Siegfrieds Ehewerbung im Nibelungenlied


Seminararbeit, 2002

18 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Siegfrieds Ehe-Werbung
2.1. Die Motivation
2.1.1. Gesellschaftlich bedingter HintergrundS
2.1.2. Der Auslöser
2.2. Die Realisierung
2.2.1. Einführung und Leben am Wormser Hof
2.2.2. Der Dienst im Sachsenkrieg
2.2.3. Der Gruß
2.2.4. Der Dienst in Island
2.2.5. Der Botendienst
2.2.6. Die Eheschließung mit Kriemhild

3. Schlussteil
3.1. Das Zustandekommen der Ehe
3.2. Die Hohe Minne
3.3. Die körpersprachlichen Mittel
3.4. Das Schlusswort

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Diese Seminararbeit befasst sich mit der Ehe-Werbung Siegfrieds im Nibelungenlied . Die Untersuchung anhand des Textes soll zeigen , wie diese Werbung im Einzelnen durchgeführt wird . Die Überprüfung , wie die Ehe zustande kommt , nimmt den größten Stellenwert ein . Weiterhin wird untersucht , welche körpersprachlichen Mittel eingesetzt werden . Körpersprache ist in diesem Zusammenhang nicht nur auf Gesten und Gebärden zu beschränken , Auftritt und Darstellung der Personen sind mit einzubeziehen . Die Politik der Herrschaftszentren spielt eine herausragende Rolle bei der Ehe-Werbung , so dass jegliche Minne oder Körpersprache von ihr geprägt ist . Deswegen befasst sich diese Arbeit u.a. mit der Politik des Mittelalters .

Zum besseren Verständnis, wird auf die dahinterstehende Motivation eingegangen.

2. Siegfrieds Ehe-Werbung

Die Handlung im `Nibelungenlied´ wird von Siegfrieds Entschluss, der Werbung um Kriemhild, in Gang gesetzt. Seine Hohe-Minne ist die antreibende Kraft. Die Darstellung seiner `Herrentauglichkeit´ und der Dienstgedanke sind wichtige Elemente. Der Dienst wird dem Vormund Kriemhilds, vorrangig Gunther erwiesen und somit nur indirekt Kriemhild. Als Lohn für seinen Dienst am Wormser Hof, findet seine Liebe zu Kriemhild Erfüllung.

2.1. Die Motivation

2.1.1. Gesellschaftlich bedingter Hintergrund

In der 2. Aventuire wird Siegfried, als der zukünftige Herrscher von Xanten eingeführt. Der Xantener Hof ist riche und wîten wol bekant (vgl. 20,3), ist ein Hinweis auf die zukünftige politische Macht Siegfrieds. Die erforderlichen Qualitäten Siegfrieds werden wie folgt dargelegt: eins edelen küneges kint (vgl. 20,1) , der snelle degen guot (vgl. 21,1) , was êren an im wüechse und wie scóene was sîn lîp (vgl. 22,3) , von sîn selbes muote waz túgende er án sich nam (vgl. 23,2) . Die Angabe der edlen Abstammung impliziert Schönheit, Klugheit, Tapferkeit und Stärke. Die wiederholte Nennung der Eigenschaften, hebt noch einmal die überragende Herrschertauglichkeit hervor. Ein weiterer Indikator ist die Minne in Strophe 22,4: sît heten in ze minne diu vil wáetlîchen wîp.

Mit dem `swert nehmen´ (vgl. 28,1-4) wird Siegfried offiziell die Tauglichkeit zu Kampf, Minne und Herrendasein anerkannt. Aber >> erst wenn [ er] auch den Nachweis seiner Minnetauglichkeit durch den Gewinn einer standesgemäßen Gattin erbracht hat, wird er zum vollständigen Herrscher über Xanten. <<[1] Vorerst verzichtet Siegfried auf das Tragen der Krone (vgl. 43,1-2).

2.1.2. Der Auslöser

Siegfried hôrte sagen maere, wie ein scoeniu meit

Wáere in Búrgónden, ze wunsche wolgetân ( 44,2-3).

Dieses Edelfräulein ist Kriemhild, die sich durch unmâzen scoeniu und durch ihr hôhgemüete (vgl. 45,1-2) auszeichnet und dieses war vil wîten kunt (vgl. 45,1). Durch die Erzählungen über Kriemhild, ist ihre `Herrinnentauglichkeit´ öffentlich verbürgt. >> Das Wissen um die dem eigenen Status angemessene ´tugent´ Kriemhilds hat bei Siegfried den ´Minneaffekt´ ausgelöst. <<[2] Die hinter der Brautwerbung verborgene Motivation, ist eine rein objektive. (Subjektiv kann sie nicht sein, da Siegfried die Person Kriemhilds noch nicht gesehen hat. ) Das hindert ihn aber nicht daran, vil grôze liebe (vgl. 52,3) im Herzen zu haben. Aus heutiger Sicht ist es etwas befremdlich, da diese Liebe nichts Individuelles beinhaltet. Die ständische Angemessenheit von „dem Stärksten und der Schönsten“, begründet die Minneabsichten Siegfrieds . >> Hiermit steht die politisch-rechtliche Bedeutung Kriemhilds nicht der persönlichen Bindung an Siegfried „gegenüber“, sondern die persönliche Bindung resultiert aus der politischen Bedeutung: Kriemhilds Schönheit ist die angemessene Ergänzung von Siegfrieds Herrschertauglichkeit. <<[3]

Anhand dieser sachlichen Motivation Siegfrieds wird deutlich, dass die Rationalisierung der Liebe in der Hohen-Minne eine Rolle spielte. Seine Hohe-Minne richtet sich auf den Erhalt eines höheren Wertes - durch den „Erwerb“ Kriemhilds wird er zum vollkommenen Herrscher.

