Der heilige Sava. Die Reaktion auf die Verbrennung seiner Überreste damals und heute


Facharbeit (Schule), 2020

24 Seiten, Note: 5.5

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Motivation und Leitfrage
1.2. Basisquellen der Abschlussarbeit

2. Abstrakt

3. Wer ist Sveti Sava?
3.1. Das Leben des hl. Sava
3.2. Wieso ist der hl. Sava so wichtig in der serbischen Geschichte?

4. Tod, Entwicklung des Kults und Verbrennung der Überreste des hl. Sava
4.1. Der Tod Savas und die Anfänge des Kults
4.2. Die Verbrennung der Überreste des hl. Sava auf Vraćar und die Vorgeschehnisse
4.3. Das umstrittene Datum der Verbrennung der Überreste des hl. Sava
4.4. Folgen der Verbrennung des hl. Sava
4.5. Parallelen zur modernen Geschichte

5. Darstellungen der Verbrennung der Überreste des Hl. Sava
5.1. «Spaljivanje moštiju Svetog Save», 1912, Öl auf Leinwand - Stevan Aleksić (1876-1923)
5.2. Biografie des Künstlers – Stevan Aleksić
5.3. Arbeitsweise des Künstlers

6. Bedeutung des hl. Sava heute – Schutzpatron des serbischen Volkes

7. Hram Svetog Save in Belgrad, Symbol der Stadt und der Religion
7.1. Anfänge des Baus
7.2. Architektur des Doms – Symbol der Religion und der Stadt

8. Abstrakt

Dank

Quellenverzeichnis

Anhang
A. Anhang 1 – Zitate

1. Einleitung

1.1. Motivation und Leitfrage

Jeder Mensch auf dieser Welt sollte sich irgendwann im Verlaufe des Lebens die kantische Fragen stellen und beantworten – «Was kann ich wissen?», «Was soll ich tun?», «Was darf ich hoffen?» und «Was ist der Mensch?» Dies gelingt am einfachsten, wenn man die eigene Geschichte und Kultur – «Woher komme ich?», «Wer bin ich?» - kennt. Im Grunde genommen bin ich mit meiner individuellen Arbeit diesen Fragen nachgegangen und stolperte über ein für mich sehr interessantes Thema: «Die Verbrennung der Überreste des hl. Sava». Man könnte sagen, dass mit diesem Akt alles, was wir heute als Serbien betrachten, anfing. Obwohl ich nicht sehr gläubig bin und folglich nicht viel mit der Kirche zu tun habe, stolpere ich alltäglich in meinen serbischen Freundeskreisen über diese eine Person – «Sveti Sava». Alle Serben kennen ihn, auch ich, aber viel über ihn weiss fast niemand. Er gilt für uns als ein Symbol der Angehörigkeit zu Serbien. Dieses Teilwissen wollte ich beseitigen und mehr von meiner Herkunft erfahren.

Im Nationalmuseum in Belgrad entdeckte ich ein Bild, welches, historisch betrachtet, für mich sehr wichtig schien. Als ich den Titel der Malerei sah, konnte ich feststellen, dass ich recht hatte und, dass diese spezifische Szene, welche dargestellt wurde, eine der wichtigsten in der Geschichte des serbischen Volkes war, nämlich die Verbrennung des hl. Sava am Vračar im Jahr 1594, über welche diese Arbeit auch handelt.

Damit die ganze Arbeit von Serben selbst und auch von Personen anderer Nationalität verstanden werden kann, wird zuerst eine kurze Biografie über den hl. Sava eingeschoben. Danach berichte ich über spezifische Fragen, welchen ich nachgegangen bin. Zum Schluss beleuchte ich die heutige Bedeutung des hl. Sava in der serbischen Bevölkerung in Serbien selbst und anderswo auf der Welt.

