Diese Seminararbeit befasst sich mit der Ehe-Werbung Siegfrieds im Nibelungenlied . Die Untersuchung anhand des Textes soll zeigen , wie diese Werbung im Einzelnen durchgeführt wird . Die Überprüfung , wie die Ehe zustande kommt , nimmt den größten Stellenwert ein . Weiterhin wird untersucht , welche körpersprachlichen Mittel eingesetzt werden . Körpersprache ist in diesem Zusammenhang nicht nur auf Gesten und Gebärden zu beschränken , Auftritt und Darstellung der Personen sind mit einzubeziehen . Die Politik der Herrschaftszentren spielt eine herausragende Rolle bei der Ehe-Werbung , so dass jegliche Minne oder Körpersprache von ihr geprägt ist . Deswegen befasst sich diese Arbeit u.a. mit der Politik des Mittelalters .
Zum besseren Verständnis, wird auf die dahinterstehende Motivation eingegangen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Siegfrieds Ehe-Werbung
2.1.Die Motivation
2.1.1. Gesellschaftlich bedingter Hintergrund
2.1.2. Der Auslöser
2.2.Die Realisierung
2.2.1. Einführung und Leben am Wormser Hof
2.2.2. Der Dienst im Sachsenkrieg
2.2.3. Der Gruß
2.2.4. Der Dienst in Island
2.2.5. Der Botendienst
2.2.6. Die Eheschließung mit Kriemhild
3. Schlussteil
3.1. Das Zustandekommen der Ehe
3.2. Die Hohe Minne
3.3. Die körpersprachlichen Mittel
3.4. Das Schlusswort
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht die Ehe-Werbung Siegfrieds im Nibelungenlied unter besonderer Berücksichtigung der körpersprachlichen Inszenierung sowie der politischen Bedeutung höfischer Minne und Dienstverhältnisse.
- Politische Dimensionen der Ehe-Werbung und Herrschaftsrepräsentation
- Die Rolle der Körpersprache (Gesten, Mimik, Erscheinungsbild)
- Minne als instrumentelles, politisches Handlungsfeld
- Die Bedeutung von Herrendienst und standesgemäßer Anerkennung
- Die psychologische Dimension unbewusster körperlicher Reaktionen
Auszug aus dem Buch
2.2.1. Einführung und Leben am Wormser Hof
Grundvoraussetzung für die Durchführung der Hohen-Minne , ist die standesgemäße Anerkennung Siegfrieds . Zum Erreichen dieses Zieles bedarf es eines entsprechenden körpersprachlich dargestellten Auftreten der Repräsentanten. >> [ Es] erklären sich die Vorbereitungen Siegfrieds für seine Werbung und die besondere Art seines Auftretens; indem er die ´rîcheit´ Xantens demonstriert, den materiellen Reichtum und das militärische Vermögen, vermittelt er den Burgundern die Erkenntnis, dem Inhaber einer angemessenen Herrschaft gegenüberzustehen. << 4
In der Begleitung von nur zwölf Kriegern, erreicht Siegfried den Wormser Hof. Die Erscheinung Siegfrieds und die seiner Männer ist prächtig und bezeugt somit die edle Abstammung. Ausführlich wird die herrliche Kleidung und das goldene, seidige Reitzeug beschrieben ( vgl. 71,2-3; 74,1-2). Aber nicht nur der sichtbar, vorhandene Reichtum wird dargestellt, sondern auch die Wehrhaftigkeit. Neue, glänzende Schilde, schöne Helme und lange Schwerter werden mitgeführt (vgl. 72,1-2; 73,1). Wichtig ist die Aussage, dass die Waffen scharf sind (vgl. 73,2 /4), d.h. dass ihr Auftreten nicht nur „Schein“ ist. Im Ernstfall könnten sie ihre Kampfkraft beweisen. Durch beide Elemente wird die adelige Macht Xantens demonstriert.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Fragestellung zur Ehe-Werbung und den Einsatz körpersprachlicher Mittel im Kontext mittelalterlicher Politik.
