Über die "fictions animalières" im Debütroman "Extension du domaine de la lutte" von Michel Houellebecq


Hausarbeit, 2020

27 Seiten, Note: 1,3

Anonym


Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Drei Teile, drei Tiererzählungen

3 Dialogues d’une vache et d’une pouliche
3.1 Inhalt der Dialogues d’une vache et d’une pouliche
3.2 Zu Stil und Methode der Dialogues d’une vache et d’une pouliche
3.3 Exkurs für den Philosophen
3.4 Variation der Angestelltenfeier
3.5 Catherine Lechardoy als Kuh

4 Dialogues d’un teckel et d’un caniche
4.1 Inhalt der Dialogues d’un teckel et d’un caniche
4.2 Literarische Tierversuche - Claude Bernard als Methodengeber
4.3 Zum Stil der Dialogues d’un teckel et d’un caniche

5 Dialogues d’un chimpanzé et d’une cigogne
5.1 Inhalt der Dialogues d’un chimpanzé et d’une cigogne
5.2 Intertextualität in Dialogues d’un chimpanzé et d’une cigogne
5.3 Dialogues d’un chimpanzé et d’une cigogne im Kontext des Romans

6 Fazit

Bibliographie

1 Einleitung

Im Vorwort seines 1998 erschienenen Essay-Band Interventions gibt Michel Houellebecq Auskunft über seine Poetik: „réflexions théoriques [...] m’apparaissent comme un matériau romanesque aussi bon qu’un autre, et meilleur que beaucoup d’autres.“1 2 Einer fast wortgleichen Formulierung bedient sich der namenlose Ich-Erzähler in Houellebecqs vier Jahre zuvor erschienenem Debütroman Extensions du domaine de la lutte, wenn er berichtet, dass er sich in seiner Freizeit als Verfasser von fictions animalières, Tiererzählungen, betätige. „[...] la fiction animalière est un genre littéraire comme un autre, peut-ètre supérieur a d’autres; quoi qu’il en soit, j’écris des fictions animalières.“ (EDL 13) heißt es da. Die parallele Ausdrucksweise lässt einen Zusammenhang vermuten. Bilden die fictions animalières die Form für eine Literatur, deren Inhalt dann die réflexions théoriques sind? Dieser Frage soll in der vorliegenden Arbeit nachgegangen werden. Die drei Tiererzählungen, die der Erzähler der EDL auszugsweise zitiert und kommentiert, möchte ich im Folgenden inhaltlich deuten, stilistisch analysieren und schließlich mögliche Zusammenhänge zwischen diesen Binnenerzählungen und der äußeren Romanhandlung aufzeigen.

2 Drei Teile, drei Tiererzählungen

Die EDL ist in drei Parties gegliedert. Dabei umfasst der erste Teil zwölf Kapitel, der zweite Teil zehn und der dritte Teil sechs Kapitel.2 Gleichmäßig verteilt beinhaltet jede Partie eine der Tiererzählungen. Die mittlere Tiererzählung im zweiten Romanteil hat nicht nur den größten Umfang, sondern auch den größten Gehalt an Thesen, die im Zusammenhang mit dem gesamten Roman stehen. Sie wird im ersten und dritten Teil von zwei wesentlich kürzeren, etwa gleich langen Tiererzählungen flankiert.

3 Dialogues d’une vache et d’une pouliche

Die erste Tiererzählung mit dem Titel Dialogues d’une vache et d’une pou­liche findet sich in I, 2. Sie wird in einem Setting eingeführt, das auto­biographische Züge trägt:

Plus tard dans la soirée, ma solitude devint douloureusement tangible. Des feuilles parsemaient la table de la cuisine, légèrement maculées d’un reste de thon a la catalane Saupiquet. Il s’agissait de notes relatives a une fiction animalière [...]. (EDL 13)

Der von Job und Mitmenschen frustrierte Pariser Angestellte des französischen Landwirtschaftsministeriums, der sich nach Feierabend literarisch betätigt - das ist die Situation des Autors Houellebecq zu Beginn der 1990er Jahre, wie sie uns sein Freund Dominique Noguez in einem Tagebuchauszug vom 4. November 1991 schildert:

