Die Europäische Union und deren Beziehung zu den karibischen AKP Staaten im Zeichen der Globalisierung


Hausarbeit (Hauptseminar), 2008

19 Seiten, Note: 2,1


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die EU und die Karibik – „ein belastetes“ Verhältnis

3 Die Globalisierung als neuer Rahmen für internationale Beziehungen

4 Die CARICOM als „Vertreter der karibischen Staaten“
4.1 Historischer Abriss der CARICOM
4.2 Von der Zollunion zum Binnenmarkt
4.3 Zukünftige Entwicklungstendenzen in der CARICOM

5 Die EU-Beziehungen zur CARICOM
5.1 Entwicklungsorientierte Beziehungen im Rahmen der AKP-Strategien
5.2 Wirtschaftsbeziehungen EU - CARICOM
5.3 Beziehungsentwicklung in den nächsten Jahren

6 Schlussbetrachtung – Die Globalisierung als Risiko und Möglichkeit zweier ungleicher Partner

7 Quellen- und Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die Europäische Union unterhält mannigfaltige Beziehungen zum Rest der Welt. Die karibische Staatenwelt stellt dabei nur einen weniger beachteten Teil dar, wird aber in dieser Hausarbeit thematisiert. Zum einen weil die Historie beider Regionen – der EU und der Karibik – über Jahrhunderte eng miteinander verknüpft war. Im Zeitalter der Kolonisierung zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert war die karibische Region Teil unterschiedlicher europäischer Großmächte und daher auch Teil der europäischen Geschichte. Zum anderen weil die karibische Region Teil der AKP-Staaten[1] ist und somit ein besonderes Interesse für EU darstellt, aufgrund moralischer Aspekte, die vor allem durch die Historie begründet sind.

Meine Hausarbeit soll dazu dienen, einen gewissen Überblick über die Beziehungsentwicklung zwischen der Europäischen Union und der karibischen Staatenwelt zu geben. Hierzu werde ich in Punkt 2 auf das besondere Verhältnis der beiden Akteure eingehen und vor allem herausstellen, dass es sich dabei um ein „belastetes“ Verhältnis handelt. Die heutigen Beziehungen zwischen der EU und den karibischen Staaten unterliegen gegenwärtig besonderen Rahmenbedingungen. Daher werde ich im Punkt 3 die fortschreitende Globalisierung näher umreißen, welche für manche Beziehungsebenen neue Bedingungen schafft und somit einen allgemeinen Rahmen vorgibt.

Mit dem Punkt 4 beginnt der Hauptteil meiner Arbeit. Hier wird die CARICOM thematisiert, die als „Vertreter der karibischen AKP-Staaten“ gesehen werden kann. Ein kurzer historischer Abriß (Punkt 4.1) und eine Entwicklungsdarstellung von der anfänglichen Zollunion zu einem gemeinsamen karibischen Binnenmarkt (Punkt 4.2), sowie der Versuch eine zukünftige Entwicklungstendenz herauszuarbeiten (Punkt 4.3) werden Hauptinhalte des Punkt 4 sein.

Punkt 5 wird dann den zweiten wichtigen Akteur in der Hausarbeit thematisieren – die Europäische Union. Dabei wird vor allem auf die EU-Strategien für die AKP-Staaten einzugehen (Punkt 5.1), sowie die wirtschaftliche Bedeutung der Beziehungen zwischen der CARICOM und der EU darzustellen sein (Punkt 5.2). Darüber hinaus erscheint es mir sinnvoll eine Entwicklungstendenz im wirtschaftlichen und politischen Bereich aufzuzeigen (Punkt 5.3).

Punkt 6 umfasst die Schlussbetrachtung und soll dazu dienen, die Beziehungen und Entwicklungen zwischen der Europäischen Union und der CARICOM im Rahmen der Globalisierung kurz zu reflektieren. Wobei zu beachten wäre, dass es sich bei diesen beiden Akteuren um recht „ungleiche Partner“ handelt. Dies findet auch im Punkt 6 Beachtung.

2 Die EU und die Karibik – „ein belastetes“ Verhältnis

Die Europäische Union und die karibischen Staaten unterhalten eine Beziehung auf wirtschaftlicher und politischer Ebene, die vor allem historisch begründet und auch belastet ist. Einige Staaten innerhalb der Europäischen Union stechen in diesem Rahmen besonders hervor – Großbritannien, Frankreich, Spanien und die Niederlande.

