Die vorliegende Arbeit soll vor dem Hintergrund der Geschäftsaktivität europäischer Unternehmen in den USA einen Vergleich der europäischen und der amerikanischen Produkthaftung liefern, aus dem sich die Risiken der US-Produkthaftung abschätzen lassen sollen. Dafür sollen eingangs die
europäische – insbesondere am Beispiel der deutschen – und die amerikanische Produkthaftung vergleichend gegenübergestellt werden, wobei neben den materiell-rechtlichen Grundlagen insbesondere die prozessualen und verfahrensrechtlichen Besonderheiten der US-Produkthaftung untersucht
werden. Anschließend sollen die sich daraus ergebenden ökonomischen Konsequenzen sowie eine Risikoeinschätzung der Geschäftstätigkeit in den USA dargestellt werden, bevor die Arbeit mit einem kurzen Fazit schließen wird.
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Inhaltsverzeichnis
1. Problemstellung
2. Die europäische Produkthaftung
2.1 Die EG-Produkthaftungsrichtlinie
2.2 Die deutsche Produkthaftung
3. Die US-Produkthaftung
3.1 Materiell-rechtliche Ausgestaltung
3.2 Prozessuale Besonderheiten
4. Ökonomische Konsequenzen der Produkthaftung
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Vergleich zwischen der europäischen, insbesondere der deutschen, und der amerikanischen Produkthaftung, um daraus resultierende Risiken für europäische Unternehmen bei ihren Geschäftsaktivitäten in den USA abzuschätzen und Strategien zum Risikomanagement aufzuzeigen.
- Rechtlicher Vergleich der Produkthaftungssysteme (EU vs. USA)
- Analyse materiell-rechtlicher Grundlagen und prozessualer Besonderheiten
- Untersuchung ökonomischer Konsequenzen und Haftungsrisiken
- Strategien für ein effektives Produkt- und Produkthaftungsmanagement
- Risikoeinschätzung für Markteintritt und Geschäftstätigkeit in den USA
Auszug aus dem Buch
3.2 Prozessuale Besonderheiten
Die bisherige Betrachtung der US-Produkthaftung hat gezeigt, dass materiell-rechtlich nur geringe Unterschiede zur europäischen bzw. deutschen Produkthaftung bestehen. Die Gründe, weshalb die amerikanische Produkthaftung oftmals gefürchtet ist, liegen folglich vielmehr in den prozessualen Besonderheiten des amerikanischen Rechtssystems. Einen gravierenden Unterschied stellt dabei die Form des Rechtssystems an sich dar. Im Gegensatz zu Deutschland und den meisten europäischen Ländern existiert in den USA weitestgehend kein kodifiziertes Recht, sondern ein common law, das sich an Präzedenzfällen orientiert. Dies eröffnet im Gerichtsprozess größere Auslegungsspielräume und bietet den betroffenen Unternehmen weniger Rechtssicherheit (vgl. Knapp 1998, 113; Ceppi 1989, 67). In diesem Zusammenhang spielt auch die Form der Rechtssprechung eine entscheidende Rolle. Diese erfolgt im amerikanischen Zivilprozess fast ausschließlich durch eine Laienjury, also nicht durch einen Richter. Diesem kommt im Prozess lediglich eine moderierende und die Jury beratende Rolle zu. Diese Form der Rechtssprechung durch Geschworene kann für Unternehmen in Produkthaftungsprozessen bedeutende Konsequenzen haben. Zum einen zeigt die Praxis, dass die Jury meist mit den Klägern sympathisiert, insbesondere wenn eine hohe Finanzkraft oder der Versicherungsschutz des Beklagten bekannt sind (vgl. Brockmeier 1999, 7-8; Zekoll 1987, 92). Zum anderen fehlt der Jury oftmals schlichtweg der juristische Sachverstand, um objektive Entscheidungen fällen zu können (vgl. Zekoll 1987, 93-94). Diese Unzulänglichkeiten einer Laienjury können sich für die betroffenen Unternehmen besonders deshalb negativ auswirken, da es dieser Jury auch obliegt, über Fragen angemessener Sorgfalt und die Höhe des Schadensersatzes bzw. eines Strafschadensersatzes zu entscheiden (vgl. Borer 1989, 138). Dies führt insgesamt dazu, dass die Erfolgsaussichten der Unternehmen auf Klageabweisung im Rahmen einer Geschworenenentscheidung wesentlich schlechter sind als bei einer objektiven richterlichen Entscheidung.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Problemstellung: Einleitung in die Bedeutung der Produkthaftung im Kontext internationaler Geschäftsaktivitäten und Darstellung der Zielsetzung der Arbeit.
