Depressionen aus systemischer Perspektive. Forschungsstand, Prävalenz und Ätiologie


Hausarbeit, 2019

30 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitu
1.1 Problemaufriss undZielsetzung
1.2 Aufbau der Arbeit
1.3 Methodik

2 TheoretischeGrundlage
2.1 Begriffsdefinition
2.1.1 Depression
2.1.2 Systemische Therapie
2.2 Ätiologie
2.3 Häufigkeit, Alter, Geschlecht undsozialeSchicht
2.4 Symptome
2.5 Klassifikation nach Schweregrad und Dauer
2.6 Verlaufund Prognose
2.7 Diagnostik und Therapie
2.7.1 Medikamentöse Therapie
2.7.2 Psychotherapie
2.7.3 Nichtmedikamentöse Verfahren
2.8 Präventionsansätze
2.9 Beziehungsmuster nach Schweitzer und Schlippe

3 Methodischer Teil
3.1 Strukturbaum - Risikofaktoren zur Entstehung einer Depression
3.2 Methode der Befragung und anschließende Auswertung

4 Diskussi
4.1 Herausforderungen bei der Durchführung der Befragung
4.2 Konzepte„Lebensproblem/Problemsystem"
4.3 Ausblick

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Anhan

1 Einleitung

1.1 Problemaufriss und Zielsetzung

„Depression ist keine Charakterschwäche und auch keine Art, wie jemand ist. Es ist auch keine Erziehungssache, es ist keine Verstimmung, keine Launigkeit, keine Zickigkeit, es ist kein ,Nicht-wollen‘, kein ’sich verschließen“, keine Trotzigkeit, es ist kein ,ist mir doch egal“, sondern es ist eine Krankheit.“

- Klaas Heufer-Umlauf (Schauspieler)

Depression ist eine weltweit verbreitete Erkrankung, von der mehr als 300 Millionen Menschen betroffen sind. Depressionen unterscheiden sich von üblichen Stimmungsschwankungen und kurzlebigen emotionalen Reaktionen auf Herausforderungen im Alltag (WHO, 2018). Sie wirkt sich maßgeblich auf die Gedanken, die Stimmung und den gesundheitlichen Zustand aus (Cui, 2015, S. 480) und tritt unabhängig von der Kultur und der Nationalität auf (Kasper & Lehofer, 2012, S. 3). Insbesondere bei langer Dauer und mittlerer oder schwerer Intensität kann eine Depression einen besorgniserregenden Gesundheitszustand verursachen (WHO, 2018). Es wird damit gerechnet, dass die Depression in geraumer Zeit die häufigste Erkrankung sein wird (Kasper & Lehofer, 2012, S. 3). 2012 erkrankten deutschlandweit etwa 629.700 Personen an einer depressiven Neuerkrankung (WldO, 2016). Im Jahr 2017 waren laut einer Studie des statistischen Bundesamts (2019) 577 Todesfälle zu verzeichnen, welche die Folge einer depressiven Episode waren. Im Jahr 1998 hingegen waren es nur 35 Todesfälle. Zwischen 2010 und 2012 haben sich die Todesfälle mehr als verdoppelt. Der drastische Anstieg dieser Zahlen verdeutlicht, wie groß der Bedarf an Aufklärungsarbeit unter der Bevölkerung ist. Die Depression als Krankheitsbild muss ernst genommen werden und benötigt eine sofortige adäquate Behandlung.

Die Folgen dieser schwerwiegenden Erkrankung sind, dass betroffene Personen am Arbeitsplatz, in der Schule und in der Familie stark leiden und nicht mehr ihren gewohnten, alltäglichen Aufgaben nachgehen können (WHO, 2018). Derzeit ist die Depression die häufigste Ursache für Erwerbsunfähigkeit weltweit (Kasper & Lehofer, 2012, S. 3). 2017 verzeichnet die Betriebskrankenkasse 16,7 Arbeitsunfähigkeitsfälle je 1.000 BKK-Mitglieder, welche aufeine depressive Episode zurückzuführen sind (BKK Dachverband, 2018).

Im schlimmsten Fall kann eine Depression zum Selbstmord führen. Jährlich sterben fast 800.000 Menschen an den Folgen von Selbstmord. Selbstmord ist die zweithäufigste Todesursache bei 15- bis 29-Jährigen (WHO, 2018). Auf eine Depression sind 70% der Suizide zurückzuführen (Kasper & Lehofer, 2012, S. 3).

