Globales Lernen. Die Bildung für eine nachhaltige Entwicklung. Eine stufenübergreifende Betrachtung

Ansätze im Geographieunterricht anhand eines Unterrichtsentwurfs


Unterrichtsentwurf, 2020

13 Seiten

Christoph K. (Autor)


Leseprobe

Inhalt

1. Das Globale Lernen als aktuelles Thema

2. Globales Lernen als Aufgabe des Geographieunterrichts
2.1 Bildung für nachhaltige Entwicklung – das BLK-Programm „21“
2.2 Beispielhafte Unterrichtsthemen zum globalen Lernen

3. Wissenschaftliche Forschungen zum globalen Lernen
3.1 Alltagstheorien von Schülerinnen und Schülern zum globalen Klimawandel
3.2 Interkulturelles Lernen im bilingualen Erdkundeunterricht aus Schülersicht

4. Unterrichtsentwurf: Der Tourismus im Nahraum

5. Globales Lernen ist auch ein zukünftiges Thema

Quellen

1. Das Globale Lernen als aktuelles Thema

Die Auswirkungen und die Dynamik der Globalisierung zeigen sich an allen Plätzen der Erde: Treibhauseffekt, Mülltrennung, Zuwanderung etc. Es handelt sich um einen Prozess, auf welchen die nachfolgenden Generationen vorbereitet werden müssen. Die 1992 beschlossene „Agenda 21“ zeigt, dass die Entwicklung der Umwelt keinen kurzfristigen Überlegungen unterworfen werden. Bislang isolierte Ansätze wie das ökologische Lernen, das entwicklungspolitischen Lernen, das interkulturelle Lernen, die Friedenserziehung u.ä. werden zusammengeführt. Hierzu gehört auch Gerechtigkeit und die dazugehörigen Verhaltensformen. Frieden und Wohlstand gehören ebenfalls hierzu. Das globale Lernen ist zu einem didaktischen Konzept geworden, bei welchem das Leitbild die „Erziehung zu einer nachhaltigen Entwicklung“ darstellt (vgl. Kross 2004: 2f.). Es existieren verschiedene Kernprobleme des Globalisierungsprozesses. Dies betrifft auch das Bevölkerungswachstum. Prognosen besagen ein weltweites Bevölkerungswachstum um ca. 33% bis 2050 voraus. Das Wohlstandswachstum sorgt paradoxerweise auch für eine Erweiterung der Schere zwischen Arm und Reich und zudem für einen höher werdenden Ressourcenverbrauch. Die Gefährdung der Umwelt und die Umweltbelastung ist in den Wohlstandsländern das Hauptproblem, in den Armutsländern ist es jedoch der rigorose Ressourcenverbrauch, um zu überleben. Der globale Frieden ist ebenfalls eine globale Herausforderung (vgl. Kross 2004: 8f.). „Starkes Bevölkerungswachstum und noch stärkeres Wohlstandswachstum können zu immer schärferen Verteilungskonflikten um die Ressourcen der Erde führen und damit den sozialen Frieden lokal wie global gefährden.“ (vgl. Kross 2004: 11). Das sogenannte magische Viereck der Globalisierungsprobleme besteht folglich aus folgenden Elementen: Tragfähige gesunde Umwelt, Wohlstandswachstum, friedliches Zusammenleben, Bevölkerungswachstum (vgl. Kross 2004: 12). Globales Lernen ist also eine situationsgemäße Strategie, die ökologisch und sozial verantwortliche Weltbürger erzieht. Es geht um die Entwicklung von Fähigkeiten beim Menschen um ein zukunftsberücksichtigendes, verantwortungsbewusstes Leben zu führen. Somit sollen die SuS zu verantwortungsbewusstem Konsumverhalten, zu demokratischer Grundhaltung, Anerkennung der Menschenrechte und der Anerkennung anderer Kulturen erzogen werden. Auf diese Wiese können sogenannte globale Herausforderungen angegangen werden. Hierbei handelt es sich beispielsweise um Armut, Flucht oder Krieg. Diese globalen Herausforderungen wirken sich auch jeweils regional aus, können also auch auf dieser Ebene angegangen werden (vgl. Reinfried 2018: 382).

Bildung für nachhaltige Entwicklung besteht aus dem globalen Lernen, mit der Perspektive für global-gesellschaftliche Entwicklungsdefizite und auch der Umweltbildung, welche die globale Umweltdegegration in den Blick nimmt. Ziel ist die Erziehung zum Naturschutz (vgl. Reinfried 2018: 382). Die Themen und Inhalte der Umweltbildung sind breit gefächert, wie diese Übersichtstabelle zeigt.