2. Die europäische Produkthaftung: Darstellung der Harmonisierung durch die EG-Richtlinie und die spezifische Ausgestaltung der Produkthaftung in Deutschland.
3. Die US-Produkthaftung: Analyse der materiell-rechtlichen Parallelen sowie der prozessualen Besonderheiten, insbesondere des US-amerikanischen Prozessrechts.
4. Ökonomische Konsequenzen der Produkthaftung: Untersuchung der finanziellen und nicht-monetären Risiken für Unternehmen und Darstellung von Management-Ansätzen zur Risikominimierung.
5. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Produkthaftungsrisiken in den USA und Ausblick auf aktuelle business-freundliche Tendenzen im US-Rechtssystem.
Schlüsselwörter
Produkthaftung, USA, Europa, Rechtssicherheit, Schadenersatz, Prozessrecht, Laienjury, Common Law, Strict Liability, Risikomanagement, Geschäftsaktivitäten, Haftungsrisiken, Schadensersatzforderungen, Produktfehler, Produzentenhaftung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt den Vergleich der Produkthaftungssysteme in Europa (insbesondere Deutschland) und den USA, um Risiken für Unternehmen bei US-Geschäftsaktivitäten zu identifizieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf dem materiellen Produkthaftungsrecht, den prozessualen Besonderheiten des US-Rechtssystems und den ökonomischen Folgen für Unternehmen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aus dem Vergleich der Rechtsordnungen Risiken abzuschätzen und Möglichkeiten für ein effektives Produkthaftungsmanagement in den USA aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine vergleichende Analyse der Rechtsgrundlagen und prozessualen Gegebenheiten unter Einbeziehung ökonomischer Aspekte.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der europäischen und amerikanischen Haftungssysteme, eine Analyse der prozessualen Besonderheiten in den USA sowie die ökonomischen Konsequenzen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Produkthaftung, USA, Rechtssicherheit, Schadenersatz, Laienjury, Strict Liability und Risikomanagement.
Warum ist die Prozessführung in den USA für Unternehmen oft riskanter?
Aufgrund des Common Law und der Rolle der Laienjury, die oft klägerfreundlich entscheidet und wenig juristisches Fachwissen besitzt, ist die Rechtssicherheit für Unternehmen geringer als in Deutschland.
Welche Rolle spielt der Strafschadensersatz (punitive damages)?
Strafschadensersatz kann bei grober Fahrlässigkeit zu Summen führen, die den tatsächlichen Schaden weit übersteigen, und dient primär der Abschreckung.
Sind die Risiken bei US-Geschäften heute noch so hoch wie früher?
In den letzten Jahren ist eine Tendenz zu einer business-freundlicheren Ausgestaltung erkennbar, die beispielsweise zu einer Begrenzung von Schadensersatzsummen führen kann.
Was ist das Konzept der "pre-trial discovery"?
Es handelt sich um ein Beweisermittlungsverfahren vor Prozessbeginn, das für Kläger sehr vorteilhaft ist und hohen Druck auf Unternehmen ausüben kann.
- Quote paper
- Diplom-Kaufmann, Diplom-Volkswirt Steffen Schmidt (Author), 2007, Produkthaftung im Vergleich USA und Europa, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/94507