Auch wenn eine Depression nicht immer einen Selbstmord zu Folge haben muss, weiß man, dass sich Depressionen auf den Heilungsprozess anderer physischer Erkrankungen maßgeblich auswirken (Haenel, 2017, S. 3).

Obwohl es bekannte, wirksame Behandlungen für Depressionen gibt, erhalten weniger als 10% der Betroffenen eine entsprechende Behandlung (Keck, 2017, S. 8). Ein Mangel an Ressourcen und ausgebildetem Gesundheitspersonal sowie das soziale Stigma im Zusammenhang mit psychischen Störungen sind Ursachen, welche eine effektive Behandlung der Erkrankung behindern. In Ländern aller Einkommensniveaus werden depressive Menschen oft nicht richtig diagnostiziert (WHO, 2018).

In einer EU-weiten Studie, bei welcher 22.000 Personen befragt wurden, kam man zu der Erkenntnis, dass 63% der Befragten mit Depressionen trotz wesentlicher Symptomatik keinen Arzt aufsuchten. Noch heute ist in den Menschen der Glaube verankert, diese Erkrankung mit Härte und Disziplin durchstehen zu müssen (Haenel, 2017, S. 3).

Eine Depression kann Erkrankungen wie einen Herzinfarkt, Schlaganfall, Osteoporose, Demenz und Diabetes zur Folge haben und die Lebenserwartung verkürzen.

Wichtig ist es, die Therapie auf medikamentöser als auch psychotherapeutischer Ebene durchzuführen (Keck, 2017, S. 8).

Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, den derzeitigen Forschungsstand des Störungsbild der Depression aus systemischer Perspektive aufzuzeigen und das Krankheitsbild besser zu verstehen. Außerdem soll versucht werden, der noch immer vorhandenen Stigmatisierung durch Förderung des Verständnisses vorzubeugen. In weiterer Folge ist es das Ziel, einen Überblick über die Prävalenz und die Ätiologie zu geben und einen Fragebogen zu den diesbezüglichen Risikofaktoren zu erstellen.

1.2 Aufbau der Arbeit

Das erste Kapitel umfasst eine Einführung in das Krankheitsbild der Depression und schildert das Problem und Ziel derArbeit. Außerdem wird kurz aufdie Methodik eingegangen.

Die theoretischen Grundlagen, welche auf wissenschaftlich relevanter Literatur basieren, werden im zweiten Kapitel behandelt. Die Depression und die systemische Therapie werden definiert. Anschließend erfolgt ein Überblick über die möglichen Entstehungsursachen aus systemischer Sicht und die Klärung der Prävalenz. Daraufhin erfolgt die Vorstellung von typischen Symptomen des Krankheitsbildes. In einem weiteren Kapitel wird auf die Klassifikation von Depressionen nach Dauer und Schweregrad eingegangen. Verlauf und Diagnose bilden ein weiteres Kapitel. Unter anderem wird auch die Diagnostik angeschnitten und die einzelnen Therapieformen beleuchtet. Im letzten Abschnitt werden einige präventive Ansätze vorgestellt.

Im dritten Kapitel, dem methodischen Teil, erfolgt eine Darstellung der bekanntesten Risikofaktoren aus systemischer Sicht und eine Erläuterung deren Auswahl. Anschließend wurde auf Basis dessen ein Fragebogen erstellt, welcher aus dem Anhang zu entnehmen ist. Die Klärung, wie der Fragebogen in der Praxis angewendet und ausgewertet werden könnte erfolgt in einem weiteren Kapitel.

Das vierte und somit letzte Kapitel bildet die Diskussion. Es erfolgt eine kritische Reflexion und eine Erläuterung der Herausforderungen, welche mit der Durchführung der Befragung einhergehen. In einem weiteren Kapitel werden die Konzepte „Lebensproblem / Problemsystem“ in Bezug auf Depressionen hin reflektiert.

1.3 Methodik

Als Suchhilfen für die Literaturrecherche dienten unterschiedliche Fachdatenbanken. Außerdem wurde an der Hauptbibliothek Wien mittels der „Berrypicking- Methode“ nach geeigneter Literatur gesucht.

2 Theoretische Grundlagen

In diesem Kapitel wird auf die theoretischen Grundlagen eingegangen und dem Leser ein Überblick über die Thematik verschafft.

2.1 Begriffsdefinition

Folgende Definitionen sollen es ermöglichen, zentrale Begriffe dieser Arbeit besser zu verstehen.

