Religiösität, Sentimentalität und Mütterlichkeit in "Uncle Toms Cabin"


Hausarbeit (Hauptseminar), 2008

23 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort

2. Wahrheit und Fiktion
2.1. Zwei Handlungsstränge: Eliza und Tom
2.2. Aus dem Leben gegriffen

3. Religion – Eines der zentralen Themen im Roman
3.1. Sklaverei und Christentum
3.2. Veralterte Vorstellungen von Religion

4. Anspruchsvolle Literatur oder Kitschroman?
4.1. Nicht der Lektüre wert?
4.2. Eva – Zu sentimental dargestellt?
4.3. Tom – Ein perfekter Christ

5. Mütterlichkeit und Familie als zentrale Themen

6. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Vorwort

“At different times, doubt has been expressed whether the scenes and characters pourtrayed in Uncle Tom's Cabin convey a fair representation of slavery as it at present exists. This work, more, perhaps, than any other work of fiction that ever was written, has been a collection and arrangement of real incidents, of actions really performed, of words and expressions really uttered, grouped together with reference to a general result, in the same manner that the mosaic artist groups his fragments of various stones into one general picture.” (Beecher Stowe 1853: S. 5)

Mit diesen Worten beginnt Harriet Beecher Stowes Key to Uncle Tom’s Cabin 1. Eine Abhandlung, in der die Autorin reale Vorkommnisse schildert, die ihre oft als übertrieben kritisierten Szenen und Charaktere im Roman rechtfertigen.

Dass Beecher Stowe mit Uncle Tom’s Cabin 2 einen Roman geschaffen hat, der es unmöglich machte, die Sklavenfrage weiterhin zu ignorieren ist unumstritten. Dass der Roman sofort zu einem Bestseller wurde, dessen Inhalt sowohl hoch gelobt als auch aufs Schärfste angegriffen wurde, ist ebenfalls bekannt. Meine Arbeit wird sich jedoch nur am Rande mit dem Thema Sklaverei beschäftigen. Ich werde auf das Mutter- und Frauenbild im Roman eingehen, auf den Umgang mit Religion – aus heutiger Sicht teilweise nicht mehr nachvollziehbar – sowie auf die oft kritisierte Sentimentalität von Uncle Tom’s Cabin. Zur Zeit der Veröffentlichung durchaus als großes literarisches Werk geschätzt, wurde der Roman in späteren Jahren als sentimentaler Kitsch betrachtet. Erst in der jüngeren Vergangenheit wurde dies neu bewertet.

2. Wahrheit und Fiktion

Uncle Tom’s Cabin erschien zunächst als Fortsetzungsroman in der abolitionistischen Zeitschrift The National Era 3. Obwohl Harriet Beecher Stowe – in Connecticut geboren und aufgewachsen – nicht direkt von der Sklaverei betroffen war, lag ihr das Thema sehr am Herzen. Aus Erzählungen und durch eigene Besuche auf Plantagen, die von Sklaven bewirtschaftet wurden, wusste sie ein wenig über die Lebensumstände dieser Menschen Bescheid und beschloss eine Geschichte über das Leben fiktiver Sklaven zu verfassen.

Der erste Teil des mehrteilig geplanten Romans erschien im Juni 1851. Die Geschichte wurde jedoch sehr viel länger als anfangs vermutet, da sie sehr beliebt war. Als Uncle Tom’s Cabin 1852 , etwa neun Monate nach der Veröffentlichung des ersten Teiles, als Buch heraus kam, wurde es aufgrund der Emotionalität und der lebendigen Protagonisten sofort zu einem Bestseller.

2.1. Zwei Handlungsstränge: Eliza und Tom

Die Geschichte des Sklavenmädchens Eliza, die mit ihrem Sohn Harry nach Kanada flüchtete, um dessen Verkauf zu verhindern ließ die Leser ebenso mitfiebern wie das Schicksal der Hauptfigur Tom. Beide Handlungsstränge beginnen auf der Plantage von Arthur Shelby, der aufgrund finanzieller Probleme gezwungen wird, den treuen Tom und Elizas Sohn Harry an den Sklavenhändler Haley zu verkaufen. Eliza, die mit anhört, wie Mr. Shelby seiner Frau Emily von dem bevorstehenden Verkauf erzählt, beschließt mit ihrem Sohn nach Kanada zu flüchten, obwohl sie es bei den Shelbys sehr gut hatte und ihr diese Entscheidung schwer fällt.

Elizas Mann George Harris, der kurze Zeit vorher ebenfalls von einer benachbarten Plantage geflohen ist, erfährt von Elizas Plan, nach Kanada zu gehen und versucht sie zu finden. Eliza findet Zuflucht bei einer Quäker-Familie, wo George sie aufspüren kann. Die beiden planen nun die gemeinsame Flucht mit Sohn Harry. Auf dem Weg in die Freiheit werden George, Eliza und Harry – unterwegs mit zwei weiteren ausgerissenen Sklaven – verfolgt und beinahe gefasst. Doch George gelingt es, einen Angreifer zu verwunden, während der Rest der Verfolger flieht. Verkleidet gelingt es Eliza und ihrer Familie schließlich nach Kanada überzusetzen.