Mit der (dokumentierten) Entdeckung des amerikanischen Kontinents 1492, der erst Jahre nach Kolumbus´ erster Reise den Namen Amerika bekam, begann das so genannte „Zeitalter der europäischen Entdeckungen“ und somit eine Epoche, die nicht nur Jahrhunderte andauern sollte, sondern auch die Grundsteine einer atlantischen Wirtschaft legte. Die Errichtung von Kolonialreichen war vor allem durch ein wichtiges Element bestimmt – überseeischer Transfer. Wobei Transfer in diesem Sinne nicht allein die Migration von Menschen bzw. Siedlern beinhaltet, sondern auch den Transport bzw. Austausch von Technologie, Kultur und Biologie einschließt.

Im 16. und 17. Jahrhundert etablierte sich in den Kolonialreichen ein Wirtschaftssystem, welches auf Plantagenarbeit basierte. Riesige Zuckerrohr-, Tabak- und Baumwollplantagen auf dem kontinentalen Festland und vor allem auf den karibischen Inseln produzierten den Rohstoff, welcher veredelt den jeweiligen an deren Handel beteiligten Nationen Reichtum und Wohlstand einbrachte. Die Kombination aus Plantagenwirtschaft und dem tropisch-subtropischen Klima in der Karibik sorgten dafür, dass die kolonisierenden Mächte eine „krasse Form der Arbeitskräftebeschaffung“ hervorbrachten – den Sklavenhandel.

Quantitativ erreichte das Volumen des Sklavenhandels für damalige Verhältnisse enorme Zahlen. „Man schätzt heute, daß etwa 11,5 bis 13 Millionen afrikanische Sklaven ihren Kontinent Richtung Amerika verließen und daß von ihnen ca. 10 bis 11 Millionen die Neue Welt lebend erreichten.“[2]

Die Millionen von Sklaven, welche im 19. Jahrhundert im Zuge der gesetzlichen Verbote von Sklaverei nach und nach die Freiheit erlangten[3] brachten vor allem in Amerika eine soziale und kulturelle Komponente in die dortige Gesellschaft ein. Diese gigantische „Zwangsmigration“ im Vorfeld des 20. Jahrhunderts ist noch heute in vielen karibischen Staaten Thema in der politischen Diskussion und sieht die kolonisierenden Mächte von damals auch heute noch in einer Art „historischer Pflicht zur Wiedergutmachung“ – eine „belastete Beziehung“.

Diese frühen internationalen Transaktionen führten zu einer partiellen Verschmelzung von Europa und Amerika und bildeten somit eine Basis für eine „gemeinsame Geschichte“ – eine „belastete Geschichte“.

Die Größe der verschiedenen europäischen Kolonialreiche und die Tatsache, dass es sich bei allen Konfliktparteien um seefahrende Nationen handelte, veränderten einen schon uralten Aspekt der internationalen Beziehungen. Der Krieg gewann zunehmenden einen „globalen“ Charakter. Es wurde nicht mehr nur auf dem europäischen Kontinent gekämpft, auch die jeweiligen Kolonien der Großmächte stellten Kriegsschauplätze dar und waren nicht minder bedeutend wie die jeweiligen europäischen Kriegsschauplätze – ein weiteres verbindendes Element in der „belasteten Geschichte“ Europas und der Karibik.

Von europäischer Seite heißt es, dass „[d]ie EU und die Karibik […] traditionell ein enges Verhältnis [haben, R.C.], das sich vor allem auf das Erbe der Geschichte, gemeinsame Werte, Wirtschaft- und Handelskooperation und ein beachtliches Handelsvolumen stützt. Die Kolonisierung der Karibik vor allem durch Großbritannien, Frankreich, Spanien und die Niederlande reicht bis in das 17. Jahrhundert zurück.“[4]

3 Die Globalisierung als neuer Rahmen für internationale Beziehungen

Globalisierung als Schlagwort hat vor allem in den letzten Jahren nahezu inflationäre Erscheinungsformen angenommen. Im Rahmen dieser Hausarbeit soll die Globalisierung und vor allem ihr prozessualer Charakter ein theoretisches Rahmenmodell darstellen, welches die Handlungen der internationalen Akteure – in diesem Fall der Europäischen Union und der CARICOM – teilweise bestimmt.

