Wer bist du und wie soll ich fragen? Zur Aufklärung über Diskriminierung transsexueller Menschen im alltäglichen Leben und wie die Sozialpädagogik unterstützend wirken kann


Diplomarbeit, 2018

60 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Abstract

1.1 Situation und Ausgangslage
1.2 Forschungsfrage und Aufbau
1.3 Begriffserklärung

2 Statistische Daten
2.1 LGBT* Population in Europa
2.2 EU-Schnitt Frauen/Männer Identifikation
2.3 Altersunterschiede Europaweit LGBT
2.4 LGBT in Österreich

3 Geschlechtsidentität
3.1 Definition
3.2 Geschlechtertypen

4 Diskriminierungserfahrungen
4.1 Diskriminierungserfahrungen Allgemein
4.2 Diskriminierung durch Sprache
4.2.1 Die drei Grundsätze
4.2.2 Gendergerechte Schreibweise
4.3 Erfahrungen im öffentlichen Raum (Straße, Gastronomie, Clubs, etc.)
4.4 Erfahrungen mit Behörden während und nach der Transition
4.5 Erfahrungen mit öffentlichen Institutionen
4.6 Erfahrungen mit Institutionen des nicht-öffentlichen Bereiches
4.7 Erfahrungen im Gesundheitswesen
4.8 Erfahrungen in der Schule, Studium, etc. vor und nach dem Coming-out
4.9 Erfahrungen im beruflichen Kontext
4.10 Erfahrungen mit Familie, Partnerschaft sowie im privaten Bereich

5 Bewältigungsstrategien

6 Aufgaben der Sozialen Arbeit und der Beratungsstellen
6.1 Was ist sozialpädagogische Beratung?
6.2 Beratungsstelle Courage
6.3 Themenschwerpunkte Courage
6.4 Beratungsstelle Tabera & TMA

7 Sozialpädagogische Maßnahmen zur Integration von transsexuellen Menschen
7.1 Strukturelle Maßnahmen

8 Zusammenfassung

9 Empirische Forschung – Leitfadeninterviews
9.1 Interview P1 & P
9.2 Vergleich beider Einzelfallanalysen
9.3 Vergleich mit den Ergebnissen des Theorieteils
9.4 Erste Eindrücke „anders sein“
9.5 Aussprache und Coming out
9.6 Reaktion der Eltern
9.7 Selbstwahrnehmung
9.8 Hilfe bei einschlägigen Einrichtungen
9.9 Diskriminierung
9.10 Schwierigkeiten mit Ämtern
9.11 Arbeitswelt
9.12 Beziehungen

10 Literaturverzeichnis

11 Abbildungsverzeichnis

12 Anhang: Anlaufstellen für Trans*Menschen und deren Angehörige

Vorwort

Wie bin ich auf dieses Thema gekommen? Mir ist es nicht sonderlich schwer gefallen, ein Thema für meine Diplomarbeit zu finden. Dadurch, dass ich in meinem Freundeskreis eine lange Zeit sehr viele Homosexuelle hatte und darunter auch meine besten Freunde waren, war es naheliegend, auch transsexuelle Menschen kennenzulernen.

An so manchen Abenden in so manchen Clubs lernt man die unterschiedlichsten Personen kennen und hört auch viele verschiedene Geschichten, die zum Nachdenken anregen.

Mich persönlich hat dieses Thema zwar schon immer interessiert, durch meine vielen Kontakte und Freunde wurde ich aber noch aufmerksamer, da ich gerne wissen möchte, wie sich betroffene Personen fühlen und wie sie von anderen gesehen werden, ob unsere Gesellschaft wirklich noch immer so engstirnig denkt, oder ob sich das in den letzten Jahren doch ein wenig gebessert hat.

Ergänzend möchte ich natürlich noch hinzufügen, dass mein Interesse nicht nur rein durch meinen Freundeskreis entstanden ist, sondern mich als angehende Sozialpädagogin auch interessiert, wie sich Trans*Menschen fühlen und wie sie behandelt werden und welche Möglichkeiten sie haben um Hilfe zu bekommen.

Ich möchte mich in erster Linie bei meinen Eltern, Wolfgang und Renate Trautmann bedanken, die es so lange mit meiner Unentschlossenheit über meine Berufswahl ausgehalten haben und es mir im Endeffekt ermöglicht haben, mein Studium an der Bildungsakademie zu absolvieren.

Weiters möchte ich mich in aller Liebe bei meinem Freund bedanken, der mich in dieser Zeit bestmöglich unterstützt hat und immer für mich da war, in guten und in schlechten Tagen.

Zu guter Letzt möchte ich mich bei vergangenen Freunden für eine wunderschöne Zeit, für wundervolle Jahre und für viele Menschen, die ich kennenlernen durfte bedanken. Auch wenn sie diese Arbeit nie lesen werden, durch sie bin ich erst so richtig auf dieses Thema gekommen.

