Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem Konzept der moralischen Schizophrenie nach Francione. Zuerst wird dieses Konzept erläutert, bevor anschließend eine ausgeweitete Form des Konzeptes dargestellt wird, in dem diese Schizophrenie auf Gruppen von Tieren, auf Haus- und Nutztiere, ausgeweitet wird.
Diese Ausweitung weist eine noch größere Schizophrenie, als das ursprüngliche Konzept auf und stellt in unserem alltäglichen Leben eine relevante Problematik der moralischen Wertung dar.
Im anschließenden reflexiven Teil werden Gründe für die unterschiedliche moralische Wertung von Tieren, die sich aus der Ausweitung des Konzeptes der moralischen Schizophrenie ergibt, genannt, bevor auf Gemeinsamkeiten der beiden Tiergruppen eingegangen wird.
Insgesamt wird dargestellt, ob und inwiefern sich diese Konzepte auflösen lassen und welche nachfolgenden Probleme sich daraus ergeben, bevor die Arbeit im Fazit zusammengefasst wird.
Der Begriff der moralischen Schizophrenie wurde von G. L. Francione geprägt. Diese Schizophrenie besteht laut Francione in gegensätzlich moralischem Denken in Bezug auf Tierleid. Einerseits versuchen wir unnötiges Tierleid, also solches, welches zum Vergnügen, aus Zeitvertreib oder Bequemlichkeit geschieht, zu vermeiden und lehnen es ab, da es uns moralisch falsch vorkommt, andererseits tolerieren wir die gängigen Formen der Tiernutzung, zum Beispiel die Massentierhaltung, da sie uns als notwendig erscheint, die jedoch mit viel Tierleid verbunden ist.
In diesem konträren und gespaltenen Denken liegt laut Francione die moralische Schizophrenie.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Moralische Schizophrenie
2.1 Moralische Schizophrenie – eine Erläuterung
2.2 Eine Ausweitung
3. Reflexion
3.1. Gründe
3.2 Gemeinsamkeiten
3.3 Ein Grenzfall
4. Auflösung
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit setzt sich kritisch mit dem von G.L. Francione geprägten Konzept der „moralischen Schizophrenie“ auseinander. Ziel der Untersuchung ist es, das Konzept auf das widersprüchliche Verhältnis zwischen Nutz- und Haustieren auszuweiten, die moralische Legitimität dieser Unterscheidung durch eine Analyse ihrer biologischen und psychologischen Gemeinsamkeiten zu hinterfragen und Ansätze für eine Auflösung dieser moralischen Wertspaltung aufzuzeigen.
- Grundlagen der moralischen Schizophrenie nach G.L. Francione.
- Erweiterung des Begriffs auf die Differenzierung zwischen Haus- und Nutztieren.
- Historische und sozio-ökonomische Gründe für die unterschiedliche moralische Bewertung.
- Analyse anatomischer und psychologischer Gemeinsamkeiten von Tierarten.
- Kritische Reflexion der aktuellen deutschen Gesetzgebung zum Tierschutz.
- Vorschläge zur Überwindung der moralischen Schizophrenie durch gesellschaftliches Umdenken.
Auszug aus dem Buch
3.2. Gemeinsamkeiten
Die Haus- und Nutztiere unterscheiden sich nur wenig voneinander. Gängige Vertreter der Gruppe der Haustiere, wie Hunde oder der Nutztiere, wie Rinder, sind beides Wirbeltiere und Warmblüter. Ihr Verhalten gleicht sich und dem unsrigen. Wenn Tiere eingesperrt sind, versuchen sie sich zu befreien, wenn ihren Schmerzen zugefügt werden sollen, versuchen sie sich dem zu entziehen. Es wird schnell klar, dass sie unter ähnlichen Umständen ein ähnliches Verhalten an den Tag legen. Dies ist mitunter mit der Gleichheit des Nervensystems und des Körpers zu begründen. Betrachtet man den Körperaufbau von Haus- und Nutztiere, wird man feststellen, dass die Körper sich aufgrund ihres anatomischen Aufbaus stark ähneln. Auch der Aufbau des Nervensystems ähnlich sich und dem des Menschen. So werden Reize von Haus- und Nutztiere gleichermaßen aufgenommen und verarbeitet, woraus ein ähnliches Verhalten, wie oben beschrieben, resultiert.
