Seit ihren Anfängen versuchen die Schiiten, die Frage nach der legitimen
Stellvertreterschaft des Verborgenen, Zwölften Imams zu beantworten. Aufgabe dieser Hausarbeit ist es, das Spannungsverhältnis zwischen den Schiitischen Gelehrten, der ´ulamā´ und den weltlichen Herrschern von den Anfängen der Schia (680/684) bis zur Islamischen Revolution im Iran 1979 wiederzugeben. Ich bin hierbei vor allem auf die letzten beiden Dynastien eingegangen. Dabei ist mein Hauptanliegen aufzuzeigen, inwiefern sich die Ansichten der Schia bezüglich der Beteiligung an der Regierungsausübung, von Mitbestimmung bis hin zur vollen Ausübung, durch die Jahrhunderte hinweg wandeln, und worin sich Khomeinis Staatsverständnis von dem der traditionellen Schia unterscheidet.
Inhalt:
1. Die Schia und ihr Verhältnis zu den jeweiligen weltlichen
Herrschern S. 3-4
1.1 Die Qağaren-Dynastie S. 4-5
1.2 Die Pahlavi-Dynastie S. 5-6
2. Ayatollāh Khomeini und die islamische Revolution S. 6-8
3. Die Grundprinzipien islamischer Staatstheorie und
Khomeinis Verständnis eines islamischen Staates S. 8-10
3.1 Khomeini und die Wilāyat faqīh S.10-12
3.2 Relative und absolute Statthalterschaft S.13
4. Die Umsetzung von Khomeinis Vorstellungen durch
die Verfassung der Islamischen Republik Iran S.13-15
5. Anhang: Die Imame der Zwölfer-Schia S.15
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1.Die Schia und ihr Verhältnis zu den jeweiligen weltlichen Herrschern 680-1979
1.1 Die Qāğāren-Dynastie (bis 1925)
1.2 Die Pahlavi-Dynastie(1925-1979)
2. Ayatollāh Khomeini und die Islamische Revolution 1979
3. Die Grundprinzipien islamischer Staatstheorie und Khomeinis Verständnis eines islamischen Staates
3.1 Khomeini und die Wilāyat faqīh
3.2 Relative und absolute Statthalterschaft
4. Die Umsetzung von Khomeinis Vorstellungen durch die Verfassung der Islamischen Republik Iran
5.Anhang
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das historische Spannungsverhältnis zwischen schiitischen Gelehrten (der 'ulamā') und weltlichen Herrschern von den Anfängen der Schia im 7. Jahrhundert bis zur Islamischen Revolution 1979, um den Wandel des schiitischen Staatsverständnisses sowie die Besonderheit der von Imam Khomeini propagierten Lehre aufzuzeigen.
- Historische Entwicklung der schiitischen Haltung gegenüber weltlicher Herrschaft
- Einfluss der Qāğāren- und Pahlavi-Dynastien auf den Klerus
- Analyse von Khomeinis Konzept der Wilāyat faqīh (Regierung der Rechtsgelehrten)
- Konkrete Umsetzung der islamischen Staatstheorie in der Verfassung von 1979
Auszug aus dem Buch
3. Die Grundprinzipien islamischer Staatstheorie und Khomeinis Verständnis eines islamischen Staates
Der sechste Imam G´afar as-Sadiq (702-765) gilt als der Begründer des schiitischen Rechts. Die ğafaritische Rechtschule (madhab) vertritt die schiitische Rechtswissenschaft und ist zurückzuführen auf Aussprüche, Richtlinien und Entscheidungen des Imams G´afar as-Sadiq. Sie unterscheidet sich nur minimal von den vier sunnitischen Rechtsschulen (der Hanafitischen, Malikitischen, šafiitischen und Hanbalitischen), nicht mehr als diese sich untereinander unterscheiden.
Als Grundlagen schiitischen Rechts dienen neben Koran, die Sammlungen von Aussprüchen des Propheten (hadith) und der Imame sowie das daraus entwickelte Prinzip der Jurisprudenz (usūl al-fiqh).
„Die Vier Bücher“ (al-kutub al-arba´a) sind das „Gedankengebäude“ der Zwölfer-Schia. Das erste dieser vier Bücher ist „das Genügende“ (al-Kāfi), welches in acht Bänden Themen wie Glaubensbekenntnis und Imamat, Glaube und Unglaube, kultische Reinheit, Begräbnis, Gebet und Fasten beinhaltet. Verfasst von al-Kulainī (gest.941).
Das zweite Buch heißt „Wer keinen Experten zur Hand hat“ (man lā yahduruhu l-faqīh), verfasst von Ibn Bāboye al Qummi (gest.991). Die letzten beiden Bücher heißen „Betrachtung der umstrittenen Überlieferungen“(al-Istibsār fītmā ´khutlifa fīhi min al-akhbār) und „Revision der Entscheidungen“, (tahdhīb al-ahkām) von at-Tūsī (gest.1067).
