Thomas Hobbes' Leviathan. Eine Überlegung anhand der Black-Lives-Matter-Bewegung


Hausarbeit, 2020

11 Seiten, Note: 2,0

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Thomas Hobbes Leviathan
2.1. Staatstheorie
2.2. Naturzustand

3. Black Lives Matter Bewegung
3.1. Entwicklung und Hintergründe der Bewegung
3.2. Antipolizeiliche Unruhen in Amerika

4. Vergleich der aktuellen Ereignisse mit Hobbes Naturzustand
4.1. Widerstandsrecht aktuell und bei Hobbes

5. Konklusion

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In der vorliegenden Hausarbeit werde ich Thomas Hobbes‘ Staatsphilosophie vorstellen und einen Bezug auf die Black Lives Matter Bewegung machen. Der im 17. Jahrhundert lebende Philosoph Thomas Hobbes brachte im Jahr 1651 unter dem Einfluss des Bürgerkrieges in England das bedeutsame Werk Leviathan heraus. In diesem entwirft er eine absolutistische Staatstheorie, die einen vorgesellschaftlichen, unrechtlichen Zustand beenden soll.

Die Black Lives Matter Bewegung wurde 2020 international größer und präsenter als zuvor. Im Zuge dessen finden regelmäßig weltweit Demonstrationen statt, auf denen es teilweise zu Randalen kommt. Insbesondere in Amerika gibt es einige antipolizeiliche Unruhen.

Ich habe mich bei der Auseinandersetzung mit diesen Themen gefragt, ob Thomas Hobbes‘ Vorstellung des Naturzustandes realistisch ist und wenn ja, ob dieser aktuell vertreten ist. Um diese Frage zu beantworten werde ich im Hauptteil meiner Hausarbeit die im Leviathan beschriebene Staatsphilosophie darstellen und dabei besonders auf den Naturzustand eingehen. Diesen werde ich dann nach einer Erläuterung zu der Black Lives Matter Bewegung mit den aktuellen Ereignissen, insbesondere in Amerika, vergleichen.

2. Thomas Hobbes Leviathan

2.1. Staatstheorie

Thomas Hobbes‘ Staatsphilosophie im Leviathan bietet eine autokratische, kontraktualistische und vertragstheoretische Position. Es handelt sich dabei um eine Gesellschaftsvertragstheorie, das heißt eine freiwillige und rationale Übereinkunft zwischen freien und gleichen Personen. Um Frieden und Interessenverfolgung zu sichern, schließen die Menschen aus nationalem Eigeninteresse einen Gesellschaftsvertrag bzw. einen Staatsvertrag. Im Zuge dieses Vertrages überträgt jeder all seine Rechte an einen uneingeschränkten Souverän, den Leviathan. Der Leviathan kann von seinen Untertanen nicht abgesetzt werden und weder er noch die Untertanen können den Vertrag aufkündigen. Des Weiteren kann er nicht angeklagt, bestraft oder hingerichtet werden, unterliegt somit selbst den Gesetzen – über welche er entscheidet - des Staates nicht. Außerdem kann er über alle Mittel zur Verteidigung und zum Erhalt des Friedens frei verfügen, also auch Einschränkungen der Freiheiten der Bürger, Zensur und weiteres. Hobbes möchte damit den Zustand einer Anarchie, der das Leben der Menschen für ihn unerträglich machen würde, verhindern. Es herrscht totale Unterwerfung der Bürger gegenüber dem Souverän, es existiert ein absolutistischer Staat, durch welchen der Frieden gesichert sein soll.

Eine Auflösung dieses Vertrages kann nur im Falle eines äußeren Krieges oder eines Bürgerkrieges geschehen, da dann die einzige essenzielle Aufgabe des Souveräns – die Sicherung des Friedens – nicht mehr erfüllt wird.

2.2. Naturzustand

Da ich mich in dieser Hausarbeit besonders mit dem Naturzustand beschäftigen werde, werde ich diesen zunächst einmal ein bisschen genauer erklären.

