Das Prinzip der Salutogenese im betrieblichen Kontext

Betriebliche Gesundheitsförderung, betriebliches Gesundheitsmanagement, Altersmanagement - das Management personaler Ressourcen


Hausarbeit, 2020

33 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Genderhinweis

1. Einleitung

2. Prinzip der Salutogenese nach Antonovsky
2.1. Entstehung der Salutogenese
2.2. Gesundheit und Krankheit
2.3. Perspektivenwechsel
2.4. Allgemeine Widerstandsressourcen
2.5. Kohärenzgefühl

3. Gesundheitsförderung, betriebliche Gesundheitsförderung und betriebliches Gesundheitsmanagement
3.1. Gesundheitsförderung und betriebliche Gesundheitsförderung
3.2. Betriebliches Gesundheitsmanagement

4. Prinzip der Salutogenese in der Gesundheitsförderung im betrieblichen Kontext
4.1. „7 Tipps für gesündere Unternehmen“ nach Bürgel im Zusammenhang mit der Salutogenese
4.2. Prinzip der Salutogenese im betrieblichen Altersmanagement

5. Kritische Diskussion

6. Fazit

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 Gesundheits-Krankheits-Kontinuum

Abbildung 2 Transaktionales Stressmodell nach Lazarus und Folkman

Abbildung 3 Kohärenzgefühl (eigene Darstellung)

Abbildung 4 Modell der Salutogenese

Abbildung 5 Zusammenhang zwischen Salutogenese, BGM, Gesundheitsförderung (eigene Darstellung)

Genderhinweis

Aus Gründen der leichteren Lesbarkeit wird in der vorliegenden Hausarbeit eine einheitliche Sprachform verwendet. Dies impliziert jedoch keine Benachteiligung eines Geschlechts, sondern soll im Sinne der sprachlichen Vereinfachung als geschlechtsneutral zu verstehen sein.

1. Einleitung

„Wer nicht jeden Tag etwas für seine Gesundheit aufbringt, muss eines Tages viel Zeit für die Krankheit opfern.“ (Sebastian Kneipp)

So lautet eine aus dem 19. Jahrhundert stammende Weisheit, die auch noch in der heutigen Zeit als äußert aktuell anzusehen ist. Doch nicht nur die zeitliche Komponente, sondern u.a. auch die Erkenntnis über die Notwendigkeit der Gesundheitsförderung rücken immer mehr in den Fokus unterschiedlicher Lebenswelten von Menschen. Besonders in der betrieblichen Praxis stellt die Betrachtung von gesundheitsbezogenen Faktoren vermehrt einen wesentlichen Beitrag dar, um weiterführend die Leistungsfähigkeit der Mitarbeitenden sicherzustellen. Insbesondere aufgrund von demografischen Veränderungen wird vor allem das betriebliche Gesundheitsmanagement zu einem viel diskutierten Thema.1 2019 veröffentlichte Ilona Bürgel „7 Tipps für gesündere Unternehmen“ auf einer Online Plattform, die sich mit arbeitsrelevanten Bereichen beschäftigt und forderte dabei Führungskräfte zu div. Maßnahmen und Handlungsempfehlungen auf, um die Gesundheit ihrer Beschäftigten aufrechtzuerhalten bzw. zu stärken.2 Ausgangspunkt vieler Strategien dieser Art, die in der heutigen Zeit für die Umsetzung der Gesundheitsförderung in der Arbeitswelt angewendet werden, bauen auf dem Konzept der Salutogenese nach Antonovsky, dessen Herangehensweise und Ansichten zu einer völlig neuen Betrachtungsweise zu den Themen Gesundheit und Krankheit führten, auf.3 Hierzu stellen sich die Fragen:

- Wie können die Begrifflichkeiten in Bezug zu diesen Themen definiert werden, um ein einheitliches Verständnis zu entwickeln?
- Wie stellen sich die Tipps von Ilona Bürgel dar, wenn sie anhand der theoretischen Grundlagen der Salutogenese reflektiert werden?
- Wie können die empirischen Befunde evaluiert beschrieben werden?
- Welche zusätzlichen Hinweise sind notwendig, wenn es sich bei der Belegschaft um einen Altersdurchschnitt von 50 + handelt?
- Welche Möglichkeiten ergeben sich durch das Konzept der Salutogenese und welche Grenzen können identifiziert werden?

