Mobilitätsbildung in der Grundschule. Mobilität und Umweltbewusstsein am Beispiel des Fahrrads


Hausarbeit, 2018

12 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Nachhaltige Mobilitätserziehung in der Grundschule
2.1 Aktivierung von Umwelt- und Gesundheitsbewusstsein der Kinder
2.2 Außerunterrichtliche Schulprojekte als Praxisbezug zum Umweltbewusstsein

3. „Bewusst Radfahren“ im Grundschulunterricht
3.1 Sicherheitserziehung als Förderung der Selbstständigkeit
3.2 Fächer- und jahrgangsübergreifendes Lernen am Fahrrad

4. Zusammenfassung

Literatur- und Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Um selbst ein umweltfreundliches Verhalten zu erhalten, müssen Wahrnehmungen der Konsequenzen des eigenen Verhaltens zunächst reflektiert werden. Es werden oft zu schnell Aussagen über CO2-Emissionen, Luftverschmutzungen, nachhaltige Handlungen sowie Verbesserungen der körperlichen Fitness getroffen. Dabei besitzen die meisten Menschen ein eher unzureichendes Umwelt- und Gesundheitswissen und können daher selten hinreichende Bedingungen für eine Verhaltensänderung schaffen. Diese Änderungen resultieren meist schon aus alltäglich veränderten Rahmenbedingungen, wie der Umstieg vom Auto zum Fahrrad. Gern werden kurze Strecken bequem mit dem Auto zurückgelegt, obwohl es oftmals mit dem Fahrrad schneller ginge und gleichermaßen effektiver für den Körper und Geist wäre. Aufgrund dieser Tatsache ist es umso wichtiger, futuristisch zu arbeiten und bereits in den Köpfen der Kinder eine nachhaltige Verkehrsteilnahme zu aktivieren.

Die Mobilitätserziehung ist ein fester Lehrbestandteil an Grundschulen. Sie vermittelt Grundschülerinnen und Grundschülern unter anderem Kenntnisse im Sicherheits- und Umweltbewusstsein. Kindliche Erfahrungen im Straßenverkehr prägen das spätere Verkehrsverhalten. Kinder sind Künstler im Nachahmen. Eltern tragen also viel Verantwortung im Umgang und Vermittlung des Umweltbewusstseins. Im Fokus der nachhaltigen Mobilitätserziehung steht daher die Förderung der Nutzung von umweltfreundlichen Verkehrsmitteln, wie dem Fahrrad. Weiterhin zielt sie auf die Förderung der selbstständigen Mobilität durch das Fahrrad und zeitgleich der Verringerung der Eltern-Begleitmobilität ab. (Vgl. Umweltbundesamt, 2010)

Die folgende Belegarbeit beruht ausschließlich auf Quellengrundlagen. Es wird im ersten Teil der Arbeit der zu vermittelnde Zusammenhang von Mobilität und Umweltbewusstsein für Grundschüler*innen am Beispiel des Fahrrads verdeutlicht. Außerdem werden möglich stattfindende Schulprojekte außerhalb des Unterrichts und rund ums Fahrrad dargelegt. Im zweiten Teil der Arbeit beschränkt sich der Inhalt auf die im Sachunterricht unterrichtete Verkehrserziehung. Dabei werden vorgehende Sensibilisierungen der Schüler*innen und die obligatorische Fahrradprüfung genauer beleuchtet. Weiterhin werden didaktische Überlegungen bezüglich des fächer- und jahrgangsübergreifenden Lernens zum Thema „Bewusst Radfahren“ auf der Textgrundlage von Philipp Spitta (2005) angebracht.

