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Kyros' Aufstieg zur Macht und sein Scheitern. Eine Untersuchung zur Tragik in der herodoteischen Geschichtsschreibung

Title: Kyros' Aufstieg zur Macht und sein Scheitern. Eine Untersuchung zur Tragik in der herodoteischen Geschichtsschreibung

Master's Thesis , 2018 , 67 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Rodrigo Barajas (Author)

Greek Studies - Literature
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Summary Excerpt Details

Der Einfluss der Tragödie auf das herodoteische Geschichtswerk kann heute kaum noch bezweifelt werden. Zahlreich sind die Aufsätze und Monographien der älteren und neueren Forschung, die unter stets neuen Blickwinkeln Herodots Affinität zu den Tragödiendichtern nachwiesen. Untersucht wurden dabei vornehmlich lexikalische, idiomatische und motivische Entlehnungen sowie die Dramaturgie und äußere Struktur mancher Episoden und Novellen, wobei die Techniken und Kunstmittel, derer sich der Geschichtsschreiber bei der Charakterisierung seiner Akteure und der Ausgestaltung einzelner Szenen bediente, nicht weniger Gegenstand des Interesses waren als auch die in der Tragödie nicht irrelevante Rolle der Götter und des Schicksals sowie ihre Bedeutung für die menschliche Entscheidungs- und Handlungsfreiheit. Erforscht wurde all dies an kleineren und größeren Erzählungen der Historien, wobei nicht nur zu einzelnen Logoi, sondern speziell auch zu einzelnen Herrschergestalten umfangreiche Publikationen erschienen sind. Eine in diesem Zusammenhang nennenswerte Abhandlung stellt Jörg Schulte-Altedorneburgs Dissertation Geschichtliches Handeln und tragisches Scheitern dar.
Unter Rekurs auf die aristotelische Handlungstheorie widmet sich der Autor darin schwerpunktmäßig der Frage nach dem Eigenanteil des Menschen an dem ihm von den Göttern verhängten Schicksal; der Mensch, so die Hauptthese seiner Arbeit, handelt bei Herodot größtenteils eigenverantwortlich und bestimmt durch seine Entscheidungen bzw. Fehlentscheidungen mit über das eigene Ende. Diese im menschlichen Handeln und Scheitern sich offenbarende „Tragik“, wie sie einem etwa
aus der attischen Tragödie bekannt ist, wird von Schulte-Altedorneburg allerdings nicht am Beispiel aller Herrscherschicksale der Historien durchdiskutiert. Die vorliegende Untersuchung zum Perserkönig Kyros möchte daher einen Beitrag zu diesem noch vorhandenen Desiderat leisten.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

1.2. Zur Forschungsliteratur

1.3. Definition des Tragikbegriffs und anzuwendende Methode

Teil I

2.1. Die Scheiterhaufenszene: Kyros' Milde und Gottesfurcht (Hdt. I,86)

2.2. Ein moderater und einsichtsfähiger König: Kyros' Gespräche mit Kroisos (Hdt. I,87-90 / 154-156)

2.3. Zum Königsein geboren: Kyros' schicksalhafte Bestimmung (Hdt. I,114-115 / 125-126) – Betrachtungen zu Herodots Erzähltechnik

2.4. Ein tragischer Held? – Zusammenfassung und Zwischenfazit

Teil II

3.1. Hybris: des Menschen Verderben

3.2. Der Beginn einer neuen machtpolitischen Phase: Kyros' Umgang mit den griechischen Delegationen (Hdt. I,141 und 152/153)

3.3. Die erste Grenzüberschreitung: Kyros' Rache am Gyndes (Hdt. I,189)

3.4. Tomyris' und Kroisos' missachtete Mahnreden: Kyros' erster verhängnisvoller Fehler (Hdt. I,201-208) – Weitere Betrachtungen zu Herodots Erzähltechnik

3.5. Verkannte Warnungen: Kyros' Verblendung und sein letzter Schritt ins Verderben (Hdt. I,209-212)

3.6. Der eigenen Epithymia zum Opfer gefallen: Kyros' tragischer Tod und seine sinnbildliche Darstellung durch Herodot (Hdt. 213-214)

3.7. Zusammenfassung und abschließende Bemerkungen zur Tragik in der herodoteischen Darstellung des Kyros

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die herodoteische Darstellung des Perserkönigs Kyros unter dem Fokus seines tragischen Scheiterns, wobei die Forschungsfrage darauf abzielt, inwieweit Kyros' Handlungen, seine Charakterentwicklung und seine Fehlentscheidungen als tragisch im aristotelischen Sinne zu deuten sind.

