Empowerment. Methode oder Theorie der Sozialen Arbeit?


Essay, 2020

9 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Reflexion vor und nach der Bearbeitung der Fragestellung

Was ist eine Methode der Sozialen Arbeit?
Enger Methodenbegriff
Weiterer Methodenbegriff

Was ist eine Theorie in der Sozialen Arbeit?

Empowerment in der Sozialen Arbeit

Literaturverzeichnis

Reflexion vor und nach der Bearbeitung der Fragestellung

Der Begriff „Empowerment“ ist mir vor einigen Jahren das erste Mal in der Literatur begegnet, danach immer wieder in feministischen Diskursen, Workshops und Vorträgen. In diesen Zusammenhängen lernte ich, dass es wichtig ist, sich gegenseitig auszuhelfen und voneinander zu lernen, was oft mit „empowern“ erklärt oder betitelt wurde. Sich gegenseitig helfen, am Schluss der Veranstaltung oder einem gegebenen Zeitraum, selbst etwas bewältigen zu können. Durch den theoretischen Input der Vorlesungen, habe ich mich mit verschiedenen Methoden und Theorien der Sozialen Arbeit befasst und bemerkt, dass Empowerment als Ansatz meiner Auffassung von professionellem Handeln am ehesten entspricht, beziehungsweise eine Fähigkeit darstellt, welche ich während meinem Studium erwerben möchte.

Zur adäquaten Nutzung meines „Werkzeugkastens“ für eine professionelle Soziale Arbeit, muss ich zunächst die Grundzüge von Theorien, Methoden und Vorgehensweisen beherrschen. Um die verschiedenen Situationen, die mir begegnen könnten, richtig einzuschätzen und den effizientesten Hilfsansatz für meine Klientinnen auszuwählen, muss man diese nicht nur kennen, sondern sie auch richtig einordnen können. Das bedeutet, dass man Theorien und Methoden nicht alle perfekt beherrschen, sie jedoch (er-)kennen und zuordnen können muss. Also muss zunächst ein Grundgerüst geschaffen werden, ein Bewusstsein für die Begrifflichkeiten.

Basierend auf meinem Hintergrund zum Empowerment-Kontext habe ich mir die Frage gestellt, wie und wo man diesen in der Sozialen Arbeit wiederfindet. Was genau bedeutet Empowerment in der Sozialen Arbeit und ist es eine Theorie oder ist es eine Methode? Oder gibt es eine andere Form, um diesen Ansatz einzuordnen?

Zunächst hätte ich gesagt, Empowerment sei eine Methode, da der Grundgedanke der Befähigung nach einem methodischen Ansatz klang. Nach einigem Überlegen was eine Methode überhaupt ausmacht, fiel mir aber auf, dass Selbstermächtigung keine konkreten Verhaltensweisen benennt und somit die Frage nach dem wie nicht beantwortet wird, es also keine Methode sein kann. Für eine Technik ist der Empowerment Ansatz allerdings viel zu umfangreich und zu ungenau, da kaum etwas vorhersagbar dadurch ist, geschweige denn eine Wahrscheinlichkeitsbestimmung des Erfolgs vorliegt. Mein nächster Gedanke war, dass es dann ganz klar eine Theorie sein müsse, weil der Ansatz schließlich sehr umfassend und vielseitig anwendbar scheint. Aber auf der Suche nach Literatur fiel mir aber wiederum auf, dass Empowerment in keinem Buch, welches Theorien der Sozialen Arbeit behandelt, auftaucht oder benannt wird. Bei näherer Betrachtung des Theorie Begriffs fiel mir erstmal auf wie viele Ansätze und Versuche es gebraucht hat eine möglichst geltende und alles umfassende Definition von diesem Begriff aufzubringen. Wodurch die Bestimmung eines Ansatzes nicht leichter wird beziehungsweise wurde. Dennoch muss man ja etwas als Theorie der Sozialen Arbeit verordnen können, also habe ich versucht Empowerment so wie ich es mir durch Literatur erschlossen hatte, auf die Definition anzuwenden. Dabei bemerkte ich, dass es auch keine Theorie sein kann, da es keinen spezifischen Aufgabenbereich fokussiert, wie beispielsweise die Lebensweltorientierung. Man kann diese Theorie zwar bei jedem Klientel anwenden, befasst sich aber immer gezielt mit der Lebenswelt derer. Empowerment hingegen hat keinen festgelegten Gegenstandsbereich, wodurch es nicht als Theorie definiert werden kann. Es muss also etwas zwischen einer Theorie oder einer Methode geben, was wiederum eine Erklärung für den Empowerment Grundgedanken verkörpert. Erst als ich den Methodenbegriff erneut genauer aufgedröselt habe und die Differenzierung zwischen dem Begriff des engen und des weiteren Methodenverständnis aufgearbeitet hatte, fand ich den Ansatz, der mir meine Frage beantworten konnte.

