Ziel der Arbeit ist es einen möglichen Ansatz aufzuzeigen, welcher den Unternehmen ermöglicht, ihre Mitarbeiter möglichst effizient auf die Herausforderungen der VUCA-Welt (Volatility, Uncertainty, Complexity, Ambiguity) vorzubereiten. Vor diesem Hintergrund wird versucht, folgende Frage zu beantworten: Inwiefern lässt sich durch sogenanntes Adaptive Case Management, die Zukunftsfähigkeit der Mitarbeiter und der Unternehmen sichern?
Um in diesen Zeiten einen organisatorischen Wandel, welcher die Schnittstellen Technologie, Wirtschaft und Mensch betrifft, erfolgreich zu meistern, ist es nötig, direkt an den Geschäftsprozessen anzusetzen. Das alleinige Implementieren von neuen Technologien ist nicht ausreichend, da diese Unternehmenssilos nicht zu beseitigen vermögen, das Lernen in der Organisation nicht vorantreiben, nicht die Kundenperspektive aufzeigen sowie agilen Methoden (z.B. Design Thinking) nicht ermöglichen. Vielmehr ist es nötig, direkt an den Geschäftsprozessen anzusetzen und diese zu überarbeiten. Dabei soll die Kombination des organisationalen Lernens mit dem klassischen Prozessmanagement eine fortlaufende Überprüfung des erworbenen Wissens ermöglichen. Dieses ist nötig, damit Unternehmen wettbewerbsfähig bleiben. Ein guter Geschäftsprozess ist somit abhängig von dem verfügbaren Wissen. Die fortschreitende digitale Transformation eröffnet Unternehmen neue Möglichkeiten für einen Wissensaustausch. Diesbezüglich können Daten in größeren Mengen erhoben, verarbeitet und ausgewertet werden, um daraus neues Wissen zu generieren. Dieses ist von besonderer Bedeutung, da das Wissen in den letzten Jahren rasant gestiegen ist. Bis ins achtzehnte Jahrhundert hat sich das menschliche Wissen nahezu in jedem Jahrhundert verdoppelt. Bis zum Ende des zweiten Weltkrieges verdoppelte es sich schon alle 25 Jahre. Heute hingegen verdoppelt es sich schon ca. jedes Jahr, wobei IBM die Wissensverdopplung in Folge des sogenannten Internet of Things in Zukunft auf alle zwölf Stunden schätzt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 VUCA
3 Wissensmanagement
3.1 SEKI-Modell
3.2 Acht Wissensbausteine des Wissensmanagement
4 Wissensintensive Geschäftsprozesse
4.1 Adaptive Case Management
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie Unternehmen in einer zunehmend von Volatilität, Unsicherheit, Komplexität und Mehrdeutigkeit (VUCA) geprägten Arbeitswelt durch den gezielten Einsatz von Adaptive Case Management (ACM) die Zukunftsfähigkeit ihrer Mitarbeiter und Geschäftsprozesse sichern können.
- Herausforderungen der modernen VUCA-Welt für Unternehmen
- Bedeutung von Wissensmanagement als stabilisierender Faktor
- Analyse des SEKI-Modells zur Wissensumwandlung
- Unterschiede zwischen klassischem Prozessmanagement und ACM
- Rolle des organisationalen Lernens und Wissensaustauschs
Auszug aus dem Buch
3.1 SEKI-Modell
In Bezug auf das organisationale Lernen ist das implizite Wissen von Bedeutung. Diese Form des Wissens macht die Umsetzung von WM-Ansätzen in der Praxis oft schwierig, da es nur bedingt übermittelbar ist und sich zudem oft auf einer unbewussten Ebene abspielt. Einen möglichen Umgang mit dieser Herausforderung zeigt das Modell der Wissensspirale, welches auch als SEKI-Modell (Sozialisation, Externalisierung, Kombination, Internalisierung) bezeichnet wird. Das SEKI-Modell (siehe Abbildung 2) wurde von den Forschern Nonaka und Takeuchi entwickelt. Es verfolgt das Ziel der Transformation vom impliziten Wissen, welches nicht weitergegeben kann, hin zum expliziten Wissen, welches problemlos aussprechbar und dokumentierbar ist (Gust von Loh, 2008).