1.2. Basisquellen der Abschlussarbeit

Wie schon oben erwähnt, ist eine der Basisquellen das Bild von Stevan Aleksić, «Verbrennung der Überreste des hl. Sava», das sich heute im Nationalmuseum in Belgrad befindet. Neben dem Bild wurden viele schriftliche Quellen zur Hand genommen, welche akkurate Informationen liefern. Etliche der Bücher, die für diese historische Recherche benutzt wurden, sind in der Bibliothek der Serbisch-Orthodoxen-Kirchgemeinde St. Gallen zu finden. Bücher, welche in Fusszeilen als Quellen deklariert wurden, weisen grösstenteils eine glaubwürdige Übereinstimmung der Ereignisse auf. Allerdings ist es zu erwähnen, dass es hie und da Unterschiede gibt. Zitate in dieser Arbeit wurden aus der Originalsprache (Serbisch) vom Autor ins Deutsche übersetzt.

2. Abstrakt

Geboren als Prinz und dritter Sohn seiner Eltern, geht Rastko Nemanjić als junger Mann auf den Berg Athos, wo er zum Mönch wird und seinen Namen in Sava ändert. Nach langen Jahren als Mönch und Eremit beschäftigen ihn die Gegebenheiten in seinem Vaterland Raska (heutiges Serbien). Dank seines hohen Ansehens als ehemaliger Prinz und verantwortungsbewusster Mönch gewinnt er in hohen kirchlichen und diplomatischen Kreisen viele Sympathien, die er für sein Vaterland und die dortige Kirche nutzt.

Wegen der komplexen Sachlage in Südosteuropa empfand Sava es als existenzbedeutend, dass die damalige Kirche Serbiens, die immer noch zur Erzbistum Ohrid (Konstantinopeler Patriarchat) gehörte, eigenständig würde und verlangte vom damaligen Konstantinopeler Patriarchen die Autokephalie für die Kirche in Raska. Sava gelingt es, eine autokephale serbisch-orthodoxe Kirche für sein Volk zu gründen. Für diesen Erfolg wurde Sava nach seinem Tod auch ehrenmässig heiliggesprochen – «Sveti Sava» (Heiliger Sava).

Trotz seines Todes galt hl. Sava unter dem Volk Serbiens als eine führende Person. Das serbische Volk machte den hl. Sava zu einer Kultperson. Dreihundert Jahre nach seinem Tode folgte der Überfall auf Serbien von Seiten der Osmanen, welche die Überreste von Sava im heutigen Belgrad (am Vračar) verbrannten. Die Idee war es, dem Volk die Hoffnung und den Glauben zu nehmen. Die Osmanen hielt es für unmöglich, dass das serbische Volk noch mehr Gegenwehr leisten konnte.

Der hl. Sava wurde nach der seiner Verbrennung mit der Zeit zu einer Identifikationsperson des serbischen Volkes. Heute ist der hl. Sava ein Symbol für die Angehörigkeit zum serbischen Volk, vor allem für die Serben, die ihren Wohnsitz ausserhalb der Grenzen des serbischen Staates haben. Viele Kirchen, Gebäuden und Institutionen tragen den Namen «Sveti Sava». Die Bedeutung des hl. Sava heute nimmt immer mehr zu.

3. Wer ist Sveti Sava?

3.1. Das Leben des hl. Sava

Nemanja und seine Frau Ana, die königlichen Eltern des hl.1 Sava, zeugten zwei Söhne und einige Töchter. Danach blieb der Kindersegen aus, obwohl sie weitere Kinder wollten. Sie fingen an zu Gott zu beten, ihnen einen weiteren Sohn zu schenken und Gott schenkte Ihnen einen dritten Sohn. Dieser war ein Wunder – hübsch und intelligent. Die Eltern tauften ihn auf den Namen Rastislav, abgekürzt Rastko. Je älter Rastko wurde, desto beliebter war er, nicht nur bei den Eltern, sondern auch in seiner gesamten Familie. Besucher und viele andere sagten immer, dass dieses Kind ein neues Zeichnen für die Welt sein werde.