2.1.1 Depression

Die Depression (lat.: deprimere = herunterdrücken) fällt in die Kategorie der affektiven Störungen (I care, 2015, S. 1202; Schädle-Deininger, 2010, S. 243). Hier ist die Stimmung (=Affektivität) und der Antrieb krankhaft verändert (I care, 2015, S. 1216). Die Depression ist durch eine gedrückte Stimmung, Antriebslosigkeit und ein vermindertes Interesse gekennzeichnet (Posmyk, 2019). In der meist länger andauernden Zeitspanne fällt es den Personen schwer, ihren Verpflichtungen nachzukommen (WHO, 2019). Für die Betroffenen bedeutet dies einen starken Verlust an Lebensqualität (Keck, 2017, S. 8).

Die Theorie von Beck besagt, dass die Depression das Ergebnis einer negativen Wahrnehmung der eignen Person, der Umwelt und der Zukunft (=kognitive Triade) ist. Ergeht von der Annahme aus, dass die Betroffenen unter einem negativen Selbstbild leiden, das Schlechte verallgemeinern und das Positive nicht wahrnehmen. Die Spirale der negativen Sichtweise und Deutung der Umwelt kann die Depression aufrechterhalten (I care, 2015, S. 1218).

2.1.2 Systemische Therapie

Die systemische Therapie ist ein seit den 1980er-Jahre bestehender Ansatz der Psychotherapie und leitet sich von der Familientherapie ab (Ludewig, 2005, S. 7). Die systemische Therapie sieht den Menschen als eine Art System (biologisch, psychisch und sozial), welches von anderen Systemen bzw. Randbedingungen (Familie, Freundeskreis, Arbeitsumfeld und Gesellschaft) umgeben wird. Tritt ein Problem auf, wird dieses nicht als Störung des Einzelnen betrachtet, sondern als Störung des gesamten Systems. Die systemische Therapie konzentriert sich daher nicht nur auf den Einzelnen, sondern auf das gesamte Lebensumfeld des Klienten. Es ist nicht Ziel der systemischen Therapie, das Problem zu analysieren. Vielmehr wird versucht, Wechselwirkungen zu erfassen und Selbstheilungskräfte zu aktivieren (Gamber, 2018, S. 23).

Diese Art von Therapie können Einzelpersonen, aber auch Paare oder Familien in Anspruch nehmen. Die Anwendung einer systemischen Therapie hat sich unter anderem besonders bei depressiven Störungen als erfolgreich erwiesen (Pro Psychotherapie e.V., 2016).

2.2 Ätiologie

Da die Depression durch eine Vielzahl an Ursachen ausgelöst werden kann, wird von einer multifaktoriellen Entstehung gesprochen. Das Krankheitsbild der Depression ist die Folge von Wechselwirkungen zwischen biologischen, psychischen und sozialen Faktoren.

Heutzutage wird zur Erklärung für die Entwicklung einer Depression bevorzugt das sogenannte Vulnerabilitäts-Stress-Modell herangezogen. Als Vulnerabilität wird die Anfälligkeit eines Menschen, an einer bestimmten Krankheit zu erkranken, bezeichnet. Die Vulnerabilität setzt sich aus den genetischen, somatischen und psychosozialen Faktoren zusammen. Kommen zusätzliche Faktoren hinzu, welche den Menschen in einen Stresszustand versetzen (z.B. Schicksalsschläge) und wird die kritische Grenze überschritten, kann es zu einem Ausbrechen der Erkrankung kommen.

Wie oben bereits erwähnt, ist die genetische Veranlagung bei der Entstehung einer Depression ein großer Risikofaktor (I care, 2015, S. 1217). Ebenfalls herrscht bei den Betroffenen oftmals ein Ungleichgewicht der Nervenbotenstoffe Serotonin, Noradrenalin und Dopamin. Dies führt zu einer andauernden Überaktivierung des Stresshormonsystems (Keck, 2017, S. 10). Des Weiteren können auch hormonelle Ursachen maßgeblich zu einer Entstehung beitragen (I care, 2015, S. 1218). Mittels Untersuchungen kamen Wissenschaftler zu der Erkenntnis, dass Diabetiker ein doppelt so hohes Risiko haben an einer Depression zu erkranken. Eine ähnlich hohe Wahrscheinlichkeit haben Menschen mit Herz- oder Krebserkrankungen und Schlaganfällen (Hauschild, 2014).

