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Die narrativen Darstellungsmöglichkeiten Innerer Welten. Der Roman "Der Vorleser" von Bernard Schlink und die Verfilmung durch Stephen Daldry

Titel: Die narrativen Darstellungsmöglichkeiten Innerer Welten. Der Roman "Der Vorleser" von Bernard Schlink und die Verfilmung durch Stephen Daldry

Bachelorarbeit , 2017 , 52 Seiten , Note: 1,2

Autor:in: Nina Menzel (Autor:in)

Filmwissenschaft
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Welche Darstellungsmittel nutzt der Film, um sprachliche Inhalte - insbesondere diejenigen, die Inneres beschreiben - zu audiovisualisieren? Und wie schafft es die Literatur seit Jahrzehnten, mit der einfachen Verwendung von Sprache das Innere einer Figur zu erzählen?

In der traditionellen Literaturwissenschaft bedeutet Erzählen ein sprachliches Wiedergeben von Ereignissen. Auch nicht-sprachliche Darstellungsformen wurden in die Untersuchungen des Narrativen angeschlossen. Wie erzählt der Film ohne eine vermittelnde Erzählerstimme? Bei der Verwendung der Literatur ähnlichen Erzählerstimme ist herauszustellen, diese im Zusammenhang von Bild und Ton zu betrachten, da sie nicht allein wirkt. Die Darstellungsmöglichkeiten sind unbegrenzt und machen es gerade beim Medium Film durch das mehrfache Zeichensystem sehr komplex. Daher liegt der Fokus der Betrachtung auf den Darstellungsmöglichkeiten, die sich besonders gut zum Erzählen innerer Welten eignen. Diese werden im Folgenden in der Analyse des Romans „Der Vorleser“ und dessen Verfilmung veranschaulicht.

In dieser Arbeit wird neben den verschiedenen Darstellungsmitteln auch Wert auf die Perspektivierung gelegt, die zu der Gestaltung maßgeblich beiträgt. Wenn man von Erzählperspektive spricht, wird im fiktionalen und literatur-theoretischen Kontext eine vermittelnde Instanz verlangt: ein Erzähler. Der Film scheint erst einmal unmittelbar - auf den ersten Blick. Wie erzeugt der Film auch ohne literarischen Erzähler eine Perspektivierung und was sind die Darstellungsmöglichkeiten der verschiedenen Medien, um innere Welten der Figuren auszudrücken?

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theorieteil

2.1. Erzähltheorie und der Roman

2.1.1. Fokalisierungstheorie

2.2. Beispiele Erzählinstanzen

2.3. Beispiele der Bewusstseinsdarstellung im Roman

2.3.1. Stumme direkte Rede

2.3.2. Innerer Monolog

2.3.3. Erlebte Rede

2.4. Der Film als Medium

2.5. Verwendung von Sprache im Film

2.6. Erzählen innerer Welten mit der Kamera

2.6.1. Einstellungsgröße

2.6.2. Positionierung der Kamera

2.6.3. Kamerabewegung

2.6.4. Kameraoptik

2.6.5. Subjektivierung durch Kameraarbeit

2.7. Mindscreen

2.8. Perspektivierung im Film

2.9. Erzählen innerer Welten vor der Kamera

2.10. Montagefunktion

2.11. Audiovisuelles Erzählen

2.11.1. Die Verwendung von Musik im Film

2.11.2. Die Verwendung von Geräuschen im Film

3. Analyseteil

3.1. Einführung

3.2. Die Erzählperspektive/ Erzählstil im Roman

3.3. Perspektivierung/Aufbau im Film

3.4. „Die magische Anziehung“ am Beispiel von Kameraarbeit und der Verwendung von Flashbacks

3.5. „Das Flüchten aus der Realität“ am Beispiel von Montage, Flashbacks und Ton

3.6. „Die blühende Liebe“ am Beispiel von der Funktion von Sprache und Bildsprache

3.7. „Die ersten Wunden“ am Beispiel von Filmmusik

3.8. „Das Ein- und Auftauchen“ am Beispiel von Kulisse und Symbolik

4. Fazit

5. Quellen

Zielsetzung & Themen

Diese Bachelorarbeit untersucht die narrativen Darstellungsmöglichkeiten innerer Welten (Gedanken, Emotionen, Konflikte) in Literatur und Film. Im Zentrum steht die Analyse des Romans „Der Vorleser“ von Bernard Schlink und dessen filmischer Adaption durch Stephen Daldry, wobei ergründet wird, wie Medien mit ihren spezifischen Zeichensystemen das Unsichtbare für den Rezipienten sichtbar oder hörbar machen.

  • Narrative Strategien zur Darstellung von Bewusstseinsinhalten im Roman (Fokalisierung, Ich-Erzählung).
  • Audiovisuelle Ausdrucksmittel des Films (Kameraführung, Montage, Ton, Licht).
  • Vergleich der medienübergreifenden Transformationsprozesse zwischen Literatur und Film.
  • Analyse der Wirkung von Symbolik, Kulisse und Musik auf die emotionale Tiefe der Erzählung.
  • Untersuchung von Subjektivität und Perspektivierung in beiden Medien.

Auszug aus dem Buch

3.2. Die Erzählperspektive/ Erzählstil im Roman

Er beginnt mit „Als ich fünfzehn war, hatte ich Gelbsucht.“ Der 50-jährige Michael Berg erinnert sich retrospektiv an seine Erlebnisse. Es gibt demnach das erinnernde Ich, Michael Berg mit 50 Jahren, der den Ich-Erzähler darstellt und das erlebende Ich des Michael Berg ab 15 Jahren. Der Ich-Erzähler lässt das erlebende Ich in Form von Figurenrede zu Wort kommen und schildert das Geschehen so, wie das erlebende Ich es zu dem Zeitpunkt wahrgenommen hat. Trotzdem kommentiert der Ich-Erzähler die Erzählung auch aus seiner „jetzigen“ Sichtweise.

