Die Arbeit beschäftigt sich mit der Rolle der evidenzbasierten Therapie und ihrer Anwendung in der täglichen therapeutischen Praxis. Die evidenzbasierte Therapie wurde von dem Begriff der evidenzbasierten Medizin abgewandelt. Die evidenzbasierte Therapie oder auch Praxis bezieht sich im Vergleich zur evidenzbasierten Medizin auf die Arbeit in den therapeutischen Berufen. Die evidenzbasierte Praxis basiert auf drei Säulen. Diese beinhalten die externe Evidenz, die klinische Expertise und die Patient Values. Die Säulen bedingen sich gegenseitig und beeinflussen den Prozess der evidenzbasierten Praxis stark.
Der Prozess der evidenzbasierten Praxis besteht aus fünf aufeinanderfolgenden Schritten: das Bilden einer Fragestellung, Literaturrecherche auf Basis der Fragestellung, Einordnung der gesichteten Literatur in die Evidenzhierarchie, Anwendung der gesichteten Informationen auf den klinischen Fall und die Evaluation des eigenen Vorgehens. In der Literatur wird deutlich, dass das evidenzbasierte Arbeiten und Praktizieren seitens des Gesetzgebers und der Krankenkassen immer mehr gefordert wird. Die Umsetzung der evidenzbasierten Praxis in den Berufsalltag ist jedoch noch nicht flächendeckend erreicht. Dies liegt vor allem an Barrieren wie z.B: der geringen zur Verfügung stehenden Zeit in der Arbeit als Therapeut, der fehlenden Übertragbarkeit der Studien auf den individuellen Patienten und die nicht vorhandenen Skills in der evidenzbasierten Praxis.
Der letzte Punkt lässt sich vor allem damit begründen, dass die Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für Physiotherapeuten (PhysTh-APrV) von 1994 veraltet ist und wissenschaftliches Arbeiten in sehr geringem Maße beinhaltet. Evidenzbasierte Praxis wird im Curriculum oft gar nicht aufgeführt. Ein Großteil der vorliegenden Arbeit beschäftigt sich mit einem Fragebogen zu dem oben genannten Thema „Die Rolle der evidenz-basierten Therapie und ihre Anwendung in der täglichen therapeutischen Praxis. Für das Beantworten der Fragebögen wurden drei Teilnehmerinnen rekrutiert, die mit der evidenzbasierten Therapie bzw. Praxis vertraut sind. Die Ergebnisse des Fragebogens lassen sich auf die Literatur übertragen, jedoch ist die Relevanz des Fragebogens durch die klein gehaltene Personenstichprobe als gering einzuschätzen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretischer Hintergrund
2.1 Begriffsklärung
2.2 Problemfeld Evidenzbasierte Therapie und Bedeutung für die Physiotherapie
3 Methodik
4 Ergebnisse und Reflexion
5 Diskussion
6 Fazit & Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit Physiotherapeuten in Deutschland evidenzbasierte Praxis (EBP) in ihren Berufsalltag integrieren, identifiziert Barrieren für die Anwendung und beleuchtet die Rolle von Leitlinien bei der therapeutischen Entscheidungsfindung.
- Grundlagen und Definitionen der evidenzbasierten Therapie (EBT) und EBP
- Analyse der Bedeutung von EBP für das Berufsfeld der Physiotherapie
- Untersuchung von Barrieren wie Zeitmangel und fehlende Akademisierung
- Empirische Erhebung mittels Fragebogen zur Nutzung evidenzbasierter Ansätze
- Diskussion über die Rolle von Leitlinien als Unterstützung im Behandlungsalltag
Auszug aus dem Buch
2.1 Begriffsklärung
Nach dem Duden bedeutet evidenzbasiert „auf der Basis empirisch zusammengetragener und bewerteter wissenschaftlicher Erkenntnisse erfolgend“. Dies bezieht sich im medizinischen Gebrauch auf diagnostische und therapeutische Maßnahmen.