Er war der königliche Sohn, bevor er zum Mönch wurde. Sein Vater war Stefan Nemanja, Begründer der Nemanjići-Dynastie und Oberherr des damaligen Serbiens – genannt Raska. Seine ganze Familie war sehr gläubig. Rastko zeigte schon in seiner Kindheit eine gewisse Zuneigung zur Lebensweise der Mönche. Als Mönche vom Athos sein Vaterland besuchten, war einmal ein Greis aus Russland dabei. Nachdem er durch ihn vom Leben eines Mönches auf dem Berg Athos hörte, war sein Herz mit göttlicher Liebe erfüllt. Rastko verlangte vom Greis, ihn mit auf Athos zu nehmen. «Ich sehe, Vater, dass Gott, welcher die Tiefe und das Ziel meines Herzens ist, dich zu mir, dem Sünder, geschickt hat, um mich auf den Weg Gottes zu führen. Ich bitte dich, mir zu zeigen, wie ich mich vor der Eitelkeit dieser Welt schützen kann und wie ich ein heiliges Leben, wie Du, führen kann. Meine Eltern haben vor, dass ich heirate. Darum habe ich mich entschlossen, so weit wie möglich von hier zu gehen, möglichst schnell.»2

Der Greis sagte zu, Begleiter des jungen Prinzen zu werden. Als er sich für die Flucht vorbereitete, merkte der Russe, dass Rastko eine gewisse Euphorie zu Gott aufwies und verstand, dass es sich um den Willen Gottes handelte. Als guter Soldat und Kämpfer erledigte Rastko in russischem Kloster auf Athos Aufgaben aller Arten. Sein Vater schickte Leute in alle Himmelsrichtungen auf die Suche nach Rastko, weil dieser nicht nur sein Sohn war, sondern auch der Thronfolger. Drei serbische Adlige hörten, dass Rastko sich in einem russischen Kloster befand und machten sich auf den Weg, um ihn zurückzuholen. Rastko verlangte von seinem Vorgesetzen ihn zu einem Mönch zu ernennen, weshalb er sich in der betreffenden Nacht in einem der Türme versteckte.

Den Eltern schrieb er einen Brief, in welchem er über das Schreckliche Gericht (Ende der Welt) und die ewigen Leiden berichtete. Dieses Schreiben erschreckte die Eltern zutiefst und sie entschieden sich, auch ins Kloster zu gehen, wo sie ein heiliges Leben führten. Savas Mutter, Ana (Ana Srpska – Ана Српска), ging in ein Frauenkloster, wo sie nach ihrem Tod heiliggesprochen wurde. Sein Vater, Nemanja (hl. Simeon), wurde ebenfalls zum Mönch und machte sich auf den Weg zum Athos, wo er zusammen mit Sava lebte. Beide bauten zusammen auf dem Berg Athos ein Kloster der serbisch-orthodoxen Kirche. Beide, Vater und Sohn, wurden später heiliggesprochen. Den serbischen Thron übernahm der zweite Sohn Nemanjas – Stefan (Stefan Prvovenčani – Стефан Првовенчани).

3.2. Wieso ist der hl. Sava so wichtig in der serbischen Geschichte?

Der ungarische König Andrija machte sich im Jahr 1217 von Split (heute Kroatien)3 auf den Weg zu einem Kreuzzug nach Palästina, aus welchen er ein Jahr später erfolglos in ein Land, voller Unruhen und hohen Schulden zurückkehrte. Einzige Länder, welche von diesen Unruhen einen Nutzen hatten, waren Serbien und Episches Land des Despot Teodor. Der Tod des Zaren Petar und die Abreise des Königs Andrija veränderten die Bedingungen, unter welchen König Stefan seine latinophile Politik führte.