Nachdem ich die mir selbst gestellte Frage nun rein subjektiv beantworten konnte, galt es noch in der Literatur nach Antworten zur Untermauerung zu suchen. Werke, die sich direkt damit beschäftigten, was genau Empowerment sei gab es kaum, meist wird nur beschrieben wie der Ansatz zustande kam und wie er in den verschiedenen Einsatzgebieten angewendet werden kann und wird. Es wird also eher erklärt was und wie Empowerment bewirkt beziehungsweise versucht zu erreichen, als auf den Gegenstand an sich zu schauen und ihn unter die Lupe zu nehmen. Aber ist auch allen Sozialarbeiter*innen klar was genau Empowerment ist? Würden sie es literaturbasiert beantworten oder doch eher nach Bauchgefühl gehen? Zeitlich war es mir leider nicht möglich mit einer größeren Anzahl an Sozialarbeiter*innen zu sprechen, um der Sache auf den Grund zu gehen. Ich konnte lediglich mit einer Handvoll Fachkräften diesbezüglich sprechen und ihre Einschätzung dazu notieren. Die Ergebnisse dessen waren leider nur dahin gehend eindeutig, dass viele aus dem Bauch heraus die Frage mit „Methode“ beantwortet haben, ihre Antwort aber kaum erklären oder begründen konnten. Und das bei einem Ansatz der schon seit den 70er Jahren bekannt ist.

Dies wiederum zeigte mir wie wichtig es ist, sich auch mit den kleinsten theoretischen Teilen dieses Studiengangs zu beschäftigen und, dass es für mich eine gut gewählte Fragestellung war. Professionelle Soziale Arbeit fängt schon bei den Kleinigkeiten wie Begriffen an, weshalb man sich damit zu Beginn des Studiums auseinandersetzen muss, um immer wieder darauf zurück greifen zu können. Schließlich werden in Zukunft immer neue Ideen, Konzepte und Theorien entwickelt, an denen wir beteiligt sein oder wir zumindest damit im Arbeitskontext konfrontiert werden könnten. Um genau diesem „Bauchgefühl-Prinzip“ bei der Beantwortung von Grundlagen entgegen zu wirken, zumindest bei mir Persönlich, dient die Auseinandersetzung mit der hier bearbeiteten Fragestellung. Es ist ein Beispiel dafür, wie ich Soziale Arbeit lernen und anwenden können möchte.

Was ist eine Methode der Sozialen Arbeit?

Im allgemeinen Sprachgebrauch bedeutet „Methode“ so viel wie Vorgehensweise oder „Weg zum Ziel“ und beschreibt in der Regel die Art und Weise wie etwas getan werden soll beziehungsweise getan wird. Im Zusammenhang mit der Sozialen Arbeit ist die Frage danach wie man etwas lösen kann aber nicht der einzige Gesichtspunkt, den man zu betrachten hat, wenn man versucht diesen Begriff allumfassend zu definieren.

Der Methodenbegriff in der Sozialen Arbeit hat daher bis heute keine genaue Definition, es gibt verschiedene Versuche diesen Begriff zu bestimmen und Aspekte, welche er zu erfüllen hat, um als „Methode“ zu gelten.

