Zugleich mit der industriellen Revolution im 19. Jahrhundert entstand eine neue soziale Schicht, die es vorher in dieser Form noch nicht gegeben hatte: die Arbeiterklasse auch Proletariat genannt.
Die Familien waren oft sehr kinderreich, 15 Kinder und mehr waren keine Seltenheit. Die Arbeiterklasse gehörte zur untersten und ärmsten Schicht, sie waren zwar im Gegensatz zu den Leibeigenen rechtlich frei, verfügten aber keine eigenen Produktionsmittel und waren auf die Arbeit in den Fabriken und der Industrie angewiesen.
Doch wie sah das Leben dieser Kinder aus? Diese Frage möchte die Arbeit beantworten.
Inhaltsverzeichnis
1 Begriffsklärungen
1.1 Kind
1.2 Arbeiterkind
1.3 Kinderarbeit
1.4 Arbeiterklasse
2 Die Familien der Industriearbeiter
3 Wohnsituation
3.1 „Halboffene“ Familien
4 Die Erziehung der Kinder
5 Beitrag der Kinder zur Sicherung der Familienexistenz
5.1 Fabrikarbeit der Kinder
6 Schulbildung
6.1 Leseerfahrungen
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit untersucht die prekären Lebensumstände von Kindern aus Arbeiterfamilien im Zeitraum von 1850 bis 1914. Im Fokus steht dabei die Analyse, wie ökonomische Not und soziale Strukturen der industriellen Revolution die Kindheit prägten und welche Rolle Kinder bei der Sicherung der familiären Existenzgrundlage spielten.
- Definition der Lebenswelt des Proletariats im 19. Jahrhundert
- Einfluss der Wohnsituation auf das Familienleben
- Die Rolle von Kinderarbeit und deren Bedeutung für das Familienbudget
- Erziehungsbedingungen und Bildungszugang in Arbeiterschichten
- Entwicklung der Lese- und Bildungsmöglichkeiten am Vorabend des Ersten Weltkriegs
Auszug aus dem Buch
5.1 Fabrikarbeit der Kinder
Im 19. Jahrhundert setzte in Deutschland die „Kinder – Fabrikarbeit“ ein, immer mehr Kinder aus immer größeren Teilen des Proletariats wurden solch qualvollem Elend ausgesetzt, viel zu niedrige Löhne und die Unsicherheit des Arbeitsplatzes führten dazu, dass viele Familien nicht auf den Verdienst ihrer Kinder verzichten konnten. So gab es noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts schätzungsweise mindestens eine Million voll arbeitender Kinder in der Industrie. Es war meist in den Familien, in denen viele kleine Kinder zu ernähren waren, in denen die ältern, sobald sie im mindesten die Kraft hatten, in Fabriken arbeiten mussten. Zwar besagte die Kinderschutzordnung von 1840, dass nur Kinder arbeiten dürfen, die das 14. Lebensjahr vollendet haben, doch hielten sich die meisten Fabrikbesitzer nicht daran.
Die Fabrikanten behaupteten, den Kinder etwas gutes zu tun, denn wer keine Arbeit hatte, musste betteln gehen. Es wurde auch behauptet, dass die kleineren Kinder nur sehr leichte Arbeit machen müssten. Doch die Realität sah anders aus. „(...) Auch ich mußte diese Erfahrung machen, denn als ich fünfeinhalb Jahre zählte, da war es mit der guten Zeit vorbei. Von da an mußte ich schon etwas mit verdienen [...] Ich ging also in die Fabrik, wo ich anfangs dreißig Kreuzer in der Woche bekam. Als ich die Arbeit ordentlich erlernt hatte, bekam ich wöchentlich vierzig Kreuzer. Oft habe ich mehr Püffe bekommen, als der Lohn eines Tages in Kreuzern zerlegt ausmachte (...). Die Arbeitszeit dauerte im Sommer von sechs Uhr früh bis sieben Uhr abends mit einer Stunde Mittagspause.“
Zusammenfassung der Kapitel
1 Begriffsklärungen: Dieses Kapitel definiert zentrale Begriffe wie Kind, Arbeiterkind, Kinderarbeit und Arbeiterklasse, um den historischen Kontext der Untersuchung zu etablieren.