Vielen Dank

Abstract

Diese Diplomarbeit wurde geschrieben, um ein wenig tiefer in unsere Gesellschaft einzutauchen. Wie steht unsere heutige Gesellschaft zu Transsexualität und wie geht sie damit um? Wie gehen die Trans*Menschen mit ihrer Identität um? Ist Transsexualität eine Krankheit oder ist sie womöglich doch angeboren? Eine wichtige Frage stellt sich auch in den Bereichen Diversity und Gendermanagement. Ich möchte mit dieser Diplomarbeit ein wenig Aufklärungsarbeit leisten und einen Einblick in die Welt von transsexuellen Personen und ihren Problemen mit der sozialen Umwelt, Behördengängen, Namensänderungen, Schule und Ausbildung, Arbeitsplatz und auch im privaten Bereich geben. Zusätzlich habe ich mit zwei Trans*Menschen („Proband 1 und 2“) Interviews geführt, um die wissenschaftlichen Aussagen dieser Diplomarbeit zu bestätigen. Die meisten Probanden einer großen Studie aus Nordrhein Westfalen merkten schon früh als Kinder, dass sie anders als die anderen sind. Auch Proband 1 und Probandin 2 im Alter von 6 bis 7, die ehemaligen Mädchen bevorzugen Buben-Spielsachen und Kleider. Bei Aussprache und Coming out zeigen sich Abweichungen. Kinder, die in eine Geschlechterrolle gedrängt werden haben laut der deutschen Studie ein schlechtes Gefühl und leiden auch schwer darunter. Die Befragung in Wien zeigt hingegen zwei Fälle, in denen dies positiv verlaufen ist. Laut der Befragung in Nordrhein Westfalen gewinnt das Geschlecht an großer Bedeutung an Schulen, nicht geschlechterkonformes Verhalten führt zur Ausgrenzung und Mobbing. Ähnliches hat in Wien Probandin 2 erfahren, nicht jedoch Proband 1. Die Reaktion der Eltern ist laut der Befragungsergebnisse in Deutschland unterschiedlich. Einige lassen die Kinder gewähren, bei anderen reicht es von verbalen Beleidigungen bis hin zu körperlichen Misshandlungen. Analog berichtet dies Probandin 2, ihre Mutter hat eher versucht, die ganze Angelegenheit zu verdrängen und zu verleugnen. Ein positives Beispiel sind die Eltern von Proband 1, sie haben ihn von Anfang an unterstützt. Der Übergang von Mann zu Frau oder von Frau zu Mann ist laut Theorie ein schwerer Weg für die Betroffenen. So definiert sich auch Probandin 2 als „genderfree“ und möchte sich nicht einem Geschlecht zuordnen. Rasch hatte hingegen Proband 1 Klarheit über sein Geschlecht und sieht sich heute als Mann. Die Hilfe durch einschlägige Einrichtungen wird in Wien kaum aktiv angeboten, sondern beruht darauf, dass die sich Betroffene sich an diese Stellen wenden. Beide Personen wurden ebenfalls extern motiviert, Wiener Beratungsstellen aufzusuchen. Diskriminierungen finden in Deutschland wie auch Österreich auf unterschiedlicher Ebene statt, in der Gesellschaft und Institutionen, es gibt Vorurteile, Probleme beim Zusammenleben und Defizite bei der Aufklärung. Diese Diskriminierungen sind in Österreich insgesamt geringer ausgeprägt als in Deutschland. Probandin 2 gehört der betroffenen Gruppe an, Proband 1 wurde in keiner Hinsicht diskriminiert. In Bezug auf die Behörden besteht laut der Studie aus Nordrhein Westfalen vor allem das klassische Problem der falschen Anrede. Die Fallbeispiele aus Österreich zeigen ein eher gutes Bild. Die Probanden können kaum über Probleme berichten. Im Beruf sind die Erfahrungen von Transgender Personen in Nordrhein Westfalen eher positiv. Dies wird durch die österreichischen Fallstudien in beiden Fällen bestätigt. In Partnerschaften führt die Transsexualität zwangsläufig häufig zu einer Trennung. Zu diesen Informationen aus der deutschen Studie bieten die Befragungen in Wien nur wenig vergleichbare Ergebnisse. Zusammenfassend ist zu sagen, dass es viele Trans*Menschen heute nach wie vor nicht leicht haben, auch wenn die österreichischen Ergebnisse ein tendenziell besseres Bild zeigen als die Studie aus Nordrhein Westfalen. Vereinzelt (wie in der Einzelfallanalyse P1) gibt es sogar Fälle, bei denen nichts schief geht und denen keine Steine in den Weg gelegt werden, was auch mit der wohlwollenden Unterstützung des Elternhauses zu erklären ist. Insgesamt besteht jedoch auch in Österreich weiterhin viel Aufklärungsbedarf in der Gesellschaft.

Der Mensch ist ein eigenständiges Wesen. Er lebt für sich selbst, er denkt für sich selbst und seine Taten lassen sich nur auf den Menschen selbst zurückführen. Was genau jeder einzelne Mensch denkt oder fühlt, kann niemand anderer vollständig nachvollziehen. Kein/e Hellseher/in, kein/e Psychotherapeut/in oder kein/e Freund/in kann wirklich zu 100 % genau in einen Menschen hineinsehen. Aber wie ist es wirklich, wenn sich ein Mensch nicht sicher ist, was oder wer genau er oder sie ist, welchem Geschlecht er oder sie sich zugehörig fühlt? Personen, die von derartigen Phänomenen nicht betroffen sind können sich kaum vorstellen, welche Qual das für die Betroffenen bedeutet. Bei einigen Menschen entwickelt sich die Transsexualität schon im Kindesalter, bei anderen erst im Erwachsenenalter. Doch was tun, wenn sich ein Mensch plötzlich im falschen Körper fühlt? Die Menschen stellen sich dann oft die Frage, ob sie normal sind. Doch der Begriff „Normal“ ist in der heutigen Gesellschaft dehnbar.