Das Modell beschreibt den Prozess der Wissensentwicklung in Unternehmen als interaktiven Prozess zwischen dem impliziten und expliziten Wissen. Neben der Dimension der Wissensentwicklung beschreiben die Autoren die ontologische Dimension, welche sich auf die Interaktion zwischen Individuen, Gruppen und Unternehmen bezieht. Die Interaktion meint diesbezüglich die Umwandlung der Wissensarten. Diese findet spiralförmig in vier Prozessschritten statt (Nonaka & Takeuchi, 1997). Der erste Prozessschritt der Sozialisation (implizites Wissen wird in implizites Wissen transferiert) meint, dass Menschen mittels Beobachtung und Imitation implizites Wissen erwerben können (Nonaka & Takeuchi, 2012). Als Beispiel führen die Autoren an, dass die Firma Matsushita einen Brotbackautomaten für den häuslichen Gebrauch entwickeln wollte. Da der Knetprozess jedoch implizites Wissen des Bäckermeisters ist, mussten Mitarbeiter der Firma bei diesem in die Lehre gehen (Nonaka & Takeuchi, 1997).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den Wandel der modernen Arbeitswelt im Kontext der VUCA-Welt und begründet die Notwendigkeit für neue, flexiblere Ansätze in der Prozessgestaltung.
2 VUCA: Dieses Kapitel erläutert das VUCA-Akronym und verdeutlicht, warum starre Planungen in einem volatilen und komplexen Umfeld für Unternehmen zunehmend zum Risiko werden.
3 Wissensmanagement: Es wird die strategische Bedeutung von Wissen für die Wettbewerbsfähigkeit dargelegt, inklusive theoretischer Modelle zur Wissensumwandlung und den operativen Bausteinen des Wissensmanagements.
4 Wissensintensive Geschäftsprozesse: Hier wird die Eignung von Adaptive Case Management für Wissensarbeiter untersucht und dem klassischen, weniger flexiblen Geschäftsprozessmanagement gegenübergestellt.
5 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass ACM ein erfolgsversprechender Ansatz ist, um individuelles Wissen zu kollektivieren und Organisationen zukunftsfähig zu machen, sofern eine förderliche Unternehmenskultur existiert.
Schlüsselwörter
VUCA, Wissensmanagement, Adaptive Case Management, ACM, Organisationslernen, Digitalisierung, Prozessautomatisierung, Wissensarbeiter, SEKI-Modell, Geschäftsprozesse, Wettbewerbsfähigkeit, Transformation, Wissensumwandlung, Wissensspirale, Unternehmenskultur.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das zentrale Thema der Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der erfolgskritischen Betrachtung der Geschäftsprozessautomatisierung in Unternehmen vor dem Hintergrund der herausfordernden VUCA-Welt.
Welches übergeordnete Ziel verfolgt die Autorin?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie Adaptive Case Management (ACM) dabei helfen kann, die Zukunftsfähigkeit von Mitarbeitern und Unternehmen in einem sich ständig wandelnden Umfeld zu sichern.
Was sind die thematischen Schwerpunkte?
Die Schwerpunkte liegen auf den Herausforderungen durch VUCA, der Rolle des Wissensmanagements als strategischer Erfolgsfaktor und der Abgrenzung von Adaptive Case Management zum klassischen Prozessmanagement.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden herangezogen?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse bestehender Managementkonzepte, darunter das SEKI-Modell und verschiedene betriebswirtschaftliche Ansätze zum Wissensmanagement.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die theoretischen Grundlagen des Wissensmanagements, beschreibt das SEKI-Modell zur Wissensentwicklung und erläutert detailliert die Konzepte und Vorgehensmodelle des Adaptive Case Management.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich primär durch Begriffe wie VUCA, Wissensmanagement, Adaptive Case Management, organisatorisches Lernen und digitale Transformation beschreiben.
Warum reicht klassisches Prozessmanagement laut Autorin oft nicht aus?
Klassische Systeme sind auf standardisierte Abläufe ausgelegt und scheitern bei komplexen, wissensintensiven Prozessen, bei denen Ausnahmesituationen und individuelles Expertenwissen eine zentrale Rolle spielen.
Welche Rolle spielt das Human Resource Management bei der Einführung von ACM?
Da ACM mit einer höheren Autonomie für Mitarbeiter verbunden ist, empfiehlt die Autorin eine ganzheitliche Begleitung durch das HR-Management, um Wissensverlust zu verhindern und eine förderliche Kultur zu schaffen.
- Arbeit zitieren
- Julia Geese (Autor:in), 2020, Die Automatisierung von Geschäftsprozessen unter Berücksichtigung der VUCA-Welt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/947415