Traditionell beschränkt sich SCM meist auf die Steuerung der Material- und Informationsflüsse in der Supply Chain, die Finanzflüsse bleiben zumeist unberücksichtigt.
Verdeutlicht man sich allerdings, dass die Länge einer Supply Chain vom jeweiligen cash-tocash
cycle bestimmt wird, so wird deutlich, dass alle betrieblichen Wertschöpfungsprozesse in
die Betrachtung mit einbezogen werden müssen.
Für die Finanzprozesse in der Supply Chain wird der Begriff Financial Supply Chain (FSC) verwendet und von der physischen Supply Chain abgegrenzt. Zur FSC gehören die Finanzflüsse und die dazugehörigen Informationsströme, zur physischen Supply Chain
gehören analog die Materialflüsse und die entsprechenden Informationsflüsse.
Zuerst werden in Abschnitt 2 die Begriffe Supply Chain und Supply Chain Management vorgestellt bevor der Zusammenhang zwischen der physischen und finanziellen Supply Chain dargestellt wird und das Financial Supply Chain Management vom Supply Chain
Management abgegrenzt wird. Anschließend werden in Abschnitt 3 die Bestandteile der Financial Supply Chain dargestellt, wobei die Unterscheidung nach Sichtweisen erfolgen soll. In Abschnitt 4 werden die einzelnen Prozesse der Financial Supply Chain aufgezeigt und analysiert. Abschließend wird in Abschnitt 5 ein Ausblick über die zukünftige Entwicklung der Financial Supply Chain gegeben.
Gliederung
1. Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Aufbau der Arbeit
2. Finanzprozesse in der Supply Chain
2.1 Supply Chain Management
2.2 Financial Supply Chain Management
3. Die Sichtweisen der Financial Supply Chain
3.1 Die funktionale Sichtweise
3.2 Die institutionale Sichtweise
3.3 Die finanzwirtschaftliche Sichtweise
4. Die Prozesse der FSC
4.1 Prozesse des Financial Trade Enablement
4.1.1 Der Qualifikationsprozess
4.1.2 Der Finanzierungsprozess
4.1.3 Der Preisfindungsprozess
4.1.4 Der Absicherungsprozess
4.2 Prozesse des Financial Trade Settlement
4.2.1 Der Rechnungsstellungsprozess
4.2.2 Der Prüfungsprozess
4.2.3 Der Reklamationsprozess
4.2.4 Der Zahlungsprozess
4.3 Der Analyseprozess
5. Die Zukunft der FSC
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit befasst sich mit der Definition, Analyse und Optimierung der Financial Supply Chain (FSC). Das zentrale Ziel ist es, den Zusammenhang zwischen der physischen Warenwirtschaft und den damit verbundenen Finanzflüssen aufzuzeigen, um durch ein prozessorientiertes Financial Supply Chain Management (FSCM) Effizienzsteigerungen und Kostensenkungen in der überbetrieblichen Wertschöpfungskette zu erzielen.
- Grundlagen des Financial Supply Chain Managements und Abgrenzung zum klassischen SCM
- Dreidimensionale Betrachtung der FSC aus funktionaler, institutionaler und finanzwirtschaftlicher Sicht
- Detaillierte Analyse der Teilprozesse "Financial Trade Enablement" und "Financial Trade Settlement"
- Bedeutung der informationstechnischen Verknüpfung zur Optimierung von Finanzströmen und Working Capital
Auszug aus dem Buch
4.1.2 Der Finanzierungsprozess
Im Teilprozess der Finanzierung wird die Finanzierung eines Geschäfts durchgeführt. Wie bereits im Beispiel in 3.1 gezeigt wurde, kann ein eigentlich profitables Geschäft aufgrund ungenügender Finanzierungsfähigkeit scheitern. Finanzierungsüberlegungen stellen sich sowohl für den Käufer als auch für den Verkäufer.