Viele der Sätze beginnen mit: Ich erinnere mich. „Ich erinnere mich, daß ihr Körper, ihre Haltungen und Bewegungen manchmal schwerfällig wirkten.“ Durch Formulierungen, wie „Jahre später kam ich darauf, daß[…]“, „So habe ich damals[…]“, „Ich denke an damals zurück und sehe mich vor ihr“, „Wenn ich heute eine Frau von sechsunddreißig sehe[…]“ „Später habe ich mich gefragt, ob[…]“ wird deutlich, dass es sich um eine vergangene Geschichte handelt und das Geschehen in Relation zu der erzählten Gegenwart gesetzt wird. Er erzählt die Vergangenheit jedoch oft aus den Augen des jüngeren Michaels und lässt an einigen Stellen sein Wissen über den Verlauf der weiteren Geschichte weg. Oft ist es jedoch nicht klar definierbar, ob der Erzähler in die Gedanken des jungen Michael springt oder diese Formulierungen seine Gedanken zur erzählten Gegenwart darstellen sollen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Fragestellung ein, wie unterschiedliche mediale Ausdrucksebenen (Sprache vs. audiovisuelle Mittel) innere Welten von Figuren vermitteln können.

2. Theorieteil: Dieses Kapitel erläutert literaturwissenschaftliche Grundlagen der Erzähltheorie (Fokalisierung, Bewusstseinsdarstellung) und überträgt diese auf die Analyse von Filmen (Kamera, Montage, Mindscreen, Ton).

3. Analyseteil: Anhand des Romans „Der Vorleser“ und dessen Verfilmung werden die theoretischen Ansätze auf konkrete Textstellen und Filmszenen angewendet, um die mediale Transformation von Innenwelten zu veranschaulichen.

4. Fazit: Die Zusammenfassung verdeutlicht, dass sowohl Literatur als auch Film über komplexe, wenn auch verschiedene Mittel verfügen, um die Innenperspektive und Emotionen von Figuren für den Rezipienten greifbar zu machen.

Schlüsselwörter

Narrative Darstellung, Innere Welten, Romananalyse, Filmanalyse, Der Vorleser, Bernard Schlink, Stephen Daldry, Fokalisierung, Bewusstseinsdarstellung, Kameraführung, Montage, Mindscreen, Subjektivität, Audiovisuelles Erzählen, Literaturverfilmung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, wie das Medium Film im Vergleich zur erzählenden Prosa (Literatur) innere, nicht direkt sichtbare Welten von Figuren – wie Gefühle, Gedanken und Konflikte – darstellt.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Felder sind die narrativen Darstellungstechniken im Roman (z. B. Ich-Erzählung) und deren audiovisuelle Entsprechungen im Film (Kameraarbeit, Schnitt, Ton, Licht und Farbe).

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Arbeit möchte ergründen, welche spezifischen Darstellungsmittel Film und Roman nutzen, um das „Innere“ einer Figur zu vermitteln, und wie sich die literarische Vorlage in die Filmsprache übersetzen lässt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine vergleichende Medienanalyse, die erzähltheoretische Konzepte (z. B. von Genette und Stanzel) mit filmwissenschaftlichen Theorien kombiniert und auf eine Fallstudie anwendet.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in einen umfassenden Theorieteil zu Erzähltechniken und Medienspezifika sowie einen Analyseteil, in dem spezifische Szenen aus „Der Vorleser“ detailliert untersucht werden.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den Kernbegriffen gehören: Narration, Bewusstseinsdarstellung, Subjektivität, Mindscreen, Fokalisierung, filmische Erzählweisen und die Analyse von Roman und Verfilmung.

Wie unterscheidet sich die Darstellung des Bewusstseins im Roman von der im Film?

Während der Roman stark auf sprachliche Mittel wie den inneren Monolog oder die erlebte Rede setzt, nutzt der Film visuelle und auditive Codierungen wie Kamera-Subjektivität, Montage von Flashbacks und musikalisches Stimmungsdesign.

Welche Rolle spielt die „Innere Leinwand“ im Kontext der Arbeit?

Der Begriff beschreibt im Roman die subjektive Erinnerungsleistung des Ich-Erzählers; im Film wird diese durch den „Mindscreen“ und eine gezielte visuelle Montage als filmisches Äquivalent für das bewusste Erinnern und Empfinden visualisiert.

Wie wird das „Ein- und Auftauchen“ im analysierten Film interpretiert?

Es dient als zentrale Metapher für den Neuanfang und die Reinigung, bei der Michael versucht, durch das physische Handeln (Baden/Untertauchen) auch eine innere Klärung seiner Gefühle gegenüber Hanna zu finden.

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Details

Titel
Die narrativen Darstellungsmöglichkeiten Innerer Welten. Der Roman "Der Vorleser" von Bernard Schlink und die Verfilmung durch Stephen Daldry
Hochschule
Dekra Hochschule für Medien
Note
1,2
Autor
Nina Menzel (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2017
Seiten
52
Katalognummer
V943598
ISBN (eBook)
9783346276780
ISBN (Buch)
9783346276797
Sprache
Deutsch
Schlagworte
darstellungsmöglichkeiten innerer welten roman vorleser bernard schlink verfilmung stephen daldry
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Nina Menzel (Autor:in), 2017, Die narrativen Darstellungsmöglichkeiten Innerer Welten. Der Roman "Der Vorleser" von Bernard Schlink und die Verfilmung durch Stephen Daldry, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/943598
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Leseprobe aus  52  Seiten
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