Die Religionsgelehrten, die das schiitische Prinzip der Jurisprudenz entwickelten, setzten die Grundsätze des Verfahrens der selbständigen Beantwortung künftiger Fragen fest. Die Usūlīs, die Anhänger der „Prinzipien“ (usūl), beriefen sich auf die Vernunft des Menschen (´aql) und ersetzen die Autorität der Tradition (naql), also des entrückten Imams durch die Autorität lebender Menschen als Stellvertreter. Der Mensch habe sich seinem von Gott gegebenen Verstand und Sinn für Gerechtigkeit (´adl) zu bedienen um Gottes Willen zu erkennen und die Bestimmungen der šarī´a auszulegen. Eine Gegenströmung zu den Usūlīs stellten die Ahbārīs, die Anhänger der „Überlieferungen“(ahbār), dar.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung umreißt die Fragestellung nach der legitimen Stellvertreterschaft des Imams und das Spannungsfeld zwischen Klerus und Herrschern.
1.Die Schia und ihr Verhältnis zu den jeweiligen weltlichen Herrschern 680-1979: Dieses Kapitel beschreibt den historischen Rückzug der Schia ins Unpolitische und den wachsenden Einfluss der 'ulamā' in der Qāğāren- und Pahlavi-Zeit.
1.1 Die Qāğāren-Dynastie (bis 1925): Analyse der doppelten Behüterrolle der Gelehrten gegenüber ausländischen Einflüssen und dem Schah.
1.2 Die Pahlavi-Dynastie(1925-1979): Darstellung der Unterdrückung religiöser Privilegien durch die säkulare Modernisierungspolitik unter den Pahlavi-Schahs.
2. Ayatollāh Khomeini und die Islamische Revolution 1979: Biografische Skizze Khomeinis und seine Radikalisierung vom Theologen zum revolutionären Führer im Exil.
3. Die Grundprinzipien islamischer Staatstheorie und Khomeinis Verständnis eines islamischen Staates: Erläuterung der rechtswissenschaftlichen Grundlagen und des Übergangs vom traditionellen Verständnis zur Herrschaft des Rechtsgelehrten.
3.1 Khomeini und die Wilāyat faqīh: Analyse des Konzepts der „Regierung der Rechtsgelehrten“ als direkter Herrschaftsanspruch.
3.2 Relative und absolute Statthalterschaft: Unterscheidung zwischen traditionell-schiitischer Auffassung und Khomeinis Auslegung der direkten politischen Verantwortung.
4. Die Umsetzung von Khomeinis Vorstellungen durch die Verfassung der Islamischen Republik Iran: Darstellung der Institutionalisierung von Khomeinis Ideologie in der Verfassung und dem Wächterrat.
5.Anhang: Eine tabellarische Übersicht der zwölf Imame der Schia.
Schlüsselwörter
Schiismus, Iran, Khomeini, Islamische Revolution, Wilāyat faqīh, Rechtsgelehrte, 'Ulamā', Staatstheorie, Scharia, Verfassung, Pahlavi-Dynastie, Politische Opposition, Theokratie, Imamat, Gottesstaat.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht den Wandel im politischen Selbstverständnis schiitischer Gelehrter im Iran von einer eher unpolitischen Haltung hin zur direkten Ausübung der Staatsmacht durch Ayatollah Khomeini.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder sind die historische Entwicklung der Schia, das Spannungsverhältnis zwischen dem schiitischen Klerus und den Pahlavi- bzw. Qāğāren-Herrschern sowie die ideologische Begründung des Islamischen Staates.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie sich die Beteiligung der Schia an der Regierung im Laufe der Jahrhunderte gewandelt hat und wodurch sich das Staatsverständnis Khomeinis fundamental von der traditionellen schiitischen Lehre unterscheidet.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer Literatur- und Quellenanalyse, die historische Ereignisse und theologische Konzepte im Kontext der politischen Entwicklung Irans im 20. Jahrhundert verknüpft.
Was sind die inhaltlichen Schwerpunkte des Hauptteils?
Der Hauptteil gliedert sich in die historische Aufarbeitung des Widerstands des Klerus, die politische Radikalisierung Khomeinis im Exil und die detaillierte Darstellung seiner Theorie der Wilāyat faqīh.
Durch welche Schlüsselbegriffe ist die Arbeit charakterisiert?
Wesentliche Begriffe sind Wilāyat faqīh, Rechtsgelehrte ('ulamā'), Islamische Revolution 1979, Scharia, Konstitutionalismus und theokratische Staatsführung.
Wie unterscheidet Khomeini laut der Autorin sein Konzept von der "traditionellen Schia"?
Die traditionelle Schia betrachtete die politische Macht während der Verborgenheit des Imams als delegiert oder untergeordnet; Khomeini hingegen fordert die direkte Ausübung der Herrschaft durch den ranghöchsten Gelehrten als religiöse Pflicht.
Warum ist laut der Arbeit die Bezeichnung "Gottesstaat" für das Regime Khomeinis treffend?
Weil laut Khomeinis Lehre Gott der alleinige Herrscher ist und der Rechtsgelehrte als dessen Statthalter fungiert, wobei alle Gesetze in Einklang mit der Scharia stehen müssen und die Legislative faktisch unter der Führung des Rahbar steht.
- Citation du texte
- Pinar Kehribar (Auteur), 2005, Die traditionelle Schia und das Staatsverständnis Imam Khomeinis, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/94254