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Assistierter Suizid. Wie hochrangig ist das Selbstbestimmungsrecht im Kontext der Sterbehilfedebatte zu sehen?

Titre: Assistierter Suizid. Wie hochrangig ist das Selbstbestimmungsrecht im Kontext der Sterbehilfedebatte zu sehen?

Dossier / Travail , 2020 , 13 Pages , Note: 1,0

Autor:in: Anonym (Auteur)

Philosophie - Pratique (Ethique, Esthétique, Culture, Nature, Droit, ...)
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Résumé Extrait Résumé des informations

Nahezu alle Umfragen zum Thema Tod stoßen immer wieder auf dieselben Begriffe: Menschenwürdig und selbstbestimmt. Erfüllt ein Sterben durch assistierten Suizid diese Ansprüche und ist Menschenwürde damit reduzierbar auf einzelne überprüfbare, objektivierbare Faktoren? Auf diese höchstkomplexen Fragen versucht der Autor im Folgenden mögliche Antworten herauszuarbeiten.

"Das Recht auf selbstbestimmtes Sterben schließt die Freiheit ein, sich das Leben zu nehmen. Die Entscheidung des Einzelnen, seinem Leben entsprechend seinem Verständnis von Lebensqualität und Sinnhaftigkeit der eigenen Existenz ein Ende zu setzen, ist im Ausgangspunkt als Akt autonomer Selbstbestimmung von Staat und Gesellschaft zu respektieren"

Dieses Urteil des Bundesverfassungsgerichts in Karlsruhe vom 26.02.2020 markiert den vorläufigen Höhepunkt in der Debatte um Sterbehilfepraktiken in Deutschland und stellt zugleich einen Wendepunkt im gesellschaftlichen Diskurs dar. Erstmals wird das Recht auf selbstbestimmtes Sterben ausdrücklich nicht mit unheilbaren oder schweren Krankheiten verbunden, sondern gilt in jeder Phase des Lebens zu respektieren. Befürworter einer liberalen Sterbehilfepraxis sehen im Urteil einen wichtigen Schritt für ein selbstbestimmtes Sterben, Kirchenverbände befürchten einen Dammbruch und den Weg in eine Dienstleistung des Sterbens. Unabhängig der jeweiligen Position bleibt eines festzuhalten: Der Gedanke der Autonomie erfährt in den aktuellen Debatten eine herausragende Stellung. Gerade in Zeiten der modernen Gerätemedizin mit seinen nahezu unendlichen Möglichkeiten zur Lebenserhaltung scheint die Selbstbestimmung als Abwehrrecht gegenüber Eingriffen der Medizin und der Ärzte zu fungieren. Doch so wichtig die Autonomie in den Diskussionen erscheint, so unscharf bleibt die Definition des Begriffs, so vielfältig die Bedeutungen. Aus diesem Grund soll zuerst der Begriff der Autonomie aus historischer Perspektive und seiner Entwicklung für heutige ethische Debatten näher beleuchtet werden, ehe die Rechtslage des assistierten Suizids und die ethische Problematik, die sich aus dem Spannungsfeld zwischen eigenem Willen und miteinbezogener Personen ergeben kann, behandelt wird und mögliche Grenzen der Selbstbestimmung aufzeigt. Das Kapitel "Autonomie und assistierter Suizid" soll den Würdebegriff aufgreifen und der Frage nachgehen: Wie wollen wir wirklich sterben?

Extrait


Inhaltsverzeichnis

1. Einführung und Vorstellung der Agenda

2. Autonomie – Annäherung an einen vielschichtigen Begriff

3. Assistierter Suizid – Rechtslage und ethische Problematik

4. Autonomie und assistierter Suizid - ein würdevolles Sterben in Selbstbestimmung?

5. Fazit und Ausblick

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen dem Selbstbestimmungsrecht des Individuums und dem ethischen sowie rechtlichen Diskurs um den assistierten Suizid. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie hochrangig das Selbstbestimmungsrecht am Lebensende zu gewichten ist und ob ein würdevolles Sterben zwingend durch eine rein autonome Entscheidung definiert werden kann.