2 Die Familien der Industriearbeiter: Hier wird der Prozess der relativen Homogenisierung der Arbeiterfamilien sowie die durch Not geprägte familiäre Rollenverteilung und Erziehung thematisiert.
3 Wohnsituation: Das Kapitel beschreibt die engen Wohnverhältnisse in Mietskasernen und die Konsequenzen der industriellen Urbanisierung für das Zusammenleben.
3.1 „Halboffene“ Familien: Dieser Abschnitt erläutert das Phänomen der Aufnahme von Schlafgängern als existenzielle Strategie zur Minderung des Mietzinses.
4 Die Erziehung der Kinder: Der Text beleuchtet die Vernachlässigung der Kindererziehung aufgrund der überlangen Arbeitszeiten beider Elternteile.
5 Beitrag der Kinder zur Sicherung der Familienexistenz: Dieses Kapitel analysiert das Sammeln von Nahrungsmitteln und anderen Ressourcen als notwendige Überlebenshilfe.
5.1 Fabrikarbeit der Kinder: Hier werden die Ausbeutung von Kindern in Fabriken und die Diskrepanz zwischen Schutzgesetzen und der betrieblichen Realität dargestellt.
6 Schulbildung: Der Abschnitt diskutiert das Spannungsfeld zwischen der gesetzlichen Schulpflicht und dem erzwungenen Vorrang der Erwerbsarbeit.
6.1 Leseerfahrungen: Dieses Unterkapitel beschreibt den Zugang von Arbeiterkindern zu Literatur und die Auswirkungen verkürzter Arbeitszeiten auf ihre Bildungschancen.
Schlüsselwörter
Arbeiterkind, Industrielle Revolution, Kinderarbeit, Proletariat, Sozialgeschichte, Kindheit, Familienexistenz, Fabrikarbeit, Wohnsituation, Armut, Schulpflicht, Erziehung, 19. Jahrhundert, Sozialschicht, Bildungsgeschichte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit behandelt die sozioökonomischen Lebensbedingungen von Kindern aus Arbeiterfamilien im Deutschland des 19. und frühen 20. Jahrhunderts.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Themen umfassen die Wohnverhältnisse, die Rolle der Kinderarbeit zur Existenzsicherung, die erzieherische Vernachlässigung durch Fabrikarbeit und die begrenzte Schulbildung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die harten Lebensumstände und den Beitrag der Kinder zur familiären ökonomischen Stabilität im Kontext der industriellen Transformation zu beleuchten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer sozialgeschichtlichen Auswertung zeitgenössischer Dokumente, Fachliteratur und autobiografischer Berichte.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die Lebenswelt, von den Wohnverhältnissen über die täglichen Pflichten der Kinder bis hin zu Schulbesuch und Leseerfahrungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Arbeiterkind, Kinderarbeit, Armut, Industrialisierung und Sozialgeschichte.
Warum war die Aufnahme von „Schlafgängern“ so verbreitet?
Aufgrund der extrem niedrigen Löhne und der hohen Mieten war die Vermietung von Schlafplätzen an Fremde oft die einzige Möglichkeit, den Mietzins für die überfüllten Wohnungen aufzubringen.
Inwieweit beeinflusste die Fabrikarbeit den Schulalltag?
Die Fabrikarbeit hatte Vorrang vor dem Schulbesuch; Kinder waren oft zu erschöpft oder wurden von den Eltern zur Arbeit gezwungen, was zu unregelmäßigem Unterrichtsbesuch führte.
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- Nina Kapschinski (Author), 2005, Die Kinder von Industriearbeitern und die Umstände ihrer Lebenslage (1850-1914), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/94208