Ziel der vorliegenden Hausarbeit ist es, dem Leser themenbezogene Begrifflichkeiten zu erklären sowie theoretische Grundlagen der Salutogenese und der betrieblichen Gesundheitsförderung vorzustellen, um anschließend praktische Tipps zur Gesundheitsförderung im betrieblichen Kontext auf der Grundlage der vorgestellten Theorie zu reflektieren und zu evaluieren. Im Speziellen sollen Abweichungen, die es bei einem Altersdurchschnitt von 50 + bei der Belegschaft zu berücksichtigen gilt, dargestellt werden. Schließlich stellen die Möglichkeiten, die sich durch das Prinzip der Salutogenese ergeben und die Grenzen, die sich dabei erkennen lassen, den Abschluss dar.

Dazu werden unter Kapitel 2 die theoretischen Grundlagen in Bezug zu Gesundheit und Krankheit sowie das Konzept der Salutogenese detailliert beschrieben, um danach in Kapitel 3 auf die allgemeine Gesundheitsförderung und darauffolgend jene im betrieblichen Setting einzugehen. Aufbauend darauf werden im 4. Kapitel 4 von 7 Tipps nach Bürgel zur betrieblichen Gesundheitsförderung erklärt, reflektiert und anhand der zuvor vorgestellten Theorie evaluiert. Mittels kritischer Literaturbetrachtung werden die niedergeschriebenen Inhalte analysiert und hinterfragt, indem die offenbarten Möglichkeiten gleichermaßen wie die Grenzen betrachtet werden.

2. Prinzip der Salutogenese nach Antonovsky

Das Wort Salutogenese setzt sich aus den beiden griechischen Worten saluto, was Gesundheit und genese, was Entstehung bedeutet, zusammen. Demnach beschreibt das Prinzip der Salutogenese die Entstehung von Gesundheit. Begründet wurde dieses Konzept vom israelisch-amerikanischen Medizinsoziologen Aaron Antonovsky (1923-1994).4 Für ein einheitliches Verständnis sollen in diesem Kapitel der vorliegenden Hausarbeit die theoretischen Grundlagen im Bezug zur Salutogenese detailliert erläutert werden.

2.1. Entstehung der Salutogenese

Antonovsky führte Untersuchungen in Israel zur Anpassung von Frauen unterschiedlicher ethnischer Gruppen an die Menopause durch. Eine der Gruppen war 1939 zwischen 16 und 25 Jahren alt und hatte sich in einem nationalsozialistischen Konzentrationslager befunden. Der Forscher kam zum Ergebnis, dass 29 % dieser Frauen trotz unvorstellbarer Qualen, die sie in dieser Zeit erfuhren und einer Vielzahl von Risikofaktoren wie bspw. der Kälte, Mangelernährung oder der psychischen Belastung über eine relativ gute Gesundheit verfügten. Diese überraschende Erkenntnis führte Antonovsky zur Frage „Welche Ressourcen und Eigenschaften konnten diesen Frauen dabei helfen ihre Gesundheit unter diesen Bedingungen zu erhalten?“. Daher startete er die Forschung nach jenen Faktoren, die trotz massiver Einwirkung von gesundheitsschädigenden Einflüssen die Gesundheit stabilisieren können. Aus diesen Arbeiten entwickelte Antonovsky das Konzept der Salutogenese, das die Entstehung von Gesundheit erklärt.5