  • Analyse von Kyros' Charakter und seiner Entwicklung vom besonnenen Herrscher zum Verblendeten.
  • Untersuchung der Rolle der Hybris als Ursache für den Machtverlust und Untergang des Kyros.
  • Vergleich von Herodots Erzähltechnik mit Konventionen der attischen Tragödie.
  • Erörterung des Verhältnisses von göttlicher Determination und menschlicher Entscheidungsfreiheit.

Auszug aus dem Buch

2.1. Die Scheiterhaufenszene: Kyros' Milde und Gottesfurcht (Hdt. I,86)

Sardeis, die Hauptstadt des lydischen Reiches, ist bereits erobert und Kroisos vom persischen Anführer und nunmehrigen Machtinhaber Kyros gefangen genommen. Möchte man den Charakter des Perserkönigs, wie dieser in den Historien dargestellt wird, näher untersuchen, ist die vorliegende Passage von zentraler Bedeutung, wird doch in ihr ein Bild vom ihm präsentiert, das bei der Beurteilung seines im weiteren Verlauf des Logos aufgewiesenen Handelns und der darin enthaltenden Tragik einen wichtigen ersten Anhaltspunkt liefert. Bevor jedoch Kyros selbst in den Blickpunkt der Betrachtung rückt, erscheint es sinnvoll, neben der herodoteischen auch weitere Überlieferungen der Geschichte von Kroisos' Ende anzuführen und einander gegenüberzustellen, da dies Rückschlüsse auf Herodots Darstellungsabsicht erlaubt und die Analyse der vorliegenden Szene erleichtert.

Kroisos wird also laut Herodot nach seiner Niederlage und der Einnahme der Stadt gefangen genommen, vor Kyros gebracht und auf den Scheiterhaufen geführt. Im Angesicht des Todes kommen Kroisos wie durch göttliche Eingebung die Worte des Solon in den Sinn, der ihm einst auf dem Höhepunkt seiner Macht als Antwort auf die Frage, wer seiner Meinung nach der glücklichste Mensch sei, die Vergänglichkeit des irdischen Lebens sowie die Wechselfälle des Schicksals vor Augen führte; kein Mensch, so der Grieche, könne für wahrhaftig glücklich gehalten werden, wenn er nach einem gelungenen Leben nicht auch ein gutes Ende finde. In Erinnerung an diese Worte, ruft Kroisos dreimal den Namen des Solon, wodurch die Neugier des Kyros geweckt wird, der den Lyder sodann durch einen seiner Dolmetscher fragen lässt, wen er da anrufe. Nach einer für den Perser zunächst seltsam anmutenden Antwort und einem langen Schweigen des Kroisos, erzählt dieser schließlich von seinem einstigen Gespräch mit dem griechischen Weisen. Als dann die äußeren Ränder des Scheiterhaufens in Brand stehen, entschließt sich Kyros, dem Lyderkönig das Leben zu schenken, und befiehlt darauf das Feuer zu löschen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einführung: Überblick über den Forschungsstand zur herodoteischen Tragik und Definition des methodischen Rahmens.

2.1. Die Scheiterhaufenszene: Kyros' Milde und Gottesfurcht (Hdt. I,86): Analyse von Kyros' Begnadigung des Kroisos als Beweis für seine anfängliche Milde und Gottesfurcht.

2.2. Ein moderater und einsichtsfähiger König: Kyros' Gespräche mit Kroisos (Hdt. I,87-90 / 154-156): Betrachtung von Kyros' Zugänglichkeit für guten Rat und seine rationale Entscheidungsfindung.

2.3. Zum Königsein geboren: Kyros' schicksalhafte Bestimmung (Hdt. I,114-115 / 125-126) – Betrachtungen zu Herodots Erzähltechnik: Erörterung der Kindheitsgeschichte und der Etablierung des Kyros als zum Herrschen Auserkorener.

2.4. Ein tragischer Held? – Zusammenfassung und Zwischenfazit: Rekapitulation der bisherigen Ergebnisse hinsichtlich Kyros' positiver Charaktereigenschaften vor seinem Machtaufstieg.

3.1. Hybris: des Menschen Verderben: Theoretische Auseinandersetzung mit dem Hybris-Begriff und seiner Rolle in der antiken Literatur als Auslöser für Untergang.

3.2. Der Beginn einer neuen machtpolitischen Phase: Kyros' Umgang mit den griechischen Delegationen (Hdt. I,141 und 152/153): Analyse der ersten Anzeichen von Härte und Arroganz gegenüber den Ioniern und Spartanern.

3.3. Die erste Grenzüberschreitung: Kyros' Rache am Gyndes (Hdt. I,189): Untersuchung der symbolischen Bestrafung des Flusses als eklatante Wende ins Übermütige.

