Selbstgesteuertes Lernen in der beruflichen Ausbildung

Am Praxisbeispiel der Metallausbildung bei BASF


Seminararbeit, 2004
24 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Die Notwendigkeit neuer Lernformen in Bezug auf gesellschaftliche Rahmenbedingungen

II. Historische Aspekte hinsichtlich der Entwicklung des Konzepts des selbstgesteuerten Lernens

III. Begriffsbestimmung – selbstgesteuertes Lernen

IV. Unterrichtsgestaltung, Lernphasen und Methoden im Rahmen des selbstgesteuerten Lernens

V. Die Rolle des Lehrers beim selbstgesteuerten Lernen

VI. Allgemeine Informationen zur Studie „ Selbstgesteuertes Lernen in der Metallausbildung“

VII. Ergebnisse der Studie hinsichtlich selbstgesteuerten Lernerfahrungen
VII. 1. Erfahrungswerte hinsichtlich der Arbeitsgruppen
VII. 2. Erfahrungswerte hinsichtlich der Leittextmethode
VII.3 Erfahrungswerte hinsichtlich der neuen Rolle des Lehrers
VII. 4. Qualifikationsunterschiede

VIII. Konsequenzen, die sich aus den Ergebnissen der Studie ergeben

IX. Zusammenfassung – positive und negative Aspekte des selbstgesteuerten Lernens

Quellen/ Literaturverzeichnis

Hausarbeit

Selbstgesteuertes Lernen in der beruflichen Ausbildung

am Praxisbeispiel der Metallausbildung bei BASF

„Was der Mensch sich nicht selbsttätig angeeignet hat, hat er gar nicht;

wozu er sich selbst nicht gebildet hat, ist gar nicht in, sondern ganz außer ihm.“[1]

Dieses Zitat des bedeutenden Pädagogen Diesterweg verdeutlicht die enorme Wichtigkeit einer Selbsttätigkeit im Rahmen des Lernprozesses. Seine Aussage beschreibt das bestehende Lernformen, wie beispielsweise Frontalunterricht, in dem Schüler nur geringfügig integriert sind, unzureichend sind.

Unsere Gesellschaft des 21. Jahrhunderts ist geprägt durch Neuerungen und Fortschritte auf allen Gebieten, deren Auswirkungen auch für die Pädagogik von großer Relevanz sind. Erziehungs – und Lernkonzepte müssen sich an den gesellschaftlichen Bedingungen orientieren und darauf reagieren um die Menschen optimal auf die alltägliche Auseinandersetzung mit der Umwelt vorzubereiten. Bestehende Unterrichtstrategien und tradierte Lernformen müssen so zwingend überdacht werden um sich dem gesellschaftlichen Fortschritt anzupassen. Es existieren viele Ansätze zur Verbesserung des Lernens um entsprechend auf das Eintreten in die Gesellschaft vorbereitet zu sein. Ich möchte in meiner Ausarbeitung dabei das Konzept des selbstgesteuerten Lernens, welches im Sinne von Diesterwegs These zu verstehen ist, erläutern.

Neben theoretischen Ausführungen soll auch die praktische Relevanz dieses Ansatzes im Rahmen der Berufsausbildung untersucht werden, da gerade in der Lehre die Auszubildende optimal für ihre zukünftige Berufstätigkeit vorbereitet werden müssen.

Viele existente Unterrichtskonzepte der Berufsbildung können dies jedoch nicht mehr gewährleisten, viel zu umfassend sind die bereits angesprochenen Veränderungen, gerade im beruflichen Sektor.

In meiner Ausarbeitung möchte ich in einem ersten Teil das Konzept des selbstgesteuerten Lernens unter theoretischen Gesichtspunkten beleuchten. Meine Ausführungen möchte ich dabei an verschiedenen Leitfragen orientieren:

1. Warum sind neue Lernansätze in unserer Gesellschaft scheinbar so wichtig?

In diesem ersten Abschnitt möchte ich auf vorliegende gesellschaftliche Rahmenbedingungen eingehen und dabei , themenorientiert, vor allem Veränderungen hinsichtlich der Berufs – und Arbeitswelt diskutieren, die die Notwendigkeit neuer Lernkonzepte begründen.
2. Woher kommt der Ansatz des selbstgesteuerten Lernens?
Ich werde mich hierbei auf die Herkunft aus der Reformpädagogik beziehen und neben grundlegenden Gedanken reformpädagogischer Theorien vor allem auf die „Arbeitschulidee“ von Georg Kerschensteiner und „Das Konzept der freien geistigen Arbeit“ von Hugo Gaudig eingehen.
Nach diesem historischen Exkurs möchte ich gezielt auf die Lernform des selbstgesteuerten Lernens eingehen, wobei neben einer allgemeinen Begriffsbestimmung, auch die Gestaltung von Lernprozessen und die Rolle des Lehrers betrachtet werden soll:
3. Was versteht man unter dem Begriff des selbstgesteuerten Lernens?
4. Wie kann selbstgesteuertes Lernen realisiert werden? Wie ist der Unterricht unter diesem

Konzept zu verstehen und zu strukturieren? Welche Methoden sind vorhanden?

5. Welche Rolle spielt der Lehrer im Rahmen des selbstgesteuerten Lernens?

In meinem zweiten, praktisch ausgelegten, Part soll selbstgesteuertes Lernen im Rahmen eines Modellversuchs dargestellt werden. Anhand einer Studie der BASF AG sollen vor allem Ergebnisse, Erfahrungen und mögliche Konsequenzen diskutiert werden.

Den Schluß meiner Arbeit bildet eine Reflexion der theoretischen und praktischen Erläuterungen hinsichtlich positiver und negativer Aspekten des selbstgesteuerten Lernens.

I. Die Notwendigkeit neuer Lernformen in Bezug auf gesellschaftliche Rahmenbedingungen

Unsere heutige Gesellschaft wird in der sozialwissenschaftlichen Literatur oft beschrieben als Erlebnis – oder Mediengesellschaft. Technisierung ist mittlerweile in jeglichen Lebensbereichen realisierbar. Das Individuum hat in dieser Gesellschaft eine zentrale Rolle erlangt, die durch eine Vielzahl von Handlungs – und Entscheidungsfreiräumen gekennzeichnet ist. Die Möglichkeiten der individuellen Lebensgestaltung sind vielfältiger als je zu vor. Voraussetzung für eine optimale Nutzung der neuen Handlungsoptionen ist Entscheidungskompetenz und Eigenverantwortlichkeit – Kompetenzen, die bislang nicht gesondert ausgebildet wurden.[2]

Weiterhin kann man heute nicht mehr von einem eindeutigen Werte – und Normensystem sprechen – offenes Wertesystem ist diesbezüglich ein Schlagwort des 21. Jahrhunderts. Wofür ist ein Wertesystem wichtig? Werte und Normen geben Sicherheit und Halt und dienen als Orientierung– der eigentlich gerade in der heutigen Gesellschaft der pluralisierten Lebensformen wichtig ist.[3]

Die gesellschaftlichen Fortschritte sind auch im Bereich der Berufs – und Arbeitswelt nicht aufzuhalten. Seit den 70er sind Arbeitsprozesse kaum mehr überschaubar und vor allem vorausschaubar. Technische Neuerungen sind mittlerweile selbst in klein – oder mittelständischen Unternehmen integriert werden. Viele alte Berufsfelder wurden durch Maschinen oder Roboter ersetzt , viele neue Berufe und Qualifikationen sind erforderlich.[4]

Noch vor 30 Jahren war ein fundiertes Fachweisen grundlegendes Handwerkszeug für eine erfolgreiche Berufslaufbahn als Facharbeiter – heute ist die Bedeutung dieses Fachwissens nur begrenzt. Viel wichtiger sind Handlungskompetenzen und Schlüsselqualifikationen, auf die ich im weiteren Verlauf noch eingehen werde. Aber nicht nur Arbeitsinhalte sind verändert und neu konzipiert, sondern auch die Arbeitsprozesse. Arbeiten sind aufgrund ihrer neuen Komplexität nicht mehr von einem Einzelarbeiter zu bewältigen, sondern werden in Teams beziehungsweise Arbeitsgruppen ausgeführt.[5]

Der Auszubildende des 21. Jahrhunderts muß vorbereitet werden auf diese Anforderungen, Konzepte wie das selbstgesteuerte Lernen sind dabei eine Möglichkeit.

Woher kommt dieses Konzept?