2. Siegfrieds Ehe-Werbung: Darstellung der motivierenden Kraft der Hohen Minne und der Herrentauglichkeit Siegfrieds.
2.1. Die Motivation: Analyse des gesellschaftlichen Hintergrunds sowie des Auslösers für Siegfrieds Minne.
2.1.1. Gesellschaftlich bedingter Hintergrund: Erörterung der ritterlichen Qualitäten Siegfrieds als Voraussetzung für seine politische Macht.
2.1.2. Der Auslöser: Beschreibung des Minneaffekts durch die Erzählungen über Kriemhilds Tugend.
2.2. Die Realisierung: Darstellung der praktischen Durchführung der Brautwerbung unter Einbeziehung des Hoflebens.
2.2.1. Einführung und Leben am Wormser Hof: Untersuchung der inszenierten Machtdarstellung durch Kleidung und Auftreten.
2.2.2. Der Dienst im Sachsenkrieg: Analyse von Siegfrieds Unterstützung als politisches Instrument zur Erreichung der Braut.
2.2.3. Der Gruß: Untersuchung des rituellen Grußes als Moment der Anerkennung und der Bindung an den Hof.
2.2.4. Der Dienst in Island: Erläuterung der weiteren militärischen Dienste als Voraussetzung für das Eheversprechen.
2.2.5. Der Botendienst: Analyse des Botendienstes als erneute Demonstration von Siegfrieds Großzügigkeit und Status.
2.2.6. Die Eheschließung mit Kriemhild: Darstellung der formalen Besiegelung des Bundes zwischen Siegfried und Kriemhild.
3. Schlussteil: Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse zur Minne, Politik und Körpersprache.
3.1. Das Zustandekommen der Ehe: Bilanzierung, dass individuelle Gefühle hinter der politischen Bedeutung der Ehe zurücktreten.
3.2. Die Hohe Minne: Einordnung der Minne als höfischer Wert und Dienstgedanke.
3.3. Die körpersprachlichen Mittel: Systematisierung von Auftreten, Blickkontakt und physiologischen Reaktionen als Ausdrucksmittel.
3.4. Das Schlusswort: Resümee zur Funktion der höfischen Dichtung als Spiegel adliger Wunschvorstellungen.
Schlüsselwörter
Nibelungenlied, Siegfried, Kriemhild, Ehe-Werbung, Hohe Minne, Körpersprache, Höfische Gesellschaft, Herrschaft, Dienstgedanke, Politik des Mittelalters, Tugend, Brautwerbung, Rituelle Gesten.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Seminararbeit analysiert die Ehe-Werbung Siegfrieds um Kriemhild im Nibelungenlied und untersucht, wie diese durch körpersprachliche Mittel und politische Interessen bestimmt wird.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Machtverhältnisse am Hof, die Inszenierung ritterlicher Tugenden, die Bedeutung von Kleidung und Waffen als Status-Symbole sowie die Analyse von Mimik und Gestik.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass die Ehe-Werbung im Nibelungenlied nicht primär auf persönlichen, sondern auf politisch-rechtlichen Interessen basiert, welche durch körpersprachliche Signale vermittelt werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine textanalytische Untersuchung, die den Fokus auf die Motivationsstruktur, die erzählerische Gestaltung und die semiotische Deutung von Körpersprache legt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Motivation der Werbung (gesellschaftlicher Hintergrund) und deren Realisierung durch verschiedene Dienste, die Siegfried für den Wormser Hof erbringt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Minne, Körpersprache, Herrentauglichkeit, politisches Instrumentarium und ritterlicher Dienst.
Wie wird Siegfrieds Dienst am Wormser Hof politisch eingeordnet?
Der Dienst wird als strategisches Mittel begriffen; durch militärische Unterstützung sichert Siegfried seine Anerkennung als Gleichgestellter und legitimiert seinen Anspruch auf Kriemhild.
Welche Bedeutung kommt der Körpersprache, speziell dem "Rotwerden", zu?
Der Wechsel der Gesichtsfarbe wird vom Autor als unbewusster Ausdruck innerer psychischer Vorgänge gedeutet, der die ansonsten rein politische Ebene der höfischen Handlung um eine persönliche Dimension ergänzt.
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- Bettina Winkler (Author), 2002, Siegfrieds Ehewerbung im Nibelungenlied, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/9420