Étrange et passionnant bonhomme, un déprimé joyeux, au bord a la fois de l’amertume et de l’ironie, en fait probablement très solide, raisonnant bien, avec des gouts et surtout des allergies bien établis, mais pas du genre péremptoire, écoutant l’autre et mème prét a changer d’avis. Je raccompagne quasiment jusqu’au Palais Bourbon, ou il travaille comme informaticien. [. ] Il a fait Agro. Son problème : ne plus travailler. Il m’explique que travailler le déprime et que la déprime s’arrète d’elle-meme dès qu’il est en congé maladie ou au chomage.3

Während der Autor Houellebecq hier aber als pas du genre péremptoire und meme pret a changer d’avis charakterisiert wird, lässt sich das gleiche über den Erzähler der EDL kaum sagen.4

Der Titel Dialogues d’une vache et d’une pouliche ist irreführend. In dem anschließend zitierten Ausschnitt findet das angekündigte Gespräch nicht statt und auch ein Fohlen bzw. eine Jungstute tritt nicht auf.5 Der Erzähler nimmt, wie bei den folgenden Tiererzählungen auch, eine gattungstheoretische Klassifizierung vor: „on pourrait la qualifier de meditation éthique“ (EDL 13). Eine unmittelbar ersichtliche moralische Botschaft, wie man sie von einer ,ethischen Betrachtung' erwarten würde, sucht man allerdings ebenfalls vergeblich. Der Erzähler führt noch aus, er sei von einem „bref séjour professionnel dans le pays de Léon“ (EDL 14) zu der Geschichte inspiriert worden und liefert dann einen „éxtrait significatif (ebd.).

3.1 INHALT DER DIALOGUES D'UNE VACHE ETD'UNE POULICHE

Die erste der drei Tiererzählungen bietet in dem Sinne keine Handlung. Vielmehr liegt eine naturwissenschaftliche Ausführung über das Alltagsleben einer „vache bretonne“ (EDL 14) vor. Dieses wird in zwei Phasen eingeteilt („double est la nature de la vache bretonne“, ebd.). Die erste, monotone Phase nimmt den Großteil des Jahresrhythmus’ eines Kuh-Lebens ein und wird wie folgt charakterisiert: tout au long de l'année elle ne songe qu'a brouter, son mufle luisant s'abaisse et se relève avec une régularité impressionnante, et nul frémissement d'angoisse ne vient troubler le regard pathétique de ses yeux brun clair. (EDL 14)

Eine zweite, kürzere Phase lässt sich als ,Phase der Empfänglichkeit' beschreiben. Das Verhalten der Kuh kippt ins Außergewöhnliche:

A certaines périodes de l'année (précisément spécifiées par 'inexorable fonctionnement de la programmation génétique), une étonnante révolution se produit dans son etre. Ses meuglements s'accentuent, se prolong ent, leur texture harmonique elle-meme se modi fie jusqu'a rappeler parfois de manière stupéfiante certaines plaintes qui échappent aux fils de l'homme. Ses mouvements se font plus rapides, plus nerveux, parfois elle trottine. Il n'est jusqu'a son mufle, lequel semblait pourtant, dans sa régularité luisante, conpu pour refléter la permanence absolue d'une sagesse minérale, qui ne se contracte et se torde sous l'effet douloureux d'un désir assurément puissant. (ebd.)

Der Ausdruck ,révolution’ ist nicht willkürlich gewählt, ich werde in Kapitel 5.4 darauf zurückkommen. Der Binnen-Erzähler liefert sogleich den „clef de l'énigme [...]' des Verhaltens der Kuh: „ce que désire la vache bretonne [...] c'est [...] ,se faire remplir“ (EDL 15). Die Verhaltensänderung ist durch den Fortpflanzungstrieb hervorgerufen worden. In der Folge wird die Kuh per Spritze künstlich befruchtet. Kurz darauf verhält sie sich wieder wie im Normalzustand, mit dem Unterschied, dass sie nun schwanger ist und neun Monate später ein Kalb gebären wird. „Ce qui est, soit dit en passant, tout bénéfice pour l’éleveur.“ (ebd.) ergänzt der Binnen-Erzähler in einem Nachsatz und gibt so einen ersten Hinweis auf den für die EDL so zentralen Zusammenhang von Sexualität und Kapitalismus.

