Die vorliegende Arbeit wurde in zwei Teile gegliedert, wobei der erste Teil die theoretische Auseinandersetzung mit dem Thema Suizidalität im Jugendalter umfasst, woraufhin der zweite Teil diesen inhaltlichen Schwerpunkt im medialen Kontext betrachtet.
Suizid stellt ein weltweites Problem dar. Die thematische Auseinandersetzung reicht bis in die Antike zurück, doch der gesellschaftliche Umgang mit diesem Thema ist von einer starken Ambivalenz geprägt. Die Todesursachenstatistik von Deutschland, zeigt, dass Suizide die zweithäufigste Todesursache bei den 15- bis 19-Jährigen darstellen. Demnach scheinen Jugendliche aufgrund von entwicklungsbedingten Anforderungen eine erhöhte Anfälligkeit für die Entwicklung von Suizidalität aufzuweisen.
Nachdem in verschiedenen Medien Berichte über Verabredungen zu gemeinsamen Suiziden in sogenannten Suizidforen aufgekommen waren, gewann die Thematik an Brisanz. Schnell wurde eine Verbindung zwischen Suizidalität und der Mediennutzung hergestellt, wodurch die Thematik auch in der Öffentlichkeit zunehmend diskutiert wurde.
Medien könnten einen wichtigen, alternativen Kommunikationsweg zu suizidalen Jugendlichen mit eingeschränktem Kommunikations- und Sozialverhalten darstellen. Insbesondere das Medium Internet kann von besonders großer Bedeutung sein, weshalb der Fokus der hier vorliegenden Arbeit auf diese Medienart sowie auf die erwähnten Suizidforen gelegt wurde.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. TERMINOLOGIE
2.1 Begriffsbestimmung Jugendalter
2.1.1 Die Entwicklung im Jugendalter
2.1.2 Entwicklungsprobleme und Risikoverhalten
2.2 Begriffsbestimmung Suizidalität
2.2.1 Klassifikationsmöglichkeiten
3. PHÄNOMENOLOGIE
3.1 Prävalenz und Epidemiologie
3.2 Suizidmethoden
3.3 Anzeichen und Wahrnehmung jugendlicher Suizidalität
3.3.1 Das präsuizidale Syndrom nach Ringel
3.3.2 Die Stadien der suizidalen Entwicklung nach Pöldinger
4. ÄTIOLOGIE
4.1 Risikofaktoren
4.2 Erklärungsansätze
4.2.1 Soziologische Ansätze
4.2.2 Psychologische Ansätze
4.2.3 Lerntheoretische und kognitive Ansätze
5. PRÄVENTION UND THERAPIE - EIN KURZER ÜBERBLICK
6. MEDIEN UND SUIZIDALITÄT - EINE EINFÜHRUNG
6.1 Begriffsbestimmung Medien
6.2 Ansteckungsphänomene durch Medien? - Der "Werther-Effekt"
6.3 Das Medium Internet
6.3.1 Internetnutzung von Jugendlichen
6.3.2 Kommunikation im Internet
6.3.3 Chats, Foren, Newsgroups - Ein Überblick
6.3.4 Suizidforen
6.3.4.1 Gefahren und Chancen
6.3.4.2 Wie groß ist die Gefahr? - Aktueller Forschungsstand
6.3.5 Präventionsmöglichkeiten und Hilfsangebote im Internet
6.3.5.1 E-Mail & Chat-Beratung der TelefonSeelsorge
6.3.5.2 JugendTelefon und JugendTelefon-Online
6.3.5.3 SMS-Beratung und das Konzept [U25]
6.3.5.4 Wie wirksam sind die Hilfsangebote im Internet? - Aktueller Forschungsstand
7. FAZIT
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Problematik der Suizidalität im Jugendalter unter besonderer Berücksichtigung des medialen Einflusses. Das primäre Ziel ist es, die theoretischen Hintergründe suizidalen Verhaltens bei Jugendlichen zu erörtern und diese kritisch mit der Rolle neuer Medien, insbesondere des Internets und sogenannter Suizidforen, in Verbindung zu setzen, um deren Gefahren und Chancen für die Suizidprävention zu analysieren.
- Theoretische Grundlagen und Terminologie von Jugendalter und Suizidalität
- Phänomenologische Betrachtung und ätiologische Erklärungsmodelle der Suizidalität
- Analyse des Einflusses von Medien auf suizidales Verhalten (Werther-Effekt)
- Kritische Untersuchung von Suizidforen und Internetkommunikation
- Präventionsansätze und Hilfsangebote im digitalen Raum (TelefonSeelsorge, U25)
Auszug aus dem Buch
6.2 Ansteckungsphänomene durch Medien? - Der "Werther-Effekt"
Da bereits mehrfach die mögliche Ansteckungsgefahr durch Suizidforen sowie Medienberichten thematisiert wurde, soll nun an dieser Stelle eine ausführlichere Behandlung dieser Thematik erfolgen und mit wissenschaftlichen Erkenntnissen belegt werden.