3.4. Tomyris' und Kroisos' missachtete Mahnreden: Kyros' erster verhängnisvoller Fehler (Hdt. I,201-208) – Weitere Betrachtungen zu Herodots Erzähltechnik: Analyse der Ignoranz gegenüber Warnungen im Kontext des Feldzugs gegen die Massageten.

3.5. Verkannte Warnungen: Kyros' Verblendung und sein letzter Schritt ins Verderben (Hdt. I,209-212): Diskussion des Traumgesichts und seiner Fehlinterpretation durch den verblendeten Perserkönig.

3.6. Der eigenen Epithymia zum Opfer gefallen: Kyros' tragischer Tod und seine sinnbildliche Darstellung durch Herodot (Hdt. 213-214): Untersuchung des Untergangs und der symbolischen Bedeutung der Schändung des Leichnams.

3.7. Zusammenfassung und abschließende Bemerkungen zur Tragik in der herodoteischen Darstellung des Kyros: Zusammenführende Diskussion der Ergebnisse unter Anwendung aristotelischer Kriterien.

Schlüsselwörter

Kyros, Herodot, Historien, Tragik, Hybris, Aristoteles, Hamartia, Kroisos, Tomyris, Epithymia, Schicksal, Macht, Verblendung, Charakterzeichnung, Perserreich.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Darstellung des Perserkönigs Kyros im Geschichtswerk des Herodot unter dem speziellen Fokus, ob und wie Herodot Kyros als tragische Figur im aristotelischen Sinne konzipiert hat.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die Arbeit verknüpft historische Analyse mit literaturwissenschaftlichen Aspekten, insbesondere der Untersuchung von Charakterentwicklung, Machtausübung, göttlicher Determination und dem Einfluss der attischen Tragödie auf Herodots Erzählweise.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist aufzuzeigen, dass Herodots Kyros-Porträt nicht rein historisch-faktisch, sondern dramaturgisch-tragisch angelegt ist, wobei die Forschungsfrage untersucht, inwieweit Kyros' Untergang als selbstverschuldet und tragisch (Hamartia) gedeutet werden kann.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?

Es wird eine philologisch-analytische Methode angewandt, die Herodots Textpassagen im direkten Rekurs auf die aristotelische Poetik und unter Einbeziehung relevanter Sekundärliteratur auf tragische Strukturmerkmale hin untersucht.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine Charakteranalyse vor dem Aufstieg Kyros' und eine Untersuchung seines Niedergangs, wobei Schlüsselmomente wie die Scheiterhaufenszene, die Bestrafung des Gyndes und die ignorierte Mahnrede der Tomyris detailliert analysiert werden.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?

Wichtige Schlagworte sind Kyros, Herodot, Hybris, Hamartia, Tragik, Macht, Gier (Epithymia), Verblendung und die aristotelischen Konzepte von Wahrscheinlichkeit und Notwendigkeit.

Welche Rolle spielt die "Gyndes-Episode" in der Argumentation?

Die Bestrafung des Flusses Gyndes durch Kyros dient als Wendepunkt in der Analyse, da sie als Beweis für den Verlust von Milde und Einsichtsfähigkeit zugunsten einer gottlosen Arroganz (Hybris) gewertet wird.

Inwiefern unterscheidet sich Kyros' Scheitern von dem des Kroisos?

Während Kroisos durch den Anblick des Todes und die Warnungen zur Einsicht gelangt (Anagnorisis) und eine Läuterung erfährt, bleibt Kyros diese Erkenntnis vor seinem Tod verwehrt, da er bis zum Ende in seinem Wahn verharrt.

Warum betont der Autor die Bedeutung von "erfundenen Szenen"?

Der Autor argumentiert, dass Herodot diese Szenen als literarische Mittel nutzte, um die innere Charakterentwicklung (Mimesis) und die moralisch-didaktische Wirkung des Werkes für den damaligen Leser zu intensivieren, auch wenn sie historisch nicht belegbar sind.

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Details

Title
Kyros' Aufstieg zur Macht und sein Scheitern. Eine Untersuchung zur Tragik in der herodoteischen Geschichtsschreibung
College
Free University of Berlin
Grade
1,0
Author
Rodrigo Barajas (Author)
Publication Year
2018
Pages
67
Catalog Number
V944649
ISBN (eBook)
9783346289223
ISBN (Book)
9783346289230
Language
German
Tags
kyros aufstieg macht scheitern eine untersuchung tragik geschichtsschreibung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Rodrigo Barajas (Author), 2018, Kyros' Aufstieg zur Macht und sein Scheitern. Eine Untersuchung zur Tragik in der herodoteischen Geschichtsschreibung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/944649
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