„Nirgends findet man so viel Angst vor der eigenen Courage wie dort, wo sich Menschen zu der inneren Überzeugung durchgerungen haben, dass die herrschende Sexualeinstellung einer objektiven Nachprüfung bedarf.“ (ATME e. V., 2013, S. 2, zit. n. Hirschfeld, 2006, S. 311)

1.1 Situation und Ausgangslage

Betroffene haben meist sehr große Angst sich dem zu stellen, was in ihnen vorgeht. Sie haben Angst sich einzugestehen, dass sie sich im falschen Körper fühlen und so kommt es oft dazu, dass transsexuelle Menschen aus Angst davor, etwas zu ändern, ihr Leben lang im falschen Körper leben und an Depressionen leiden, Selbstmordgedanken hegen oder einfach kein glückliches Leben führen können (vgl. Boyum/Daniolos 2018, S. 158).

Die heutige Gesellschaft sieht Transsexualität leider oftmals noch immer als Krankheit an. Viele der Betroffenen werden aus der Gesellschaft ausgeschlossen, ernten böse Blicke oder können sich erst gar nicht mehr in das Berufs- oder Familienleben eingliedern (vgl. Schuster 2010, S. 278). Auch die Änderung des Geschlechtes in sämtlichen Dokumenten stellt Betroffene oftmals vor eine große Herausforderung. Den Schritt zu gehen wirklich dazu zu stehen, wer eine Person ist, ist allerdings die größte Herausforderung für die Betroffenen. Der Weg ist ein langer und schwerer, auch Angehörige werden die Situation oftmals nicht verstehen können. Diese Personen brauchen in ihrer sehr speziellen Situation einen „sicheren Hafen“, sie brauchen Halt und Unterstützung und vor allem brauchen sie Menschen, mit denen sie sich austauschen können (vgl. Nissen/Trott 2013, S. 197).

Doch Transsexualität wird in vielen Teilen der Welt noch immer als Krankheit angesehen (vgl. Rauchfleisch 2016, S. 14). Es stellt sich die Frage, ob Aufklärungsmaßnahmen dazu beitragen können, der Gesellschaft zu veranschaulichen, wie sich diese Menschen fühlen, welche Steine ihnen in den Weg gelegt werden.

1.2 Forschungsfrage und Aufbau

In dieser Arbeit wird daher folgende Forschungsfrage beantwortet:

- Welche Diskriminierungserfahrungen haben transgender Personen und welche Probleme und Hilfsangebote können sie in Wien in Anspruch nehmen bzw. würden sie brauchen?

Um diese Frage zu beantworten wird dargestellt, welche Formen der Diskriminierung transgender Personen in verschiedenen Lebensphasen und Alltagssituationen erleiden. Diese Diskriminierungen sind angepassten Schreibweisen, Problemen im gesellschaftlichen Umfeld, Schwierigkeiten für die Angehörigen, das Erlebnis von Coming-out und Transition aus Sicht der Betroffenen und deren Angehörigen bis hin zu Schwierigkeiten in der Schule und der Arbeitswelt.

Die Diplomarbeit geht zunächst auf einige Begriffserklärungen ein, die dem „normalen“ Menschen nicht geläufig sein mögen. Außerdem werden einige Studienergebnisse zur Verbreitung von Transsexualität in Europa dargestellt und erklärt. Auch auf die Entwicklung der Geschlechtsidentität wird eingegangen.

Als Lösungsansätze werden eigene Bewältigungsstrategien Betroffener sowie sozialpädagogische Unterstützungsmaßnahmen und Angebote aufgezeigt, wie Aufklärung hinsichtlich der Diskriminierung erfolgen kann und wie die Sozialpädagogik transsexuelle Menschen besser unterstützen kann, ihr gefühltes Geschlecht zu leben.

Im abschließenden Teil der Empirischen Forschung finden sich zwei Leitfadeninterviews von Transsexuellen, die ihre Geschichte erzählen und anführen wie sie sich fühlen, welche Stolpersteine ihnen in ihrem Leben in den Weg gelegt wurden und wo sie Hilfe gefunden haben.

1.3 Begriffserklärung

In der Begriffserklärung werden die wichtigsten Begriffe angeführt, um die Aufklärung zu erleichtern. „Das Wort Transsexualität wird abgeleitet von dem Wort Transsexualismus, das Magnus Hirschfeld zum ersten Mal 1923 verwendet. Es setzt sich zusammen aus den Wörtern „trans = entgegengesetzt“ und „sexualis = geschlechtlich.“ (ATME e. V., 2018, S. 5)

Von dem Wort „Transsexualität“ finden sich in der Literatur viele Definitionen. Momentan gibt es allerdings nur eine anerkannte, medizinisch „korrekte“ Beschreibung von Transsexualität und diese lautet wie folgt nach dem ICD-10 (International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems):

„Es besteht der Wunsch, als Angehöriger des anderen Geschlechtes zu leben und anerkannt zu werden. Dieser geht meist mit dem Gefühl des Unbehagens oder der Nichtzugehörigkeit zum eigenen anatomischen Geschlecht einher. Es besteht der Wunsch nach hormoneller und chirurgischer Behandlung, um den eigenen Körper dem bevorzugten Geschlecht soweit wie möglich anzugleichen“.

