Die Arbeit soll versuchen, erste Anstöße zu geben, die explizit die Verbesserungsästhetik bei Gellerts Fabeln anhand ausgewählter Beispiele bearbeitet. Für dieses Vorgehen sollen zunächst die Bände der "Fabeln und Erzählungen" vorgestellt werden, um anschließend auf die Problematik der Entstehungsgeschichte dieser Werke einzugehen. Anhand einer Fabel soll beispielhaft die Verbesserungsästhetik bei Gellert untersucht werden. In einem abschließenden Kapitel werden die Ergebnisse zusammengefasst und offene Fragen dargelegt, die Anstoß zur weiteren Forschung geben können.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Gellerts „Fabeln und Erzählungen“
III. Die Problematik der Entstehungs- und Druckgeschichte
IV. Verbesserungsästhetik
IV. 1. Verbesserungsästhetik nach Martus
VI. 2. Die Verbesserungsästhetik bei Gellert
VI. 2. 1. Die Verbesserungsästhetik in der Vorrede der „Fabeln und Erzählungen. Zweyter Theil“
VI. 2. 2. Die Verbesserungsästhetik in der „Sammlung vermischter Schriften“
V. Die Verbesserungsästhetik am Beispiel der Fabel „Das Pferd und die Bremse“
VI. Zusammenfassung
VII. Literaturverzeichnis
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die sogenannte Verbesserungsästhetik bei Christian Fürchtegott Gellert. Ziel ist es, anhand der Entstehungs- und Druckgeschichte seiner Fabeln sowie beispielhafter Analysen aufzuzeigen, wie Gellert seine Texte durch ständige Überarbeitungen und Korrekturen formte, um sowohl künstlerischen Ansprüchen als auch seiner moralischen Verantwortung gegenüber dem Publikum gerecht zu werden.
- Konzepte der Verbesserungsästhetik im 18. Jahrhundert
- Gellerts Fabeldichtung und deren Entstehungsgeschichte
- Die Rolle der Selbstkorrektur und der Fremdkritik im Schaffensprozess
- Analyse der Verbesserungsästhetik am Beispiel der Fabel „Das Pferd und die Bremse“
Auszug aus dem Buch
VI. 2. 1. Die Verbesserungsästhetik in der Vorrede der „Fabeln und Erzählungen. Zweyter Theil“
Auch bei Gellert nimmt diese eine zentrale Rolle ein, wie es bereits in seinen Vorreden zu den „Fabeln und Erzählungen. Zweyter Theil“ von (1748) deutlich wird. Zunächst beginnt Gellert seine Vorrede mit der Erwähnung des Vorgegangenen Werkes, der „Fabeln und Erzählungen. Erster Theil“, die so „glücklich gewesen“ sind und so viel „Beyfall der Kenner“ erhalten hatten, dass er bescheiden danach fragt, ob der zweite Teil diesem gerecht wird und sich „behaupten“ könne. Gellert lässt den Leser die Gefühle bei der Entstehung dieses Werkes nachempfinden, indem er schreibt, dass man „sich aller Bemühungen bewußt seyn [muss; d.V.], durch die man seinen Schriften das Leben gegeben [hat, sowie; d.V.].“ Dem entspricht nach ihm alle „Aenderungen und Verbesserungen, die uns oft mehr Arbeit gekostet [haben; d.V.], als das Ganze selbst [sowie alle; d.V.] Stellen und Einfälle, die man aus Furcht, sie möchten für die Welt nicht schön genug seyn, mit widerstehenden Händen weggestrichen hat.“ Gellert spricht hier eben dies an, was Martus als Verzeitlichung der Poesie beschreibt. Die außerordentliche Beschäftigung mit dem Werk, welches durch Verbesserungen, Wegstreichen und Korrekturen, die meiste Zeit in Anspruch nimmt.
Durch die Erwähnung des Vorgehens in seiner Vorrede, lenkt Gellert den Blick auf diese mühevolle Arbeit und schenkt ihr dadurch eine besondere Bedeutung, welche wohl nur ein Autor nachvollziehen kann, der versteht, „was ein kluger Beyfall für eine unschätzbare Belohnung“ für diese Arbeit sei. Diese stolze Demut, mit welcher Gellert seine Verfehlungen und Verbesserungen mit seinen Lesern zu teilen scheint, entspricht dabei eben diesem neuen Bild eines Autors der Empfindsamkeit, welches durch Wortfelder des Sensus verstärkt wird. Der Autor soll sich also nicht hinter Verbesserungen verstecken, sondern sich diesen bewusst hingeben und ein Prozess entstehen lassen. Denn bereits die Entstehung eines Werkes selbst entspringt einem solchen Prozess, da jede Erkenntnis die jemand zu gewinnen sucht, auf einer bereits in eigener Erfahrung gewonnenen Erkenntnis beruht.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Diese Einleitung skizziert die Bedeutung Gellerts für die Aufklärung und das bisherige Forschungsdesiderat hinsichtlich seiner Verbesserungsästhetik.