Im Anschluss an das Zitat bietet der Erzähler seine Interpretation der Tiererzählung: Der Züchter symbolisiere für ihn Gott. Auch das im Titel angekündigte Fohlen wird nun erklärt. „Mu par une sympathie irratio­nelle “ (EDL 15) bevorzuge der Viehzüchter das Fohlen gegenüber der Kuh. Während das Fohlen von Hengsten begehrt wird und so unbegrenzten Zugang zum Sex habe, bleibe für die Kuh zur Befriedigung ihres désir nur die Spritze der künstlichen Besamung. Mit der drastischen Gegenüberstellung von Kuh und Fohlen weist diese erste Tiererzählung voraus auf die Hauptthese des Romans, welche Houellebecq im Kapitel II, 7 innerhalb der zweiten Tiererzählung Dialogues d’un teckel et d’un caniche sowie in dem unmittelbar anschließenden Kapitel II, 8 ausbreitet. Hier wird auch der Romantitel Extension du domaine de la lutte erklärt. Sie besagt: In Zeiten des sich rasant ausbreitenden Liberalismus ist das sexuelle Kapital, neben dem finanziellen Kapital, zu einem weiteren gesellschaftlichen Differenzierungs­system geworden. Kurz: „La sexualité est un système de hiérarchie sociale“ (EDL 106). Die Verteilung des Kapitals unter den Individuen ist ungerecht. Während die einen, die Fohlen, Sex im Überfluss haben können, bleibt für die anderen, die Kühe, nur „ la masturbation et la solitude “ (EDL 115). Der Zusammenhang zwischen den theoretischen Ausführungen in II, 8 und der ersten Tiererzählung wird auch dadurch markiert, dass der Erzähler in II, 8 in La Roche-sur-Yon Kühe betrachtet und das Kapitel mit „Retour aux vaches “ überschrieben ist.

3.2 ZU STIL UND METHODE DER DIALOGUES D'UNE VACHE ET D'UNE POULICHE

Thomas Hübener unterscheidet in seiner ausführlichen Studie zur EDL Maladien für Millionen drei Tonhöhen, zwischen denen der Roman mit „teils radikale[n] Duktuswechsel[n]“6 changiert. Als erstes macht er einen Stil der „narrative[n] Nüchternheit“7 aus. Dieser manifestiert sich vor allem durch Parataxen, Ellipsen, Wiederholungen und Abbreviaturen. Der Erzähler der EDL erläutert diesen Stil an zwei Stellen innerhalb des Romans selbst; wir wollen die erste Stelle, in I, 3, in den Blick nehmen. Hier äußert er seine Ablehnung gegenüber den großen psychologischen Romanen des 18. und 19. Jahrhunderts:

Toute cette accumulation de détails réalistes, censés camper des personnages nettement différenciés, m'est toujours apparue, je m'excuse de le dire, comme pure foutaise. (EDL 20)8

Ein solches literarisches Projekt scheint dem Erzähler mit Blick auf die Menschen des späten 20. Jahrhunderts und die „zeitgenössischen Konformismustendenzen“9 schlicht nicht mehr zeitgemäß. Seine Diagnose:

„Sous nos yeux, le monde s'uniformise ; les moyens de télécommunication progressent ; l'intérieur des appartements s'enrichit de nouveaux équipements. Les relations humaines deviennent progressivement impossibles, ce qui réduit d'autant la quantité d'anecdotes dont se compose une vie.“ (EDL 21)10

Sein Vorhaben:

„Pour atteindre le but [...] il me faudra au contraire élaguer. Simplifier. Détruire un par un une foule de détails.“ (EDL 21)

Seine Mittel sind die oben genannten: Parataxe, Ellipse, Wiederholung, Abbreviatur. Hübener weist daraufhin, dass „bei einer Betrachtung des wortkargen Erzählerduktus [...] auch seine Depressivität veranschlagt werden“ müsse, schließlich „äußern sich Depressionen häufig in einer Einschränkung der sprachlichen Kompetenz“.11 In diesem ersten der drei Stile ist der größte Teil der EDL gehalten. Die erste Tiererzählung gehört nur sehr bedingt dazu.

Ihr erster Satz „Considérons en premier lieu la vache bretonne“12 erinnert an die Sprechweise eines Naturforschers und lässt jene Tonhöhe vermuten, die Hübener den „Stil der Wissenschaftlichkeit“13 nennt. Sie zeichnet sich unter anderem durch „Verweigerung der sprachlichen Ausschmückung" aus. Hübener sieht in dieser Verweigerung einen „Indikator für eine - mittlerweile gewiß in hohem Maß klischierte - Form von Wissenschaftlichkeit, welche sich scheut, durch Zeichen von Rhetorizität bzw. Literarizität den Verdacht von Persuasivität und damit den Anschein zu erwecken, daß der Inhalt ohne Sukkurs durch die Form nicht zu überzeugen wissen könne.“14 Ein weiteres Merkmal für den wissenschaftlichen Stil ist die Verwendung von Fachterminologie. Beide Charakteristika liegen in der ersten Tiergeschichte nicht direkt vor. Zwar bedient sich der Binnen-Erzähler der Fachsprache der Viehzüchter, wenn er vom „se faire remplir“ (EDL 15) spricht, distanziert sich aber durch den Einschub „ comme les disent les éleveurs dans leur parier cynique“ (ebd.) gleichzeitig wieder von diesem Terminus. Als weitere Fachtermini lassen sich allenfalls noch die „programmation génétique“ und die „texture harmonique“ ausmachen (EDL 14). Wendungen, die auf eine bewusst gewählte Literarizität hinweisen, und die laut Hübener dem wissenschaftlichen Stil abgehen, lassen sich hingegen sehr wohl ausmachen, so in der Formulierung „nul frémissement d’angoisse ne vient troubler le regard pathétique de ses yeux brun clair“ oder in der unpräzisen Beschreibung des Muhens, dass sich dergestalt verändere, dass es an „certaines plaintes qui échappent aux fils de l’homme“ erinnere (ebd.).

Wenn also auch stilistisch inkongruent, ist die erste Tiergeschichte dennoch eher einem wissenschaftlichen Feld zuzuordnen, das durch ihren ersten Satz „Considerons en premier lieu la vache bretonne“ markiert wird. Sie verschreibt sich einer Methode der Beobachtung (observation), die auf den im späteren Verlauf des Romans angerufenen Begründer der Experimentalmedizin, Claude Bernard, zurückweist. Die Beobachtung, so Hübener, „beschränkt sich auf die Registrierung von natürlich ablaufenden Fakten“15 und grenzt sich dadurch vom Experiment als „provozierte[r] Beobachtung“ sowie der Hypothesierung ab. Solche ,natürlich ablaufenden Fakten' schildert uns der Binnen-Erzähler bei der Betrachtung ,der‘ bretonischen Kuh (wobei schon der bestimmte Artikel auf eine gene­ralisierende Exemplarizität verweist) und ihrer stetig und vorhersehbar wiederkehrenden Wechsel zwischen zwei Phasen, „précisément spécifiées par 'inexorable fonctionnement de la programmation génétique“ (EDL 14).