  • Historische und philosophische Herleitung des Autonomiebegriffs
  • Rechtliche Rahmenbedingungen und ethische Implikationen der Suizidbeihilfe
  • Analyse des Würdebegriffs im Kontext des Sterbeprozesses
  • Kritische Betrachtung der Autonomie als alleiniges Kriterium für ein "würdevolles Sterben"

Auszug aus dem Buch

2. Autonomie- Annäherung an einen vielschichtigen Begriff

Autonomie als zentraler Begriff einer hochindividualisierten Gesellschaft findet im Alltag, auch im Rahmen einer bestimmten Lebenskultur Ausdruck, die aus Slogans der Werbeindustrie besteht. „Nimm dein Leben selbst in die Hand“ oder „Du weißt immer noch am besten, was gut für dich ist“ sind Aussprüche, die die Autonomie auf ein alltägliches Streben nach Selbstkontrolle, Unabhängigkeit und den Wunsch ein möglichst mündiger Bürger zu sein, reduzieren. Eine erweiterte Definition des Autonomiebegriffs findet man beim Schweizer Philosophen Peter Bieri, der Autonomie als Fähigkeit sieht, sich selbst zu bestimmen und sein Verhalten oder Leben im Lichte von eigenen Gründen, nach eigenen Regeln, Gedanken, Gefühlen und Werten zu führen.2 Dabei gehe es nicht nur um Unabhängigkeit von den Anderen, da jeder in bestimmten Grenzen und Prägungen und in Beziehungen der Bedingtheit lebe.3 Dies greift in gewisser Weise Martin Heideggers Begriff des „Geworfenseins“ auf, in denen Menschen soziale Strukturen und Werte vorfinden, die nicht selbst gewählt und auch nur schwer veränderbar sind.

Zuerst lohnt sich jedoch ein kurzer Blick in die historischen Ursprünge des Begriffs der Autonomie. Aus dem politischen Kontext heraus stamme sie aus der Selbstgesetzgebung der griechischen Stadtstaaten, die so eine Unabhängigkeit von anderen Mächten erreichen wollten.4 Dabei stand nicht das individuelle Subjekt im Vordergrund, Ziel war ein normativer Anspruch politisch autonom handeln zu können. Nach der Zuschreibung in einen politischen Kontext erreicht die Autonomie nach Ende des Mittelalters eine juristische Ergänzung um freie Wahl der Religionszugehörigkeit oder die Gleichheit der Rechte. Maßgeblich sind dabei die Revolutionen im 17. Jahrhundert in England oder später in Frankreich, die das Bewusstsein schafften, dass alle Menschen frei sind, gleich an Rechten geboren werden und es auch bleiben. Dieser Zugewinn an Rechten und Unabhängigkeit von der damaligen Feudalherrschaft wird aber nicht ausschließlich positiv bewertet. Er erfährt auch eine durchaus negative Begleitung in Hobbes Schilderung eines Naturzustands, indem er fürchtet, ohne eine staatliche Kontrolle gleite die Selbstentfaltung und Selbsterhaltung des Menschen in „(…) ein Verhalten, das gleichbedeutend ist mit einem Krieg aller gegen alle.“

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einführung und Vorstellung der Agenda: Diese Einleitung skizziert die Relevanz der Sterbehilfedebatte nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts von 2020 und formuliert die zentralen Forschungsfragen zur Rolle der Autonomie.

2. Autonomie – Annäherung an einen vielschichtigen Begriff: Das Kapitel beleuchtet die historische und philosophische Entwicklung des Autonomiebegriffs, insbesondere unter Einbezug von Kant und Bieri, um eine fundierte Basis für ethische Abwägungen zu schaffen.

3. Assistierter Suizid – Rechtslage und ethische Problematik: Hier werden die juristischen Rahmenbedingungen der Suizidbeihilfe diskutiert und die moralischen Dilemmata analysiert, die sich bei der Unterstützung eines Sterbewilligen durch Dritte ergeben.

4. Autonomie und assistierter Suizid - ein würdevolles Sterben in Selbstbestimmung?: Dieses Kapitel hinterfragt, ob die Autonomie ein ausreichendes Kriterium für ein würdevolles Sterben darstellt und welche Gefahren ein rein leistungsbezogener Würdebegriff für vulnerable Gruppen birgt.