In der wissenschaftlichen Suizidforschung wurde seit längerer Zeit die Meinung vertreten, dass suizidales Verhalten auch durch Imitationen erlernt werden kann. Dafür finden sich bereits Hinweise in der Antike, da bereits aus dieser Zeit Schilderungen von Suizidepidemien existieren. Neuere Studien können diese Imitationseffekte zumindest für bestimmte Medien bereits empirisch belegen (vgl. Schmidtke/Schaller/Kruse 2003, S. 150f.). Sebastian Scherr (2016) bietet hierzu eine tabellarische Übersicht über die Kernbefunde zu dem Nachahmungseffekt (vgl. Scherr 2016, S. 31).
Die Ansteckungsgefahr ist in der Fachliteratur auch unter dem Begriff Werther-Effekt bekannt, der im 20. Jahrhundert geprägt wurde und auf Goethes Leiden des jungen Werthers aus dem Jahre 1774 zurückgeht. In dem Brief-Roman kommt es aufgrund einer unerfüllten Liebe zu einem Suizid, wobei insbesondere die Geschehnisse nach der Veröffentlichung für den Begriff relevant sind. So begangen laut Weibels (2015) zahlreiche junge Männer, die in Alter, Lebenswelt und Gefühlslage der Romanfigur ähnelten, einen Suizid, wobei dieser Parallelen zu dem Roman aufwies, die sich insbesondere in der Methode, in dem Suizid-Ort sowie in dem Kleidungsstil der Suizidenten zeigten. So wählten sie ebenfalls die Suizidmethode des Erschießens und führten dies an einem Schreibtisch, vor einem geöffneten Buch sitzend, aus. In der heutigen Zeit wird der Begriff für den Effekt der Nachahmung verwendet, der insbesondere nach prominenten Suiziden, wie der von Kurt Cobain, Marilyn Monroe oder Robert Enke diskutiert wird (vgl. Weibels 2015, S. 45).
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Einführung in das Thema Suizidalität im Jugendalter, die Relevanz der Mediennutzung und die Zielsetzung der Arbeit.
2. TERMINOLOGIE: Definition und Abgrenzung der zentralen Begriffe Jugendalter und Suizidalität unter Berücksichtigung entwicklungspsychologischer Aspekte.
3. PHÄNOMENOLOGIE: Darstellung der Erscheinungsformen, Prävalenzraten und Suizidmethoden sowie Erkennungsmerkmale suizidaler Entwicklungen bei Jugendlichen.
4. ÄTIOLOGIE: Untersuchung von Risikofaktoren und theoretischen Erklärungsansätzen für die Entstehung von Suizidalität aus soziologischer und psychologischer Sicht.
5. PRÄVENTION UND THERAPIE - EIN KURZER ÜBERBLICK: Übersicht über konventionelle Ansätze zur Suizidprävention und therapeutische Möglichkeiten bei Jugendlichen.
6. MEDIEN UND SUIZIDALITÄT - EINE EINFÜHRUNG: Diskussion über den Einfluss von Medien, Nachahmungseffekte und die spezifische Rolle des Internets sowie Online-Beratungsangebote.
7. FAZIT: Synthese der gewonnenen Erkenntnisse und kritische Reflektion zur Rolle des Internets in der Suizidprävention.
Schlüsselwörter
Suizidalität, Jugendalter, Medien, Suizidforen, Internet, Suizidprävention, Werther-Effekt, Online-Beratung, TelefonSeelsorge, Entwicklungspsychologie, Risikofaktoren, Psychische Gesundheit, Identitätsbildung, Kommunikation, Jugendliche
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Suizidalität im Jugendalter und untersucht insbesondere, welchen Einfluss moderne Medien und das Internet auf dieses Phänomen ausüben.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die psychologischen und soziologischen Hintergründe suizidalen Verhaltens bei Jugendlichen, die Rolle medialer Ansteckungseffekte sowie die Möglichkeiten und Grenzen digitaler Hilfsangebote.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, zu klären, ob das Internet als Gefahrenquelle für Jugendliche fungiert oder ob es als wertvolles Werkzeug zur Suizidprävention und Unterstützung genutzt werden kann.
Welche wissenschaftlichen Ansätze werden verwendet?
Die Autorin stützt sich auf entwicklungspsychologische Konzepte, soziologische Theorien zur sozialen Integration sowie aktuelle empirische Studien zur Internetnutzung und Suizidprävention.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Darstellung der Suizidalität, deren Ursachen sowie eine detaillierte Analyse der Rolle von Medien, Internetforen und internetbasierten Beratungsdiensten wie dem JugendTelefon.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Suizidalität, Jugendalter, Internet, Suizidforen, Prävention, Werther-Effekt, Online-Beratung und mediale Einflüsse.
Wie unterscheidet sich die Online-Beratung von herkömmlichen Angeboten?
Online-Angebote wie die E-Mail- oder Chat-Beratung bieten eine niedrigschwellige Kontaktaufnahme, die oft anonym erfolgt und es Jugendlichen ermöglicht, ihre Probleme ohne den Druck einer Face-to-Face-Situation zu artikulieren.
Welche Rolle spielen Suizidforen laut der Arbeit?
Suizidforen werden differenziert betrachtet: Sie können einerseits soziale Unterstützung und Entlastung bieten, andererseits bergen sie bei mangelnder Moderation das Risiko einer Bestärkung suizidaler Tendenzen durch Methodenaustausch oder gruppendynamische Prozesse.
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- Sarah Schäfer (Autor), 2018, Suizidalität im Jugendalter, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/941940