2. Nachhaltige Mobilitätserziehung in der Grundschule

2.1 Aktivierung von Umwelt- und Gesundheitsbewusstsein der Kinder

„Angesichts des Flächenverbrauchs, der globalen Umweltzerstörung auch durch Verkehr, der Gesundheitsschäden, den Entwicklungshemmnissen und der Einschränkungen im Spielbereich vor Ort stellt sich die Frage nach einer veränderten Ausrichtung der Verkehrserziehung.“ (Spitta, 2005, S. 31)

Das Kultusministerium verfasste 1994 eine Empfehlung zu zeitgemäßen Änderungen in der Mobilitätserziehung. Problematiken der städtischen und ländlichen Umweltzerstörung und langzeitiger Gesundheitsschäden müssen, nach Meinung der KME1, in der Mobilitätserziehung an Grundschulen berücksichtigt werden. (Vgl. Spitta, 2005) Ob und wie die Gesellschaft mit weniger Autonutzung auskommen würde, steht jetzt als Fragestellung in den Klassenräumen. Jedoch hängt die gegenwärtige Umweltfrage nicht allein an den Grundschülerinnen und Grundschülern. „Die alte sicherheitsdominierte Verkehrserziehung bürdete den Kindern die Verantwortung für ihre körperliche Unversehrtheit im Straßenverkehr auf. Es wäre eine maßlose Überforderung, angesichts der immensen durch den Straßenverkehr verursachten Probleme, nun Kindern […] Verantwortung zur Verbesserung der Lebensverhältnisse zu übertragen.“ (Spitta, 2005, S. 32) Den Kindern müssen lediglich Alternativen sowie Auswege aus der umweltbelastenden Situation aufgezeigt und gleichzeitig Möglichkeiten der aktiven Partizipation an anzustrebende Veränderung der Verkehrsumwelt angeboten werden. Kinder sollen durch jahrgangs- und fächerübergreifendes Lernen selbständig und reflektierend zu umweltbewussten Handeln geführt werden. Das Fahrradfahren spielt in der Grundschulzeit eine tragende und systematische Rolle, da bereits ab dem 1. Schuljahr verkehrserzieherische Maßnahmen behandelt werden können. So dienen Übungen mit dem Roller auf dem Schulhof einer sinnvollen Vorbereitung zum späteren Fahrradfahren. (Vgl. Spitta, 2005) Die Vermittlung der Nutzung des umweltschonenden Fahrrads kann Bezug auf alltägliche Situationen der Kinder und ihrer Eltern nehmen. So kann man zum Beispiel den Kindern vor Augen führen, wie lang manchmal eine Parkplatzsuche mit dem Auto dauern kann und im Vergleich dazu zeige man auf, wie schnell ein Fahrrad abgestellt ist. Als Lehrkraft kann man auch die sinkende Lebensqualität von Mensch und Natur durch den erhöhten Lärm- und Verschmutzungspegel ansprechen. (Vgl. Neumann, 1999)

Die nachhaltige Mobilitätserziehung in der Grundschule veranlasst auch ein gesundheitliches Bewusstsein der Kinder zu aktivieren. Vor allem in der heutigen Gesellschaft, in der ein Bewegungsmangel und eine ungesunde Ernährung immer häufiger normal werden, ist eine frühe Aufklärung über mögliche gesunde Auswege notwendig. Übergewicht, hoher Blutdruck, Herz- Kreislauferkrankungen oder Diabetes mellitus Typ II betreffen Kinder immer mehr. (Vgl. Umweltbundesamt, 2016) „Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO genügen täglich 30 Minuten moderate körperliche Aktivitäten, um das Risiko dieser Erkrankungen erheblich zu verringern.“ (Umweltbundesamt, 2016) Da man in elterliche bzw. häusliche Verhältnisse als Lehrkraft nicht eingreifen sollte, um ein Kind zu mehr aktiver Bewegung zu animieren, erscheint es nützlich, Bewegung und die dahinterstehende Theorie in den Unterricht einzubauen. Gesundheit durch Bewegung lässt sich in die Thematik der umweltschonenden Alternative „Fahrrad“ sinnvoll implizieren. Das Fahrradfahren lässt nicht nur die ausreichende Bewegung der Kinder zu, es setzt stimmungshebende Endorphine frei, die sich positiv auf das Selbstvertrauen der Kinder auswirkt. Es bildet sich ein imaginärer Platz der Kommunikation, der Freude und der gemeinsamen Aktivität, die Kinder während ihres Wachstums fit hält und sie mit Abwehrkräften stärkt. (Vgl. Neumann, 1999)