Globalisierung – ein Begriff, der seit Ende des 20. Jahrhunderts immens diskutiert wird und ein „Allheilmittel“ zur Erklärung gegenwärtiger globaler Umstände zu sein scheint.[5] „Wie auch in vielen anderen sozialwissenschaftlichen Bereichen wird man sich darauf einigen können, daß es ´eine einzige, überall akzeptierte Definition von Globalisierung [noch, R.C.] nicht gibt`“.[6] In dieser Hausarbeit werde ich auch keine Globalisierungsdefinition mit einem allgemeinen Gültigkeitsanspruch liefern können.

Um eine grundlegende Basis für diese vorliegende Arbeit zu schaffen, wird im Folgenden die Definition der Weltwirtschaft aus zwei Gründen herangezogen. Zum einen legt die Definition der Weltwirtschaft den Schwerpunkt auf internationale Transaktionen und zum anderen kommt es dadurch zu Verflechtungen der jeweiligen Akteure. Beide Prozesse – Transaktionen und Verflechtungen - tragen meines Erachtens dem Prozesscharakter der Globalisierung Rechnung. Daher möchte ich Globalisierung definieren als einen Prozess steigender transkontinentaler wirtschaftlicher Verflechtungen, „[…] die durch internationale Transaktionen (Handel, Bewegung von Faktoren, wie z.B. (Human-)Kapital, Arbeit, Wissen) zwischen den Märkten entstehen“.[7]

Ergänzend wirkt in diesem Bezug die Globalisierungsdefinition von Ulrich Menzel, welcher die Globalisierung auch als Prozess versteht, „[…] nämlich [als, R.C.] Intensivierung und Beschleunigung grenzüberschreitender Transaktionen bei deren gleichzeitiger räumlicher Ausdehnung“.[8]

Dieses Rahmenmodell der ökonomischen Globalisierung findet teilweise auch in Interdependenztheorien seinen Widerhall, da es den Schwerpunkt auf Verflechtung und Transaktionen legt. Allerdings geht die Interdependenztheorie weiter und postuliert „[…]die wechselseitige Abhängigkeit internationaler Akteure (insbesondere der Staaten).“[9] Dass es sich bei der Beziehung zwischen der Europäischen Union und der karibischen Staaten, insbesondere der CARICOM[10] um eine gewisse Abhängigkeit handelt, wird im weiteren Verlauf der Arbeit noch dargestellt werden. Wobei die Antwort auf die Frage, wer von den beiden Akteuren von wem abhängiger ist, sicherlich ebenso interessant erscheint.

4 Die CARICOM als „Vertreter der karibischen Staaten“

Die CARICOM besteht derzeit aus 15 karibischen Staaten, die zum größten Teil Inselstaaten sind. Nur Wenige der CARICOM-Mitglieder sind auf dem amerikanischen Festland zu finden, darunter Belize, Surinam und Guyana. Die restlichen Mitgliedsstaaten sind Antigua und Barbuda, Barbados, Bahamas, Dominica, Grenada, Haiti, Jamaika, Montserrat, St. Kitts und Nevis, St. Lucia, St. Vincent und die Grenadinen, Trinidad und Tobago.

Da die karibischen AKP-Staaten und das so genannte CARIFORUM all diese Länder ebenfalls beinhalten (mit Ausnahme von Kuba und der Dominikanischen Republik) kann man die CARICOM durchaus als „Vertreter der karibischen Staaten“ bezeichnen.

4.1 Historischer Abriss der CARICOM

Die CARICOM – auch karibische Gemeinschaft genannt – hat ihren Sitz in Georgetown in Guyana. Mit dem Vertrag von Chaguaramas im Jahre 1973 wurde die CARICOM gegründet. Anfangs nur von den Staaten Barbados, Jamaika, Guyana und Trinidad und Tobago. Die so genannte „Vorgängerorganisation“ der CARICOM war die CARIFTA – die Caribbean Free Trade Area, welche durch diesen Gründungsvertrag „abgelöst“ wurde.

Nach der Gründung traten weitere Staaten dieser karibischen Gemeinschaft bei. Schon 1974 kamen Belize, Dominica, Grenada, Monteserrat, St. Lucia, St. Vincent und die Granadinen hinzu, 1983 auch die Bahamas. Im Jahre 1995 trat Suriname der CARICOM bei, nur zwei Jahre später – 1997 – folgte Haiti.

