Cybermobbing als modernes Gewaltphänomen bei Kindern und Jugendlichen. Stellenwert und Möglichkeiten der Jugendsozialarbeit


Hausarbeit, 2019

21 Seiten, Note: 1.0

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Definitionen Mobbing und Cybermobbing

3. Gründe für Cybermobbing

4. Auswirkungen des Cybermobbings

5. Stellenwert und Möglichkeiten der Jugendsozialarbeit im Hinblick auf Cybermobbing
5.1. Präventionsmaßnahmen
5.1.1. Konzepte zur Prävention bei Cybermobbing
5.2. Interventionsmaßnahmen
5.2.1. Konzepte zur Intervention bei Cybermobbing
5.3 Postventionsmaßnahmen

6. Rechtslage bei Cybermobbing

7. Fazit

8. Literatur

1. Einführung

Im modernen Zeitalter gehören Internet, Laptops, Tablets und Smartphones zur Grundausstattung unserer Gesellschaft, auch bei Kindern und Jugendlichen gehören diese digitalen Medien zum gemeinsamen kulturellen und sozialen Leben.

Neben positiven Auswirkungen wie Erreichbarkeit, Informationsangebote und Kommunikationsmöglichkeiten birgt die Digitalisierung auch Risiken wie z.B. Cybermobbing, Fake News, Internetsucht und Spielsucht. Dementsprechend nehmen digitale Medien immer mehr Einfluss auf Kinder und Jugendliche, gerade soziale Netzwerke und Messenger wie Facebook, WhatsApp, Instagram, YouTube, Twitter und Snapchat sind große Bestandteile des täglichen Lebens und der Kommunikation. Durch diese Entwicklung entstehen neue Gewaltphänomene wie das Cybermobbing, welches eine neue Form der Gewalt darstellt.

Laut einer Studie aus dem Jahr 2018 des Medienpädagogischen Forschungsverbundes Südwest, ist etwa jeder fünfte Jugendliche schon Opfer von Cybermobbing geworden, dabei sind Jungen mit 22% häufiger betroffen als Mädchen mit 15% (JIM-Studie 2018: 64). Dass Cyber­mobbing kein Bagatelldelikt ist, sondern zu Ausgrenzung, Minder­wertigkeit, Ängsten, im schlimmsten Fall zum Suizid führen kann, ist hinlänglich bekannt. Dadurch entsteht für die Jugendsozialarbeit ein neues Arbeitsfeld, in welchem das Hauptaugenmerk auf der Prävention, der Intervention und der Postvention von Cybermobbing liegt.

Hier sollen sowohl der Stellenwert als auch die Möglichkeiten der Jugendsozialarbeit dargestellt werden.

2. Definitionen Mobbing und Cybermobbing

Cybermobbing ist eine moderne Form des Mobbings, es unterscheidet sich vom normalen Mobbing durch vier Spezifika: Anonymität, Verbreitung und Dauerhaftigkeit, Öffentlichkeit sowie Allgegenwärtigkeit (Haider 2015: 6ff.). Da laut Ziegler (vgl. Ziegler 2016: 264) Cybermobbing eine allgegenwärtige Form des Mobbings ist, ist es dem Opfer nicht möglich, eine Rückzugsmöglichkeit zu finden. Hierin besteht der größte Unterschied zwischen Cybermobbing und Mobbing.

Mobbing wird laut Olweus folgendermaßen definiert: „Ein Schüler/eine Schülerin wird gemobbt, wenn er/ sie wiederholt und über eine längere Zeit den negativen Handlungen eines oder mehrerer anderer Schüler/Schülerinnen ausgesetzt ist. Eine negative Handlung liegt dann vor, wenn jemand absichtlich einem anderen Schmerz, Verletzung oder Unannehmlichkeiten zufügt oder es versucht [...|.“ (Olweus 1999: 282).

