Angesichts der großen Bedeutung elektronischer Medien für das Freizeitverhalten heutiger Kinder wird eine Abnahme der körperlich – sportlichen Aktivität befürchtet, mit der Folge, dass es aufgrund des Bewegungsmangels zu einer Verschlechterung der motorischen Leistungsfähigkeit kommt und das Auftreten von Übergewicht und Adipositas bereits in jungen Jahren begünstigt wird. Der unterstellte Zusammenhang zwischen Mediennutzung und körperlich-sportlicher Aktivität konnte allerdings bislang nicht überzeugend nachgewiesen werden.
Ziel der vorliegenden Studie war es, die Zusammenhänge zwischen Medienkonsum, sportlicher Aktivität und körperlicher Leistungsfähigkeit von Schülern im Alter von 10 – 12 Jahren zu untersuchen. Mit Hilfe eines kindspezifischen Motoriktests wurden die aktuelle Leistung der Kinder festgestellt und anhand eines Fragebogens die körperlich-sportliche Aktivität sowie das Medienkonsumverhalten im Alltag erfasst.
Anhand der gefundenen Ergebnisse in der untersuchten Altersgruppe konnte gezeigt werden, dass die Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge nicht so trivial sind wie oft angenommen. Ein Zusammenhang zwischen dem täglichen Medienkonsum und der körperlich-sportlichen Aktivität ist zwar nicht grundsätzlich auszuschließen, der Einfluss von Medien auf die sportliche Aktivität sollte aber auch nicht überbewertet werden. So gehört z. B. das Sporttreiben, entgegen manch spektakulärer Überzeichnung vom Ausmaße der Inaktivität heutiger Kinder, weiterhin zu den favorisierten Freizeitbeschäftigungen bei Kindern. Es zeigt sich, dass in Abhängigkeit von der Beschäftigungsdauer und Art der Medien unterschiedliche Zusammenhangsmuster zwischen Medienkonsum und sportlicher Aktivität bestehen und dass der Gefahr der Verallgemeinerung entgegengewirkt werden muss.
Ebenso lassen sich zwar in Abhängigkeit vom zeitlichen Umfangs der Medienzuwendung in einzelnen motorischen Dimensionen Leistungsunterschiede feststellen, von einem generellen Rückgang der motorischen Leistungsfähigkeit aufgrund von Medienkonsum ist allerdings nicht auszugehen. Die Annahme, dass übermäßiger Medienkonsum zum Auftreten von Übergewicht beitragen kann, wird durch die vorliegende Studie gestützt. Der Ursache-Wirkungs-Zusammenhang kann allerdings nicht eindeutig geklärt werden und bedarf einer vertiefenden Analyse.
Schlüsselwörter: Medienkonsum, motorische Leistungsfähigkeit, sportliche Aktivität, Kinder, Übergewicht, Adipositas