2.2. Gesundheit und Krankheit

In der Fachliteratur lässt sich für die Begriffe „Gesundheit“ und „Krankheit“ keine allgemeingültige Definition finden. Stattdessen existieren, aufbauend auf unterschiedlichen Theorien und Modellen, verschiedene Definitionen. Um dies zu zeigen, bietet sich eine Gegenüberstellung von Pschyrembel, Parson und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) an. Pschyrembel bringt einen biomedizinischen und naturwissenschaftlichen Hintergrund mit und beschreibt demnach Gesundheit 1982 als das Freisein von körperlichem Gebrechen. Parson hingegen versteht Gesundheit als Voraussetzung für das Führen eines gesellschaftlichen Lebens, da er einen soziologischen Ansatz pflegt. 6 Die WHO definiert Gesundheit im Jahr 1946 als „(…) der Zustand völligen körperlichen, psychischen und sozialen Wohlbefindens und nicht nur das Freisein von Krankheit und Gebrechen.“ 7 Zudem wird Krankheit definiert als „(…) das Stadium des Ungleichgewichtes von Risiko- und Schutzfaktoren, das eintritt, wenn einem Menschen eine Bewältigung von inneren (körperlichen und psychischen) und äußeren (sozialen und materiellen) Anforderungen nicht gelingt. Krankheit ist ein Stadium, das einem Menschen eine Beeinträchtigung seines Wohlbefindens und seiner Lebensfreude vermittelt.“ 8 Dies zeigt drei Begriffserklärungen, die sich jedoch je nach Disziplin, Modell oder Theorie, welcher sie entspringen, stark unterscheiden.

Antonovsky leistet hierbei einen innovativen Beitrag, da er Gesundheit und Krankheit erstmals nicht als Begriffe beschreibt, die jeweils für sich alleine stehen. Nach ihm schließt Gesundheit Krankheit und Krankheit Gesundheit nicht aus. Er beschreibt Gesundheit vielmehr als einen dynamischen und mannigfaltigen Prozess, der sich nicht ausschließlich als körperlicher Status zeigt. 9 Krankheit definiert er dabei zwar als Auslöser für eingeschränkte Gesundheit, dies resultiert jedoch aus Gründen der Nichtbewältigung von Belastungen und Anforderungen und den damit verbundenen negativen Auswirkungen. 10 Dies zeigt einen Prozess zwischen krank und gesund sein, der zu jedem Zeitpunkt einen Zustand liefern kann, sich jedoch immer auf einer Geraden eines sog. Gesundheits-Krankheits-Kontinuums befindet (siehe Abb. 1). Auf der einen Seite liegt die völlige bzw. absolute Gesundheit und auf der Anderen die völlige bzw. absolute Krankheit. Laut Antonovsky können beide Stadien nie erreicht werden. Jeder Person kann demnach ein punktueller Zustand seines Gesundheitsstatus entnommen werden. Dabei wird es immer Anteile geben, die das Wohlbefinden positiv beeinflussen sowie Anteile, die Missempfindungen bewirken. Nach Antonovsky besteht dieses rangeln um mehr Gesundheit permanent und endlos. 11

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 Gesundheits-Krankheits-Kontinuum12

Folglich ergeben sich aus diesen Erkenntnissen nicht mehr die Fragen, ob eine Person gesund oder krank ist, sondern vielmehr wie nahe ist eine Person der völligen Gesundheit bzw. der völligen Krankheit oder an welchem Punkt des Gesundheits-Krankheits-Kontinuums befindet sie sich gerade. 13

2.3. Perspektivenwechsel

Zu Beginn der Forschung in Bezug zu Gesundheit und Krankheit stand die Krankheit und somit ein patogenetischer Ansatz im Mittelpunkt des Interessens. So wurde Gesundheit 1982 noch von Pschyrembel als „Freisein von Gebrechen“ definiert14 und wurde spätestens 1996 durch die Formulierungen der WHO abgelöst, die den Fokus auf Gesundheit als ein „Ergebnis eines dynamischen Gleichgewichts zwischen den Ressourcen des Individuums und den Anforderungen seiner Umwelt“15 ansieht. Dieser Perspektivenwechsel bekräftigt die hier dargestellten Ansätze der Salutogenese, welche die pathogenetische Perspektive zum Thema ablöst.