Außerdem haben die psychosozialen Faktoren enormen Einfluss auf die Entstehung einer Depression. Zu den psychosozialen Ursachen gehören sowohl vergangene als auch aktuelle Erlebnisse. Besonders die belastenden oder lebenseinschneidenden Ereignisse bergen ein Risiko. Beispiele dafür sind der Verlust eines nahestehenden Menschen, eine Scheidung, familiäre bzw. berufliche Herausforderungen, Einsamkeit, Vergewaltigung oder die Geburt eines Kindes (I care, 2015, S. 1218). Bei vielen dieser Ereignissen droht der Verlust einer zwischenmenschlichen Beziehung. Dabei haben Mediziner und Psychologen herausgefunden, dass gut ausgeprägte zwischenmenschliche Beziehungen den Menschen vor Stress, welcher einen großen Risikofaktor darstellt, schützen. Untersuchungen haben jedoch ergeben, dass bei weniger als 20% der Menschen, welche eine belastende Situation durchleben mussten, eine Depression auftritt. Dies zeigt, dass außergewöhnliche Lebenssituationen eine Depression hervorrufen können, es jedoch bei dem Großteil der Bevölkerung nicht der Fall ist. Bei wiederkehrenden depressiven Episoden sind oftmals sogar überhaupt keine belastenden Situationen zu verzeichnen, welche das Wiederauftreten der Depression erklären könnten (Bauer, 2007, S. 85ff). Außerdem führen negative Denkmuster, Einstellungen und Anschauungen häufig zu einem verzerrten Bild über die eigene Person, die Umwelt und die Zukunft. Diese Faktoren wirken sich stark auf unsere Gemütslage aus. Sogenannte dysfunktionalem Denkstile sind häufig bei depressiven Menschen zu finden (Kurtovic, 2014).

2.3 Häufigkeit, Alter, Geschlecht und soziale Schicht

An einer Depression erkranken 13-20% der Bevölkerung. Ein Viertel der Erkrankten weist einen chronischen Verlauf auf. Bei drei Viertel der Betroffenen tritt die Erkrankung in Episoden auf. Nimmt die Erkrankung einen chronischen Verlauf, so bleibt diese dauerhaft bestehen. Bei dem episodenhaften Verlauf hingegen treten die Symptome in regelmäßigen Abständen auf.

Frauen sind im Gegensatz zu Männern nahezu doppelt so häufig betroffen. 16-22% der Frauen erkranken in ihrem Leben an einer Depression. Das Risiko bei Männern hingegen liegt bei 8-12%. Das Krankheitsbild tritt bei Frauen auch in einem wesentlich früheren Alter auf. Die depressiven Phasen dauern außerdem länger und das Risiko eines Rückfalls ist bei dem weiblichen Geschlecht höher (Schädle-Deininger, 2010, S. 245). 15,8% der befragten 45- bis 64-jährigen Frauen, welche nicht erwerbstätig waren, gaben bei einer Studie aus dem Jahr 2010 an, dass bei ihnen in den letzten 12 Monaten eine Depression diagnostiziert wurde. Bei den erwerbstätigen Frauen in der entsprechenden Altersklasse waren es hingegen nur 8,6% (Robert Koch-Institut, 2013).

Ältere Menschen haben ebenfalls ein erhöhtes Risiko, an einer Depression zu erkranken. Häufig besteht ein Zusammenhang mit körperlichen Erkrankungen und Funktionseinschränkungen.

Meistens macht sich die Erkrankung erstmals zwischen dem 35. und 45. Lebensjahr bemerkbar.

Menschen ohne Bezugsperson, vom Partner getrennt lebende, geschiedene und verwitwete Personen sind besonders gefährdet. Erwerbstätige Menschen weisen eine deutlich geringere Rate auf zu erkranken. Arbeitslose Menschen und Personen, welche arbeitsunfähig sind, sowie Flüchtlinge zählen zu den Personengruppen, welche gefährdet sind. Menschen aus einer eher niedrigeren sozialen Schicht haben ein fast doppelt so hohes Risiko, an einer Depression zu erkranken als Personen aus einer höheren Schicht. Die Erkrankungsrate ist bei Personen, welche sich kürzer als vier Jahre einer Schulausbildung unterzogen haben um das 1,6-fache höher als bei Menschen, die zumindest 12 Jahre eine Ausbildung genossen haben. Auch die Umgebung und die häuslichen Bedingungen haben einen deutlichen Einfluss. Studien haben gezeigt, dass Personen, welche in einer städtischen Umgebung oder einer Mietwohnung leben, um 30% gefährdeter sind als Personen, welche am Land und in einem Eigenheim wohnen (Wancata, Dantendorfer, Klier, Lenz & Stolba, 2013, S. 21-24).

Etwa 10% der über 65-jährigen leiden unter einer Depression (Schädle-Deininger, 2010, S. 245).