Der Käufer ist in der Regel daran interessiert ein möglichst langes Zahlungsziel gewährt zu bekommen, da Lieferantenverbindlichkeiten eine Verringerung des Working Capital darstellen und der Käufer bis zur Zahlung über das Geld verfügen kann. Der Verkäufer wiederum hofft auf eine schnelle Begleichung offener Rechnungen um seine Liquidität zu verbessern und das Zahlungsausfallrisiko auszuschließen. Hierfür gewähren Lieferanten ihren Kunden häufig Skonto, um einen Anreiz zu früher Bezahlung zu setzen. Die Gewährung eines Zahlungsziels entspricht der Gewährung eines Lieferantenkredits, während die Leistung einer Anzahlung vor der Erfüllung der Bestellung einem Kundenkredit entspricht. Lieferantenkredite können auch als eine Form der Verkaufsförderung betrachtet werden, da ein Angebot mit längerer Zahlungsfrist bei ansonsten gleichen Konditionen attraktiver ist als ein Angebot mit sofortiger Zahlungsverpflichtung.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die prozessorientierte Sichtweise auf Unternehmensabläufe und Notwendigkeit der Einbeziehung von Finanzflüssen in das SCM.
2. Finanzprozesse in der Supply Chain: Abgrenzung der Financial Supply Chain vom klassischen, auf Materialflüsse fokussierten Supply Chain Management.
3. Die Sichtweisen der Financial Supply Chain: Analyse der FSC aus funktionaler, institutioneller und finanzwirtschaftlicher Perspektive.
4. Die Prozesse der FSC: Detaillierte Untersuchung der zwei Hauptbereiche Financial Trade Enablement und Financial Trade Settlement sowie deren Analyse.
5. Die Zukunft der FSC: Ausblick auf die Rolle der IT und die Notwendigkeit unternehmensübergreifender Kooperation zur Ausschöpfung von Potenzialen.
Schlüsselwörter
Financial Supply Chain, FSCM, Supply Chain Management, Cash-to-Cash Cycle, Working Capital, Finanzflüsse, Financial Trade Enablement, Financial Trade Settlement, Prozessoptimierung, Bonitätsprüfung, Zahlungsverkehr, Risikomanagement, Informationstechnologie, Interdependenzen, Liquidität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt das Management der Finanzströme in einer Supply Chain und stellt dar, wie diese untrennbar mit den physischen Warenströmen verknüpft sind.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die Definition der Financial Supply Chain, die verschiedenen Sichtweisen auf Finanzprozesse und die detaillierte Analyse der operativen Teilprozesse.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, ein Verständnis für das Financial Supply Chain Management zu schaffen, um durch die Optimierung von Finanz- und Informationsflüssen Wettbewerbsvorteile zu generieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf Literaturanalyse und der systematischen Aufarbeitung prozessorientierter Managementansätze basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Phasen des Financial Trade Enablement (z.B. Qualifikation, Finanzierung) und des Financial Trade Settlement (z.B. Rechnungsstellung, Zahlung).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Financial Supply Chain, Working Capital Optimierung, Cash-to-Cash Cycle und Prozessinterdependenzen geprägt.
Warum ist das Finanzmanagement der Supply Chain kritisch für den Erfolg?
Wie am Beispiel der Laptops aus Taiwan verdeutlicht, kann ein operativ lukratives Geschäft scheitern, wenn die finanzielle Leistungsfähigkeit oder Liquidität zur Überbrückung von Zahlungszielen fehlt.
Welche Rolle spielt die Informationstechnologie bei der Optimierung der FSC?
Die IT ist unerlässlich, um die notwendige Transparenz und den schnellen Datenaustausch zwischen den Prozessschritten zu gewährleisten, etwa durch die Umstellung von papierbasierten auf elektronische Rechnungen.
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- Benjamin Schönefuss (Author), 2008, Die Financial Supply Chain im Überblick, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/94210