2.4. Allgemeine Widerstandsressourcen

Ein Element der Salutogenese stellen die allgemeinen Widerstandsressourcen dar. Darunter versteht Antonovsky individuelle Ressourcen, die bei der Spannungsbewältigung unterstützend wirken. Diese Faktoren sind dauerhaft verfügbar und ermöglichen eine positive Einflussnahme in Richtung völliger Gesundheit auf dem Gesundheits-Krankheits-Kontinuum. Diese Beeinflussung geschieht demnach indirekt und nicht direkt, da sie bspw. Auswirkungen auf das Verhalten oder das Denken einer Person haben, welches anschließend die Gesundheit positiv beeinflusst. Hierzu gibt es einen Unterschied zwischen dem vorhandenen Potenzial einer der Ressourcen und der tatsächlichen Mobilisierung und Nutzung dieser Ressource durch die Person.16 Nachfolgend werden unterschiedliche Arten von Ressourcen mit einer Auswahl an Bespielen aufgezeigt:17

- Personal-psychische Ressourcen: Handlungskompetenzen (Flexibilität, vorausschauendes Handeln), div. Persönlichkeitsmerkmale (Optimismus, Selbstwirksamkeit)
- Sozial-interpersonale Ressourcen: Soziale Beziehungen , soziales Umfeld, persönliche Lebenswelt
- Körperlich-konstitutionelle Ressourcen: Körperliche Fitness , Stabilität des vegetativen Systems , Immunkompetenz
- Soziokulturelle Ressourcen: Kulturelle Stabilität , gesellschaftliche Unterstützung
- Materielle Ressourcen: Geld , Güter

Diese Widerstandsressourcen prägen zum einen kontinuierlich die Lebenserfahrungen und Einstellungen einer Person und somit auch das Kohärenzgefühl. Zum anderen wirken sie als Potential, das eine Person in sich trägt und bei Spannungszuständen nutzen kann. Dabei kann eine unterschiedliche Handhabe von Individuum zu Individuum beobachtet werden. Die Bewältigung der Spannungszustände wird hierbei als „coping“ bezeichnet. Auch dieser Copingprozess mit unterschiedlichen Copingstrategien stellt ein wesentlicher Teil für die Salutogenese dar, da sich die Position auf dem Gesundheits-Krankheits-Kontinuum rasch in Richtung Krankheit verändern kann, wenn die Bewältigungsstrategien mangelhaft sind und dadurch negativer Stress erlebt wird. Bei der Verwendung von gesundheitsförderlichen Bewältigungsstrategien kann das Gegenteil der Fall sein, dass sich der Gesundheitsstatus weiter hin zur völligen Gesundheit verändert.18 Die Widerstandsressourcen stellen folglich Schutzfaktoren dar, die bei der primären und sekundären Bewertung gemäß dem transaktionalen Stressmodell nach Lazarus und Folkman eine bedeutsame Rolle spielen.19 Um ein besseres Verständnis für den Einsatz der Widerstandsressourcen zu entwickeln, soll nachfolgend das erwähnte Modell in aller Kürze aufgezeigt werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung2Transaktionales Stressmodell nach Lazarus und Folkman20

Wie Abb. 2 zeigt, beginnt das transaktionale Stressmodell nach Lazarus und Folkman beim Faktor Umwelt und den Reizen (auch Stressoren genannt), die diese abwirft. Daraufhin folgt die primäre Bewertung in welcher der Stressor als negativ (bedrohend), positiv (herausfordernd) oder irrelevant interpretiert wird. Je nachdem wie diese Interpretation ausfällt, entsteht ein Spannungszustand bei Bedrohung oder keiner bei Irrelevanz bzw. Herausforderung. Diese primäre Bewertung erfolgt zwischen dem erkannten Stressor und dem eigenen Wohlergehen, das gefährdet sein könnte. In der sekundären Bewertung werden die vorhandenen Ressourcen analysiert, die der Person zur Verfügung stehen, um die Auswirkungen des Stressors bewältigen zu können. Werden diese als unzureichend bewertet, löst dies Stress aus dem vorangegangenen Spannungszustand aus.21 Hierbei wird unterschieden zwischen positivem, anspornenden „Eustress“ und negativem, belastenden und gesundheitsgefährdendem „Distress“. Im Falle von Distress beginnt der nächste Schritt im Stressmodell die sog. Bewältigung (=Coping).22 Unter Coping wird der Prozess der Bewältigung von Stressoren, die von der Person als negativ und ressourcenübersteigend interpretiert werden verstanden.23 Durch Bewältigungsstrategien wird versucht mögliche Schäden zu verhindern, das innere Wohlbefinden nach erlittenem Schaden zurück zu gewinnen und/oder emotionale Belastungen abzubauen.24 Im letzten Schritt beschreiben Lazarus und Folkman die sog. Neubewertung, in welcher erlebte Situationen neubewertet werden, wodurch zuvor getroffene Einschätzungen abgeändert werden und ein Lernerfolg stattfindet. Bei positiv durchlebten Stresssituationen kann es sein, dass zukünftig kein Stressempfinden mehr erlebt wird, wenn die Situation sich erneut ergibt. Negativ erlebte anspruchsvolle Erlebnisse würden eher zu erhöhtem Stressempfinden bei denselben Ereignissen in der Zukunft führen.25

