Auch wenn der Reformbedarf in Bezug auf den Sicherheitsrat als hoch einzuschätzen ist, findet er in dieser Arbeit keine Beachtung. Im Rahmen des Weltgipfels von 2005 sollten vielmehr noch einige weitere Herausforderungen gelöst werden, die ebenfalls im Bereich der institutionellen Reform anzusiedeln sind. Die Agenda Boutros Boutros-Ghalis von 1992 wies u. a. auf bestimmte Fähigkeitslücken hin, besonders im Bereich der Friedenskonsolidierung. Dies wurde auf dem Weltgipfel und auch schon vorher ebenfalls erkannt und im Rahmen einer Reform berücksichtigt.
Diese so entstandene Kommission für Friedenskonsolidierung ist Hauptbestandteil der Untersuchung, wobei festgestellt werden soll, ob die Reform aus einer wirklichen Notwendigkeit erfolgte oder in der Konsequenz nur den bürokratischen Apparat der UN erweiterte. Da diese Reform zeitlich erst knapp anderthalb Jahre zurückliegt, ist konsequenterweise noch kein Standardwerk zu der Kommission vorhanden, im Gegensatz dazu ist die Beschäftigung mit der Friedenskonsolidierung als strategischer Ansatz weiter ausgeprägt und deutlich umfassender. Deshalb stellt die Basis die Arbeit mit den entsprechenden UN-Dokumenten dar, d.h. Berichte, Resolutionen und Konzepte. Dahingehend wurde eine Anzahl verwendet, die den Betrachtungszeitraum und die inhaltliche Tiefe angemessen, jedoch nicht umfassend berücksichtigt, da hier in der Breite noch weiteres Material vorhanden ist. Zur Beantwortung der Fragestellung wurde im Schwerpunkt auf Basis der Dokumente eine feste Grundlage geschaffen.
Zuerst wird dabei der Reformprozess überblicksartig betrachtet, mit der Herausarbeitung der Gründe für eine solche Reform. Weitergehend ist die Kommission samt ihrer Struktur und ihrem Aufgabenspektrum zusammengefasst dargestellt, um die Grundlagen für eine weitere Betrachtung zu schaffen. Den Hauptteil der Arbeit macht jedoch die Beschäftigung mit den momentanen Handlungsfeldern aus, an denen durch den Vergleich mit vorhergehenden Engagements die Fähigkeit der Kommission und ihre Effektivität analysiert werden soll, um in Bezug auf die Beantwortung der Fragestellung herauszustellen, ob die institutionelle Reform erfolgreich war oder ob die vorher genutzten Kapazitäten und Ressourcen ausreichend waren.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Entstehung der Kommission
2.1. Reformprozess Kofi Annans
2.2. Defizite der Friedenskonsolidierung
3. Die Einrichtung einer Peacebuilding-Commission
3.1. Zusammensetzung und Struktur
3.2. Aufgaben und Ziele
4. Aktuelle Handlungsfelder
4.1. Burundi
4.1.1. Lage und Entwicklung
4.1.2. Konfliktlösung vor der PBC
4.1.3. Auswirkungen der PBC
4.2. Sierra Leone
4.2.1. Lage und Entwicklung
4.2.2. Konfliktlösung vor der PBC
4.2.3. Auswirkungen der PBC
5. Fazit und Schlussbewertung
6. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, ob die im Zuge des Reformprozesses der Vereinten Nationen im Jahr 2005 geschaffene Kommission für Friedenskonsolidierung (Peacebuilding Commission) eine effiziente institutionelle Neuerung darstellt oder lediglich zu einer Erweiterung der bürokratischen UN-Strukturen führte. Dabei wird analysiert, inwieweit die Kommission in der Lage ist, Friedensprozesse nachhaltiger zu gestalten als vorherige Maßnahmen.
- Gründe und Kontext der Reform der Vereinten Nationen im Bereich der Friedenskonsolidierung
- Strukturelle Analyse und Aufgabenbereich der Peacebuilding-Commission
- Vergleichende Untersuchung der Handlungsfelder Burundi und Sierra Leone
- Bewertung der Effektivität und Koordinierungsleistung der Kommission
- Analyse der Rolle von UN-Dokumenten, Resolutionen und Finanzierungsmechanismen
Auszug aus dem Buch
3.1. Zusammensetzung und Struktur
Die Einrichtung einer Peacebuilding-Commission (PBC) wurde im Abschlussdokument des Weltgipfels beschlossen und stellte institutionell eine Neuerung in der Struktur der UN dar, da erstmals von zwei Hauptorganen der UN, Generalsversammlung und Sicherheitsrat, ein neues Organ gebildet wurde. Die fast deckungsgleichen Resolutionen der beiden Organe, jeweils vom 20. und 30.12.2005, sahen gemäß Beschluss des Weltgipfels eine Einrichtung der Kommission bis spätestens zum 31.12.2005 vor. Die Kommission wurde konzipiert als „ein zwischenstaatliches Beratungsorgan“, bei dessen Einrichtung und Arbeit die unterschiedlichen Gruppierungen, welche an der Friedenssicherung mitwirken sollen, wie die betroffenen Staaten, aber auch Nicht-staatliche Organisationen, berücksichtigt und koordiniert werden müssten.
