Alleinerziehende Mütter sind immer wieder mit der Pflege, Erziehung und Betreuung ihrer Kinder überfordert. Dennoch erfahren sie in der Gesellschaft wenig Verständnis und Zuspruch für ihre Lage. Auch die psychosozialen und wirtschaftlichen Lagen sowie die Bedürfnisse und Herausforderungen der Lebenswelten werden weitgehend außer Acht gelassen. Trotz Pluralisierung und neuer Lebens- und Familienformen wird Alleinerziehenden nicht selten mit Vorurteilen begegnet.
Eine Fall- und Feldanalyse soll die Umstände in einer solchen Einrichtung und vor allem die Bedeutung in den Fokus nehmen. Dabei liegt ein besonderes Augenmerk auf der pädagogischen Entwicklung der Kinder. Denn die Kindheit ist eine bedeutende Phase im Leben, in der Weichen für die spätere Zukunft gestellt werden. Aus diesem Grund wird dem Wohl des Kindes eine hohe Bedeutung beigemessen. Falls das Wohl jedoch nicht gesichert ist, muss der Staat von seinem Wächteramt Gebrauch machen. Die im Kinder- und Jugendhilfegesetz verankerte gemeinsame Wohnform für Mütter und Väter mit ihren Kindern als eine von vielen Hilfsmöglichkeiten, bietet den allein sorgeberechtigten Elternteilen die Chance, ihre Erziehungskompetenzen zu stärken. Es ist auch eine Unterstützungsform für Schwangere in prekären Lebenssituationen, die aufgrund ihrer persönlichen Voraussetzung nicht in der Lage sind, allein Sorge für das Kind zu tragen und denen Unterstützungsangebote aus ihrem sozialen und familiären Umfeld fehlen.
Im Zentrum der Analyse stehen vor allem alleinerziehende Müttern, deren Kompetenzen zur Versorgung und Betreuung ihrer Kinder alleine nicht ausreichen. Gemeinsame Wohnformen, wie die Mutter-Kind-Einrichtungen, bieten eine Möglichkeit, diese fehlenden Kenntnisse und persönlichen Kompetenzen zu erweitern, um später ein selbständiges und eigenverantwortliches Leben mit Kind zu führen. Im theoretischen Teil werden die für die Arbeit relevanten Begriffe bezüglich des Themas Schwanger- und Elternschaft vorerst definiert.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. THEORIE UND BEGRIFFSDEFINTION
2.1 Rechtsgrundlage
2.2 Lebensbewältigung
2.3 Der historische Kontext Sozialer Arbeit mit jungen Müttern
2.4 Elternschaft
2.5 Kindheit
2.6 Kindeswohl und Kindeswohlgefährdung
2.7 Familie
2.8 Lebenslagen alleinerziehender Mütter
3. METHODISCHES VORGEHEN
3.1 Datenerhebung
3.1.1 Schriftliches Interview
3.1.2 Forschungsfeld
3.2 Datenauswertung
3.2.1 Qualitative Inhaltsanalyse
3.2.2 Merkmale Qualitativer Inhaltsanalyse
3.2.3 Allgemeiner Ablauf der qualitativen Inhaltsanalyse
3.2.4 Zusammenfassenden Inhaltsanalyse
3.3 Konkrete Umsetzung der Analyse
3.3.1 Einbettung in den Kommunikationszusammenhang
3.3.2 Formale Charakteristika
3.3.3 Richtung der Analyse
3.3.4 Auswertungs-, Kontext- und Kodiereinheit
3.3.5 Anwendung der zusammenfassenden Inhaltsanalyse
4. VORSTELLUNG DER ERGEBNISSE
4.1 Hauptkategorie “Lebenssituation, Problemfelder, Bedürfnisse Frauen“
4.2 Hauptkategorie “Institutionelle Rahmenbedingungen“
4.3 Hauptkategorie “Betreuung und Förderung der Kinder“
4.4 Hauptkategorie “Persönliche Aspekte der Interviewpartnerin“
4.5 Hauptkategorie “Corona-Pandemie“
5. FAZIT
5.1 Kritische Reflexion
5.2 Offene Fragen und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Rolle von Mutter-Kind-Einrichtungen als pädagogisch institutionalisierte Wohnräume und analysiert, wie eine professionelle Sozialpädagogin ihre Tätigkeit in diesem spezifischen Arbeitsfeld beschreibt.