2.5. Kohärenzgefühl

Das Modell der Salutogenese zeichnet sich durch die Fokussierung auf die Entstehungs- und Erhaltungsbedingungen von Gesundheit aus. Zentrale Bedeutung hat dabei das von Antonovsky formulierte Kohärenzgefühl (sense of coherence).26 Dieses definiert er als „(…) eine globale Orientierung (…), die das Maß ausdrückt, in dem man ein durchdringendes, andauerndes aber dynamisches Gefühl des Vertrauens hat, dass die eigene interne und externe Umwelt vorhersagbar ist und dass es eine hohe Wahrscheinlichkeit gibt, dass sich die Dinge so entwickeln werden, wie vernünftigerweise erwartet werden kann.“27 Die Kohärenz führt somit eine individuelle psychologische Einflussgröße für den Gesundheitsstatus einer Person bzw. eine allgemeine Grundhaltung auf.28

Die Ausprägung der Kohärenz einer Person kann sich als niedrig oder hoch zeigen und stellt dabei die wichtigste Bestimmungsgröße bei der Positionierung dieser Person auf dem Gesundheits-Krankheits-Kontinuum dar. Je niedriger das Gefühl der Kohärenz einer Person, desto weniger Wohlbefinden erfährt diese Person im Augenblick und desto länger wird sie brauchen, um sich gesünder zu fühlen. Je höher das Kohärenzgefühl, desto gesünder wird die Person nach salutogenetischem Verständnis sein bzw. desto schneller wird sie gesund werden. Personen, die über ein hohes Maß an Kohärenz verfügen, entwickeln mit der Zeit eine Zuversicht, dass äußere Bedingungen oder erfahrene Situationen nachvollziehbar und in weiten Teilen kontrollierbar sind. Sie haben eher das Gefühl, den meisten Einfluss an ihrem eigenen Leben zu haben und vertiefen diese Überzeugungen mit jeder neuen Erfahrung mehr. Nach Antonovsky entwickelt sich das Kohärenzgefühl bis zum 4. Lebensjahrzent und wird vor allem durch persönliche Erfahrungen beeinflusst. Anschließend bleibt es zum größten Teil stabil und kann nur durch „harte Arbeit“ verändert werden.29

