Möglichkeiten der Förderung der Gesundheitskompetenz durch die gesetzliche Krankenkasse


Hausarbeit, 2020

27 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Problemstellung
1.2. Zielsetzung
1.3. Aufbau dieser Arbeit

2. Theoretische Grundlagen
2.1. Definition, Entstehung und Einfluss von Gesundheitskompetenz
2.2. Probleme durch eine eingeschränkte Gesundheitskompetenz
2.3. Maßnahmen zur Förderung der Gesundheitskompetenz

3. Anwendung
3.1. Kriterien für einen gelingenden Beitrag zur Gesundheitskommunikation hinsichtlich der Stärkung der Gesundheitskompetenz
3.2. Beispiel BKK Löwensen
3.3. Handlungsempfehlungen für die gesetzlichen Krankenkassen

4. Diskussion

5. Abschließende Worte und Ausblick

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Quellenverzeichnis

1. Einleitung

1.1. Problemstellung

Laut einem Untersuchungsergebnis der Universität Bielefeld aus dem Jahr 2017 verfügen 54,3% der Befragten über eine problematisch bis inadäquate Gesundheitskompetenz. Lediglich 7,3% verfügen über eine exzellente und 38,4% über eine ausreichende Gesundheitskompetenz.1 Auf Grundlage dieser Befragung wurde im Jahr 2018 der Nationale Aktionsplan Gesundheitskompetenz veröffentlicht.

Das Vorliegen von Gesundheitskompetenz ist für jeden Menschen individuell notwendig, um selbstbestimmt gesundheitsförderliche Entscheidungen zu treffen. Dies macht sich auch in der Nutzung von Präventionsangeboten und dem kurativen Gesundheitssystem bemerkbar und beeinflusst damit ebenfalls gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklungen.

Aufgrund der fortschreitenden Digitalisierung werden vermehrt Informationen über das Internet eingeholt. Laut einer Umfrage der Techniker Krankenkasse (2018) informieren sich durchschnittlich 95% der Befragten über Suchmaschinen zu verschiedenen Gesundheitsthemen. Die zweitwichtigste Anlaufstelle stellen für durchschnittlich 45% Krankenkassen-Apps und -Webseiten dar. Weiterhin werden u.a. Gesundheitsportale (44%), soziale Netzwerke (26%) und Pharma-Apps und -Webseiten (17%) genutzt. (S. 22)

„Zwar stehen heute, allein über das Internet, so viele Informationen zur Verfügung wie noch nie. Doch sind diese Informationen nicht immer ohne Hürden auffindbar und nicht alle sind vertrauenswürdig und ausreichend qualitätsgesichert. Zudem sind sie oft stark durch wirtschaftliche Interessen beeinflusst. Und nicht zuletzt wird schon die schiere Fülle an Information oft eher als überfordernd denn als hilfreich wahrgenommen.“2

Es stellt sich die Frage, welche Kriterien für einen gelungenen Beitrag der Gesundheitskommunikation zur Verbesserung der Gesundheitskompetenz maßgeblich sind.

1.2. Zielsetzung

Im Rahmen dieser Hausarbeit werden sowohl theoretische Grundlagen zur Gesundheitskompetenz als auch Probleme, die bei fehlender Kompetenz entstehen, sowie vielfältige individuelle und organisationale Fördermöglichkeiten dargestellt. An einem Beispielsfall, hier gewählt eine Krankenkasse, werden Kriterien zur Förderung der Gesundheitskompetenz im Kontakt mit den Versicherten, beispielhaft dargestellt sowie generelle Handlungsempfehlungen für die Krankenkasse abgeleitet.