2.2. Die Realisierung

2.2.1. Einführung und Leben am Wormser Hof

Grundvoraussetzung für die Durchführung der Hohen-Minne , ist die standesgemäße Anerkennung Siegfrieds . Zum Erreichen dieses Zieles bedarf es eines entsprechenden körpersprachlich dargestellten Auftreten der Repräsentanten. >> [ Es] erklären sich die Vorbereitungen Siegfrieds für seine Werbung und die besondere Art seines Auftretens; indem er die ´rîcheit´ Xantens demonstriert, den materiellen Reichtum und das militärische Vermögen, vermittelt er den Burgundern die Erkenntnis, dem Inhaber einer angemessenen Herrschaft gegenüberzustehen. <<[4]

In der Begleitung von nur zwölf Kriegern, erreicht Siegfried den Wormser Hof. Die Erscheinung Siegfrieds und die seiner Männer ist prächtig und bezeugt somit die edle Abstammung. Ausführlich wird die herrliche Kleidung und das goldene, seidige Reitzeug beschrieben ( vgl. 71,2-3; 74,1-2). Aber nicht nur der sichtbar, vorhandene Reichtum wird dargestellt, sondern auch die Wehrhaftigkeit. Neue, glänzende Schilde, schöne Helme und lange Schwerter werden mitgeführt (vgl. 72,1-2; 73,1). Wichtig ist die Aussage, dass die Waffen scharf sind (vgl. 73,2 /4), d.h. dass ihr Auftreten nicht nur „Schein“ ist. Im Ernstfall könnten sie ihre Kampfkraft beweisen. Durch beide Elemente wird die adelige Macht Xantens demonstriert.

Siegfried wird durch seine rîcheit von Hagen erkannt ( vgl. 86-101); zweite Exposition der Siegfried-Figur. Gunther erkennt Siegfrieds königliche Herkunft und kriegerische Tüchtigkeit an und begrüßt ihn, wie es die höfischen Regeln verlangen. Durch diese Geste des Entgegenkommens und des Grußes wird die Anerkennung der ständischen Ebenbürtigkeit dargestellt. Nach der Lösung einer Konfliktsituation[5], fügt sich Siegfried reibungslos in die Wormser Hofgesellschaft ein und ihm wird große Ehre erwiesen.

Seine êre und seine tugent stellt er bei den höfischen Spielen unter Beweis.

Sô was er ie der beste, swes man dâ began,

des enkúnd´ im gevólgen niemen, sô michel was sîn kraft,

sô si den stéin wúrfen oder schúzzén den scaft. ( 130,2-4)

Siegfried ist stets der Beste und gerne gesehen. Die Turniere stellen eine Möglichkeit dar, „Ehre“ und Minne zu erwerben. Seine Hohe-Minne richtet sich auf Kriemhild.

Swes man ie begunde, des was sîn lîp bereit.

Er truog in sîme sinne ein minneclîche meit,

und ouch in ein diu frouwe die er noch nie gesach,

diu im heinlîche vil dicke güetlîchen sprach. ( 132)

>> So, wie Siegfried durch das Hören von Kriemhilds ´tugent´ vom ´Minneaffekt´ ergriffen worden ist, geschieht es umgekehrt auch Kriemhild, die als Mitglied des Wormser Hofes von der in der ´êre´ öffentlich verbürgten, ihrer Familie angemessenen Herrschertauglichkeit Siegfrieds, seinen „ellen“[6], erfährt. <<[7] Sie vergewissert sich dieser ´tugent´ , indem sie Siegfried von ihren Fenstern aus beobachtet (vgl. 133).

Kriemhild sieht Siegfried, aber ihm ist noch nicht gestattet worden, sie zu sehen. Sein Wunsch, ihr zu begegnen, bleibt volleclîch ein jâr unerfüllt, daz er die minneclîchen die zîte niene gesach (vgl. 138,2/3) .

>> Der Zweifel, ob er si gesehehn möhte (260,2) , und die vergebliche Hoffnung , daz ich die maget edele mit ougen müge sehen (136,2), versetzen ihn in den minnetypischen Zustand des trûren[8] (136,4) , den er durch Taten für die Könige und den Hof zu überwinden hat .<<[9] Er muss sich das „Privileg der Blicke“ erst noch verdienen.

[...]


[1] Thomas Grenzler : Erotisierte Politik- Politisierte Erotik ? Göppingen 1992. S. 145.

[2] S.h.Anm.1. Thomas Grenzler, S. 146.

[3] S.h. Anm. 1. Thomas Grenzler, S. 146.

[4] S.h. Anm. 1 . Thomas Grenzler , 158.

[5] Siegfried versucht , den für die Minne qualifizierenden Nachweis der Kriegtüchtigkeit , zu erbringen . Obwohl ihm diese , mit der Geste der Begrüßung schon zuerkannt wurde .

[6] Mut , Tapferkeit , Kühnheit , Stärke , Kraft ; Kampf

[7] S.h. Anm. 1. Thomas Grenzler, S. 171.

[8] Trauer; Traurigkeit; Sehnsucht; Leid; Schmerz; Verzweiflung.

[9] Jan-Dirk Müller : Spielregeln für den Untergang. Tübingen 1998 . S. 263.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Siegfrieds Ehewerbung im Nibelungenlied
Hochschule
Universität Bremen  (FB Germanistik)
Veranstaltung
WS 01/02
Note
2,0
Autor
Jahr
2002
Seiten
18
Katalognummer
V9420
ISBN (eBook)
9783638161299
Dateigröße
514 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Minne, Körpersprache
Arbeit zitieren
Bettina Winkler (Autor), 2002, Siegfrieds Ehewerbung im Nibelungenlied, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/9420

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