Diese Aspekte besagen, dass Methoden der Sozialen Arbeit auf bewährten Erfahrungen, Werten und Wissenschaft basieren. Sie müssen zielorientiert, personen- und sachgerecht sein und dem gegebenen Setting, also dem Handlungsrahmen, entsprechen. Zusätzlich müssen diese strategischen Planungen offen für Korrekturen sein und angemessene Arbeitsschritte, Verfahren und Techniken enthalten.„Die soziale Fachkraft bedarf eines breiten Methodenreportoires, um je nach Anforderungen auf verschiedene Interventionsebenen (...) auf die Lebenssituation von Klienten flexibel und adäquat reagieren zu können. Wichtig ist, die Methoden nach den Problemlagen der Klienten auszuwählen und nicht umgekehrt.“ (Ehrhardt 2013)

Außerdem ist zwischen Klientenorientierten und Organisationsorientierten Methoden zu unterscheiden. Kurz gesagt zählen zu ersterem Hilfeplanungen, systemische Beratung und allgemein Fallarbeit. Zur zweiten Art der Methode zählt beispielsweise die Sozialraumanalyse. Eine nähere Ausführung dessen, würde den Rahmen dieses Term Papers jedoch sprengen.

Zusätzlich gibt es den sogenannten „engen“ und „(er-)weiterten“ Methodenbegriff, diese werden in den nächsten Absätzen näher erläutert.

Enger Methodenbegriff

Der enge Methodenbegriff wurde maßgeblich durch Johannes Schilling geprägt, welcher die folgende Definition von „Methoden“ formulierte: "Methode ist das planmäßige Vorgehen zur Erreichung eines Zieles; der erfolgreiche Weg zum Ziel; eine spezifische Art und Weise zu handeln. Methode ist eine Weise des Vorgehens in Richtung auf ein Ziel. Im Allgemeinen versteht man somit unter Methode eine bewusst gewählte Verhaltensweise, zur Erreichung eines bestimmten Zieles." (Schilling 2008) Außerdem definiert er sie als Formen der Herangehensweise an Aufgaben zur Erreichung von Zielen und zur Lösung von Problemen. Sie sind erprobte, überlegte und übertragbare Vorgehensweisen zur Durchführung bestimmter Aufträge und Zielvorgaben.

In diesem Begriffsverständnis wird der Gehalt von Methoden stark auf das wie reduziert, also auch auf bewusst gewählte Verhaltensweisen. Somit erfolgt eine Trennung von inhaltlichen Fragen und der Frage der Umsetzung beziehungsweise dem Weg zum Ziel. (Galuske 2013)

Die Problematik, die sich hierbei ergibt, ist die technokratische Verengung auf die Handlungsweise ohne das Einbeziehen von Zielen. Es handelt sich somit um eine zielneutrale Methodenlehre. So betrachtet, sagen Methoden nichts darüber aus, zu welchem Zweck sie verwendet werden, weshalb sie auch zur Erreichung von zu fachlich und ethisch höchst umstrittenen Zielen eingesetzt werden könnten. Beispielsweise kann das Lernen durch positive Verstärkung, als Methode bezeichnet werden, aber auch zur Verstärkung von unerwünschten Verhalten eingesetzt werden, wie die Steigerung des aggressiven Verhaltens. (Galuske 2013)

Weiterer Methodenbegriff

Um der bereits genannten Problematik des engen Methodenbegriffs entgegen zu wirken, gibt es eine Definition, die ein weiteres Methodenverständnis in sich birgt. Der weitere Methodenbegriff setzt auf einen integrierten Begriff, welcher Methoden in Abhängigkeit von Problemlagen, Zielsetzungen und Rahmenbedingungen diskutiert.

Hier zu nennen sind die AutorInnen Geißler und Hege, die in ihrem Werk „Konzepte sozialpädagogischen Handelns“, zwischen den Begrifflichkeiten des Konzepts, der Methode und der Technik, bzw. dem Verfahren unterscheiden.