1.3. Aufbau dieser Arbeit

Zu Beginn dieser Arbeit werden die theoretischen Grundlagen hinsichtlich der Definition, der Entstehung und des Einflusses von Gesundheitskompetenz im Allgemeinen erläutert. Es werden weiterhin theoretische Grundlagen zu den Problemen, die bei geringer Gesundheitskompetenz entstehen sowie Möglichkeiten der Förderung im Allgemeinen aufgeführt. Im Anwendungsteil werden auf Grundlage der Theorie Kriterien für einen gelungenen Beitrag zur Gesundheitskommunikation hinsichtlich der Steigerung der Gesundheitskompetenz gebildet, die beispielhaft auf die BKK Löwensen sowie akademische Berufseinsteiger als Zielgruppe angewendet werden. Es werden Kommunikationsanlässe, an denen die Krankenkasse mit den Versicherten in Berührung kommt, sowie drei Beispiele der auf die Gesundheitskompetenz positiv einwirkenden Ansprache beschrieben sowie Handlungsempfehlungen für die Krankenkassen abgeleitet.

Im anschließenden Diskussionsteil werden die Kriterien, Beispiele und Handlungsempfehlungen im Hinblick auf die zuvor genannten theoretischen Grundlagen kritisch reflektiert. Abschließend folgt eine Kurzzusammenfassung der praktischen Relevanz dieser Arbeit sowie ein Ausblick in die weitere Entwicklung und Bedeutung der behandelten Themen in der Zukunft.

Es wird vorsorglich darauf hingewiesen, dass, wenn in dieser Hausarbeit von Patienten, Arbeitnehmern etc. geschrieben wird, geschlechtergerecht immer auch Patientinnen, Arbeitnehmerinnen, divers etc. gleichermaßen gemeint sind.

2. Theoretische Grundlagen

2.1. Definition, Entstehung und Einfluss von Gesundheitskompetenz

International wird von „Health Literacy“ gesprochen, was wörtlich übersetzt „auf Gesundheit bezogene Literalität“ bedeutet. In den 1970er Jahren wurden damit „grundlegende Schreib-, Lese- und Rechenfähigkeiten verstanden, die Menschen benötigen, um schriftliche Dokumente wie etwa Behandlungsinformationen oder Hinweise zur Medikamenteneinnahme lesen und verstehen zu können“.3

Das Begriffsverständnis wurde im Lauf der Zeit wie folgt erweitert:

„Gesundheitskompetenz gilt als die Fähigkeit, Gesundheitsinformationen zu finden, zu verstehen, zu beurteilen und anzuwenden, um im Alltag angemessene Entscheidungen zur Gesundheit treffen zu können.“4

Gesundheitsrelevante Informationen zu finden meint die aktive Handlung, nach eben diesen zu suchen. Dafür müssen sie einerseits zur Verfügung gestellt sein durch bspw. Printmedien, das Internet oder Leistungserbringer wie Apotheken, Ärzte, Physiotherapeuten etc., andererseits muss die Kompetenz des Suchenden entwickelt sein, an den richtigen Stellen aktiv Hilfe einzufordern. Weiterhin müssen die erhaltenen Informationen intellektuell in ihrer Aussage verstanden werden.

Die Informationen werden weiterführend beurteilt, d.h. kritisch beleuchtet, inwieweit sie für die eigene Frage- oder Problemstellung nützlich erscheinen. Hier werden selbstreflektorische Fähigkeiten benötigt. Im Anschluss daran werden die erhaltenen Informationen in das alltägliche Denken, Fühlen und Handeln integriert. Menschen mit hoher Gesundheitskompetenz leben gesundheitsbewusster.

Intrinsische Motivation, kritisches Denken, Kommunikationsfähigkeiten und Lesekompetenzen sind für eine gute Gesundheitskompetenz und gesundheitsbewusstes Verhalten von Vorteil.