Themen und Inhalte der Umweltbildung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(vgl. Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus 2003: 5f.)

Didaktische und methodische Prinzipien Gestaltungskompetenz und Partizipation: Die Schülerinnen und Schüler können einen Sachverhalt analysieren und danach handeln.

Kommunikation: Es werden Kritikfähigkeit, Kritikbereitschaft und Argumentationsfähigkeit und damit Kommunikation gefördert.

Situationsorientierung: Umweltbildung geht von der konkreten Erfahrungswelt aus. Die Auswahl der Inhalte orientiert sich an der Interessenlage der SuS. Heimatliche Umweltthemen dienen als Grundlage für global Umweltfragen.

Handlungsorientierung: Durch Handel und Lernen vor Ort erfährt jeder einzelne, dass er Mitglied einer Gemeinschaft ist, und positive Rückmeldung über sein Engagement erhält (vgl. Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus 2003: 10).

2. Globales Lernen als Aufgabe des Geographieunterrichts

„Globales Lernen wird als Antwort der Schule auf den Globalisierungsprozess und dessen Folgen für das Leben unserer Schüler verstanden.“ (Kross 2004: 7). Es gibt verschiedene Entwicklungen in Richtung des globalen Lernens: Neben der Agenda 21 in Rio von 1992 sind dies beispielsweise die KMK-Empfehlung von 1996 zur interkulturellen Bildung und ein Jahr später die Empfehlung „Eine Welt/ dritte Welt“ (vgl. Kross 2004: 13f.).

Globales Lernen nach Scheunpflug 2002 und seine Dimensionen besteht aus den Raumdimensionen: global, national, regional, individuell; den Zeitdimensionen Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft; den Lernzieldimensionen: Handlungen, Einstellungen, Wissen und verschiedenen Inhaltsdimensionen. Diese sind beispielsweise die Umwelt, Deutschland, die dritte Welt, die Bevölkerung, die Wirtschaft oder die Vielfalt der Kulturen (vgl. Kross 2004: 18).

In der Didaktik ist die Trennung von Lernen und Handeln elementar. Dies bedeutet, die SuS sollen das Gelernte umsetzen. So können sie über ihre Konsumgewohnheiten nachdenken und entsprechend nachhaltig einkaufen. Die SuS können erkennen wie das Verhalten der Menschen auf die Umwelt wirkt. Sie lernen, dass ihre Lebensweise auch auf die Umwelt wirkt. Die SuS lernen ebenso, dass sich globale Umweltprobleme unmittelbar auf sie auswirken (vgl. Bayerisches St. f. Unt. Und Kult. 2003: 2).

2.1 Bildung für nachhaltige Entwicklung – das BLK-Programm „21“

Die Agenda 21 im Jahr 1992 hat in ihrem Diskussionsergebnis gezeigt, dass die Kapazitäten der Erde eine ungehinderte Ausdehnung der Industriestaaten nicht aushalten. Die wirtschaftliche Entwicklung soll dazu beitragen, dass auch zukünftige Generationen in Gerechtigkeit und Frieden leben können. Die Industriestaaten haben dabei eine Vorbildrolle und sollen ihren Material- und Energieaufwand reduzieren. Dies geschieht beispielsweise mit Hilfe effizienter Produktionsverfahren. Trotz steigender Bevölkerungszahlen sollen die ökologischen Belastungen sinken. Somit verlangt die Agenda 21 eine Bildung zur nachhaltigen Entwicklung (vgl. Harenberg 2004: 59). Das Bildungsziel der Bildung für nachhaltigen Entwicklung ist die Gestaltungskompetenz. Sie umfasst unter anderem die Teilkompetenzen des vorrausschauenden Denkens, des interdisziplinären Lösungsdenken und der Fähigkeit zur Solidarität (vgl. Harenberg 2004: 61f.).

Das BLK-Programm 21 stellt „die Förderung der Gestaltungskompetenz für nachhaltige Entwicklungsprozesse als zentrales Bildungsziel in den Mittelpunkt“ (Harenberg 2004: 61). Zeitgleich wird dieses Ziel mit den Unterrichtsprinzipien Interdisziplinäres Wissen, Partizipatives Lernen und dem Prinzip innovative Strukturen kombiniert. Interdisziplinäres Wissen bezeichnet das vernetzte Denken, welches bspw. aufgrund der Verknüpfung von Natur und Kulturwelt sehr wichtig ist. Partizipatives Lernen greift die zentrale Forderung der Agenda 21 auf. So sollen alle gesellschaftliche Gruppen am Prozess der nachhaltigen Entwicklung teilhaben. Das Prinzip der innovativen Strukturen zeigt, dass de Schule ganzheitlich bildungswirksam ist (vgl. Harenberg 2004: 61).