Einen krassen Gegensatz dazu stellt eine Definition der Frankfurter Allgemeine Zeitung aus dem Jahr 1999 dar. Hier wird Transsexualität eindeutig als Krankheit definiert, unter der Personen leiden, die davon überzeugt sind, im falschen Körper zu leben (FAZ vom 2.3.1999, zit. n. Gross et al. 2008, S. 33). Dem gegenüber erscheint 2002 ein Artikel in der Süddeutschen Zeitung, in dem Transsexualität als „medizinisch anerkanntes Phänomen“ bezeichnet wird und in dem Transsexualität von Transvestitismus unterschieden wird, bei diesem gehe es nur um dem „Spaß, sich als Frau zu verkleiden.“ (SZ vom 22.3.2002, zit. n. Gross et al . 2008, S. 34)

Eine jüngere Definition geht davon aus, dass Transsexualität lediglich ein Teil der freien Willensentscheidung von Menschen ist, diese sich also entscheiden können, welchem Geschlecht sie sich zugehörig fühlen. (vgl. Vetter 2018, S. 261)

In einem Artikel aus dem Jahr 2003 werden transsexuelle Menschen von Hermaphroditen unterschieden. Während transsexuelle Menschen einen Körper haben würden, mit dem sie sich nicht identifizieren, fühlen Hermaphroditen sich ihrem Körper durchaus zugehörig, jedoch empfinden sie sich nicht eindeutig männlich oder weiblich. FAZ vom 18.7.2003, zit. n. Gross et al, S. 34)

Die diagnostischen Leitlinien zeigen, dass auch die Dauer des „sich anders Fühlens“ und eine eventuelle bestehende weitere psychische Störung eine wesentliche Rolle spielen: „Die transsexuelle Identität muss mindestens 2 Jahre durchgehend bestanden haben und darf nicht ein Symptom einer anderen psychischen Störung, wie z.B. einer Schizophrenie (F20.2) sein. Ein Zusammenhang mit intersexuellen, genetischen oder geschlechts-chromosomalen Anomalien muss ausgeschlossen sein.“ (ICD-10, 1991)

Neben den Begriffen Transsexualität, Hermaphrodit und Transvestitismus gibt es noch den Begriff des Transgender, der von der einschlägigen Community wie folgt definiert wird. Transgender ist demzufolge ein „Überbegriff über alle Phänomene, bei denen Geschlechtergrenzen überschritten werden. Viele Personen, die sich nicht in eine Kategorie einordnen wollen / können, bezeichnen sich selbst auch gerne als Transgender.“ (vgl. Trans Austria Kärnten, 2017)

Durch die vielen Definitionen und Begriffe sowie die mangelhafte Aufklärung darüber entsteht unter anderem auch eine gewisse Diskriminierung von transsexuellen Menschen. Diese wird wie folgt allgemein definiert:

„Als Diskriminierung bezeichnet man in der Psychologie ein nicht zu rechtfertigendes, negatives Verhalten gegenüber einer Gruppe oder ihren Mitgliedern, besonders in der Einstellungs- und Vorurteilsforschung.“ (Stangl, 2017)

Die Diskriminierung transsexueller Personen zeigt sich in Problemen der sozialen Gleichbehandlung und am Arbeitsplatz, ein Umstand dem seit Jahrzehnten mit gesetzlichen Regelungen im gesamten EU-Raum entgegengewirkt wird (Steinmetzer et al. 2008, S. 163). Die Diskriminierung zeigt sich z.B. bei der nicht-Berücksichtigung von Job- oder Wohnungsbewerbungen, negativ gefärbter Darstellung dieser Menschen in Spielfilmen bis hin zu Gewalttaten und Mord. So wird z.B. in den Jahren 2011 bis 2012 von weltweit 265 Morden berichtet, die an transgender-Personen durchgeführt wurden. (vgl. Rauchfleisch 2016, S. 92f.) In Kapitel 5 werden die Formen der Diskriminierung im Detail dargestellt.

Der Übergang von Mann zu Frau oder von Frau zu Mann ist ein weiter und schwerer Weg für die Betroffenen. Auch für diese Phasen im Leben der Transsexuellen gibt es ein Wort: Als Transition (lat. Transitus = Übergang, Durchgang) sind bedeutende Übergänge im Leben eines Menschen, die bewältigt werden müssen, beschrieben. Innerhalb dieser Lebensabschnitte finden in relativ kurzer Zeit wichtige Veränderungen statt. (vgl. Herder, 2018) Die Transition bedeute nicht nur eine psychische Anpassung der neuen Identität bzw. des neuen Rollenbilds, sondern ist auch mit sozialen Veränderungen hinsichtlich der Wahrnehmung des Umfeldes verbunden. (vgl. Moser 2007, 278)

Zur Orientierung für nicht transsexuelle Menschen gibt es zwei Bezeichnungen, welche die transsexuellen Männer und die transsexuellen Frauen beschreiben.

Das wäre zum einen Teil der

- Transmann: Transmänner haben eine männliche Geschlechtsidentität (bei vormals zugewiesenem weiblichen Geschlecht) und zum anderen die
- Transfrau: Transfrauen haben eine weibliche Geschlechtsidentität (bei vormals zugewiesenem männlichen Geschlecht). (vgl. LSVD, 2017)

2 Statistische Daten

Niemand kann genau sagen, wie viele Schwule, Lesben oder Transpersonen es auf der Welt wirklich gibt. Seit Jahren geistern Zahlen durch das Netz, die nicht wirklich belegt werden können. In der Kinsey Studie von 1948 wird von ca. 10 % der Gesamtbevölkerung gesprochen. Doch 2016 brachte das Berliner Meinungsforschungsinstitut die Ergebnisse der Dalia Research Studie heraus. Es wurden insgesamt fast 11.000 Europäer_innen durch das Internet befragt, um ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen. In den nächsten Kapiteln werden nun die Zahlen zu Bildern. (vgl. Pfeffer, 2016)

2.1 LGBT* Population in Europa

Folgende Abbildung zeigt die Polulation der Gruppe der LGBT (Lesbian, Gay, Bisexual, Trans) in Europa.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Europäische Population in Prozent

Wie in der Grafik gut zu erkennen ist, ist Deutschland mit 7,4% der Bevölkerung das „queerste“ Land in Europa. Österreich liegt europaweit im guten Mittelfeld und Ungarn mit nur 1,5% ist der Nachzügler.