Es geht in der erweiterten Definition nun also vielmehr darum, die gesundheitsrelevanten Informationen auf die individuelle Lebenssituation zu beziehen sowie für die Erhaltung und Förderung der Gesundheit nutzen zu können. Daher ist ihr Einfluss auf die Krankheitsbewältigung, Krankheitsprävention und Gesundheitsförderung des Einzelnen signifikant.5

Das Maß an Gesundheitskompetenz ist eng mit einem Compliance- und Adherence-Verhalten verbunden. „Compliance meint, dass die von einem Therapeuten vorgegebenen Anweisungen durch den Patienten befolgt werden.“6 Von Adherence spricht man, wenn Therapietreue vorliegt, weil der Patient selbst in Zusammenarbeit mit dem Therapeut entsprechend seiner Überzeugungen weitere Schritte vereinbart hat und von den therapeutischen innerlich Maßnahmen überzeugt ist.7

Die allgemeine Gesundheitskompetenz wird sowohl durch die Fähigkeiten und Fertigkeiten des Einzelnen (persönliche Gesundheitskompetenz), als auch die Anforderungen und Komplexität des Systems bzw. Lebensumwelt (systemische und organisationale Gesundheitskompetenz) geprägt.8

Jeder Mensch hat mehr oder weniger kompetenzwirksame persönliche und umweltbezogene Bedingungen als Voraussetzung für die Herausbildung von Gesundheitskompetenz. Über Gesundheitsangebote in der Schule, Gesundheitserziehung in der Familie und Gesundheitsförderung am Arbeitsplatz wird die Kompetenz erworben.9

Hintergrundinformationen zu Gesundheit und Krankheit, die dem Erwerb der Gesundheitskompetenz dienen, sollten in der Kindheit und im Schulsystem angesetzt werden.

„Ab dem Alter von circa 12 Jahren sind Kinder und Jugendliche in der Lage, mögliche körperliche und psychische Auslöser von Krankheiten wahrzunehmen. Sie entwickeln ein Verständnis von Gesundheit und Krankheit, das dem von Erwachsenen ähnelt. Interventionen zur Förderung des kompetenten Umgangs mit Gesundheitsinformationen sind in dieser Altersgruppe sinnvoll, denn insbesondere in der Adoleszenz entstehen riskante Verhaltensweisen, deren Folgen sich später im Lebensverlauf bemerkbar machen können. Riskante Verhaltensweisen können beispielsweise riskantes Sexualverhalten oder regelmäßiger Tabak- und Alkoholkonsum sein.“10

Hierbei ist jedoch erschwerend zu berücksichtigen, dass Kinder und Jugendliche wenig Interesse an Gesundheitsthemen haben, da sie aufgrund ihres hohen Energielevels und guter Kompensationsmechanismen weniger anfällig und von kürzerer Dauer krank sind als Ältere. Die gesundheitliche Sensitivität bei Älteren ist demnach höher.11

Weiterhin hat jeder Mensch unterschiedliche Vorstellungen von Gesundheit und geht anders damit um. Junge Menschen verfügen über andere Lebensgewohnheiten: sie benötigen z. B. weniger Schlaf, als Ältere.12

Nach Schaeffer et al (2020) gehen bestimmte soziodemografische Merkmale (…) häufiger mit einer unterdurchschnittlich ausgeprägten Gesundheitskompetenz einher. Dazu gehören ein geringer Bildungsgrad und ein niedriger sozialer Status, das Vorhandensein eines Migrationshintergrunds, ein höheres Lebensalter und das Vorliegen chronischer Erkrankungen. (S. 23) Für spezifischere Informationen wird auf Schaeffer et al (2020), S. 23-25, verwiesen.

Viele Menschen haben zwar ein Gesundheitsbewusstsein, jedoch Probleme mit der Umsetzung dieses Wissens in die alltägliche Handlung. Der sogenannte „innere Schweinehund“ behindert oftmals gesundheitsbewusste Taten. „Erst wenn Beschwerden zunehmen, Krankheiten sich ausbreiten und die Lebensqualität nachlässt, beginnen viele damit, ihre erdachten Strategien in die Tat umzusetzen.“13

Gesundheitskompetenz ist zum Erhalt der Arbeitsfähigkeit notwendig. Weitere Faktoren, die eine Rolle spielen, sind Gesundheit, Leistungs- und Erholungsfähigkeit, Motivation, entsprechende Einstellungen und Werte und der Arbeitsinhalt, die Arbeitsumgebung und Arbeitsorganisation, die zueinander in Wechselwirkung und in Beziehung zum gesellschaftlichen und persönlichen Umfeld stehen.14

Wer Gesundheitskompetenz besitzt, ist zur gesundheitlichen Autonomie und eigenständiger Gesundheitssicherung befähigt. Sie ist damit als wesentlicher Bestandteil von Empowerment zu verstehen.15 Diese Fähigkeiten haben Einfluss auf alle Lebensbereiche des Menschen.