2.2 Beispielhafte Unterrichtsthemen zum globalen Lernen

Eine Schülerfirma, welche Tee verkauft, kann als eine Form des globalen Lernens verstanden werden. Die Schülerfirma „Tea Spoon“ verkauft beispielsweise auf dem Weihnachtsmarkt oder in Dritte-Welt-Läden Tee. Dieser Tee stammt von einer Ureinwohnergruppe in Indien, die Schülerfirma organisiert den Verkauf. Die hälfte der Erlöse erhalten die Produzenten, die Handelsbedingungen sind nach den Prinzipien soziale Gerechtigkeit und ökologischer Verträglichkeit gestaltet (vgl. Harenberg 2004: 65).

Ein weiteres Unterrichtsbeispiel zum globalen Lernen kann der faire Handel am Beispiel der Schokolade sein. Die fair gehandelte Schokolade ist im Supermarkt für den Kunden teurer. Allerdings liegt dies daran, dass Genossenschaften den Kakaobauern feste Preise über dem Weltmarktpreis anbieten. Wenn die Kakaobauern dem Weltmarktpreis ausgesetzt wären, müssten sie mit massiven preislichen Schwankungen rechnen. Durch den fairen Handel zahlt der Verbraucher zwar mehr, der Kakaobauer hat aber eine höhere finanzielle Sicherheit (vgl. Deutsche Gesellschaft für Geographie: 89f.).

3. Wissenschaftliche Forschungen zum globalen Lernen

Es existieren verschiedene aktuelle Forschungen innerhalb der Teilbereiche des globalen Lernens. Diese werden hier beispielhaft vorgestellt.

3.1 Alltagstheorien von Schülerinnen und Schülern zum globalen Klimawandel

Als globale Probleme wird der Klimawandel von Schülerinnen und Schülern an erster Stelle genannt. Es folgt die Umweltverschmutzung. Soziale Probleme scheinen für die SuS eine geringere Rolle zu spielen. Sie nennen hier Hunger und Armut und soziale Ungleichheit. Andere ökologische Konflikte, wie Desertifikation und Wassermangel, erneuerbare Ressourcen und auch Kriege werden von den SuS nur wenig mit globalen Problemen in Verbindung gebracht. Als größte Zusammenhänge zwischen globalen Problemen und daraus entstehenden Entwicklungen nennen die SuS die Armut in der dritten Welt, welche Migration und Flucht verursacht, sowie die Zerstörung von Wäldern, welche den Klimawandel durch Treibhauseffekt auslöst. Als Ursache für den Klimawandel nennen die SuS Verkehr und Industrie, sowie Emissionen (vgl. Schuler 2004: 133f.).

3.2 Interkulturelles Lernen im bilingualen Erdkundeunterricht aus Schülersicht

Bilingualer Unterricht Bilingualer Unterricht hat das Ziel eine fremdsprachige und interkulturelle Kommunikationsfähigkeit zu lehren (vgl. Müller-Bittner 2004: 156).

Interkulturelles Lernen „Interkulturelle Kompetenz ist das Ziel interkulturellen Lernens, der als Prozess verstanden wird, in dessen Verlauf sich der Umgang mit der eigenen und der fremden Kultur verändert.“ (Müller-Bittner 2004:157). Das kulturelle Orientierungssystem wird dabei reflektiert. Es existieren drei Dimensionen eines interkulturellen Unterrichts. Dies ist die Selbsterfahrung in der Konfrontation mit der Fremdheit, die multiperspektivische Bildung und die politische Aufklärung. Bilingualer Unterricht trägt einen besonderen Beitrag zum interkulturellen Lernen bei (vgl. Müller-Bittner 2004: 156ff.).

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Details

Titel
Globales Lernen. Die Bildung für eine nachhaltige Entwicklung. Eine stufenübergreifende Betrachtung
Untertitel
Ansätze im Geographieunterricht anhand eines Unterrichtsentwurfs
Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg
Autor
Jahr
2020
Seiten
13
Katalognummer
V948076
ISBN (eBook)
9783346292490
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Globales Lernen, Bildung für nachhaltige Entwicklung, Klimaerwärmung, Unterricht, Tourismus, Klimawandel, Greta, Erdkunde, GSE, Schule, Umwelt, Schutz, Thunberg, Stufenübergreifend, Klima
Arbeit zitieren
Christoph K. (Autor), 2020, Globales Lernen. Die Bildung für eine nachhaltige Entwicklung. Eine stufenübergreifende Betrachtung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/948076

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