Schnell begreifend, wie die Lage der Länder am Balkan aussah, traf König Stefan die Entscheidung, die Politik nach altem Muster weiterzuführen. Währenddessen musste er einen Dialog mit Sava finden. Sava verlangte von Stefan, eine kirchliche Organisation in Serbien zu gründen, um die Orthodoxie in Serbien zu festigen. Eine solche Organisation hatte auch für Stefan, aus politischen Gründen, einen Vorteil. Denn die Kirche seines Landes befand sich im Eigentum des Erzbischofs von Ohrid, welcher ein Untertan des Tyrannen Teodor war. Teodor der Epische, Gegner der Latiner auf dessen Territorium Zar Petar ums Leben kam, hatte viele Sympathien unter dem serbischen Klerus. Teodors und seines Erzbistums Einfluss waren deswegen eine potenzielle Gefahr für Stefan; daraus folgte die Idee eine eigene kirchliche Organisation in Serbien zu bilden. Sava besuchte den Zaren und Patriarchen persönlich in Nikäa, um dort die Unabhängigkeit der serbischen Kirche zu bekommen.

In Nikäa war Sava herzlich willkommen. Für den Zaren Teodor Laskar bedeutete Savas Besuch ein neues Bündnis zu Serbien mit grossem Potential im Kampf gegen die Latiner. Zwischen der Bevölkerung Nikäas und den Epiren bestand starke Souveränität, um die Frage der Thronfolge, sobald die Latiner aus dem Gebiet des Byzanz und Konstantinopels verschwinden würden, zu klären. Für Nikäa war die Suche nach Hilfe von Seiten Serbiens wichtig, weil damit die freundschaftlichen Relationen ohne Komplikationen und schnell aufgebaut werden konnten. Daraus führte Sava, als Vertreter des Klerus die Verhandlungen zuerst mit dem Zaren und leitete diese dann weiter an die Regierung des gesamten Territoriums. Für den Patriarchen bedeutete der Besuch Savas ein Bündnis mit dem Osten und er willigte ein. Es wurde zum serbisches Erzbistum mit Sava als erstem serbisch-orthodoxer Erzbischof ernannt. Diese kirchliche Organisation Serbiens bekam die s.g. Autokephalie (Unabhängigkeit mit eigenem Stil des heiligen Lebens, wobei die Liturgie anderen orthodoxen Kirchen gleicht), welche nur durch Savas diplomatische Fähigkeiten ermöglicht wurde, damit serbische Bevölkerung auch geistlich unabhängig sein konnte.

Serbien veränderte sich mit dieser Entscheidung der Autokephalie während der Regierungszeit Stefans, dem ersten verheirateten König Serbiens, in zwei Punkten. Erstens gründete Serbien eine eigene kirchliche Organisation und zweitens wurde Serbien zu einem Königreich. Serbien wurde somit zu einem richtigen Staat mit eigener Individualität und territorialen Ambitionen. Es ist auch zu sagen, dass es in der Geschichte Serbiens keine andere Situation gab, in der zwei Angehörige der gleichen Dynastie durch enge Zusammenarbeit und Hinarbeiten aufs gleiche Ziel so viel erreichten wie Stefan und Sava mit ihren Fähigkeiten der Staatsführung.

4. Tod, Entwicklung des Kults und Verbrennung der Überreste des hl. Sava

4.1. Der Tod Savas und die Anfänge des Kults

Der Kult um den hl. Sava hatte seinen Anfang schon während seines Lebens. Er war nicht nur als Erzbischof, Gesetzesgeber und Aufklärer, sondern auch als Wundermacher und Heiler verehrt. Nach seinem Tode wurde Sava zu einem der am meisten respektierten Aufklärer, welche die serbische Bevölkerung jemals hatte und haben wird.4