4.2 Von der Zollunion zum Binnenmarkt

Der „Vorgänger“ der CARICOM, die CARIFTA verfolgte das Ziel der schrittweisen Handelsliberalisierung, welches durch die CARICOM nun um ein weiteres Ziel erweitert wurde – die ökonomische Integration.[11]

Innerhalb der CARICOM bestehen für alle Mitgliedsstaaten mit Ausnahme der vier Gründungsmitglieder Handelsvergünstigungen.

Seit dem 1. Januar 2006 gibt es innerhalb der CARICOM den Caribbean Single Market and Economy – CSME, welcher ein bedeutender Schritt zum vollständigen Binnenmarkt darstellt. Nicht alle Staaten der CARICOM sind diesen ersten Schritt zum Binnenmarkt gefolgt, aber es wird wahrscheinlich nur noch wenige Jahre dauern, bis diese nachfolgen werden.

[...]


[1] AKP-Staaten ist die Abkürzung für Asiatische-Karibische-Pazifische Staaten.

[2] Vgl. Ulrich Mücke, Der atlantische Sklavenhandel – Globalisierung durch Zwang, in: Friedrich Edelmayer, u.a., (Hg.), Die Geschichte des europäischen Welthandels und der wirtschaftliche Globalisierungsprozeß, München 2001, S. 77-103, S. 81. Eine genauere Schätzung auf der Basis der Berechnungen von Philip D. Curtin (ders. The Atlantic Slave Trade – A Census, Madison 1969) ist tabellarisch zu finden in: John J. McCusker, (Hg.), History of World Trade since 1450, Bd. 2, New York, u.a., 2007, S. 589.

[3] Der Sklavenhandel bzw. Sklavenbesitz wurde erst nach und nach verboten. Um einige wichtige Beispielländer zu nennen: 1807 Großbritannien, 1814 die Niederlande und 1815 Frankreich. Brasilien hingegen verbot den Handel mit Sklaven erst im Jahre 1888.

[4] Vgl. Kommission der Europäischen Gemeinschaften, (Hg.), Mitteilung der Kommission an den Rat, das Europäische Parlament und den Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss – Eine Partnerschaft zwischen der EU und der Karibik zur Förderung von Wachstum, Stabilität und Entwicklung, Brüssel 2006, S. 16.

[5] Vor allem wird die Frage diskutiert, wann die Globalisierung begann. Sehr anschaulich bietet Ulrich Menzel eine Übersicht über die verschiedenen „Anfangsthesen“ der Globalisierung. Siehe hierzu Ulrich Menzel, Tausend Jahre Globalisierung im Rückblick aus der aktuellen Globalisierungsdebatte, http://www-public.tu-bs.de:8080/~umenzel/inhalt/unveroeffentlicht/Tausend_Jahre_Globalisierung.pdf (2.1.2008).

[6] Vgl. Peter Hertner, Unterschiedliche wirtschaftliche Integrationsphasen – Ein historischer Vergleich, in: Alfred Schüller, H. Jörg Thieme, (Hg.), Ordnungsprobleme der Weltwirtschaft, Stuttgart 2002, S.28-43, S. 30.

[7] Vgl. Rolf Walter, Geschichte der Weltwirtschaft – Eine Einführung, Köln 2006, S. 6.

[8] Vgl. U. Menzel, Tausend Jahre Globalisierung, S. 2.

[9] Siehe hierzu Stormy Mildner, Theorien, in: http://www.weltpolitik.net/print/1535.html (23.1.2008).

[10] Abkürzung für Caribbean Community and Common Market.

[11] Siehe hierzu Dieter Nohlen, (Hg.), Lexikon Dritte Welt – Länder, Organisationen, Theorien, Begriffe, Personen, Hamburg 1994, S. 123.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Die Europäische Union und deren Beziehung zu den karibischen AKP Staaten im Zeichen der Globalisierung
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg  (Institut für Politikwissenschaft und Japanologie)
Note
2,1
Autor
Jahr
2008
Seiten
19
Katalognummer
V94281
ISBN (eBook)
9783640100903
Dateigröße
1002 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
17 Einträge im Literaturverzeichnis, davon 5 Internetquellen.
Schlagworte
Europäische, Union, Beziehung, Staaten, Globalisierung, AKP Staaten, EU und CARICOM
Arbeit zitieren
René Cremer (Autor), 2008, Die Europäische Union und deren Beziehung zu den karibischen AKP Staaten im Zeichen der Globalisierung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/94281

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