Inhaltsverzeichnis
1. Problemdarstellung, Ziel und Aufbau der Arbeit
1.1 Problemdarstellung
1.2 Ziel und Aufbau der Arbeit
2. Motorische Leistungsfähigkeit
2.1 Motorik
2.2 Sportliche Leistungsfähigkeit
2.3 Fähigkeiten und Fertigkeiten
2.4 Systematisierung der allgemeinen motorischen Fähigkeiten
3. Motorische Entwicklung
3.1 Ausgewählte Theorien und Modelle der motorischen Entwicklung
3.2 Anlage und Umwelt
3.2.1 Methoden zur Einschätzung der Erblichkeit
3.2.2 Einfluss von Anlage und Umwelt auf die motorische Leistungsfähigkeit
4. Entwicklungsphasen motorischer Basisdimensionen im Kindes- und Jugendalter
4.1 Ausdauer
4.1.1 Aerobe Ausdauer
4.1.2 Anaerobe laktazide Ausdauer
4.2 Kraft
4.3 Schnelligkeit
4.4 Koordination
4.5 Beweglichkeit
5. Säkulare Trends und Studien zur motorischen Leistungsfähigkeit von Kindern und Jugendlichen
5.1 Sportliche Akzeleration
5.2 Aktuelle Ergebnisse zur Einschätzung der motorischen Leistungsfähigkeit
5.2.1 Kinder- und Jugendgesundheitssurvey (KiGGS)
5.2.2 Motorik–Modul („MoMo“)
5.2.2.1 Sportmotorische Tests
5.2.2.2 Motorik–Modul Testbatterie
5.2.2.3 Aktivitätsfragebogen
5.2.2.4 Erste Ergebnisse zum Motorik–Modul
6. Einflussfaktoren auf die motorische Leistungsfähigkeit
6.1 Übergewicht und Adipositas
6.1.1 BMI
6.1.2 Prävalenz von Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen
6.2 Sozioökonomische und -ökologische Einflussfaktoren
6.3 Bewegungsaktivität von Kindern und Jugendlichen
7. Medienkonsum
7.1 Definition Medien
7.2 Kindliche Medienkultur
7.2.1 Themeninteresse
7.2.2 Gerätebesitz
7.2.3 Freizeitaktivitäten
7.2.4 Medienbindung
7.2.5 Computernutzung
7.2.6 Computerspiele
7.3 Medienkonsum gleich Konkurrenz zur körperlich-sportlichen Aktivität?
8. Darstellung der empirischen Untersuchung
8.1 Fragestellung und Arbeitshypothesen
8.2 Untersuchungsmethodik
8.2.1 Personenstichprobe
8.2.2 Variablenstichprobe
8.2.2.1 Motorische Leistungsfähigkeit: Kinderturntest
8.2.2.2 Körperlich – sportliche Aktivität: Aktivitätsfragebogen
8.2.2.3 Medienkonsum: Fragebogen KIM-Studie
8.2.3 Ablauf der Untersuchung
8.3 Statistische Hypothesen
8.4 Statistik
9. Ergebnisdarstellung
9.1 Deskriptive Statistik
9.1.1 Alter, Größe, Gewicht und BMI
9.1.2 Ergebnisse des Kinderturntest
9.1.3 Körperlich-sportliche Aktivität
9.1.3.1 Körperlich-sportliche Aktivität allgemein
9.1.3.2 Körperlich–sportliche Aktivität in der Schule
9.1.3.3 Körperliche Aktivität im Alltag
9.1.4 Verfügbarkeit von Sportstätten und -geräten
9.1.5 Sportliche Aktivität in der Freizeit organisiert im Verein
9.1.6 Sportliche Aktivität in der Freizeit außerhalb des Vereins
9.1.7 Sportverhalten der Bezugspersonen/Peergroup
9.1.8 Medienkonsum
9.1.8.1 Medienausstattung
9.1.8.2 Computerspiele
9.1.8.3 Medienbindung
9.2 Hypothesenprüfung
9.2.1 Motorische Leistungsfähigkeit und Medienkonsum
9.2.2 Körperlich-sportliche Aktivität und Medienkonsum
9.2.3 Body-Mass- Index und Medienkonsum
10. Diskussion
11. Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Diplomarbeit untersucht die komplexen Zusammenhänge zwischen Medienkonsum, sportlicher Aktivität und körperlicher Leistungsfähigkeit bei Schülern im Alter von 10 bis 12 Jahren. Ziel der Studie ist es, die Auswirkungen eines potenziell intensiven Medienkonsums auf das Bewegungsverhalten und das Auftreten von Übergewicht zu analysieren, um die in der öffentlichen Diskussion verbreiteten Annahmen über negative Folgen für die motorische Leistungsfähigkeit sportwissenschaftlich zu überprüfen.
- Analyse des Einflusses von Medienkonsum auf die motorische Leistungsfähigkeit
- Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Mediennutzung und körperlicher Inaktivität
- Einfluss sozioökonomischer Faktoren auf Bewegungsverhalten und BMI
- Validierung der Annahme, dass Medienkonsum in Konkurrenz zur sportlichen Betätigung steht
- Einschätzung der gesundheitlichen Relevanz von Medienkonsum im Kindesalter
Auszug aus dem Buch
1.1 Problemdarstellung
Zeitlich nehmen Medien heute einen immer größeren Teil in der Lebenswelt von Kindern ein. Insbesondere in den letzten Jahren ist es zu einer rasanten Entwicklung neuer Technologien gekommen, die dazu geführt hat, dass neben dem Fernseher insbesondere auch „Neue Medien“ Einzug ins Kinderzimmer und in die Schulen gefunden haben. Auch wenn die gesundheitlichen Folgen intensiver Mediennutzung bisher umstritten sind, so erscheint dieser Trend aus sportpädagogischer Perspektive zunächst bedenklich. Angesichts der großen Bedeutung elektronischer Medien für das Freizeitverhalten heutiger Kinder wird eine Abnahme der körperlich – sportlichen Aktivität befürchtet, mit der Folge, dass es aufgrund des Bewegungsmangels zu einer Verschlechterung der motorischen Leistungsfähigkeit kommt und das Auftreten von Übergewicht und Adipositas bereits in jungen Jahren begünstigt wird.
Insbesondere in der öffentlichen Diskussion wird vor allem die Beschäftigung mit elektronischen Medien für diese negative Entwicklung verantwortlich gemacht: „Der kritische Impuls richtet sich dabei vor allem gegen audiovisuelle Medien – speziell gegen das Fernsehen und die neuen interaktiven – , nicht etwa gegen Bücher oder andere Printmedien“ (Fromme, 1999, S. 1). Dem Medienkonsum wird dabei eine sehr starke und direkte negative Wirkung auf die körperlich-sportliche Leistungsfähigkeit zugesprochen und häufig mangelt es an nötiger Differenzierungsfähigkeit, die Rolle und den Anteil von verschiedenen Medien in der Freizeitgestaltung zur beurteilen. Bei näherer Betrachtung zeigt sich, dass die Ursache-Wirkung-Zusammenhänge nicht so trivial sind wie oft angenommen.
Zusammenfassung der Kapitel
Problemdarstellung, Ziel und Aufbau der Arbeit: Erläutert die Relevanz der Mediennutzung im Kindesalter und formuliert die Forschungsfrage zur Wechselwirkung zwischen Medienkonsum, sportlicher Aktivität und körperlicher Leistungsfähigkeit.