Da Kinder und Jugendliche in der heutigen Zeit nahezu permanent online sind, werden sie somit dauerhaft den Demütigungen des Cybermobbings ausgesetzt. „Es geht um tiefgreifende Verletzungen jugendlicher Persönlichkeit und Lebenskultur.“ (Haider 2015: 4). Pieschl und Porsch stellen das Erleben der Opfer in den Fokus und definieren den Begriff Cybermobbing folgendermaßen: „Cybermobbing sind alle Formen von Schikane, Verunglimpfung, Identitätsklau, Verrat und Ausgrenzung mithilfe von Informations- und Kommunikationstechnologien, bei denen sich das Opfer hilflos oder ausgeliefert und (emotional) belastet fühlt, oder bei denen es sich voraussichtlich so fühlen würde, falls es von diesen Vorfällen wüsste.“ (Pieschl/Porsch 2014: 137).

Neben den Opfern und Tätern beim Cybermobbing gibt es noch die unbeteiligten Zuschauer, „Bystander“ genannt. Diese können laut Pfetsch eine wichtige Rolle im Verlauf des Cybermobbingangriffs spielen, weil sie nicht in das Geschehen eingreifen (vgl. Pfetsch 2011: 1). John M. Darley und Bibb Latané haben schon 1968 untersucht, wie sich der sogenannte „bystander effect“ auswirkt (vgl. Hortensius u.a. 2018: 249). Dieser Effekt bezeichnet das Nichteingreifen von Augenzeugen, besonders wenn sie wissen, dass viele Menschen die Situation, wie zum Beispiel beim Cybermobbing, miterleben (vgl. ebd.).

3. Gründe für Cybermobbing

Im Vergleich zu dem normalen Mobbing können die Gründe für Cybermobbing vielfältiger Natur sein. Durch den Einsatz von digitalen Medien kann das normale Mobbing, beispielsweise in der Schule, in der Freizeit in Form von Cybermobbing fortgesetzt werden (vgl. Felling 2014: 6).

Täterinnen und Täter können aus Langeweile, Spaß, Minder­wertigkeitsgefühlen, Neid, Wut oder aus Rache handeln. Oftmals besteht innerhalb der Lebenswelt der Täterinnen und Täter eine Normalität aus aggressivem Umgang mit ihren Mitmenschen. Durch das Cybermobbing können diese sich überlegen fühlen, dadurch Macht ausüben und ihre Stellung innerhalb der Peergroup stärken, beziehungsweise Ihre Schwächen kompensieren (vgl. Kretschmer u.a. 2018: 19).

Des Weiteren findet oftmals ein Rollentausch statt, wodurch vorherige Mobbingopfer selbst zu Tätern werden, sogenannte „Täter-Opfer“ (vgl. Malti/Perren 2008: 71). Impulsives Handeln kann ein weiterer Grund für Cybermobbing sein, da Täter oftmals ihre Emotionen nicht unter Kontrolle haben. Dabei können sie Ihre Aggressionen nicht steuern und erfahren spontan Entlastung (vgl. Kretschmer u.a. 2018: 19). In der Zeit von digitalen Medien können Bilder oder Screenshots von Chatverläufen dauerhaft gespeichert und damit öffentlich verbreitet werden. Hierdurch können persönliche, teils intime Bilder oder auch Videos, ohne das Wissen über die Auswirkung oder Böswilligkeit, ins Netz gestellt werden (vgl. http://cyberhelp.eu/de/introduction/causes).

4. Auswirkungen des Cybermobbings

Cybermobbing hat Auswirkungen auf die psychische und die soziale Ebene der/des Geschädigten, dabei sind „die Auswirkungen beim Cybermobbing-Opfer [...] oft sehr schwerwiegend und auch dauerhaft.“ (Kaschnitz 2016: 119). Die Folgen bei den Opfern sind individuell und abhängig von deren Bewertung (vgl. Staude-Müller/Bliesener/Nowak 2009: 43f.).

Die Auswirkungen können laut Haider sein: Verlust des Selbstvertrauens, Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme, Lernunlust, Isolierung und Einsamkeit, Depression, Selbstmordsehnsucht, Schulvermeidung (vgl. Haider 2015: 8). Ausgehend von diesen psychosozialen Folgen des Cybermobbings können auch psychosomatische Symptome, wie Herzrasen, Kopf- und andere Schmerzen, Schwindel, Übelkeit, Erbrechen und Bluthochdruck auftreten (vgl. Kube 2010: 9).