5. Fazit und Ausblick: Zusammenfassend wird betont, dass Autonomie im sozialen Kontext von Fürsorge und Beziehung zu Anderen betrachtet werden muss, um nicht in eine exklusive oder menschenwürde-gefährdende Richtung abzudriften.

Schlüsselwörter

Autonomie, assistierter Suizid, Sterbehilfe, Selbstbestimmung, Menschenwürde, Lebensende, Ethik, Rechtslage, Kant, Suizidassistenz, Palliativmedizin, Sterbeprozess, Fürsorge, Lebensqualität, Verantwortung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit befasst sich mit der philosophischen und ethischen Untersuchung des Selbstbestimmungsrechts innerhalb der aktuellen Debatte um den assistierten Suizid in Deutschland.

Welches sind die zentralen Themenfelder der Publikation?

Zentral sind die Begriffe der Autonomie, die Definition der Menschenwürde sowie die rechtliche und moralische Einordnung der ärztlich assistierten Suizidhilfe.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Arbeit zielt darauf ab zu klären, wie hochrangig das Selbstbestimmungsrecht zu bewerten ist und ob es als alleinige Grundlage für die moralische Rechtfertigung eines assistierten Suizids ausreicht.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?

Die Autorin/der Autor nutzt eine philosophisch-ethische Analyse, gestützt auf historische Perspektiven, rechtliche Dokumente (wie das BVerfG-Urteil) und eine Auseinandersetzung mit der Fachliteratur (u.a. Kant, Bieri).

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine begriffliche Klärung der Autonomie, eine Untersuchung der rechtlichen und ethischen Problematik des assistierten Suizids sowie eine kritische Reflexion über die Verbindung von Autonomie, Würde und sozialer Verantwortung.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch die Begriffe Autonomie, Selbstbestimmung, Menschenwürde, Assistierter Suizid und ethische Verantwortung charakterisiert.

Welchen Einfluss hat das Urteil des Bundesverfassungsgerichts von 2020 auf die Untersuchung?

Das Urteil dient als Ausgangspunkt und Wendepunkt der Debatte, wobei die Arbeit die darin implizierten juristischen Unsicherheiten und die gesellschaftlichen Folgen kritisch reflektiert.

Welche Position nimmt die Arbeit zum Zusammenhang zwischen Autonomie und Würde ein?

Die Arbeit warnt vor einer "eindimensionalen" Sichtweise: Autonomie sollte nicht als unbegrenztes Recht missverstanden werden, sondern als eingebettet in soziale Beziehungen und die Achtung der Menschenwürde – auch im Sinne einer Selbstbegrenzung.

Warum wird der Begriff des "unerträglichen Leidens" kritisch hinterfragt?

Die Arbeit hinterfragt, ob es objektive Kriterien für dieses Leiden geben kann, da subjektive Interpretationen das Risiko bergen, Leben vorschnell als "beendigungswürdig" zu deklarieren.

Wie steht die Arbeit zum Thema Palliativmedizin?

Sie betont die Bedeutung des palliativmedizinischen Ansatzes als ein soziales Gegengewicht, bei dem der Fokus auf dem Sterben "an der Hand eines Menschen" und nicht "durch einen Menschen" liegt.

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Résumé des informations

Titre
Assistierter Suizid. Wie hochrangig ist das Selbstbestimmungsrecht im Kontext der Sterbehilfedebatte zu sehen?
Université
University of Heidelberg
Note
1,0
Auteur
Anonym (Auteur)
Année de publication
2020
Pages
13
N° de catalogue
V944373
ISBN (ebook)
9783346278876
ISBN (Livre)
9783346278883
Langue
allemand
mots-clé
assistierter suizid selbstbestimmungsrecht kontext sterbehilfedebatte
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Anonym (Auteur), 2020, Assistierter Suizid. Wie hochrangig ist das Selbstbestimmungsrecht im Kontext der Sterbehilfedebatte zu sehen?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/944373
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Extrait de  13  pages
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