Definition Evidenzbasierte Medizin
Der Vorreiter der evidenzbasierten Therapie und Praxis wird von Sackett et al. (1997) auf der Internetpräsenz der Cochrane Stiftung wie folgt beschrieben: „EbM ist der gewissenhafte, ausdrückliche und vernünftige Gebrauch der gegenwärtig besten, externen wissenschaftlichen Evidenz für Entscheidungen in der medizinischen Versorgung individueller Patienten. Die Praxis der EbM bedeutet die Integration individueller klinischer Expertise mit der bestverfügbaren externen Evidenz aus systematischer Forschung.“
Definition Evidenzbasierte Therapie/Praxis
Die Definition der EBM von Sackett et al. (1997) lässt sich auf die, im therapeutischen Gebrauch genutzte, evidenzbasierte Therapie und Praxis übertragen. Evidenzbasierte Praxis wird hierbei deutlich öfter im Sprachgebrauch verwendet. EBP beruht genau wie die EBM auf drei Säulen. Diese wurden von Egmond und Schuitemaker (2011) näher beschrieben:
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz der evidenzbasierten Therapie in Deutschland ein und formuliert die Forschungsfrage bezüglich ihrer Anwendung durch Physiotherapeuten.
2 Theoretischer Hintergrund: Hier werden die zentralen Begriffe EBM, EBT und EBP definiert sowie der Prozess der EBP und dessen Bedeutung für die Physiotherapie beleuchtet.
2.1 Begriffsklärung: Dieses Kapitel erläutert die terminologischen Grundlagen der evidenzbasierten Medizin und Therapie/Praxis basierend auf etablierten Definitionen.
2.2 Problemfeld Evidenzbasierte Therapie und Bedeutung für die Physiotherapie: Hier werden die Herausforderungen für Physiotherapeuten in Deutschland diskutiert, insbesondere im Kontext von Akademisierung und gesetzlichen Anforderungen.
3 Methodik: Dieses Kapitel beschreibt das Vorgehen bei der quantitativen Datenerhebung mittels eines Fragebogens und erläutert die Auswahl der Stichprobe.
4 Ergebnisse und Reflexion: In diesem Teil werden die Daten der Befragung ausgewertet und der gesamte Forschungsprozess sowie die eigene Rolle kritisch reflektiert.
5 Diskussion: Dieses Kapitel vergleicht die Ergebnisse der Umfrage mit der Literatur und beantwortet die in der Einleitung formulierte Forschungsfrage.
6 Fazit & Ausblick: Hier werden notwendige Veränderungen im Bildungssystem und in der Berufspraxis zusammengefasst sowie Impulse für zukünftige Forschung gegeben.
Schlüsselwörter
EBM, EBP, EBT, Berufsalltag, Physiotherapie, externe Evidenz, klinische Expertise, Patient Values, Evidenzhierarchie, PhysTh-APrV, Fragebogen, Akademisierung, Leitlinien, Gesundheitswesen, Forschung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Integration evidenzbasierter Ansätze (EBT/EBP) in den Arbeitsalltag von Physiotherapeuten in Deutschland.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentral sind die theoretischen Grundlagen der EBP, die Barrieren im Berufsalltag sowie die Rolle von Leitlinien als wissenschaftlich fundierte Entscheidungshilfe.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, zu analysieren, inwieweit in Deutschland praktizierende Physiotherapeuten das Konzept der evidenzbasierten Praxis tatsächlich in ihre tägliche Arbeit integrieren.
Welche wissenschaftliche Methode wurde angewandt?
Die Autorin führte eine quantitative Datenerhebung durch, bei der ein bestehender Fragebogen an drei Physiotherapeuten eines ambulanten Reha-Zentrums ausgegeben wurde.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Aufarbeitung der EBP-Begrifflichkeiten, die Darstellung der Methodik sowie die Auswertung und Diskussion der empirischen Ergebnisse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich besonders durch Begriffe wie EBP, Physiotherapie, Berufsalltag, klinische Expertise und Evidenzhierarchie beschreiben.
Warum spielt die PhysTh-APrV von 1994 in dieser Arbeit eine wichtige Rolle?
Die Autorin sieht in dieser veralteten Ausbildungs- und Prüfungsverordnung einen der Hauptgründe für die mangelnde wissenschaftliche Verankerung und damit die geringe Nutzung von EBP im Berufsalltag.
Welche Hauptbarriere wurde für die Umsetzung von EBP identifiziert?
Übereinstimmend mit der Literatur identifiziert die Arbeit den Zeitmangel durch kurze Behandlungsintervalle (20-30 Minuten) als die größte Hürde für eine konsequente Anwendung evidenzbasierter Praxis.
- Citation du texte
- Neele Schwiethal (Auteur), 2018, Evidenzbasierte Therapie und ihre Anwendung in der therapeutischen Praxis, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/943197