In Hobbes‘ Vorstellung des Naturzustandes herrschen keine allgemeinverbindlichen Gesetze, es existiert kein Staat und demnach auch keine Gesellschaft. Es ist ein Krieg aller gegen alle, jeder Mensch strebt nach Macht und hat Sorge um seine Zukunft und um seinen Tod. Dieser Zustand ist inakzeptabel für Hobbes.

In Kapitel 13 schreibt Hobbes:

„Und wegen dieses gegenseitigen Misstrauens gibt es für niemand einen anderen Weg, sich selbst zu sichern, der so vernünftig wäre wie Vorbeugung, das heißt, mit Gewalt oder List nach Kräften, jedermann zu unterwerfen und zwar solange, bis er keine andere Macht mehr sieht, die groß genug wäre, ihn zu gefährden.“ (Hobbes 1651: 125)

Dies beschreibt zum einen gut den Krieg, der laut Hobbes im Naturzustand gelten würde. Zum anderen verdeutlicht es auch Hobbes‘ Menschenbild, welches sich in den anthropologischen Pessimismus einordnen lässt. Hobbes sieht den Menschen als egoistisches Einzelwesen, das an Selbstverwirklichung, Freiheit, Sicherheit und Schutz des Eigentums interessiert ist. Es herrscht ein gegenseitiges Misstrauen und es lässt sich nicht gesellschaftlich miteinander leben.

Im Zuge des Naturzustandes stellt Hobbes noch Naturregeln und -gesetze dar. Das Gesetz der Natur besagt, dass es verboten ist, das eigene Leben zu vernichten und alle Mittel zur Selbsterhaltung erlaubt sind. Demnach hat man das Recht und die Freiheit, zu tun, was man will, um sich selbst zu erhalten. Doch dazu kommt die allgemeine Regel der Vernunft, die besagt, dass jeder sich um den Friedenswillen zu bemühen hat, solange dazu Hoffnung besteht. Der Mensch soll somit den Kriegszustand um den Friedenswillen beenden. Das zweite Gesetz der Natur, das besagt, dass alle Bürger freiwillig, wenn andere ebenfalls dazu bereit sind, auf ihre Rechte verzichten sollen, soweit es für die Sicherung des Friedens und die eigene Selbstverteidigung notwendig ist. Diese Maxime führen zum Gesellschaftsvertrag und schlussendlich so zum Souverän, dem Leviathan.

„Daraus ergibt sich klar, dass die Menschen während der Zeit, in der sie ohne eine allgemeine, sie alle im Zaum haltende Macht leben, sich in einem Zustand befinden, der Krieg genannt wird, und zwar in einem Krieg eines jeder gegen jeden. Denn Krieg besteht nicht nur in Schlachten oder Kampfhandlungen, sondern in einem Zeitraum, in dem der Wille zum Kampf genügend bekannt ist.“ (Hobbes 1651: 126)

Dieses Zitat betont, dass es für Hobbes besser ist, eine souveräne Macht zu haben, als gar keine und ein Leben ohne Macht oder ein Staatsoberhaupt scheinbar unmöglich sei, weil die Menschen sich selbst zerstören würden. Des Weiteren definiert er hier das Wort Krieg. Nicht nur der klassische Zustand des Krieges mit Waffen und Schlachten beschreibt dies, sondern lediglich der Wille zum Kampf, also einer Auseinandersetzung zählt als Krieg.