3.3 EXKURS FÜR DEN PHILOSOPHEN

Nachdem der Binnen-Erzähler den Alltag der bretonischen Kuh eingeführt hat, macht er folgenden Exkurs:

Tout cela semble de fort bon aloi, tout cela semble méme indiquer une profonde unité existentielle, une identité a plus d'un titre enviable entre son étre-au-monde et son étre-en-soi. Hélas, en occurence, le philosophe se trouve pris en défaut et ses conclusions, quoique fondées sur une intuition juste et profonde, se verront frappées d'invalidité s'il n'a auparavant pris la précaution de se documenter auprès du naturaliste. (EDL 14)

Hier wird ein Spannungsfeld zwischen Natur- und Geisteswissenschaften evoziert: Der Erzähler der EDL ist als Informatiker im weiteren Sinne den Naturwissenschaften zuzuordnen, seine Thesen besetzen Gebiete der Geisteswissenschaften (Soziologie), um sie zu erläutern und zu belegen, bedient er sich wiederum naturwissenschaftlicher Methoden von Be­obachtung, Hypothese und Experiment.16

Darüber hinaus liefert der Exkurs mit der indirekten Ansprache des philosophe aber auch einen Seitenhieb auf die Philosophen Martin Heidegger und Jean-Paul Sartre, der hier in einer der Komplexität der Begrifflichkeiten ungemäßen Knappheit kommentiert werden soll. Mit dem etre-en-soi wird auf einen zentralen Terminus in der Philosophie Sartres verwiesen, der in seinem Hauptwerk L’etre et le néant denjenigen „Seinsstatus der Dingwelt bezeichnet, welchen die Identität mit sich selbst, Massivität, Opazität, die fehlende Dualität von innen und außen, die Abwesenheit von Reflexivität sowie das Vorliegen einer Fülle, welche keinerlei Riß aufweist, ,durch den das Nichts hineingleiten könnte', kennzeichnet“17. Ihm komplementär gegenüber steht der Begriff des pour-soi, der den Seinsstatus des Menschen bezeichnet. Jenes etre pour-soi ist durch eine „in die Zukunft gerichtete Entwurfsstruktur“18 charakterisiert. Im Unterschied zum Ding ist der Mensch, wie es in der sprichwörtlich gewordenen Formulierung heißt, zur Freiheit verurteilt.

Das etre-au-monde wiederum verweist auf Heideggers Begriff vom „geworfen-entwerfenden In-der-Welt-sein[ ]“19. Der Mensch, in Heideggers Terminologie das Seiende, ist gleichzeitig in die Welt ge worfen und zum Ent wurf gezwungen.“

[...]


1 Michel Houellebecq: Interventions. Paris 1998, S. 7.

2 Ein möglicher Zusammenhang zwischen den immer knapper werdenden Einheiten und dem zunehmenden Verfall des Erzählers kann hier nicht untersucht werden. Es sei aber auf das dritte Kapitel des Romans verwiesen, in dem der Erzähler offenlegt: „Pour atteindre le but, [...] il me faudra au contraire élaguer. Simplifier. Détruire un par un une foule de détails. J’y serai d’ailleurs aidé par le simple jeu du mouvement historique. Sous nos yeux, le monde s’uniformise [...]. Les relations humaines deviennent progressivement impossibles, ce qui réduit d’autant la quantité d’anecdotes dont se compose une vie.“ (EDL 21) - Vereinfacht gesagt: Wer nicht mehr vor die Tür geht, wer nichts mehr erlebt, der hat nichts mehr zu erzählen und so werden seine Berichte immer knapper.

3 Dominique Noguet: Houellebecq, en fait. Paris 2003, S. 30.

4 Die zahlreichen autobiographischen Bezüge im Werk Houellebecqs - am sichtbarsten wenn etliche seiner Protagonisten ebenfalls den Vornamen Michel tragen oder er in La carte et le territoire gar einen Autor namens Michel Houellebecq auftreten lässt - sind trügerisch, denn sie bergen in sich die Gefahr der Verwechslung von Figur und Autor, siehe dazu Julia En>

5 Die deutsche Übersetzung Ausweitung der Kampfzone übersetzt pouliche schlicht mit ,Fohlen‘ und unterschlägt dabei die Konnotation der noch jungen, aber bereits relevanten Sexualität des Tieres sowie die Verwendung von pouliche als pejorativen, umgangssprachlichen Ausdruck für eine ,junge Frau‘, die bspw. in der präziseren Übersetzungen ,Jungstute‘ zu Tage tritt. Um kohärent zu bleiben, verwendet die vorliegende Arbeit dennoch den Ausdruck ,Fohlen‘.