- Strukturelle und rechtliche Rahmenbedingungen von Mutter-Kind-Einrichtungen
- Sozialpädagogische Unterstützungsprozesse bei der Lebensbewältigung
- Interaktion zwischen Mutter und Kind und deren Förderung
- Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den Einrichtungsalltag und pädagogische Arbeit
Auszug aus dem Buch
2.2 Lebensbewältigung
Das Paradigma der Lebensbewältigung von Lothar Bönisch dient als theoretischer Hintergrund der Fall-und Feldanalyse. Mit dem Konzept der Lebensbewältigung beschreibt er die Bewältigung von kritischen Lebensereignissen, in denen die Aspekte des Selbstwertes, der sozialen Anerkennung und der Selbstwirksamkeit gefährdet sind. Situationen können von den Betroffenen als kritisch empfunden werden, wenn das psychosoziale Gleichgewicht bedroht ist und die vorhandenen persönlichen und sozialen Fähigkeiten nicht in ausreichendem Maße zur Verfügung stehen, um dieses wiederherzustellen (vgl. Böhnisch 2018, S.24). In problematischen Lebenssituationen, die gekennzeichnet sind von fehlender sozialer Unterstützung und sozialer Teilhabe und Orientierungslosigkeit, handeln Betroffene antisozial, um so verloren gegangene Anerkennung und Selbstwert wiederzuerlangen. Durch sozial abweichendes Verhalten wird innere Hilflosigkeit abgespalten und ein befreiender und entspannter Zustand erreicht (vgl. ebd. S.25f.). Dabei ergeben sich unterschiedliche Bewältigungserscheinungen der Geschlechter. Die Geschlechterrollen werden durch Sozialisation in den Habitus übernommen und in alltäglichen Praktiken ständig reproduziert (vgl. ebd., S.41). Männer zeigen eher die Tendenz, sich in Krisensituationen durch externalisierendes Verhalten von Gefühlen der Hilflosigkeit zu lösen, wohingegen Frauen es mit sich selber ausmachen (vgl. ebd., S. 291). Durch das Konzept der Lebensbewältigung entsteht für die handelnden Sozialpädagog*innen ein Verständnis für die Lebenswelten und Zustände der Klient*innen, ohne diese für gut zu befinden. Außerdem kann dadurch nachvollzogen werden, wie und warum sich psychosoziale Probleme in den Lebenswelten manifestieren (vgl. ebd., S.24).
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Die Autorin begründet ihre Themenwahl für die Fall- und Feldanalyse aufgrund persönlicher Kontakte und beruflichem Interesse am Arbeitsfeld der Mutter-Kind-Einrichtung.
2. THEORIE UND BEGRIFFSDEFINTION: Hier werden zentrale theoretische Grundlagen wie Rechtsgrundlagen, Lebensbewältigung, Kindheit, Kindeswohl und die historische Entwicklung der Arbeit mit jungen Müttern dargelegt.
3. METHODISCHES VORGEHEN: Das Kapitel erläutert die Wahl des schriftlichen Experteninterviews und die Anwendung der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring zur Auswertung der erhobenen Daten.
4. VORSTELLUNG DER ERGEBNISSE: Die Ergebnisse werden in fünf Hauptkategorien gegliedert, die von Lebenssituationen der Mütter bis hin zu den spezifischen Auswirkungen der Corona-Pandemie reichen.
5. FAZIT: Die Arbeit schließt mit einer kritischen Reflexion des Forschungsprozesses und einem Ausblick auf weiterführende Fragestellungen im Bereich der stationären Mutter-Kind-Betreuung.
Schlüsselwörter
Mutter-Kind-Einrichtung, Sozialpädagogik, Lebensbewältigung, Elternschaft, Kindeswohl, qualitative Inhaltsanalyse, Experteninterview, pädagogische Praxis, Bindungsstörungen, Corona-Pandemie, Familienhilfe, Hilfsangebote, Erziehungskompetenzen, institutionelle Rahmenbedingungen, Alleinerziehende
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der sozialpädagogischen Arbeit in stationären Mutter-Kind-Einrichtungen und der Frage, wie professionelle Fachkräfte ihre dortige Tätigkeit wahrnehmen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit beleuchtet die Unterstützung von Müttern in ihrer Elternschaft, die kindliche Entwicklung, institutionelle Rahmenbedingungen sowie die Auswirkungen externer Krisen wie der Corona-Pandemie.
Was ist das primäre Ziel der Forschung?
Das Ziel ist die Rekonstruktion der Perspektive einer Sozialpädagogin auf ihren Arbeitsalltag, um ein besseres Verständnis für die Lebenswelten und Herausforderungen in diesem Feld zu gewinnen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Autorin führte ein schriftliches Experteninterview durch und wertete dieses mittels der qualitativen Inhaltsanalyse nach Philipp Mayring aus.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden sowohl theoretische Hintergründe erarbeitet als auch die empirischen Ergebnisse aus dem Experteninterview in verschiedenen Kategorien (z.B. Lebenssituation der Frauen, institutionelle Bedingungen) systematisch dargestellt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Mutter-Kind-Einrichtung, Lebensbewältigung, Kindeswohl, Sozialpädagogische Praxis und qualitative Inhaltsanalyse.
Welchen Einfluss hatte die Corona-Pandemie auf die Einrichtung?
Die Pandemie führte zu massiven Einschränkungen der Lebensautonomie, Besuchern, Kontakten und einer erhöhten Belastung durch die ständige räumliche Nähe von Müttern und Kindern bei gleichzeitiger Übernahme hauswirtschaftlicher Tätigkeiten durch das Personal.
Wie bewertet die Interviewpartnerin ihre Rolle?
Die Interviewpartnerin sieht sich in einer vielschichtigen Rolle als Pädagogin, Wegbegleiterin, Wissensvermittlerin, Unterstützerin und Ratgeberin, die trotz bürokratischer Belastung Freude an der Arbeit hat.
- Citation du texte
- Anonym (Auteur), 2020, Die Rolle von Mutter-Kind-Einrichtungen für Mütter und ihre Kinder als pädagogisch institutionalisierte Wohnräume, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/944587