2.4 Symptome

Grundsätzlich können die Symptome in psychische, psychomotorische und körperliche Symptome unterteilt werden.

Die Betroffenen fühlen sich niedergeschlagen, hoffnungslos, innerlich leer, verzweifelt und können nur schwer Freude empfinden. Sie beschreiben ein „Gefühl der Gefühllosigkeit“. Das Interesse an Hobbies und Bekanntschaften geht verloren. Die Konzentration lässt nach und die Denkprozesse sowie die Bewegungsabläufe sind verlangsamt. Die Betroffenen fühlen sich antriebslos und erschöpft. Es ist für sie kaum möglich, den Alltag und dessen Herausforderungen zu bewältigen. Einer beruflichen Tätigkeit kann kaum mehr nachgegangen werden, ohne dass diese viel Zeit und Kraft kostet (I care, 2015, S. 1218f).

Charakteristisch für eine Depression sind außerdem Schlafstörungen. Diese können sich in unterschiedlicher Form zeigen. Viele Betroffene haben Einschlaf- und Durchschlafprobleme oder erwachen frühzeitig. Dies hat zur Folge, dass sich die Leidtragenden tagsüber müde und ausgelaugt fühlen. Typisch für das Krankheitsbild ist das sogenannte „Morgentief“. Dabei sind die Symptome morgens am stärksten ausgeprägt und werden im Laufe des Tages leichter. Des Weiteren leiden die Betroffenen häufig unter Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust. Da das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten oftmals verloren geht, fehlt es den erkrankten Personen an Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl. Sie geben sich die Schuld für ihren aktuellen Gesundheitszustand (Wancata et al., 2013, S. 40ff &46). Dieser Verlust des Selbstwertgefühls unterscheidet die Depression deutlich von einer „normalen“ Trauer (Bauer, 2007, S. 85).

Von einem depressiven Stupor wird gesprochen, wenn die Betroffenen sich nicht mehr bewegen und keine Reaktionen mehr zu verzeichnen sind. In dieser Krankheitsphase ist sofortiger Handlungsbedarf notwendig (I care, 2015, S. 1218f). Bei schwerwiegender Symptomatik kann es zu Suizidversuchen kommen. Die Betroffenen denken, so ihrem Leid ein Ende bereiten zu können (Wancata et al., 2013, S. 44).

2.5 Klassifikation nach Schweregrad und Dauer

Depressionen lassen sich je nach ihrem Schweregrad und der Symptomatik nach ICD-10 in verschiedene Kategorien unterteilen.

Die leichte depressive Episode (F32.0) zeichnet sich dadurch aus, dass der Erkrankte unter mindestens zwei oder drei der oben angegebenen Symptome leidet. Die Betroffenen sind dadurch beeinträchtigt, können ihren alltäglichen Verpflichtungen aber nachgehen.

Vier oder mehr Symptome müssen vorhanden sein, um von einer mittelgradigen depressiven Episode (F32.1) zu sprechen. Für die Betroffenen ist es eine Herausforderung, die alltäglichen Aktivitäten fortzusetzen.

Die schwere depressive Episode (F32.2) ist durch mehrere Symptome gekennzeichnet. Charakteristisch sind Symptome wie der Verlust des Selbstwertgefühls, Gefühle von Wertlosigkeit und Schuld. Außerdem kommt es oftmals zu suizidalen Gedanken und Handlungen. Das Auftreten von physischen Symptomen ist ebenfalls typisch (Krollner, 2019).

Um eine Depression zu diagnostizieren, müssen mindestens zwei bzw. bei einer schweren depressiven Phase drei Symptome über zwei Wochen vorherrschend sein (National Institute of Mental Health, 2018). Eine Diagnosestellung nach weniger als zwei Wochen kann durch eine besonders schnell auftretende oder schwerwiegende Symptomatik gerechtfertigt sein (Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde, 2015, S. 29 & 32).

[...]

Ende der Leseprobe aus 30 Seiten

Details

Titel
Depressionen aus systemischer Perspektive. Forschungsstand, Prävalenz und Ätiologie
Hochschule
SRH Fernhochschule
Note
1,3
Autor
Jahr
2019
Seiten
30
Katalognummer
V944400
ISBN (eBook)
9783346279149
ISBN (Buch)
9783346279156
Sprache
Deutsch
Schlagworte
depressionen, perspektive, forschungsstand, prävalenz, ätiologie
Arbeit zitieren
Tashina Celine Nemec (Autor), 2019, Depressionen aus systemischer Perspektive. Forschungsstand, Prävalenz und Ätiologie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/944400

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