Die Kommission setzt sich strukturell aus dem „Ständigen Organisationsausschuss“ (Organizational Committee) als Hauptgremium und den „Länderspezifischen Ausschüssen“ (Country Specific Meetings) zusammen. Der Organisationsausschuss besteht aus jeweils sieben Mitgliedern des Sicherheitsrates (inklusive der ständigen Mitglieder) und des Wirtschafts- und Sozialrates, die jedoch besonders nach deren regionaler Zugehörigkeit und Erfahrung mit Friedenskonsolidierung berücksichtigt werden sollen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Die Einleitung erläutert die Relevanz der UN-Reformdebatte und führt die Fragestellung ein, ob die neue Kommission zur Friedenskonsolidierung aus einer realen Notwendigkeit entstand.
2. Entstehung der Kommission: Dieses Kapitel beleuchtet die historischen Ursprünge der Kommission im Kontext der Reformbemühungen von Kofi Annan und der Problemanalyse der Friedenskonsolidierung.
3. Die Einrichtung einer Peacebuilding-Commission: Hier werden der institutionelle Rahmen, die strukturelle Zusammensetzung des Gremiums sowie dessen grundlegende Aufgaben und Ziele detailliert dargestellt.
4. Aktuelle Handlungsfelder: Das Kernkapitel analysiert das Wirken der Kommission anhand der Fallbeispiele Burundi und Sierra Leone, wobei der Fokus auf der Konfliktlösung und den spezifischen Auswirkungen der PBC liegt.
5. Fazit und Schlussbewertung: Der Abschnitt zieht ein Resümee über die Effektivität der institutionellen Reform und bewertet die Rolle der Kommission im Kontext der bestehenden UN-Strukturen.
6. Zusammenfassung: Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden Einordnung der Kommission als Ergebnis eines notwendigen, wenn auch mit Herausforderungen behafteten Reformprozesses.
Schlüsselwörter
Vereinte Nationen, Friedenskonsolidierung, Peacebuilding Commission, Sicherheitsrat, Reformprozess, Burundi, Sierra Leone, Internationale Beziehungen, Institutionelle Reform, Friedenssicherung, Konfliktlösung, Koordination, UN-Mandat, Nachhaltigkeit, Strategischer Rahmenplan.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Gründung und die Effektivität der Kommission für Friedenskonsolidierung der Vereinten Nationen als Teil der UN-Reformen von 2005.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Entstehung der Kommission, ihre strukturelle Funktionsweise, ihr Mandat sowie ihr praktisches Engagement in den Konfliktregionen Burundi und Sierra Leone.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, ob die Kommission eine sinnvolle Antwort auf bisherige Fähigkeitslücken im Bereich der Friedenskonsolidierung darstellt oder ob sie lediglich eine bürokratische Erweiterung ohne Mehrwert ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Autorin oder der Autor nutzt eine dokumentengestützte Analyse, wobei insbesondere offizielle UN-Berichte, Resolutionen und Konzepte ausgewertet werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich detailliert der Struktur der Kommission sowie der Analyse ihres Einflusses auf die Friedensprozesse in Burundi und Sierra Leone im Vergleich zu vorangegangenen UN-Missionen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind unter anderem Vereinte Nationen, Friedenskonsolidierung, Peacebuilding Commission, Reformprozess und internationale Konfliktlösung.
Welche Rolle spielen Burundi und Sierra Leone in dieser Analyse?
Diese beiden Länder dienen als empirische Fallbeispiele, um die Wirksamkeit und die Koordinierungsmöglichkeiten der Kommission in der Praxis zu prüfen.
Wie bewertet der Autor die Rolle des Generalsekretärs für die Kommission?
Die Arbeit weist darauf hin, dass die dem Generalsekretär übertragenen Kompetenzen (wie der Friedenskonsolidierungsfonds) einerseits wichtig sind, die bürokratischen Wege aber potenziell verlangsamen können.
Was ist das Ergebnis der Untersuchung bezüglich der "Effizienz"?
Die Kommission wird als grundsätzlich positive und notwendige institutionelle Neuerung gesehen, wenngleich sie mit "Kinderkrankheiten" und bürokratischen Herausforderungen zu kämpfen hat.
Warum wird eine "abschließende Bewertung" laut Arbeit zu diesem Zeitpunkt als schwierig erachtet?
Da die Kommission zum Zeitpunkt der Erstellung der Arbeit erst sehr kurz bestand, sind die Auswirkungen ihrer Tätigkeit noch nicht in ihrer vollen Tragweite zu beurteilen.
- Citation du texte
- Benjamin Pommer (Auteur), 2008, Die Kommission der Vereinten Nationen für Friedenskonsolidierung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/94148