In der modernen Jugendkultur ist das Medium Internet Hauptkommunikationsmittel und somit eine wesentliche Basis für gesellschaftliche und soziale Teilhabe. Durch Cybermobbing ist der Zugang zu den gängigen digitalen Kommunikationsmitteln eingeschränkt, da Opfer diesen Bereich immer mehr meiden, um weiteren Demütigungen zu entgehen. Hierdurch findet eine gesellschaftliche Ausgrenzung statt und die soziale Interaktion wird stark eingeschränkt, beziehungsweise unterbunden.

Auch der engste Familien- und Freundeskreis findet oft keinen Zugang mehr zu den Opfern, da diese sich aus Scham und der Furcht vor weiteren Demütigungen niemandem öffnen können (vgl. Kaschnitz 2016: 119).

Wohin Cybermobbing im schlimmsten Fall führen kann, zeigt der Fall der 15-jährigen Kanadierin Amanda Todd. Nachdem sie sich in einem anonymen Chat mit bloßem Oberkörper zeigte, erpresste sie der Täter und veröffentlichte die Bilder im Internet. Daraufhin begann der Cybermobbingangriff. Trotz Umzugs, Schulwechsel und Einnahme von Antidepressiva sowie einem gescheiterten Suizidversuch, nahm sie sich 2012, nach 3 Jahren anhaltendem Cybermobbing das Leben.

5. Stellenwert und Möglichkeiten der Jugendsozialarbeit im Hinblick auf Cybermobbing

Jugendsozialarbeit ist ein Teil der Kinder- und Jugendhilfe. Sie hat zum Ziel, junge Menschen, die in prekären Lebenslagen aufwachsen oder individuell beeinträchtigt sind, sozialpädagogisch zu fördern und zu unterstützen. Grundlage der Jugendsozialarbeit ist der §13 SGB VIII, in Bezug auf das Thema Cybermobbing speziell Absatz 1, welcher besagt: „Jungen Menschen, die zum Ausgleich sozialer Benachteiligungen oder zur Überwindung individueller Beeinträchtigungen in erhöhtem Maße auf Unterstützung angewiesen sind, sollen im Rahmen der Jugendhilfe sozialpädagogische Hilfen angeboten werden, die ihre schulische und berufliche Ausbildung, Eingliederung in die Arbeitswelt und ihre soziale Integration fördern.“ (§ 13 Abs. 1 SGB VIII).

Die Jugendsozialarbeit orientiert sich an dem Konzept der lebensweltorientierten Sozialen Arbeit nach Thiersch. Basis ist die Hilfe zur Bewältigung des Alltags und bezieht sich immer auf die gegenwärtige Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen (vgl. Thiersch u.a. 2005: 171). Dabei wird die Lebenswelt gesehen als „Bühne, auf der Menschen in einem Stück, in Rollen und Bühnenbildern - nach bühnenspezifischen Regeln - miteinander agieren“ (ebd.: 170). Die Jugendsozialarbeit arbeitet mit der Intention der Hilfe zur Selbsthilfe. Dabei soll sie den Kindern und Jugendlichen bei der Entwicklung einer Identität helfen, um ihnen ein gesichertes und dauerhaftes Selbstkonzept zu ermöglichen (vgl. ebd.: 172).

Da durch Cybermobbing soziale Benachteiligungen und individuelle Beeinträchtigungen stattfinden, ist es die Aufgabe der Jugendsozialarbeit, Betroffene dahingehend zu unterstützen. Ziel ist es, hierdurch die schulische und berufliche Ausbildung zu fördern, da Betroffene des Cybermobbings häufig Probleme haben, den schulischen Anforderungen zu entsprechen und folglich Probleme bei der Eingliederung in die Arbeitswelt haben.

Neben der Kinder- und Jugendhilfe hat auch die Schulsozialarbeit einen großen Stellenwert bezüglich Cybermobbing, da Schule einen lebensbedeutsamen Stellenwert für die Persönlichkeitsentwicklung von Kindern und Jugendlichen hat. Die Möglichkeiten der Jugendsozialarbeit liegen vor allem in Präventionsmaßnahmen, wobei Interventions- und Postventionsmaßnahmen in geringerem Maße geleistet werden. Diese Maßnahmen sollen im Folgenden exemplarisch dargestellt werden.