2.2 EU-Schnitt Frauen/Männer Identifikation

Die folgende Grafik zeigt die Verteilung der biologischen Frauen bzw. Männer hinsichtlich ihrer Zuordnung zu einer homosexuellen bzw. transgender-Gruppe.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: EU-Schnitt Frauen/Männer Identifikation

Unter den ca. 11.000 Befragten identifizieren sich mehr Frauen als Männer als homosexuell oder trans*. Im EU-Schnitt sind es ungefähr 6,6% der Frauen und 5,3% der Männer. Österreich liegt hier im guten Mittelfeld. Mehr identifizierte Männer als Frauen gibt es in Polen und Großbritannien. Die größte Differenz besteht in den Niederlanden, wo sich nur 2,5% der Männer und 10,5% der Frauen als LGBT identifizieren.

2.3 Altersunterschiede Europaweit LGBT

Die Altersunterschiede der Gruppe der LGBT sind in Europa weit gestreut, wie die folgende Abbildung zeigt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Altersunterschiede Europaweit LGBT

Deutlich wird der Unterschied besonders in den Altersklassen. Europaweit sehen sich etwa 4% der 30-65-Jährigen als LGBT. Bei den 14–29-Jährigen sind es genau 10%. Besonders deutlich ist der Unterschied in Spanien zu sehen. Hier Identifizieren sich etwa 1,8% der über 50-jährigen aber 14% der jungen Befragten mit der Gruppe der LGBT.

2.4 LGBT in Österreich

In Österreich sind wie in der vorhergehenden Grafik dargestellt etwa 6,2% der Bevölkerung den LGBT zuzuordnen. Laut einer Schätzung des Obmanns des Ersten Lesben- und Schwulenverbandes HOSI leben etwa 500.000 Transgender, homo- und bisexuelle Menschen in Österreich. Der Medien- und Servicestelle „Neue Österreicher innen“ zufolge besteht diese Gruppe zu 20% aus Personen mit Migrationshintergrund. (vgl. Medien- und Servicestelle Neue Österreicher innen 2018) Eine Besonderheit in Österreich im europäischen Vergleich ist, dass mehr ältere als jüngere Menschen sich zu LGBT zugehörig fühlen. (vgl. Pfeffer, 2016)

Selbsthilfegruppen und Beratungsinstitute werden in Österreich nur von einem Teil der Transgender Personen aufgesucht. Dies erfolgt jedoch in allen Altersgruppen und in unterschiedlicher Frequenz. Insgesamt – also LGBT-Personen jeder Altersgruppe – suchen etwa 50 von 2.000 Menschen (das entspricht etwa 2%) Selbsthilfegruppen und Beratungsinstitute zumindest einmal in der Woche auf. Knapp 300 von 2.000 LGBT-Personen (etwa 14 %) sucht mehrmals pro Jahr diese Stellen auf. Transgender-Personen suchen im Vergleich mit anderen Personen Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen erheblich öfter auf. In Summe gibt mehr als 50 % der LGBT-Personen an, mindestens alle paar Monate Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen zu besuchen. Außerdem gibt diese Gruppe, dass sie keine Menschen im privaten Umkreis haben, an die sie sich im Fall einer persönlichen Krise wenden können. Vor allem von den 55- bis 65-jährigen LGBT Personen werden zielgruppenspezifische Treffpunkte wie Parks, Saunen oder so genannte „Cruising Areas“ frequentiert, unter den anderen Altersgruppen ist die Ausprägung erheblich geringer. LGBT-Lokale, Sport- und Kulturvereine und Selbsthilfegruppen werden häufiger von Personen mit höherem Bildungsgrad und höherem Einkommen frequentiert. Von den Transgender Personen, die nur Pflichtschulabschluss aufweisen besuchen 50 % niemals LGBT-Lokale. Vor allem für LGBT Personen mit physischen Einschränkungen stellt das Internet ein wichtiges Medium für die persönliche Kommunikation dar. (vgl. Schönpfug et al. 2015, S. 2f.)

3 Geschlechtsidentität

Durch die Transsexualität wird die Frage über die Geschlechter und die Geschlechteridentität aufgeworfen. Es stellt sich die Frage, was ist eigentlich ein Geschlecht? Auch hierfür gibt es eine Definition und in weiterer Folge, da diese ja auch in Frage gestellt wird, erfolgt eine Definition der Geschlechtsidentität.

3.1 Definition

Das Geschlecht ist in der Psychologie die Bezeichnung für die biologisch (Sex) oder sozial beeinflussten (Gender) Charakteristika, die Menschen als männlich oder weiblich definieren. Weiblichkeit und Männlichkeit werden nicht allein durch das anatomische Geschlecht („Sex“) definiert, sondern auch durch spezifische Rollenangebote, wie etwa durch Kleidercodes oder Verhaltensnormen. Den Fokus auf diese soziale Konstruktion von Geschlecht („Gender“) legen die Gender Studies, ein in den letzten Jahrzehnten wachsendes Forschungsfeld mit vielen Anwendungsbereichen, etwa der Erforschung der Geschlechtergeschichte, des Feminismus und früher Debatten. (vgl. mut23, 2017)