2.2. Probleme durch eine eingeschränkte Gesundheitskompetenz

„Je ausgeprägter die Gesundheitskompetenzen sind, so die allgemeine Annahme, desto besser ist man in der Lage, sich im Alltag über das Gesundheitswesen, die Prävention von Krankheiten und die Gesundheitsförderung zu informieren, eine Meinung zu bilden und Entscheidungen zu treffen, die die Lebensqualität und Gesundheit im Lebensverlauf erhalten oder verbessern.“16

Liegt eine eingeschränkte Gesundheitskompetenz vor, tritt genau das Gegenteil ein: Den Menschen fällt es schwer, gesundheitsbezogene Informationen zu finden, zu verstehen, zu beurteilen und/oder auf die eigene Lebenssituation anzuwenden. Das erschwert es ihnen, im Alltag Entscheidungen zu treffen, die für ihre Gesundheit förderlich sind.

Davon unmittelbar beeinflusst ist die Einschätzung des eigenen Gesundheitszustands, das Informations- und Gesundheitsverhalten sowie die Inanspruchnahme des Gesundheitssystems. Menschen mit niedriger Gesundheitskompetenz schätzen ihren Gesundheitszustand in der Regel schlechter ein und verhalten sich hinsichtlich Ernährung, Bewegung, Energieausgleichshandlungen und riskanten Verhaltensweisen weniger gesundheitsförderlich.17

Laut einer Studie von Schaeffer et al (2020) betätigen sich bspw. nur vier Prozent der Menschen mit eingeschränkter Gesundheitskompetenz fast täglich körperlich aktiv. Die meisten verzehren weniger häufig Obst und Gemüse und konsumieren bspw. zuckerhaltige Limonade. Der Anteil der Übergewichtigen ist höher als unter denjenigen mit gut entwickelter Gesundheitskompetenz. (S. 27)

Menschen mit geringer Gesundheitskompetenz haben ggf. Probleme, die erhaltenen Informationen zu verstehen und für sich als hilfreich einzuordnen, sodass Behandlungsempfehlungen nicht befolgt bzw. Therapien eher abgebrochen werden (auch genannt non-compliance bzw. non-adherence).

„Erforderlich ist Gesundheitskompetenz, um dem Zuwachs an Entscheidungsmöglichkeiten und den gestiegenen Anforderungen an die Entscheidungsverantwortung in modernen Gesellschaften entsprechen zu können.“18

Durch die sich in der Arbeitswelt 4.0 rasant verändernden Arbeitsbedingungen wie bspw. flexible Arbeitsort- und Arbeitszeitgestaltung, die künstliche Intelligenz und Digitalisierung und die Abnahme der Halbwertszeit erlernter Fähigkeiten kann der Wandel als neuer Status quo angesehen werden. Ein Teil der Menschen empfindet dies als eine neue Herausforderung, andere fühlen sich überwältigt und überfordert.19 Gesundheitsbewusstsein und -kompetenz ist die Voraussetzung, um die neuen Arbeitsanforderungen physisch und psychisch gesund bewältigen zu können.

Ist die Gesundheitskompetenz eingeschränkt, entstehen neben den individuellen Problemen auch gesellschaftlich neue Herausforderungen, da beides in Wechselwirkung zueinander steht: „Geringe Gesundheitskompetenz in einzelnen Bevölkerungsgruppen wirkt sich mittelbar auch auf die Gesellschaft aus. Ein höheres Krankheitsrisiko und eine geringere Lebenserwartung sind unter anderem die Folgen.“20

„Menschen mit einer eingeschränkten Gesundheitskompetenz nehmen das kurative Gesundheitssystem häufiger in Anspruch, nutzen aber Präventionsangebote seltener.“21