Ein Konzept ist laut Geißler und Hege ein „Handlungsmodell“, welches sinnvoll Ziele, Inhalte, Methoden und Techniken/Verfahren in Zusammenhang bringt. Somit zielt es auf Erklärungswissen ab, indem es durch Analysen die sogenannten „W-Fragen“ abklärt. Es ist in sich schlüssig und überprüfbar, wenn dies der Fall ist, kann es zu einer Theoriebildung kommen. (Geißler und Hege 2007)Das bedeutet ein Handlungskonzept beinhaltet die Gesamtheit der Handlungen von der Planung bis zur Durchführung. Was die Gegenstandsanalyse, Zielbeschreibung, Vorgehensweise/n, Evaluation miteinschließt. Ziele, Inhalte, Methoden, Verfahren und Techniken stehen in einem begründeten, plausiblen, nachvollziehbaren und überprüfbaren sinnhaften Zusammenhang. Zudem betonen Konzepte nicht zwingend programmatisch einen Aspekt (z.B. Alltags-/Lebenswelt-, Ressourcen-, Sozialraum-, Managementorientierung). Daraus werden dann Handlungsprinzipien und Arbeitsweisen abgeleitet und Methoden zu deren Umsetzung ausgewählt. Ein Konzept wird also nicht als starr angesehen, sondern als veränderbar, da es eine allgemeine Idee beschreibt. Bildlich gesprochen bilden Konzepte den äußersten Rahmen für das Begriffsverständnis von Methoden.

"Methoden sind - formal betrachtet - (konstruktive) Teilaspekte von Konzepten, Die Methode ist ein vorausgedachter Plan der Vorgehensweise." (Geißler und Hege 2007) Sie zielen im Gegensatz zum Konzept, auf Handlungswissen statt auf Erklärungswissen, und beinhalten daher die Interventionen, also die Fragen danach wie man das Ziel erreicht. Methoden sind also plan-, steuer- und kalkulierbare Prozesse der Hilfe. Innerhalb des Rahmens des Handlungskonzeptes, befindet sich also ein weiterer Rahmen, dieser steht für die Methoden, die allerdings weniger komplex sind als Konzepte. Ihr Schwerpunkt liegt auf den Vorgehensweisen und der Auswahl dafür geeigneter Verfahren und Techniken. Wichtig zu beachten ist, dass Methoden keine starren Handlungsanleitungen sind, die sich zur Bearbeitung aller Probleme Sozialer Arbeit eignen, sondern situationsbezogen, offen und reflexiv auf die Eigenarten und Besonderheiten der Menschen und sozialen Probleme anzupassen, sind.

Verfahren oder Techniken, beide Ausdrücke werden gebraucht, werden als weniger komplexe Teilaspekte der Methode, bezeichnet. Verfahren sind hierbei rechtlich geregelte Abläufe von Prozessschritten, während Techniken als erprobte und standardisierte Verhaltensweisen definiert werden. Ihre Aufgabe ist es, die Detailfragen wie das womit, zu beantworten, sie stellen also die anwendbaren Instrumente für die Fallberarbeitung dar.Verfahren sind ebenfalls zielgerichtete in ihrer Abfolge von Prozessschritten und festgelegter Handlungsformen, sie unterscheiden sich von Methoden dadurch, dass sie nicht ausschließlich und primär Ziele Sozialer Arbeit verfolgen, sondern sie ordnen das formale Handeln an den Schnittstellen Sozialer Arbeit mit anderen Disziplinen wie beispielsweise Recht. Techniken wiederum dienen der Umsetzung, also der Operationalisierung von Methoden, indem ihre Wirksamkeit und Wirkungsweise in hohem Maße vorhersagbar sind. Das gezielte Anwenden von Techniken wird im beruflichen Kontext dann als Intervention bezeichnet. Somit bilden sie im bildlich gesprochenen den kleinsten beziehungsweise den zentralen Rahmen, befindlich innerhalb des methodischen Rahmens. Die folgende Abbildung zeigt die verschiedenen beschriebenen Rahmen von Konzept, Methode und Technik.

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Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Empowerment. Methode oder Theorie der Sozialen Arbeit?
Hochschule
Hochschule für angewandte Wissenschaften Augsburg
Note
1,0
Autor
Jahr
2020
Seiten
9
Katalognummer
V945228
ISBN (eBook)
9783346304711
Sprache
Deutsch
Schlagworte
empowerment, methode, theorie, sozialen, arbeit
Arbeit zitieren
Alica Haslbeck (Autor), 2020, Empowerment. Methode oder Theorie der Sozialen Arbeit?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/945228

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