3. Black Lives Matter Bewegung

3.1. Entwicklung und Hintergründe der Bewegung

Black Lives Matter ist eine Protest-Bewegung für die Rechte und Interessen schwarzer Menschen, die im Jahre 2013 von drei schwarzen Frauen (Alicia Garza, Patrisse Cullars und Opal Tometi) ins Leben gerufen wurde. Die Bewegung wurde in den sozialen Medien unter dem Hashtag #BlackLivesMatter, auch abgekürzt mit #BLM, bekannt und populär. Der Auslöser der Bewegung war der Mord am unbewaffneten schwarzen Teenager Trayvon Martin im Jahre 2012 in Amerika. Als dieser nach dem Kauf von Süßigkeiten nach Hause gelaufen ist, wurde er, mit der Begründung, es wäre Notwehr gewesen, erschossen. Er hat nach Aussage des Täters verdächtig ausgesehen, da er einen Hoodie getragen hat. Der Täter George Zimmermann wurde ein Jahr nach der Tat von der Jury wieder freigesprochen. Der besagte Freispruch löste besonders in den sozialen Medien eine internationale Unruhe aus, was zu vielen Protesten, insbesondere in den Vereinigten Staaten, führte. Social Media Plattformen wie Twitter, Facebook, Instagram und co. wurden weltweilt zu Hauptkommunikation für Black Lives Matter genutzt. (vgl. MTV Deutschland 2020: 00:02:03-00:02:51)

Die Akivistin Alicia Garza teilte auf Facebook dazu den Post: „black people. I love you. I love us. Our lives matter.“ (MTV Deutschland 2020: 00:02:54-00:03:00)

Patrisse Marie Cullors-Brignac postete: „declaration: black bodies will no longer be sacrified for the rest of the world’s enlightenment. i am done. i am so done. trayvon, you are loved infinitely. #blacklivesmatter“ (MTV Deutschland 2020: 00:02:54-00:03:00)

Diese Worte gingen insbesondere auf Twitter viral.

Die Bewegung hat sich im Laufe der Jahre weltweilt auch offline professionalisiert und es haben sich sogenannte Chapter, also Ableger in mehreren Ländern gebildet. In Berlin wurde 2016 nach einer Solidaritätsdemonstration Black Lives Matter von sechs schwarzen Frauen gegründet. (vgl. MTV Deutschland 2020: 00:03:20-00:03:30)

Die Black Lives Matter Bewegung ist also ein Kampf gegen rassistische Ungerechtigkeit, Unterdrückung und White Supremacy. Systematischer Rassismus ist weltweit ein Problem, besonders in den USA aber sehr präsent vertreten. Weser-Kulter brachte am 10.06.2020 einen Artikel namens „‘Systematischer Rassismus‘ in den USA: Ein Blick auf die Fakten“ raus, welcher mit einigen Zahlen und Statistiken deutlich macht, dass dieses Problem noch sehr aktuell ist. So wurden seit dem Jahr 2015 rund 5400 zumeist bewaffnete Personen in den USA von Polizisten erschossen. Obwohl 60% der amerikanischen Bevölkerung weiß sind und nur 13% schwarz, waren 45% dieser Getöteten weiß und 23% schwarz. Bei diesen Zahlen geht es zudem nur um Tötungen durch Waffen. Außerdem ist die Wahrscheinlichkeit, als Schwarze/-r von der Polizei kontrolliert zu werden, laut Statistiken wesentlich höher und bei einer Verurteilung bekamen im Zeitraum 2011 bis 2016 Schwarze oft eine 20% längere Haftstrafe. Von ca. 2,2 Millionen Gefängnisinsassen in den USA sind ca. 34% schwarz. Das bedeutet, dass statistisch gesehen Weiße fünf Mal weniger als Dunkelhäutige im Gefängnis landen. Gleiche Nachteile gibt es in Bezug auf Einkommen, Führungspositionen, Bildung, Krankenversicherung und vieles mehr. Viele der polizeilichen Tötungsdelikte gegenüber People of Colour erhalten keine Strafanzeige oder werden höchstens zu Bewährung verurteilt. (vgl. Weser-Kurier 2020)

Die Fälle der getöteten People of Colour durch Polizeigewalt und somit auch die Black Lives Matter Proteste gingen weiter. Auch 2020 wurden weiterhin ungerechtfertigt schwarze Menschen getötet.