5.1. Präventionsmaßnahmen

In der Präventionsarbeit geht es vorrangig darum, vorbeugend, sensibilisierend und aufklärend auf die Kinder und Jugendlichen einzu­wirken. Durch das frühe Einwirken ist es möglich, die soziale Entwicklung nachhaltig zu fördern und mögliche negative Verhaltensweisen zu beeinflussen. Dabei soll eine verantwortungsvolle Sozialkompetenz vermittelt werden.

Prävention ist neben der Intervention ein wichtiger Faktor um Cyber­mobbing entgegenzuwirken und setzt interdisziplinäre Zusammenarbeit voraus (vgl. Jannan 2012: 22). Eine Kooperation und Vernetzung zwischen Jugendsozialarbeit, Schulen, Eltern, Schülerinnen und Schülern, Kinder- und Jugendpsychologen, Polizei und weiteren Verbänden und Experten ist notwendig.

Einen großen Stellenwert nimmt hier vor allem die Jugendsozialarbeit ein, deren Aufgabe es ist, die Präventionsarbeit zu initiieren, mögliche Täter zu sensibilisieren, die Zusammenarbeit zu organisieren und in die Praxis umzusetzen, um den Betroffenen zu helfen (vgl. Katzer 2014: 183).

Die größte Möglichkeit der Einflussnahme hat die Schulsozialarbeit, da Schule die Hauptlebenswelt von Kindern und Jugendlichen ist und sie dort gut erreicht werden können. Aber auch die Öffentlichkeitsarbeit stellt einen wesentlichen Bestandteil der präventiven Maßnahmen der Jugend- sozialarbeit dar. Für andere Institutionen wie Jugendhilfeeinrichtungen, Vereine und Verbände, muss die Jugendsozialarbeit im Rahmen von Beratung, Aufklärung und Hilfestellung, Ansprechpartner sein.

5.1.1. Konzepte zur Prävention bei Cybermobbing

Die meisten Präventionsprogramme zum Thema Cybermobbing können laut Felling in fünf Phasen unterteilt werden (vgl. Felling 2014: 18).

Die erste Phase bezeichnet er als „Einstieg“, in der grundsätzliche Umgangsformen und Regeln geklärt werden sowie die Reflektion der eigenen Mediennutzung stattfindet. Als Methoden bieten sich beispielsweise in dieser Phase das Ausfüllen und Besprechen eines Fragebogens zur eigenen Mediennutzung oder eine Recherche über Teilnehmerinformationen, die sie im Netz veröffentlicht haben (vgl. Felling 2014: 18).

In der zweiten Phase, „Die Medien“, werden die Teilnehmer für die Medienkompetenz sensibilisiert sowie über die rechtlichen und gesetzlichen Gegebenheiten informiert. Auch die Mediennutzung der Teilnehmer wird in dieser Phase thematisiert. Die Informationen können etwa via Präsentation oder Film dargestellt und anschließend in der Gruppe besprochen werden (vgl. Felling 2014: 18f.).

Im Mittelpunkt der dritten Phase, „Das Miteinander“, steht die Entwicklung der sozialen Kompetenzen, unter anderem:

- Definition Mobbing, Cybermobbing, Gewalt
- Sensibilisierung für die individuellen Grenzen
- Fähigkeit der Empathie steigern
- Förderung von gegenseitigem Respekt und Wertschätzung
- Übernahme der Verantwortung des eigenen Handelns fördern
- Entwicklung von Handlungsalternativen
- Förderung der Frustrationstoleranz

[...]

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Cybermobbing als modernes Gewaltphänomen bei Kindern und Jugendlichen. Stellenwert und Möglichkeiten der Jugendsozialarbeit
Hochschule
Fachhochschule Dortmund
Note
1.0
Jahr
2019
Seiten
21
Katalognummer
V944784
ISBN (eBook)
9783346284174
Sprache
Deutsch
Schlagworte
cybermobbing, gewaltphänomen, kindern, jugendlichen, stellenwert, möglichkeiten, jugendsozialarbeit
Arbeit zitieren
Anonym, 2019, Cybermobbing als modernes Gewaltphänomen bei Kindern und Jugendlichen. Stellenwert und Möglichkeiten der Jugendsozialarbeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/944784

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