In der folgenden Abbildung ist die Verteilung der einzelnen Geschlechteridentitäten in Österreich dargestellt. Aufgrund der Verknüpfung von sexueller Orientierung und dem individuellen geschlechtlichen Selbstverständnis zeigt die Abbildung ein Ergebnis von 80 verschiedenen Zuordnungen. Diese beruhen auf Antworten wie „ich bin als Frau geboren, kann aber meine Geschlechtsidentität nicht genau zuordnen“, „ich bin als Mann geboren, wage es aber nicht, etwas anderes zu leben“, „mit Penis geboren, fühle mich aber dazwischen“, „mein Körper ist männlich, empfinde mich aber als Frau“ oder „bisher lesbische Frau, jetzt aber Transmann“. (Schönpflug et al. 2015, S. 59)

Ein interessanter Aspekt ist, dass sich etwa 20 % der befragten Personen aller Geschlechter als “heterosexuell“ empfinden. Diese Personengruppe wurde aus der Studie jedoch nicht ausgeschlossen, da in der Studie zugelassen wurde, dass „dass auch Personen, die sich als heterosexuell bezeichnen, aber dennoch gleichgeschlechtliche Sexualität leben, in die Auswertung einbezogen bleiben bzw. auch Intersex oder Transpersonen, die heterosexuell leben, hier inkludiert werden.“ (Schönpflug et al. 2015, S. 59)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Geschlechtsidentität in Österreich, Stand 2015

In der Geschlechtsidentität drückt sich also aus, welchem Geschlecht sich eine Person zugehörig fühlt. Die meisten Menschen leben mehr oder minder zufrieden mit dem angeborenen Geschlecht. Die eigene Identität ist meist so selbstverständlich, dass sie kaum bewusst erlebt und hinterfragt wird. „Trans*Menschen“ hingegen haben eine alternative Geschlechtsidentität. Die Geschlechterordnung blendet die Tatsache aus, dass Geschlecht in der sozialen Interaktion erst gemacht wird und ein veränderbares, soziales, kulturelles und politisches Verhältnis zwischen Menschen ausdrückt. (vgl. WASt, 2013, S. 9)

Die Ausbildung der Geschlechteridentität für transgender Personen bringt vielfältige Probleme und Konflikte mit sich, beginnend mit der Frage, in welchem Alter das Bewusst sein entsteht, dass die Geschlechtsidentität mit dem Körper nicht übereinstimmt. Oft besteht vor allem bei Kindern und Jugendlichen eine erhebliche Scham, sich zu diesem Problem zu äußern und vielen Menschen wird zudem der Weg zur Rollenumstellung verwehrt. (vgl. Schreiber S. 150)

3.2 Geschlechtertypen

Folgende Geschlechtertypen können unterschieden werden:

- Das chromosomale Geschlecht wird durch die Zusammensetzung der Chromosomen bestimmt.
- Das gonadale Geschlecht wird durch Keimdrüsen, also Eierstöcke und Hoden bestimmt.
- Das genitale Geschlecht wird durch primäre Geschlechtsorgane wie Penis und Vagina bestimmt.
- Das juristische Geschlecht wird nach der Geburt durch den Arzt oder die Hebamme festgelegt und bezeichnet das staatlich anerkannte Geschlecht.
- Das soziale Geschlecht wird durch die soziale Anerkennung bestimmt und wird durch das soziale Umfeld zugewiesen.
- Das Identitätsgeschlecht wird durch die Geschlechtsidentität bestimmt. Es ist das Geschlecht, zu dem sich die Person zugehörig fühlt. (vgl. WASt, 2013, S. 10)

Wie im vorangegangenen Kapitel zu lesen, gibt es eine Vielzahl an Geschlechtern und somit auch an Identitäten. Die Plattform „Wikimannia“ (2018) unterscheidet z.B. 60 verschiedenen Geschlechtertypen, wie z.B. auch „geschlechtslos“, „intermännlich bzw. -weiblich“, „cross-gender“, „Femme“, „Zwitter“ etc. Sie versucht damit den betroffenen Menschen eine Möglichkeit geben, ihre Identität exakt zuordnen zu können, was die Schwierigkeit der Zugehörigkeit aufzeigt, da diese 60 Transgender-Identitäten im gesellschaftlichen Bewusstsein weder vollständig verankert sind noch zu jeder Identität eine soziale Gruppe existiert, der sich betroffene Menschen anschließen können.

Wieweit die Verwendung der Sprache diskriminierend ist oder in gendergerechter Form dazu beitragen kann, transgener Personen Präsenz zu verschaffen und dadurch das Bewusstsein der Gleichwertigkeit von der Bevölkerung zu fördern, wird im folgenden Kapitel dargestellt.

4 Diskriminierungserfahrungen

In diesem Kapitel werden Diskriminierungserfahrungen zunächst alllgemein beschrieben. In den weiteren Abschnitten erfolgen Beschreibungen der Diskriminierung durch Sprache, im öffentlichen Raum (Straße, Gastronomie, Clubs, etc.), mit Behörden, während und nach der Transition, in öffentlichen Institutionen, mit Institutionen des nicht-öffentlichen Bereichs, im Gesundheitswesen, in der Schule, Studium, Ausbildung vor und nach dem Coming-out, im beruflichen Kontext, mit Familie, Partnerschaft sowie im privaten Bereich. Die Zahlen und Fakten beruhen überwiegend auf einer Studie aus Nordrhein-Westfalen sowie teilweise einer EU-weiten Studie mit punktuellem Österreich-Bezug und sind damit nicht vollständig auf Österreich übertragbar. Sie liefern aber einen beispielhaften Ausschnitt aus dem Leben betroffener Personen. Konkrete Erfahrunge aus Österreich werden im empirischen Kapitel 10 beschrieben und mit den Daten der Diskriminierungsstudien verglichen.