6 Thomas Hübener: Maladien für Millionen. Eine Studie zu Michel Houellebecqs Ausweitung der Kampfzone. Hannover-Laatzen 2007, S. 392.

7 ebd.

8 Auf das Paradox, dass der Autor Houellebecq durchaus von den großen Romanen des 19. Jahrhunderts, namentlich von Balzac und Zola, beeinflusst ist, werde ich hier nicht näher eingehen.

9 Hübener 2007, S. 393.

10 In der zweiten poetologischen Passage in den EDL verkündet der Erzähler: „Cet effacement progressif des relations humaines n’est pas sans poser certains problèmes au roman. Comment en effet entreprendrait-on la narration de ces passions fougueuses, s’étalant sur plusieurs années, faisant parfois sentir leurs effets sur plusieurs générations ? Nous sommes loin des Hauts de Hurlevent [Hervorhebung im Original, Anspielung auf Emily Brontës ,Sturmhöhen‘] , c’est le moins qu’on puisse dire. La forme romanesque n’est pas conque pour peindre l’indifférence, ni le néant ; il faudrait inventer une articulation plus plate, plus concise et plus morne.“ (EDL 49f.) - Bemerkenswerterweise hat sich der Autor Houellebecq dennoch in den vergangenen 25 Jahren vor allem durch seine Romane hervorgetan. Es bliebe zu diskutieren, ob hier die vollständige Abkehr vom Roman oder doch eher das Finden eines neuen Romans (der sicher nicht der nouveau roman ist) gefordert wird.

11 Hübener 2007, S. 395. Akribisch und anhand etlicher Textstellen legt Hübener anschließend offen, wie die deutsche Übersetzung hinsichtlich der Verknappung nachlässig ist, so bspw. wenn das maximal kurze „Simplifier.“ (EDL 21) unnötig länger mit „Ich werde vereinfachen müssen.“ (AdK 19) übersetzt ist. Auch darauf werde ich hier nicht näher eingehen, die Lektüre des Stilkapitels bei Hübener ist aber empfehlenswert.

12 An dieser Stelle sei angemerkt: Es spielt für das Verständnis der Tiererzählung keine Rolle, ob wir eine bretonische Kuh oder jede andere Kuh betrachten. Der Erzähler wurde, so berichtet, allerdings von einem „bref séjour professionnel dans le pays de Léon“ zur Niederschrift inspiriert, und das Pays de Léon liegt nunmal in der Bretagne.

13 ebd., S. 416.

14 ebd.

15 ebd., S. 417.

16 Ein Beispiel für eine Beobachtung liefert ebenjene Ausführung über die bretonische Kuh. Hypothesen lassen sich in II, 7 in der zweiten Tiererzählung, bei den beiden generischen Liebespaaren Frangoise und Frangois sowie Marthe und Martin finden. Experimente werden mit der Schulkameradin Brigitte Bardot, sowie mit dem Arbeitskollegen Tisserand, der an Heiligabend zu einem Mord angestachelt werden soll, durchgeführt.

17 Hübener 2007, S. 149.

18 ebd.

19 Martin Heidegger: Sein und Zeit. Tübingen 1996, S. 118.

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Über die "fictions animalières" im Debütroman "Extension du domaine de la lutte" von Michel Houellebecq
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin
Note
1,3
Jahr
2020
Seiten
27
Katalognummer
V948935
ISBN (eBook)
9783346289988
ISBN (Buch)
9783346289995
Sprache
Deutsch
Schlagworte
über, debütroman, extension, michel, houellebecq
Arbeit zitieren
Anonym, 2020, Über die "fictions animalières" im Debütroman "Extension du domaine de la lutte" von Michel Houellebecq, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/948935

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