Der Tod Savas erschütterte das Volk überall, wo er bekannt war – in Osten und Westen, von Ungarn bis Byzanz – aber nirgendwo so wie in Serbien. Der tote Korpus des hl. Sava wurde am nächsten Tag in einer der Kirchen des Königs Asen – im Kloster der Vierzig Märtyrer in Bulgarien - begraben, und zwar auf Wunsch des Zaren persönlich. Als der serbische Erzbischof erfuhr, dass sich der Korpus Savas in Bulgarien befinde, machte er sich auf den Weg zum Zaren und bat ihn, Sava zurück nach Serbien bringen zu lassen. «Weder vor dem Gott noch vor dem Volk ist es angenehm noch recht, dass wir die Leiche unseres Vaters ausserhalb seines Geburtslandes lassen, weit weg von seiner Kirche und seinem Volk. Du weisst es selbst, was für ein unbezahlbares Geschenk Gottes er für uns ist. Er war den Aposteln gleichgültig. Er hält harte Arbeit, viele Anstrengungen und Nöte für die Liebe zu seinem serbischen Volk aus. Er beleuchtet unser Land mit neuen Tempeln, gründete eine königliche Dynastie mit Erzbistum und vielen Bistümer. Er gründete Institutionen, brachte Ruhe und Ordnung und begründete gesetzlich ein Leben, wie es Gott vorschrieb. Deswegen mache alles, was in deiner Macht sei, um ihn wieder in sein Vaterland zu bringen.»5 König Vladislav willigte ein, jedoch gab es bald Unruhen in Bulgarien. Diese wurden danach zusammen mit seinem Schwiegervater, Zar Arsenije, beruhigt.

Schon bald nach dem Transfer der Überreste aus Bulgarien nach Serbien (Mileševo), wurden erste Texte und Gottesdienste in Mileševo und Hilandar abgehalten, um den hl. Sava zu verehren. Einer der ersten Texte über Savas Biografie liess sein Cousin, König Uroš, vom Domentijan schreiben (Erscheinung: 1242/3). Er war nämlich Savas Schüler und sein Begleiter auf den Pilgerreisen gewesen. Vor Ende der Regierungszeit des Königs Milutin, feierte das serbisches Erzbistum sein Jubiläum – hundert Jahre der Autokephalie.6

Der bekannte Schriftsteller und Theologe Teodosije egalisiert den Kult des hl. Sava und des hl. Simeon (Savas Vater) und nennt das Ganze den Kult der «Heiligen Zweifaltigkeit», Kult der untrennbaren Machthaber serbischen Landes, Kult der Väterlichkeit im Mittelalter Serbiens.7

4.2. Die Verbrennung der Überreste des hl. Sava auf Vraćar und die Vorgeschehnisse

Die Türken begannen bereits im Herbst 1593 Feindseligkeiten in Westungarn, die die Schöpfungstätigkeit des Papstes weiter anregten. Kolumović machte sich auf den Weg nach Osten, um Feodor den Brief des Papstes zu überreichen. Die österreichischen Gesandten des Papstes arbeiteten jedoch auf der anderen Seite. Ihre Aktionen in Erdelje mit Fürst Sigismund Bathory und den benachbarten Serben lösten den ersten Aufstand unter den Serben im Banat aus. Im März 1594 griffen die Rebellen Vršac an und setzten die Stadt in Brand. Das war noch kein gut vorbereitetes Vorgehen der Hajduks, sondern geschah in Eile und aufgrund des Fakts, dass ein türkisch-österreichischer Krieg ausgebrochen war.8

In der Zeit der Aufstände der serbischen Bevölkerung in Banat, wurden auf Vračar bei Belgrad die Überreste des hl. Sava verbrannt. Hierher wurden diese aus dem Kloster Mileševo gebracht. Die Rede ist von einem Ereignis in der Geschichte der serbischen Nation, zu welchem es genügend zuverlässige Quellen gibt, welche aber mit der Zeit zu klaren Fakten gemacht wurden.

