren Prozesses
4.1. Der modellierte Prozess
4.2. Entscheidung auf Basis von KI
4.3. Kritische Betrachtung des Prototypen
4.4. Die weiteren Schritte
5. Abschließende Betrachtung
Zielsetzung & Themen
Diese Bachelorarbeit untersucht die technische Realisierbarkeit einer vollständig autonomen Kreditmaschine für Immobilienfinanzierungen auf Basis künstlicher Intelligenz und analysiert, inwieweit die Bankenaufsicht (BaFin) solche automatisierten Entscheidungsprozesse genehmigen kann.
- Grundlagen künstlicher Intelligenz und autonomer Prozesse im Bankensektor
- Analyse bestehender Standard-Beratungsprozesse bei Immobilienfinanzierungen
- Empirische Untersuchung mittels Experteninterviews zur aktuellen technologischen Machbarkeit
- Entwicklung eines Prototypen für einen autonomen Finanzierungsprozess
- Kritische Bewertung der Anforderungen der BaFin hinsichtlich Erklärbarkeit und Diskriminierungsfreiheit
Auszug aus dem Buch
2.1.1. Was ist künstliche Intelligenz?
„I believe there is no deep difference between what can be achieved by a biological brain and what can be achieved by a computer. It, therefore, follows that computers can, in the ory, emulate human intelligence — and exceed it“ (Cellan-Jones 2016). Dieses Statement von Stephen Hawking zeigt, welches Potential die KI für die Menschheit hat. Sie kann den gesamten Wirtschaftskreislauf neu definieren. Genauso, wie die Intelligenz des Menschen nicht klar beschrieben und definiert werden kann, kann die KI ebenso wenig vereinheitlicht und allgemein definiert werden.
Bei der allgemeinen Intelligenz wird zwischen kognitiver, emotionaler und sozialer Intelligenz differenziert. Bei der KI handelt es sich um einen Oberbegriff für alle Forschungsbereiche, die sich damit beschäftigen, wie Maschinen eine Leistung menschlicher Intelligenz erbringen können (vgl. Retresco 2019a). Ein weiterer Ansatz für eine Beschreibung der Intelligenz ist die Fähigkeiten des Menschen, Urteile zu fällen, Möglichkeiten zu erfassen, Zusammenhänge zu begreifen und Einsichten zu gewinnen (vgl. Cianciolo/Sternberg 2004, S. 23). Folglich stellt sich die Frage, wie künstliche Intelligenz beschrieben werden kann, wenn es keine allgemeine Definition der Intelligenz gibt.
Bislang wurde von Programmierern genau vorgegeben, was das System zu tun hat und so wurde es letztendlich ausgeführt. Dabei fand eine Beschränkung auf einfache Tätigkeiten statt. Die KI folgt nicht mehr nur vorgegebenen Anweisungen der Programmierer, sondern ist lernfähig, selbstständig und führt Handlungen aus, die schwer zu verstehen sind. Sie soll die Fähigkeiten haben, zu verstehen, zu denken, zu planen und zu erkennen, wie es ein Mensch tut. Dazu verarbeiten Systeme mit KI nicht nur Daten, sondern sie erkennen Muster, aus denen sie Schlussfolgerungen ziehen, und werden auf diese Weise intelligenter (vgl. Richarz 2019).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Ausgangssituation: Einführung in die Relevanz von KI und Autonomie im Immobilienmarkt sowie Begründung der Forschungsfrage vor dem Hintergrund der Digitalisierung.
2. Begriffsbestimmungen und der aktuelle Forschungsstand: Definition der zentralen Konzepte (KI, Immobilienfinanzierung, autonomer Prozess) und Einordnung des aktuellen technologischen Stands sowie regulatorischer Rahmenbedingungen.
3. Empirische Analyse: Beschreibung der methodischen Vorgehensweise bei der Datenerhebung durch Experteninterviews und deren anschließende Auswertung mittels qualitativer Inhaltsanalyse nach Mayring.
4. Der Prototyp des vorstellbaren Prozesses: Darstellung eines modellierten KI-basierten Finanzierungsprozesses inklusive einer kritischen Reflexion über dessen Umsetzungsmöglichkeiten und Herausforderungen.
5. Abschließende Betrachtung: Zusammenfassende Erkenntnisse und Ausblick auf zukünftige Forschungsbedarfe bezüglich der Akzeptanz durch die BaFin und der technologischen Weiterentwicklung.
Schlüsselwörter
Künstliche Intelligenz, Immobilienfinanzierung, Autonomer Prozess, BaFin, Kreditentscheidung, Scoring-Modelle, Machine Learning, Deep Learning, Digitalisierung, Experteninterview, Qualitative Inhaltsanalyse, Beratungsprozess, Algorithmus, Risikomanagement, Kundenzufriedenheit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob und wie eine Immobilienfinanzierung für Privatkunden vollständig autonom durch eine auf künstlicher Intelligenz basierende Maschine abgewickelt werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themenfelder umfassen die Definition von KI und autonomen Systemen, die Analyse der heutigen Standard-Bankprozesse sowie die regulatorischen Anforderungen der Bankenaufsicht (BaFin).
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet: „Wie realisierbar ist es, eine Kreditmaschine für Immobilienfinanzierungen auf Basis von künstlicher Intelligenz, die völlig autonom funktioniert, zu modellieren?“
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wurde eine qualitative Forschungsstrategie gewählt, die eine Literaturanalyse mit semistrukturierten Experteninterviews kombiniert, welche anschließend nach der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring ausgewertet wurden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Begriffsbestimmung, die Durchführung und Auswertung der empirischen Expertenbefragungen sowie die Konzeption eines technischen Prototypen für eine autonome Kreditmaschine.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Künstliche Intelligenz, Immobilienfinanzierung, autonomer Prozess, Scoring-Modelle, BaFin, Kreditentscheidung und Digitalisierung sind die prägenden Begriffe.
Warum ist die BaFin für das Thema entscheidend?
Die BaFin ist die zuständige Regulierungsbehörde und stellt strenge Anforderungen an die Erklärbarkeit und Diskriminierungsfreiheit von Scoring-Modellen, was ein zentrales Hindernis für rein autonome Entscheidungen darstellt.
Welche Rolle spielen Experteninterviews in dieser Arbeit?
Da für einen vollständig autonomen Immobilienfinanzierungsprozess auf KI-Basis kaum bestehende Vorbilder oder Literatur existieren, lieferten die Experten tiefe Einblicke und praxisnahe Einschätzungen zur technischen und regulatorischen Umsetzbarkeit.
- Quote paper
- Manuel Ring (Author), 2020, Künstliche Intelligenz im Bankbereich. Realisierbarkeit einer autonomen Kreditmaschine, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/941223