Durch die geringere Inanspruchnahme von Prävention und Früherkennung kann es ggf. zu späterer Diagnosestellung kommen, was wiederum zu höheren Behandlungs- und Gesundheitskosten führt und das Risiko eines frühzeitigen Todes erhöht. Durchschnittlich besitzen Menschen mit mangelnder Gesundheitskompetenz durch schlechtere Fähigkeiten im Selbstmanagement eine schlechtere physische und psychische Gesundheit.22

„Deutliche Unterschiede zeigen sich bei den Krankenhausaufenthalten: Während weniger als zehn Prozent der Befragten mit sehr guter Gesundheitskompetenz im letzten Jahr einen Krankenhausaufenthalt hatten, waren es bei Befragten mit inadäquater Gesundheitskompetenz fast 40 Prozent.“23

Die folgende Grafik einer Befragung der Techniker Krankenkasse zeigt, dass es im Vergleich zu gesunden Menschen den kranken Menschen schwerer fällt, an Gesundheitsinformationen zu gelangen, die sie benötigen bzw. diese zu verstehen und für sich anzuwenden:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Informationsbeschaffungskompetenz von Gesunden und Kranken im Vergleich (Quelle: Techniker Krankenkasse (2018), Wie gut gelingt es Ihnen, sich die Gesundheitsinformationen zu beschaffen, die Sie brauchen?, S. 14)

2.3. Maßnahmen zur Förderung der Gesundheitskompetenz

„Ansatzpunkte für Interventionen zur Förderung von Gesundheitskompetenz können sein, durch geeignete Strategien und Maßnahmen die persönliche Gesundheits- kompetenz zu verbessern oder durch entsprechende System- oder Organisationsentwicklung, gezielte Fort- und Weiterbildung der Gesundheitsprofessionen und eine Verbesserung der Information und Kommunikation im Gesundheitswesen und in anderen gesellschaftlichen Bereichen die an die Nutzer gestellten Anforderungen zu reduzieren.“24

Am besten sollten die verschiedenen Interventionsansätze kombiniert eingesetzt werden.

Auf individueller Ebene kann die Gesundheitskompetenz durch ein gesteigertes Gesundheitsbewusstsein gefördert werden. Durch Achtsamkeits- und Atemübungen, aktive Pausen im Alltag, gezielter Bewegung sowie Verbesserung der Beweglichkeit, eine gerade und stabile Körperhaltung und Meditation wird die Körperwahrnehmung geschärft. Signale des Körpers können damit mehr und mehr wahr und ernstgenommen werden. Mit ausreichend Schlaf, Entspannung aber auch gesunder Ernährung und zwei Liter Flüssigkeitszufuhr täglich, werden die Energiereserven ebenfalls wieder aufgefüllt.25

Mentale Techniken, Selbst- und Prioritätenmanagement sowie Resilienzstrategien und dadurch eine verbesserte Stressstabiltät sind ebenfalls wichtig.26

Die Menschen, die achtsam mit sich selbst umgehen, nehmen etwaige physische und psychische Unstimmigkeiten eher wahr und können sich dementsprechend gezielter spezifische Informationen, die für eine Genesung relevant sind, einholen und umsetzen. Gleichzeitig sorgt das Bewusstsein dafür, dass weniger gesundheitsriskante Verhaltensweisen erfolgen, was wiederum präventiv schützt.

Von Seiten der Schulen kann der Grundstein zur Entwicklung der Gesundheitskompetenz spielerisch durch Projektwochen oder durch die Eingliederung in die Schulfächer gelegt werden. Arbeitgeber und Organisationen können die Gesundheitskompetenz der Mitarbeiter durch eine stärkere Einbindung des Betrieblichen Gesundheitsmanagements fördern. So könnten vermehrt Gesundheitstage, Schulungen, interne und externe Angebote zur kostenlosen Gesundheitsberatung und Gesundheitscoaching angeboten werden.27

Weiterhin sollten die „Führungskräfte in Unternehmen in ihrer Verantwortung für eine gesundheitskompetente Gestaltung der Arbeit [unterstützt] und sie für die gesundheitlichen Belastungen der Beschäftigten in den herausfordernden Phasen des Berufsstarts, der Familiengründung, der beruflichen Umorganisation, der Pflege von Angehörigen und des Übergangs in den Ruhestand [sensibilisiert werden].“28 Führungskräfte haben in Ihrer Vorbildrolle wesentlichen Einfluss auf die Gesundheit der Mitarbeiter und stellen damit Multiplikatoren von Gesundheitskompetenz dar.