Falls der Corpus des ersten serbischen Erzbischofs tatsächlich aus Mileševo, das zugleich auch stark beschädigt wurde, entführt und sogar nach Belgrad gebracht wurde, um dort zerstört zu werden, müsste man dieses Ereignis als eines des wichtigsten in der serbischen Geschichte, mindestens im Sinne der Übergabe im Volk, taxieren. Das Volk war schmerzlich beleidigt aufgrund der Zerstörung des Klosters in Mileševo. Die Historiker aber betrachten dieses Geschehen sehr ungleich: Sie sind sich uneinig, was es das Datum der Verbrennung angeht. Die einen sagen, dass das Geschehene im Jahr 1594 vor sich ging und die anderen wieder, dass es im Jahr 1595 stattgefunden habe. Zugleich erklärten die Historiker nicht, wieso sie diese Unterscheidung machen. V. Ćorović, der für seine synthetische Untersuchungen wirklich nur die wichtigsten Daten aussuchen konnte, hatte sich zuerst für das Jahr 1594 entschieden, später aber hatte er sich umentschieden und blieb bei dieser Meinung.

Nach dem Angriff der aufständischen serbischen Truppen auf Vršac im März 1594, war «Sinan-Paša, Grosse Wesir und Oberbefehlshaber der türkischen Armee wütend auf die serbischen Truppen und entschied sich, schon damals für einen nicht durchdachten Schritt. Er hatte, um die Serben zu bestrafen oder um diese zu beängstigen, die Überrest des hl. Sava nach Belgrad bringen gelassen, wo er diese am 27. April 1594 verbrannte. In unserer Studie ist die Antwort auf die Frage, ob die Verbrennung tatsächlich im Jahr 1594 oder 1595 stattgefunden hatte, noch nicht klar. Für das erste Jahr sprechen viele Daten und zahlreiche Gründe, trotzdem scheint es, dass damalige Aufstände der Serben, in kleinen Verhältnissen, nicht genügend starke Gründe für einen grossen Wesir gewesen waren, um eine solche Entscheidung zu treffen, welche einen sehr schlechten Einfluss auf alle Serben und ihren Klerus gehabt hätte. Es ist nicht nötig ein grosser Staatsbeamter zu sein, um vorauszusagen, dass dieses Vorgehen die Serben noch mehr motivieren würde, die Aufstände, welche noch schwellen, in ein grosses Feuer zu verwandeln.»9

4.3. Das umstrittene Datum der Verbrennung der Überreste des hl. Sava

Ruvarac war der Erste, der das Datum der Verbrennung der Überreste des hl. Sava mit einer Analyse der Nachricht aus einer Auflage des Jahresbuches zu bestimmen probierte. Er hat das Jahr 1595 als Möglichkeit ausgeschlossen und stellte fest, dass der Korpus des hl. Sava nach dem Befehl des Sinan-Paša, am Karfreitag, dem 27. April 1594, aus dem Kloster Mileševo auf Vračar bei Belgrad gebracht und verbrannt wurde.»10 Dieses Conclusio Ruvaracs und die überzeugende Ausführung der Vermutung, wurde nicht als definit angenommen. Einige Historiker haben dies sofort als falsch taxiert, andere zögerten, da diese Vermutung nicht auf Dokumenten mit direkter Verbindung, sondern chronologischen Abläufen basiert. Die Letzten wiederum haben diese Vermutung, aufgrund der grossen Autorität Ruvaracs, als korrekt angenommen. Die Frage hat Đ. Sp. Radojičić als Beispiel für Ruvaracs Korrektheit im Konkludieren nochmals gründlich bearbeitet.11 Die Meinungen blieben auch danach getrennt, aber trotzdem hatte diejenige des Begründers der kritischen Historiographie nun einen bedeutenden Vorteil.