Motorische Leistungsfähigkeit: Definiert die zentralen Begriffe Motorik und Leistungsfähigkeit und stellt die wissenschaftliche Systematisierung der motorischen Fähigkeiten vor.
Motorische Entwicklung: Diskutiert entwicklungspsychologische Theorien und den Einfluss von Anlage und Umwelt auf die motorische Entwicklung des Menschen.
Entwicklungsphasen motorischer Basisdimensionen im Kindes- und Jugendalter: Detailliert die Entwicklung der konditionellen und koordinativen Basisfähigkeiten (Ausdauer, Kraft, Schnelligkeit, Koordination, Beweglichkeit) in der Kindheit.
Säkulare Trends und Studien zur motorischen Leistungsfähigkeit von Kindern und Jugendlichen: Analysiert den historischen Trend der sportlichen Akzeleration und stellt aktuelle Studien wie KiGGS und das Motorik-Modul vor.
Einflussfaktoren auf die motorische Leistungsfähigkeit: Untersucht die Auswirkungen von Übergewicht, sozioökonomischen Faktoren und Bewegungsaktivität auf die körperliche Fitness von Kindern.
Medienkonsum: Definiert den Medienbegriff und analysiert das kindliche Mediennutzungsverhalten inklusive Themeninteresse, Gerätebesitz und Computernutzung.
Darstellung der empirischen Untersuchung: Beschreibt das methodische Vorgehen, die Stichprobe sowie die eingesetzten Erhebungsinstrumente (Testbatterie, Fragebögen).
Ergebnisdarstellung: Präsentiert die deskriptiven und inferenzstatistischen Ergebnisse der Untersuchung und prüft die aufgestellten Hypothesen.
Diskussion: Kritische Auseinandersetzung mit den gewonnenen Daten und Einordnung der Ergebnisse in den wissenschaftlichen Kontext.
Zusammenfassung und Ausblick: Resümiert die wesentlichen Erkenntnisse und gibt einen Ausblick auf künftige Forschungsnotwendigkeiten.
Schlüsselwörter
Medienkonsum, sportliche Aktivität, motorische Leistungsfähigkeit, Kinder, Jugendalter, Bewegungsmangel, Übergewicht, Adipositas, Computer, Spielkonsole, Sportverein, motorische Entwicklung, Freizeitverhalten, KiGGS-Studie, motorische Testbatterie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Diplomarbeit untersucht, inwiefern ein intensiver Medienkonsum das Bewegungsverhalten und die sportliche Leistungsfähigkeit bei Kindern im Alter von 10 bis 12 Jahren negativ beeinflusst.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf der Entwicklung der motorischen Basisdimensionen, dem aktuellen Mediennutzungsverhalten von Kindern sowie der Frage, ob Medienkonsum tatsächlich in Konkurrenz zur körperlich-sportlichen Aktivität steht.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Hauptziel besteht darin, die in der Öffentlichkeit oft pauschal als negativ wahrgenommene Rolle der Medien kritisch zu prüfen und die Wechselbeziehungen zwischen Medienkonsum und motorischer Leistungsfähigkeit wissenschaftlich zu analysieren.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Der Autor führt eine empirische Untersuchung durch, bei der Schülerinnen und Schüler im Alter von 10 bis 12 Jahren mittels eines Kinderturntests sowie eines standardisierten Fragebogens (u.a. KIM-Studie) hinsichtlich ihrer Motorik und ihres Freizeitverhaltens erfasst wurden.
Welche Aspekte werden im Hauptteil behandelt?
Neben den theoretischen Grundlagen der Motorik und der Entwicklung von Kindern werden aktuelle Studien zu säkularen Trends sowie der Einfluss von Faktoren wie Übergewicht und dem sozialen Status auf die motorische Fitness detailliert dargelegt.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Medienkonsum, motorische Leistungsfähigkeit, Bewegungsaktivität, Kindesalter und körperliche Entwicklung zusammenfassen.
Wie ist der Zusammenhang zwischen Medienkonsum und Ausdauerleistung?
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass insbesondere eine sehr hohe tägliche Spielzeit an Spielkonsolen mit schlechteren Leistungen im 6-Minuten-Lauf korreliert, wobei diese Zusammenhänge statistisch teils durch andere Faktoren wie das Geschlecht beeinflusst werden.
Gibt es einen klaren negativen Einfluss durch Medien auf die sportliche Aktivität?
Der direkte, pauschale negative Einfluss konnte in dieser Form nicht bestätigt werden. Die Studie zeigt vielmehr, dass das Zusammenspiel zwischen Mediennutzung und Sport komplex ist und Kinder, die sich intensiv mit Medien beschäftigen, nicht zwingend sportlich inaktiver sind.
- Quote paper
- Frank Laubscher (Author), 2008, Untersuchung zu Zusammenhängen zwischen Medienkonsum, sportlicher Aktivität und körperlicher Leistungsfähigkeit von Schülern im Alter von 10 – 12 Jahren, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/94292