4.1 Diskriminierungserfahrungen Allgemein

Diskriminierung findet in vielen Lebensbereichen statt. Sie bezieht sich meist auf Geschlecht, Alter, sexuelle Orientierung, Behinderung oder ethnische Herkunft. Laut der Studie von LGBT Nordrhein-Westfalen geben 73% der Transmänner und 85% der Transfrauen an, schon einmal Diskriminierung in einem dieser Bereiche erlebt zu haben. In Österreich fühlen sich hingegen nur 48 % der LGBT-Personen diskriminiert. (vgl. Stadt Wien 2018)

Laut der Plattform der Homosexuellen Initiative (HOSI) umfasst die Diskriminierung in Österreich direkte und indirekte Formen, die sowohl im privaten wie auch im öffentlichen Raum zu finden sind. Ein für die betroffenen Personen wesentlicher Bereich ist das Arbeitsleben, bei dem LGBT-Personen bei allen Arten von Dienstverhältnissen wie auch Selbständige immer wieder von Diskriminierung betroffen sind. diese umfasst Benachteiligung bei der Einstellung, der Bezahlung, beim Zugang zu Weiterbildung und bei den Karrieremöglichkeiten. Ein wichtiger Bereich sind auch die Ansprüche der Lebenspartner, z.B. im Zusammenhang mit der Pflegefreistellung sowie wie auch die Gewährung weiterer Sozialleistungen für Partner (z.B. Freifahrten), wenn auch durch die EU-Richtlinie 2000/78/EG dagegen ein Rahmen geschaffen wurde. (vgl. HOSI 2018) 27% der Transmänner und 15% der Transfrauen haben in der Studie von LGBT- Nordrhein-Westfalen angegeben, noch nie Diskriminierung erlebt zu haben. Bei den betroffenen Transmännern und Transfrauen dreht sich die Diskriminierung meist um das Geschlecht oder die sexuelle Identität. 30% der Transmänner und 34% der befragten Transfrauen empfinden jedes Mal eine Verletzung, wenn sie mit Belästigungen, Beleidigungen oder Einschüchterungen konfrontiert werden. Diese Diskriminierungen enden allerdings auch nicht nach vollzogener Transition. Nur 48% der Transmänner und 19% der Transfrauen geben an, dass sie nach der Transition weniger Probleme mit Diskriminierungen hatten. (vgl. Fuchs, Ghattas, Reinert & Widmann, 2012, S. 55ff.)

Bemerkenswert ist, dass viele der Transfrauen schnell bereit sind ihr Umfeld zu entschuldigen, wenn es nicht willens ist, die korrekte Anrede zu benutzen. Dies wird von Transsexuellen häufig als Bewältigungsstrategie angesehen. Viele der Befragten meinen: „So wie du in den Wald hineinrufst, so kommt es auch wieder zurück.“ 88% der Transfrauen finden, dass sie selbst erst an ihre Umgebung angepasst sein müssen, bevor sie von ihrem Umfeld verlangen können, sie korrekt anzusprechen. 52% der Transmänner sind derselben Ansicht. Leider verschleiern viele Bewältigungsstrategien wie Verdrängen, Umdeuten, Bagatellisieren und Sich-Arrangieren mehr die Diskriminierungssituation als dass sie diese lösen würden (vgl. Fuchs, Ghattas, Reinert & Widmann, 2012, S. 55ff.)

Die Ergebnisse der Diskriminierungsstudie aus Nordrhein-Westfalen sind in folgender Grafik zusammengefasst dargestellt.

Abbildung 5: Ergebnisse der Diskriminierungsstudie

Quelle: Fuchs, Ghattas, Reinert & Widmann, 2012

Die Abbildung zeigt, dass die Diskriminierung vor allem im öffentlichen Raum stattfindet, eine geringere Ausprägung zeigt sich im Berufsleben und bei Behörden.

Die Studienergebnisse spiegeln sich auch in der aktuellen Situation in Österreich wider, wie eine Studie aus 2015 zeigt. So ist es z.B. für Transgender-Personen nicht einfach, öffentlich Händchen zu halten. 28 % der in Österreich befragten Personen gaben an, in den vergangenen 12 Monaten im öffentlichen Raum diskriminiert geworden zu sein. Ein wichtiger Schauplatz dabei ist der öffentliche Verkehr, der neben der Straße an Platz zwei liegt. Hier kommt es neben verbalen Angriffen auch zu körperlichen Übergriffen. Genaue Zahlen liegen nicht vor, da es in dem meisten Fällen nicht zur Anzeige dieser Vorfälle kommt und auch die Beratungsstellen nur selten aufgesucht werden. (vgl. Kroisleitner 2015)

4.2 Diskriminierung durch Sprache

Eine Form der verschiedenen Arten von Diskriminierung ist die sprachliche, die in diesem Kapitel näher beschrieben wird. Folgende Definition der sprachlichen Diskriminierung vertritt die Österreichische Bundesregierung: „Diskriminierung drückt sich nicht nur durch Handlungen, sondern auch in der Sprache aus. Sprachliche Diskriminierung geschieht sowohl direkt oder indirekt als auch bewusst oder unbewusst und in unterschiedlichsten Äußerungsformen wie auf Wort-, Satz- oder Textebene. Auf der Wortebene zum Beispiel durch Bezeichnungen, Begriffe oder Schimpfwörter und auf der Satz- oder Textebene zum Beispiel durch historisch belastende Begriffe, Phrasen, Stereotype, und Vorurteile oder diskriminierende Witze.“ (Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur, 2001, S. 7ff.)