Es erscheint mit fortschreitender Zeit umso wichtiger, Kindern ein klares Bewusstsein für nachhaltige Mobilität zu schaffen. Gerade weil sich Deutschland zu einer 40 %igen Minderung der Treibhausgas-Emission bis 2020 verpflichtet hat (Vgl. Umweltbundesamt, 2016), liegt es in der erzieherischen Hand von Eltern und Lehrern, das Radfahren als eine umweltfreundliche und gesunde Alternative an die Kinder zu vermitteln. In der Grundschule sollen die Kinder auf ein nachhaltiges Verhalten gegenüber ihrer Gesundheit und ihrer Umwelt sensibilisiert werden. Dabei können Teilthematiken wie Klimaschutz und -veränderungen sowie die Bedeutung der Natur und des Sauerstoffs in der Luft als gute Hinführungen genutzt werden. Den Kindern muss eine kritische Auseinandersetzung mit der Automobilwelt veranschaulicht werden, um deren negative Folgen zu verstehen sowie um sinnvolle Vorteile von alternativen Verkehrsmitteln zu befürworten. In Verbindung damit sollen gesundheitliche Aspekte stehen, die die Kinder zur freiwilligen und aktiven Nutzung des Fahrrads animieren sollen.

2.2 Außerunterrichtliche Schulprojekte als Praxisbezug zum Umweltbewusstsein

„Die Forderung nach einer Verbesserung der Verkehrssituation vor Ort entbindet natürlich nicht von der Pflicht, die Kinder auf die existierenden Verkehrsverhältnisse vorzubereiten. Es wäre verantwortungslos, dies nicht zu tun.“ (Spitta, 2005, S. 30) Um Grundschülerinnen und Grundschülern auch ein reales Gefühl für die vorgetragene Theorie über die Umweltbelastungen durch die Automobilwelt zu geben, sind Exkursionen außerhalb des Schonraums empfehlenswert. Vorherrschende und gültige Regeln sind zwar wichtig zu nennen und zu verstehen, jedoch halten sich reale Straßenverkehrssituationen nicht ausschließlich daran. Es ist eine einfache Aufgabe Kinder an die Ampel vor der Schule zu begleiten und einfach zu beobachten, wie die Realität sich verhält. Korrektes Verhalten und Fehler anderer können besser als Schlüsse für das eigene Verkehrsverhalten reflektiert werden. Ausflüge und Projekte innerhalb des Verkehrslebens spricht für mehr Erfolg im Verständnis als das strikte Bearbeiten von Arbeitsblättern oder Lesetexten. (Vgl. Spitta, 2005)

Die Schule als Institution adressiert sich in Verbindung mit der Mobilitätserziehung nicht nur an die Schüler*innen. Sie sollte in Kooperation mit Eltern, Lehrkräften und Politikern an der Verkehrserziehung außerhalb des Unterichts arbeiten. Die Zusammenarbeit ermöglicht ein vielfaches Angebot den öffentlichen Verkehr kennenzulernen, Schulwege zu untersuchen und eine mögliche Beteiligung an der Verkehrsplanung in Stadtteilen zu veranlassen. (Vgl. Umweltbundesamt, 2010) Schüler*innen und Eltern sollten einer Zusammenarbeit von Schule und Kommune für ein verkehrssicheres Umfeld positiv gegenüberstehen und sich von eigenen Vorstellungen und Wünschen zur Schul- und Stadtteilgestaltung nicht distanzieren.

Die Aufwertung umweltfreundlicher Verkehrsmittel im Erscheinungsbild der Schule und eine Aktionswoche „Ohne Auto zur Schule“ sind gute Beispiele, um den Bezug zur Umwelt nicht zu verlieren. (Vgl. Spitta, 2005) Weiterhin wird die nachhaltige Mobilitätserziehung nicht vernachlässigt, wenn Klassenausflüge und spielerische Rallyes mit dem Rad, Bus und Bahn organisiert werden oder sogar eine Fahrradwerkstatt in der Schule eingerichtet wird.