Das Kohärenzgefühl wird unterteilt in die drei Komponenten Verstehbarkeit, Machbarkeit und Sinnhaftigkeit. Die Verstehbarkeit (sense of comprehensibility) äußert sich darin, dass es einer Person möglich ist Zusammenhänge des Lebens zu verstehen. Somit stellt dies die Fähigkeit dar die Umwelt zu strukturieren und zu ordnen, sodass äußere, aber auch innere Bedingungen nachvollziehbar und durchschaubar sind.30 Zeigt sich die Verstehbarkeit als hoch, so erlebt das Individuum eine geordnete und klar strukturierte Lebenswelt, was zu einem sicheren Gefühl durch die Vorhersehbarkeit führt. Ist die Verstehbarkeit niedrig, so bleibt dies aus und die Lebenswelt wird als unwillkürlich, unerklärlich und nicht nachvollziehbar erlebt. Verstehbarkeit stellt folglich die kognitive Komponente des Kohärenzgefühls dar.31 Die Machbarkeit (sense of manageability) beschreibt die Überzeugung einer Person in sich selbst und in die Fähigkeit das eigene Leben selbst gestalten sowie Situationen verschiedenster Art selbst bewältigen zu können.32 Zudem zählt zur Machbarkeit nicht nur das Vertrauen in sich selbst, sondern ebenfalls an andere Personen und die mögliche Unterstützung, die von ihnen ausgehen könnte. Hier zählt das subjektiv wahrgenommene Verhältnis zwischen Anforderung und vorhandenen Ressourcen. Die Machbarkeit stellt die kognitiv-emotionale Komponenten des Kohärenzgefühls dar, da es die kognitive Einschätzung der eigenen Handlungsmöglichkeiten ebenso enthält, wie die emotionale Zuversicht im Bezug zu einer Anforderung.33 Zuletzt steht die Sinnhaftigkeit (sense of meaningfullness) dafür, dass eine Person davon überzeugt ist, dass das Leben einen Sinn hat. Die Sinnhaftigkeit beschreibt, ob ein Individuum den vom Leben gestellten Anforderungen Wichtigkeit und Wert beimisst.34 Personen mit niederem Gefühl von Sinnhaftigkeit erleben ich Dasein als Last und jede Anforderung als zusätzliche Qual. Menschen mit hohem Gefühl von Sinnhaftigkeit hingegen sehen gestellte Probleme als persönliche Herausforderung und Chance daran zu wachsen. Die Sinnhaftigkeit ist somit die motivationale Komponente des Kohärenzgefühls.35

[...]


1 Vgl. Esslinger/Emmert/Schöffski (2010)

2 Vgl. Bürgel (2019)

3 Vgl. Pfannstiel/Mehlich (2018)

4 Vgl. Antonovsky (1997)

5 Vgl. Ebd.

6 Vgl. Hurrelmann (2010), S. 114 - 115

7 Renneberg/Hammelstein (2006), S. 8

8 Ebd.

9 Vgl. Faltermaier (2005), S. 35

10 Vgl. Hurrelmann (2010), S. 146

11 Vgl. Bengel/Strittmatter/Willmann (2001), S. 32

12 Hurrelmann (2010), S. 125

13 Vgl. Bengel/Strittmatter/Willmann (2001), S. 32

14 Vgl. Hurrelmann (2010), S. 114 - 115

15 Wagner (2012)

16 Vgl. Faltermaier (2005), S. 158

17 Vgl. Ebd., S. 158 - 161

18 Vgl. Antonovsky (1997)

19 Vgl. Faltermaier (2005), S. 158 – 161

20 Ceschi (2019)

21 Vgl. Udris/Frese (1999), S. 433ff.

22 Vgl. Lazarus/Folkman (1984), S. 19

23 Vgl. Ebda. S. 283

24 Faltermaier (2005), S. 77ff.

25 Vgl. Reif et al. (2018), S. 44ff.

26 Vgl. Antonovsky (1997)

27 Ebd.

28 Vgl. Faltermaier (2005), S. 165 - 166

29 Vgl. Antonovsky (1997)

30 Vgl. Antonovsky (1997)

31 Vgl. Faltermaier (2005), S. 168 - 170

32 Vgl. Antonovsky (1997)

33 Vgl. Faltermaier (2005), S. 168 - 170

34 Vgl. Antonovsky (1997)

35 Vgl. Faltermaier (2005), S. 168 - 170

Ende der Leseprobe aus 33 Seiten

Details

Titel
Das Prinzip der Salutogenese im betrieblichen Kontext
Untertitel
Betriebliche Gesundheitsförderung, betriebliches Gesundheitsmanagement, Altersmanagement - das Management personaler Ressourcen
Hochschule
SRH Fernhochschule
Veranstaltung
Personale Ressourcen
Note
1,0
Autor
Jahr
2020
Seiten
33
Katalognummer
V942660
ISBN (eBook)
9783346271556
ISBN (Buch)
9783346271563
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
99I100 Punkte
Schlagworte
Altersmanagement, Gesundheitsförderung, Betrieblich, Personalmanagement, Salutogenese, Gesundheitsmanagement, Personal, Personale Ressourcen, Ressourcen, Ressourcenmanagement
Arbeit zitieren
Nina Hammerer (Autor), 2020, Das Prinzip der Salutogenese im betrieblichen Kontext, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/942660

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