Der wohl bekannteste Fall: Der im Mai 2020 von der Polizei getötete 46-jährige, unbewaffnete Georg Floyd wurde beschuldigt, im Supermarkt mit einem gefälschten 20$ Schein bezahlt zu haben. Bei dem dadurch ausgelösten Polizeieinsatz drückte einer der Polizisten für 8:46 Minuten sein Knie in Floyds Nacken, welcher dabei ums Leben kam. Passanten versuchten, die Polizei davon abzuhalten. Der komplette Vorfall wurde gefilmt. George Floyds Worte „I can’t breathe“ gingen wieder viral. (vgl. MTV Deutschland 2020: 00:00:39-00:01:23)

Dieser Fall sorgte für eine internationale Reihe an Protestaktionen. In den USA gingen Millionen Menschen auf die Straße, um gegen anti-schwarzen Rassismus zu demonstrieren. Der Hashtag Black Lives Matter wurde in sozialen Medien so viel verwendet wie nie zuvor und die Teilnehmer der weltweiten Demos waren trotz der aktuellen Pandemie höher als je zuvor. Viele Menschen fingen an, sich zu solidarisieren, sich zu informieren und andere weiterzubilden.

3.2. Antipolizeiliche Unruhen in Amerika

Das Ausmaß der Black Lives Matter Bewegung brachte starke Unruhen mit sich. Da sich auch während der Proteste die Fälle von Polizeigewalt häuften, hatte sich eine antipolizeiliche Einstellung etabliert. Der Spruch ‚Acab‘ (all cops are bastards) ging mit den Demonstrationen überein. Besonders die Gesellschaft in Amerika spaltete sich auf. Rechte Gruppen kamen zur Provokation mit Mottos wie ‚All Lives Matter‘ und ‚White Lives Matter‘ dazu. US-Präsident Donald Trump solidarisierte sich nicht mit den Black Lives Matter-Protestierenden und setzte das Militär gegen sie ein. (vgl. MTV Deutschland 2020: 00:01:39-00:02:03)

Im Zuge der Demonstrationen wurden außerdem in Großbritannien, Belgien und den Vereinigten Staaten Denkmäler von Menschenhändlern und Kolonialherren gestürzt.

Am 13.06.2020 wurde in Atlanta in den USA ein Wendy‘s Restaurant in Brand gesetzt. Dies geschah einen Tag, nachdem Rayshard Brooks dort von einem Polizisten erschossen wurde. Er stand mit seinem Auto auf dem Parkplatz des Restaurants und hatte geschlafen. Die Polizei wollte ihn wegen Trunkenheit am Steuer festnehmen, er widersetzte sich der Festnahme und zielte mit einem dem Polizisten entwendeten Taser auf diese, worauf hin er erschossen wurde. (vgl. Wikipedia 2020)

Der Großteil der Black Lives Matter Proteste verlief bisher friedlich. Allerdings sind Fälle wie die Brandstiftung des Wendy’s keine Einzelfälle. In einigen Städten in Amerika beging man Brandstiftung, schmiss Schaufensterscheiben in Läden ein und provozierte Polizisten.

4. Vergleich der aktuellen Ereignisse mit Hobbes Naturzustand

4.1. Widerstandsrecht aktuell und bei Hobbes

Um einen Vergleich der aktuellen Ereignisse und Hobbes Naturzustand zu machen, möchte ich zuerst erklären, worum es sich beim Widerstandsrecht handelt.

In Deutschland steht im Grundgesetz, Artikel 20, Absatz 4 folgendes:

"Gegen jeden, der es unternimmt, diese Ordnung zu beseitigen, haben alle Deutschen das Recht zum Widerstand, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist." (vgl. Bundesamt f. Justiz 1968: 7)

Ziel dieses Gesetzes ist es, den Bürgern ein letztes Aufgebot als Nothilfe zu geben, wenn die Verfassung auf irgendeine Art angegriffen wird.

[...]

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Details

Titel
Thomas Hobbes' Leviathan. Eine Überlegung anhand der Black-Lives-Matter-Bewegung
Hochschule
Freie Universität Berlin
Note
2,0
Jahr
2020
Seiten
11
Katalognummer
V948332
ISBN (eBook)
9783346290946
Sprache
Deutsch
Schlagworte
thomas, hobbes, leviathan, eine, überlegung, black-lives-matter-bewegung
Arbeit zitieren
Anonym, 2020, Thomas Hobbes' Leviathan. Eine Überlegung anhand der Black-Lives-Matter-Bewegung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/948332

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