Die sprachliche Diskriminierung ist die häufigste Form, der Transgender-Personen in Österreich ausgesetzt sind. Etwa drei Viertel werden dabei in der Öffentlichkeit mindestens einmal im Jahr lächerlich gemacht. Das verbleibende Viertel besteht in der Androhung von Gewalt, die in Folge zum Teil auch in tatsächliche physische Gewalt übergeht. (vgl. Kroisleitner 2015)

4.2.1 Die drei Grundsätze

Folgende drei Grundsätze sind im Zusammenhang mit sprachlicher Diskriminierung des Geschlechts zu beachten:

- Paarform = ist die beste Lösung, weil sie alle deutlich anspricht: zum Beispiel "Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter".
- Sparform mit Binnen-I = die Kurzform der Paarform. Wenn die Paarform an Grenzen stößt, etwa bei Überschriften, Tabellen, Formularen oder E-Mails, kann das Binnen-I verwendet werden: zum Beispiel „Mitarbeiter innen“
- Geschlechtsneutrale Formulierungen = eine gute Lösung, wenn Texte durch die Paarform schwer lesbar werden. Das kann besonders bei Gesetzestexten mit vielen Wortwiederholungen sinnvoll sein: zum Beispiel „Abteilungsleitung“ statt „Abteilungsleiterinnen und Abteilungsleiter“ (vgl. Stadt Wien, 2018)

4.2.2 Gendergerechte Schreibweise

Die von Transgender Personen gefühlte Diskriminierung bezieht sich zumeist auf die nicht passende dichotome Zuordnung zum männlichen oder weiblichen Geschlecht. (vgl. Sinner, 2014, S. 179)

Anstatt die geschlechtsneutrale Schreibweise zu wählen, besteht auch die Möglichkeit, sich für eine dem jeweiligen biologischen bzw. empfundenen Geschlecht angepasste Schreibweise zu entscheiden:

Trans* ist ein noch junger, im deutschsprachigen Raum inzwischen verbreiteter, weit gefasster Oberbegriff für eine Vielfalt von Identitäten und Lebensweisen. Dabei dient der Stern * als Platzhalter für diverse Komposita. Aufgrund dieser Verbreitung und Inklusivität wird Trans* als Oberbegriff verwendet, um ein breites Spektrum von Identitäten, Lebensweisen und Konzepten abzubilden, auch solche, die sich geschlechtlich nicht verorten (lassen) möchten. (vgl. TransInterQueer, 2017)

Bezogen auf Geschlecht deutet trans* auf Lebensweisen hin, die nicht in einer (vermeintlich natürlichen und angeborenen) Zweigeschlechtlichkeit aufgehen. Die Offenheit des mit einem Bindestrich markierten Eigenschaftswortes verweigert sich inhaltlichen Eindeutigkeiten, da es mit verschiedenen Nachsilben verbunden werden kann. (vgl. Stryker, Currah & Moore, 2008, S. 11). Die Schreibweise trans* verweist somit auf unterschiedliche politische und subjektive Positionierungen und auf interne Auseinandersetzungen im Feld trans*geschlechtlicher Zusammenhänge (vgl. Schirmer, 2010, S. 113f.).

So wird eine sprachliche Diskriminierung in jeglicher Hinsicht umgangen, egal von welcher Person ausgegangen wird.

4.3 Erfahrungen im öffentlichen Raum (Straße, Gastronomie, Clubs, etc.)

Die meisten der Trans*Menschen geben in der Studie aus Nordrhein Westfalen an, eher weniger negative Erfahrungen im öffentlichen Bereich gemacht zu haben. Dies gilt insbesondere, wenn die transsexuellen Männer und Frauen als Kunden verkehren. Dennoch meinen immerhin 15% der Transmänner und 17% der Transfrauen, dass sie in Geschäften und Clubs wegen ihrer Transsexualität schlechter behandelt wurden. Die häufigsten negativen Erfahrungen lassen sich allerdings in Bekleidungsgeschäften nachvollziehen. Infolge der internalisierten Geschlechtertrennung werden sie häufig darauf aufmerksam gemacht, dass sie sich doch in der falschen Abteilung befinden. Die Situation auf der Straße sieht hingegen ganz anders aus. Hier geben 30% der Transmänner und 51% der Transfrauen an, schon einmal negative Erfahrungen gemacht zu haben. Beleidigungen betreffen 30% der Transmänner und 37% der Transfrauen. 17% der Transfrauen wurden körperlich angegriffen und 5% davon schwer verletzt. 12% von ihnen geben an, sogar schon Opfer von sexuellen Übergriffen geworden zu sein. Am schlimmsten trifft es die Trans*Menschen, die in einer ländlichen Umgebung wohnen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 60 Seiten

Details

Titel
Wer bist du und wie soll ich fragen? Zur Aufklärung über Diskriminierung transsexueller Menschen im alltäglichen Leben und wie die Sozialpädagogik unterstützend wirken kann
Note
2,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
60
Katalognummer
V942035
ISBN (eBook)
9783346289728
ISBN (Buch)
9783346289735
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Trans, transsexuell, Probleme, alltag
Arbeit zitieren
Viktoria Pes (Autor), 2018, Wer bist du und wie soll ich fragen? Zur Aufklärung über Diskriminierung transsexueller Menschen im alltäglichen Leben und wie die Sozialpädagogik unterstützend wirken kann, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/942035

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