Anstatt wie Eliza zu versuchen dem Verkauf durch Flucht zu entgehen, ergibt sich Tom seinem Schicksal, opfert sich für seine Familie. Er wird von Sklavenhändler Haley gekauft. Auf einer Fähre lernt Tom die kleine Eva kennen, die ihren Vater, Augustin St.Clare, überredet, Tom zu kaufen. Der freundliche aber resignierte Augustin erfüllt seiner Tochter diesen Wunsch. Bald verbindet Tom und Eva eine tiefe Freundschaft. Doch zwei Jahre nachdem ihr Vater Tom gekauft hat, wird Eva schwerkrank und stirbt. Augustine St.Clare trifft der Tod seiner Tochter am meisten. Durch Toms Einfluss beginnt St.Clare Trost in Gott und der Bibel zu suchen und verspricht ihm im Gegenzug dafür die Freiheit. Doch alles kommt anders. St.Clare stirbt, bevor er Tom schriftlich bestätigen kann, dass er ein freier Mann ist. Augustines Frau, Marie, verkauft einen Großteil ihrer Sklaven.

Toms neuer Besitzer ist der grausame Simon Legree, der den Glauben und die Frömmigkeit des Sklaven brechen und ihn zu einem brutalen Aufseher umerziehen will. Dieser Plan scheitert jedoch an Toms Weigerung, andere Sklaven zu bestrafen und zu misshandeln, woraufhin Tom selbst zum Opfer wird. Doch er lässt sich nicht unterkriegen. Durch seinen unermüdlichen Glauben in Gott, hält er jede Misshandlung aus. Selbst als er zu Tode geprügelt wird, verliert Tom seinen Glauben nicht. Er ist sogar in der Lage, Legree zu verzeihen. Tom stirbt in den Armen George Shelbys – dem Sohn seines ersten Herrn.

2.2. Aus dem Leben gegriffen

Der erste amerikanische Roman, der millionenfach verkauft wurde. Das erfolgreichste Buch des 19. Jahrhunderts: Die Geschichte um Tom und Eliza begeisterte junge und alte, männliche und weibliche, schwarze und weiße Leser.

Doch es gab auch negative Kritik an Beecher Stowes Roman. Man warf der Nordstaatlerin zum Beispiel Unkenntnis über die im Süden herrschenden Verhältnisse vor. Die Autorin hatte jedoch nicht nur ihre Phantasie spielen lassen, sondern durchaus eigene Erfahrungen mit Sklaverei gemacht. Nach Beecher Stowes eigenen ergänzenden Angaben zum Roman, sind „die einzelnen Ereignisse, die die Erzählung bilden […] zum größten Teil authentisch, und viele davon haben entweder sie selber oder persönliche Freunde von ihr erlebt“. (Beecher Stowe. 2006: S. 505) Ein großer Teil der Gespräche sei wörtlich niedergeschrieben worden und auch einige Charaktere seien aus dem Leben gegriffen.

In The Key to Uncle Tom’s Cabin gibt die Autorin an, die Figur der Eliza einer jungen Sklavin nachempfunden zu haben, sowohl was deren Charakter als auch deren Aussehen betraf.

Auf einer Reise durch Kentucky sah Beecher Stowe in einer Kirche eine junge Mulattin, die nicht nur schön und liebenswürdig, sondern auch ergeben und fromm war, und deshalb von ihren Besitzern behandelt wurde, als gehöre sie zur Familie. Diese Sklavin wurde zum Vorbild für Eliza. Auch die oft als übertrieben kitschig kritisierte Szene, in der Eliza den Fluss über treibende Eisschollen überquert, hat sich laut Angaben der Autorin wirklich so abgespielt. Die Frau, der die Flucht über das Eis gelungen war, soll danach in Kanada gelebt haben. Nach Beecher Stowe (2006: S. 506) sei dies „eine wohl bekannte Tatsache“.

Zum ersten Mal begegnete die Autorin Sklaven bei der Besichtigung eines Landgutes in Kentucky, welches wohl als die Vorlage für Mr. Shelbys Farm diente. Vorbilder für die meist sehr frommen Sklaven hatte Beecher Stowe zur Genüge. So gab sie unter anderem dieses Beispiel an: “In the town of Brunswick, Maine, where the writer lived when writing “Uncle Tom's Cabin,” may now be seen the grave of an aged coloured woman, named Phebe, who was so eminent for her piety and loveliness of character, that the writer has never heard her name mentioned except with that degree of awe and respect which one would imagine due to a saint.” (Beecher Stowe, 1853: S.25)

Nach ihren eigenen Angaben war auch die Figur Tom sei keine bloße Erfindung der Autorin, sondern sie habe diese Art Charakter viel öfter in der Realität erlebt, als die anderen Figuren des Romans. „Dass Toms tragisches Schicksal zu oft auch im wirklichen Leben vorkommt, können Zeugen im ganzen Land bestätigen.“ (Beecher Stowe, 2006: S. 506)

So habe ein Gentleman in Maine Beecher Stowe von einem Sklaven seines Bruders in New Orleans erzählt, der von diesem als besonders ehrlich gelobt wurde. Man konnte diesem Sklaven bedenkenlos vertrauen, weshalb er viele Geldgeschäfte für seinen Herrn erledigen durfte. Darüber hinaus war der Sklave zutiefst religiös.

[...]

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Religiösität, Sentimentalität und Mütterlichkeit in "Uncle Toms Cabin"
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Note
1,7
Autor
Jahr
2008
Seiten
23
Katalognummer
V94256
ISBN (eBook)
9783640100842
ISBN (Buch)
9783640112036
Dateigröße
426 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Religiösität, Sentimentalität, Mütterlichkeit, Uncle, Toms, Cabin
Arbeit zitieren
Nicole Koller (Autor), 2008, Religiösität, Sentimentalität und Mütterlichkeit in "Uncle Toms Cabin", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/94256

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