II. Gellerts „Fabeln und Erzählungen“: Dieses Kapitel erläutert Gellerts innovative Rolle als Fabeldichter, der die Gattung vom rein pädagogischen Lehrgedicht hin zu einer unterhaltsamen, moralisch fundierten Literaturform entwickelte.
III. Die Problematik der Entstehungs- und Druckgeschichte: Hier wird dargelegt, dass aufgrund fehlender Manuskripte die Forschung maßgeblich auf gedruckte Quellen, Briefe und Arbeitsbücher angewiesen ist, was die Nachvollziehbarkeit von Korrekturen erschwert.
IV. Verbesserungsästhetik: Das Kapitel definiert den von Steffen Martus geprägten Begriff der Verbesserungsästhetik als langwierigen Prozess der Textüberarbeitung und Verzeitlichung.
IV. 1. Verbesserungsästhetik nach Martus: Vertiefung des theoretischen Modells, das die intensive Beschäftigung mit dem Text als Abgrenzungskriterium der aufklärerischen Poesie beschreibt.
VI. 2. Die Verbesserungsästhetik bei Gellert: Untersuchung der spezifischen Anwendung dieser Ästhetik in Gellerts Vorreden und weiteren Schriften.
VI. 2. 1. Die Verbesserungsästhetik in der Vorrede der „Fabeln und Erzählungen. Zweyter Theil“: Analyse von Gellerts Selbstreflexion in der Vorrede, die den hohen Arbeitsaufwand und die moralische Pflicht des Autors zur Korrektur betont.
VI. 2. 2. Die Verbesserungsästhetik in der „Sammlung vermischter Schriften“: Betrachtung der Reaktion Gellerts auf unautorisierte Nachdrucke und die damit verbundene Notwendigkeit, sein Werk öffentlich zu korrigieren und zu veredeln.
V. Die Verbesserungsästhetik am Beispiel der Fabel „Das Pferd und die Bremse“: Praxisorientierte Analyse, die anhand der inhaltlichen und formalen Änderungen zwischen verschiedenen Fassungen der Fabel Gellerts Arbeitsweise verdeutlicht.
VI. Zusammenfassung: Resümee der Ergebnisse, das betont, wie Gellert die Unvollkommenheit seiner Werke nutzte, um seine Tugendhaftigkeit und seinen demütigen Anspruch als Autor zu unterstreichen.
Schlüsselwörter
Christian Fürchtegott Gellert, Verbesserungsästhetik, Aufklärung, Fabeldichtung, Textkritik, Selbstkorrektur, Poetologie, Verzeitlichung, literarische Druckgeschichte, Empfindsamkeit, Autorschaft, Fabeln und Erzählungen, Literaturgeschichte, Gattungstheorie, Werkpolitik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit im Kern?
Die Arbeit untersucht das literarische Verfahren der Verbesserungsästhetik bei Christian Fürchtegott Gellert und wie er seine Fabeln durch kontinuierliche Überarbeitung prägte.
Welche zentralen Themenfelder behandelt die Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Entstehungsgeschichte von Gellerts Fabeln, das Konzept der Verbesserungsästhetik sowie der Einfluss von Selbstkritik und öffentlicher Rezeption auf sein Werk.
Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?
Ziel ist es, den Bearbeitungsprozess von Gellerts Texten nachzuvollziehen und aufzuzeigen, wie sich der Autor durch seine Korrekturen und Vorreden in einer neuen Rolle innerhalb des literarischen Feldes positionierte.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?
Die Arbeit nutzt eine textkritische Untersuchung, vergleicht verschiedene Druckfassungen von Fabeln und zieht zeitgenössische Dokumente wie Briefe und Vorreden als Quellen heran.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen der Verbesserungsästhetik, die Problematik der Quellenlage und eine detaillierte Fallstudie zur Fabel „Das Pferd und die Bremse“.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Publikation?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Verbesserungsästhetik, Fabeldichtung, Aufklärung, Textkorrektur und Autorenselbstverständnis geprägt.
Wie beeinflusste der unautorisierte Druck von Fabeln Gellerts Arbeitsweise?
Der unerlaubte Nachdruck durch den Buchhändler Rasche zwang Gellert dazu, seine eigenen Texte kritisch zu sichten, zu korrigieren und offiziell zu veröffentlichen, um die Qualitätskontrolle über sein Werk zurückzugewinnen.
Warum ist die Fabel „Das Pferd und die Bremse“ für diese Arbeit so aufschlussreich?
Diese Fabel dient als exemplarisches Fallbeispiel, da durch den Vergleich ihrer unterschiedlichen Fassungen (1742 und 1746) die konkreten Kürzungen und stilistischen Veränderungen, die Gellerts Verbesserungsästhetik ausmachen, direkt nachgewiesen werden können.
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- J. Krieg (Author), 2019, Die Verbesserungsästhetik in den Fabeln von Christian Fürchtegott Gellert und die Entstehungsgeschichte seiner Werke, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/947423