Darwin studierte das Verhalten der Säugetiere und machte dabei die bedeutsame Entdeckung, dass höhere Tiere, ähnlich wie der Mensch, in der Lage sind Lust, Schmerz oder Trauer zu empfinden. Dies geht auf anatomische und systemische Ähnlichkeiten zurück, wie etwa ein ähnlicher Aufbau der neuronalen Verbindungen im Gehirn oder Ähnlichkeiten des anatomischen Aufbaus. Das heißt, dass Haus sowie Nutztiere in der Lage sind, in Grundzügen Schmerz, Trauer und Leid zu empfinden. Sie nehmen den Tod von Artgenossen oder Schmerzen wahr, drücken ihn durch ähnliche Mimik wie der Mensch aus und verarbeiten ihn durch ähnliche Abläufe im Gehirn.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Konzept der moralischen Schizophrenie nach Francione ein und erläutert die Zielsetzung der Arbeit, dieses auf die Differenzierung zwischen Haus- und Nutztieren auszuweiten.
2. Moralische Schizophrenie: Dieses Kapitel definiert den Begriff der moralischen Schizophrenie als eine Spaltung des menschlichen Denkens im Umgang mit Tierleid und erweitert ihn auf die soziokulturelle Trennung zwischen Haus- und Nutztieren.
3. Reflexion: Der Hauptteil untersucht die historischen Gründe für die unterschiedliche Bewertung von Tieren, analysiert die faktischen biologischen Gemeinsamkeiten von Haus- und Nutztieren und verdeutlicht die Problematik anhand des Grenzfalls Hauskaninchen.
4. Auflösung: Dieses Kapitel diskutiert die Möglichkeiten zur Überwindung der moralischen Schizophrenie, indem es auf ein notwendiges gesellschaftliches und juristisches Umdenken hinweist.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und plädiert für eine Aufhebung der moralischen Gruppenteilung von Tieren zugunsten einer gleichwertigen moralischen Berücksichtigung aller Tiere.
Schlüsselwörter
Moralische Schizophrenie, G.L. Francione, Tierethik, Nutztierhaltung, Haustiere, Tierwohl, Interessenabwägung, Tierschutzgesetz, Speziesismus, moralische Wertspaltung, Sensibilität, Wirbeltiere, moralischer Status, Rechtsgleichheit, Massentierhaltung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der „moralischen Schizophrenie“, einem Begriff von G.L. Francione, der das widersprüchliche Verhalten beschreibt, Leid bei Tieren einerseits abzulehnen und es andererseits in Form der Nutztierhaltung zu tolerieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die moralische Spaltung zwischen Haus- und Nutztieren, die ethischen Implikationen unserer Konsumentscheidungen und die rechtlichen Rahmenbedingungen des Tierschutzes.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die moralische Schizophrenie als Problem aufzuzeigen, die Unbegründetheit der Trennung zwischen Haus- und Nutztieren darzulegen und Wege für eine ethisch konsequentere Haltung gegenüber allen Tieren aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine philosophisch-ethische Analyse, die auf der kritischen Reflexion bestehender Konzepte, der Interpretation rechtlicher Texte und der Einbeziehung biologischer Erkenntnisse basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden historische Ursachen für den unterschiedlichen Status von Tieren sowie anatomische und neurologische Gemeinsamkeiten zwischen Haus- und Nutztieren untersucht, um die moralische Ungleichbehandlung zu hinterfragen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie „moralische Schizophrenie“, „Tierethik“, „Interessenabwägung“ und „moralischer Status“ geprägt.
Warum wird das Hauskaninchen als „Grenzfall“ bezeichnet?
Es dient als Beispiel, weil es juristisch als Nutztier klassifiziert ist, in der Praxis jedoch oft wie ein Haustier behandelt wird, was die Willkür der moralischen Gruppenzugehörigkeit verdeutlicht.
Welche Lösung schlägt der Autor für das Problem vor?
Der Autor schlägt vor, die Unterteilung in „Haus-“ und „Nutztiere“ aufzugeben und Tiere als Lebewesen mit moralisch gleichwertigen Interessen im Allgemeinen zu betrachten, was auch eine entsprechende Gesetzesänderung nach sich ziehen müsste.
- Citation du texte
- Anonym (Auteur), 2017, Die moralische Schizophrenie nach G.L. Francione. Reflexion und Auflösung eines erweiterten Konzepts, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/948033