Trotz allem gab es auch Vorschläge, dass die Geschehnisse aus den Jahren 1594 und 1595 vernachlässigt werden, will sagen, dass die Überreste des hl. Sava überhaupt nicht verbrannt wurden. Đ. Sp. Radojičić erörterte das im Buch des M. Dragović Sveti Sava nije spaljen – 1930 (»Hl. Sava wurde nicht verbrannt«) und gab sein Einverständnis zusammen mit dem Vater St. Stanojević, dass hier die Rede von Unsinn ohne wissenschaftliche Bedeutung» sei. M. Dragović behauptete, dass die Überreste des Heiligen im XVIII Jahrhundert in der Čurukača-Höhle in der Nähe des Klosters Dovolje gewesen waren. Danach im Kloster Dovolje selbst, dann waren die Überreste angeblich in Klöster Ždrebaonik, Kosijerev, und Ostrog. Jetzt sind sie in Ždrebaonik (seit 1919). Die Bedeutung des Aufbewahrens des Corpus’ des hl. Sava an verschiedenen Orten, hat ihren Ursprung darin, dass viele Reliquien ans Licht kamen, von denen man annahm, dass sie vom Corpus des Heiligen übriggeblieben seien.12 Auch Kleriker, sogar die aus Mileševo, verbreiteten die falsche Nachricht, dass Reste des Heiligen erhalten seien (da dies einen grossen Nutzen für ihr Kloster hatte). Der Diplomat und Dichter aus Dubrovnik, Jaketa Palmotić (zweite Hälfte des XVII Jahrhunderts), war wahrscheinlich mehrere Male in Mileševo. Über seine Reise in die Türkei im Jahr 1667 schrieb er einen vertrauenswürdigen Epos in Versen, in welchem auch eine Beschreibung des Klosters Mileševo komponiert wurde. Diese Beschreibung, nebst allem anderen, beinhaltet folgende Daten:

«Hier sind Leichen, auf der Seite der Truhe des hl. Sava, und die Gräber voller Häresien, Bann aus dem alten Sommer.»13

[...]


1 T.Ž. Popović, O Svetoj Gori i Hilandaru, Teil 1, Belgrad 2015, 103-135.

2 T.Ž. Popović, O Svetoj Gori i Hilandaru, Teil 1, Belgrad 2015, 105.

3 V. Ćorović, Istorija Srba, Belgrad 2015, 105-108.

4 Đakon Nenad und A. Ilić, Sveti Sava, Belgrad 2006, 84.

5 Vladika N. Velimirović, Život Svetog Save, Belgrad 2016, 179.

6 Đakon Nenad und A. Ilić, Sveti Sava, Belgrad 2006, 84.

7 Teodosije, Žitje Svetog Save, Belgrad 1990.

8 V. Ćorović, Istorija Srba, Podgorica, 2012, 416-417.

9 V. Ćorović, Istorija Jugoslavije, Belgrad 1933, 329-330.

10 I. Ruvarac, O pećkim patrijarsima od Makarija do Arsenija III. 1557-1690, Belgrad 1888, 38-46.

11 Đ. Sp. Radojičić, Dva primera Rubarčeve tačnosti, Spomenica Ilarionu Ruvarcu, Novi Sad 1955, 133-147.

12 V. Ćorović, Istorija Jugoslavije, Belgrad 1933, 329-330.

13 J. Palmotić Gjonorić, Dubrovnik ponovljen, Dubrovnik 1878, 174.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Der heilige Sava. Die Reaktion auf die Verbrennung seiner Überreste damals und heute
Note
5.5
Jahr
2020
Seiten
24
Katalognummer
V948411
ISBN (eBook)
9783346294067
Sprache
Deutsch
Schlagworte
sava, reaktion, verbrennung, überreste, serbien, stevan, aleksic, orthodox, kirche, maturaarbeit, miro, ilic
Arbeit zitieren
Anonym, 2020, Der heilige Sava. Die Reaktion auf die Verbrennung seiner Überreste damals und heute, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/948411

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