3. „Bewusst Radfahren“ im Grundschulunterricht

3.1 Sicherheitserziehung als Förderung der Selbstständigkeit

Nach der Aktivierung eines gewissenhaften Umgangs mit sich und seiner Umwelt, ist eine Fahrradausbildung der Grundschüler ein weiteres Ziel der Verkehrserziehung. Die Mobilitätsbildung bietet ein Konzept des richtigen Fahrradfahrens, das gleichzeitig das Objekt „Fahrrad“ auch über die Schulzeit hinaus attraktiv wirken lassen möchte. „Damit Ihr Kind routiniert mit dem Fahrrad umgeht, ist es sinnvoll, gemeinsame Fahrten zu unternehmen. Denn auch bei der Fahrradprüfung gilt der Grundsatz: ‚Übung macht den Meister!‘“ (Bussgeldkatalog, 2018) Das Konzept intendiert das Trainieren von Fertigkeiten sowie das Verstehen und Memorieren von Regeln. Viele Kinder mit gerade mal 5 Jahren besitzen bereits ein eigenes Fahrrad und können mit diesem im Schonraum hantieren. Jedoch ist ein motorisches Können und das Speichern von Regelwissen bei 5-Jährigen noch nicht stark genug entwickelt, um eine praktische Fahrradausbildung vollziehen zu können. Das motorische Üben lässt sich dennoch bereits in den ersten beiden Schuljahren fördern und dabei das Thema „Fahrrad“ fächerübergreifend eingliedern.2 (Vgl. Spitta, 2005)

Die Fahrradausbildung wird in der 4. Klasse intensiviert und erreicht gleichsam seinen Höhepunkt. „Denn erst ab neun Jahren entwickeln Kinder in der Regel das Verständnis für vorbeugende Maßnahmen, durch die Unfälle reduziert werden können.“ (Bussgeldkatalog, 2018) Die Viertklässler*innen durchlaufen sowohl eine theoretische Ausbildung bezüglich Verkehrsregeln, -zeichen und Verhaltensweisen im Straßenverkehr als auch eine praktische Ausbildung im Schonraum. Die Vermittlung der Theorie erfolgt durch den Grundschullehrkraft im Klassenraum. In der Praxis werden zum Beispiel das Anfahren mit Handzeichen,´das Linksabbiegen und das Vorfahrtbeachten geübt und meist von einem Beamten der Deutschen Verkehswacht überprüft. Die praktischen Übungen werden oftmals in einer naheliegenden Jugendverkehrsschule durchgeführt. (Vgl. Spitta, 2005 & Schenk, o.D.) Am Ende der Fahrradausbildung erfolgt eine schriftliche und praktische Prüfung. Die schriftliche Prüfung findet im Rahmen des Sachunterrichts statt. Dabei wird der aktuelle Wissenstand der Kinder zu den Verkehrsregeln und weiteren relevanten Informationen rund ums Fahrradfahren im realen Raum kontrolliert und benotet. Dabei handelt es sich um einen Fragebogen, dessen Fragen die Form des „multiple choice“ besitzen und mit Bildern illustriert sind. Um den Praxisbezug zum erlangten Wissensstand zu überprüfen, unterziehen sich alle Kinder einer Einzelprüfung und einer gemeinsamen Prüfung mit der Klasse auf dem vorliegenden Fahrradparcour. Dabei müssen komplexe Abläufe bewältigt werden. Außerdem müssen die Kinder mit ständig wechselnden Bedingungen und Ruhestörungen rechnen. (Vgl. Bussgeldkatalog, 2018)

[...]


1 „Kultusministerempfehlung“ zur Akzentuierung der Verkehrserziehung 1994

2 Siehe Abschnitt 3.2 „Fächerübergreifendes Lernen am Fahrrad“

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Mobilitätsbildung in der Grundschule. Mobilität und Umweltbewusstsein am Beispiel des Fahrrads
Hochschule
Universität Erfurt  (Erziehungswissenschaftliche Fakultät)
Veranstaltung
Mobilitätsbildung
Note
1,7
Autor
Jahr
2018
Seiten
12
Katalognummer
V947382
ISBN (eBook)
9783346284891
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Fahrrad, Umweltbewusstsein, Grundschule, Kinder, Mobilität, Heimat- und Sachunterricht, Sachkunde
Arbeit zitieren
Laura Lutz (Autor), 2018, Mobilitätsbildung in der Grundschule. Mobilität und Umweltbewusstsein am Beispiel des Fahrrads, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/947382

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