II. Historische Aspekte hinsichtlich der Entwicklung des Konzepts des selbstgesteuerten Lernens

Selbstgesteuertes Lernen als neue Lernform wurde in den 60 er Jahren erstmals wieder aufgegriffen – ursprünglich ist der Gedanke der Selbststeuerung bereits in der Reformpädagogik bekannt.

Reformpädagogik kann dabei als Begriff jedoch weit gefasst werden, da die Ansätze dieser pädagogischen Strömung sich als Kritiken und Verbesserungsvorschläge an bisherigen Bildungssystemen verstehen. Der Begriff Reformpädagogik kann so um den eigentlichen Zeitraum zwischen 1890 – 1933 erweitert werden , in dem man auch moderne Ideen, die ebenfalls als Reaktion auf Veränderungen zu sehen sind, als reformpädagogisch bezeichnet.[6]

In meinen Ausführungen zur Selbststeuerung des Lernens möchte ich mich jedoch auf den ursprünglichen Zeitraum der Reformpädagogik zwischen 1890 und 1933 beziehen.

Die Pädagogik dieser Zeit ist gekennzeichnet durch eine allgemein auffallende Hinwendung zum Schüler - der Lernende rückt in das Zentrum des erzieherischen Betrachtungsfeldes, seine Interessen und Lebenswelten werden für die Pädagogen bedeutsam. In diesem Zusammenhang werden neue Erziehungsmethoden thematisiert, die den Schüler nicht mehr aus seinem Lebensraum heraus betrachten, sondern in ihm. Bereits in der Reformpädagogik werden Kompetenzen betrachtet, denen wir heute als sogenannte Schlüsselqualifikationen einen hohen Wert zuschreiben. Die Schule wird nicht mehr nur als Unterrichtsanstalt gesehen sondern soll einen ganzheitlichen Lernprozess, durch die Bildung von Arbeitsgemeinschaften und schrittweise zunehmender Selbständigkeit, fördern. Der Ansatz der Selbsttätigkeit fungiert in fast allen reformpädagogischen Theorien als eine Art Grundbaustein.[7]

Hugo Baudig, ein Vertreter der Reformpädagogik fordert so beispielsweise freie geistige Arbeit, die durch eine entsprechend gestaltete Lernumgebung optimiert werden soll. Seine Grundprinzipien für den Unterrichtsablauf lauten dabei wie folgt:[8]

[...]


[1] Diesterweg 1873 S.202 in Deitering, F. „ Selbstgesteuertes Lernen“ , S. 13

[2] vgl. Herold, M. / Landherr B. „ Selbstorganisiertes Lernen“ – Kapitel 6, S. 104 -115

[3] vgl. Herold, M. / Landherr B. „ Selbstorganisiertes Lernen“ – Kapitel 6, S. 104 -115

[4] vgl. Herold, M. / Landherr B. „ Selbstorganisiertes Lernen“ – Kapitel 6, S. 104 –115

[5] vgl. Herold, M. / Landherr B. „ Selbstorganisiertes Lernen“ – Kapitel 6, S. 104 - 115

[6] vgl. Herold, M. / Landherr B. „ Selbstorganisiertes Lernen“ – Kapitel 6, S. 87 – 88

[7] vgl. Herold, M. / Landherr B. „ Selbstorganisiertes Lernen“ – Kapitel 6, S. 87 – 88

[8] vgl. Herold, M. / Landherr B. „ Selbstorganisiertes Lernen“ – Kapitel 6, S. 92 - 93

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Selbstgesteuertes Lernen in der beruflichen Ausbildung
Untertitel
Am Praxisbeispiel der Metallausbildung bei BASF
Hochschule
Universität Erfurt  (Erziehungswissenschaftliche Fakultät)
Veranstaltung
Der Weg in den Beruf - theoretische und praktische Ansätze
Note
2,3
Autor
Jahr
2004
Seiten
24
Katalognummer
V94316
ISBN (eBook)
9783640105878
ISBN (Buch)
9783640119622
Dateigröße
487 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Selbstgesteuertes, Lernen, Ausbildung, Beruf, Ansätze
Arbeit zitieren
Juliane Siewert (Autor), 2004, Selbstgesteuertes Lernen in der beruflichen Ausbildung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/94316

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