Unabdingbar für die Förderung der Gesundheitskompetenz ist ein gutes Vertrauensverhältnis zwischen der Bevölkerung und bspw. den Akteuren des Gesundheitssystems. Da Vertrauen kein absoluter Zustand ist, sondern sich in einem Kontinuum zwischen absolutem Vertrauen und absolutem Misstrauen bewegt, muss es regelmäßig neu bestätigt werden.29 Patientenzentrierte Kommunikation bzw. eine Arzt-Patient-Partizipation ist förderlich.

Nach Jordan/Töppich (2015) ist das Ausmaß der Gesundheitskompetenz ganz wesentlich auch von der fachlichen Qualität, Angemessenheit, Verständlichkeit, Sichtbarkeit, Verfügbarkeit und Vermittlungsform der bereitgestellten Informationen [abhängig]. (S. 921)

Demnach sind vor allem auch die im Gesundheitssystem tätigen Professionen hinsichtlich ihrer Kommunikations- und Informationskompetenz zu stärken.30 Techniken der operanten Konditionierung, Lernen am Modell und sokratische Gesprächsführung können eingesetzt werden.

[...]


1 Vgl. Schaeffer et al (2020), S. 22

2 Schaeffer et al (2020), S. 10

3 Schaeffer et al (2020), S. 12

4 Gimbel/Lang (2018), S. 180

5 Vgl. Schaeffer et al (2020), S. 12 f.

6 Wittke et al (2014), S. 80

7 Vgl. Wittke et al (2014), S. 82

8 Vgl. Schaeffer et al (2020), S. 13 f.

9 Vgl. Wittke et al (2014), S. 71

10 Vgl. Gasteiger-Klicpera/Maitz (2020), S. 1

11 Vgl. Gimbel/Lang (2018), S. 185

12 Ebd.

13 Vgl. Gimbel/Lang (2018), S. 186

14 Vgl. Gimbel/Lang (2018), S. 187

15 Vgl. Gimbel/Lang (2018), S. 192

16 Jordan/Töppich (2015), S. 921

17 Vgl. Schaeffer et al (2020), S. 26

18 Schaeffer et al (2020), S. 13

19 Vgl. Gimbel/Lang (2018), S. 182

20 STADA Arzneimittel AG (2017), S. 5

21 Schaeffer et al (2020), S. 27

22 Vgl. Merz (2016), S. 158

23 Schaeffer et al (2020), S. 27

24 Schaeffer et al (2020), S. 14

25 Vgl. Bernatzeder (2018), S. 38 ff.

26 Vgl. Bernatzeder (2018), S. 131

27 Vgl. Schaeffer et al (2020), S. 32 f.

28 Schaeffer et al (2020), S. 33

29 Vgl. Weise (2019), S. 591 ff. für weiterführende Informationen.

30 Vgl. Schaeffer et al (2020), S. 28

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Möglichkeiten der Förderung der Gesundheitskompetenz durch die gesetzliche Krankenkasse
Hochschule
SRH Fernhochschule
Note
1,3
Autor
Jahr
2020
Seiten
27
Katalognummer
V942248
ISBN (eBook)
9783346274410
ISBN (Buch)
9783346274427
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gesundheitskompetenz, Krankenkasse, Förderung, Gesundheitskommunikation, Kommunikation, Prävention
Arbeit zitieren
Olivia Keil (Autor), 2020, Möglichkeiten der Förderung der Gesundheitskompetenz durch die gesetzliche Krankenkasse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/942248

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