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Der Bildungserfolg von Kindern mit Migrationshintergrund. Die Rolle von ethnischer und institutioneller Diskriminierung

Title: Der Bildungserfolg von Kindern mit Migrationshintergrund. Die Rolle von ethnischer und institutioneller Diskriminierung

Term Paper , 2016 , 24 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Katrin Geier (Author)

Pedagogy - Integration
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Summary Excerpt Details

Die Arbeit analysiert, welche Ursachen dem Bildungserfolg von Kindern mit Migrationshintergrund zugrunde liegen können. Der Fokus liegt dabei auf möglichen Formen der Diskriminierung im Bildungssystem, die sich insbesondere negativ auf den Bildungserfolg von Kindern mit Migrationshintergrund auswirken. Ob solche Diskriminierungen existieren und an welchen Stellen sie zum Einsatz kommen bzw. kommen können, wird in der Arbeit erörtert.

Hierfür wird zunächst die Situation von Kindern mit Migrationshintergrund im deutschen Bildungssystem näher erläutert. Im Anschluss daran werden die im fachlichen Diskurs genannten Ursachen skizziert und mögliche Formen von Diskriminierungen im Schulalltag sowie ihre Folgen beschrieben. Abschließend werden die im Fachdiskurs vorhandenen Positionen dargestellt.

Bildung und Wissen sind zentrale Ressourcen in unserer Gesellschaft. Neben Geld haben sie entscheidenden Einfluss auf die Handlungs- und Gestaltungsspielräume von Menschen. Bildung ist in kapitalistisch geprägten Gesellschaften aber auch ein Wirtschaftsfaktor, der die Wettbewerbsfähigkeit steigert, Innovationspotenzial fördert und somit auch zum Wirtschaftswachstum entscheidend beiträgt. Die Vermittlung von Bildung und Wissen geschieht in modernen Gesellschaften vorrangig institutionell, also über Bildungseinrichtungen, die staatlich strukturiert und reglementiert sind. Bildung ist somit auch ein Politikum und je nach politischem Lager existieren unterschiedliche Auffassungen darüber, wie Bildungsungleichheit zu bewerten ist, wann sie gerechtfertigt ist bzw. wann sie als ungerecht gilt.

Als Orientierungsrahmen dient dabei meist das Leistungsprinzip: Chancengleichheit bedeutet in diesem Sinne also keine Ergebnisgleichheit, denn Ungleichheiten beim Bildungserfolg werden bei ungleicher Leistung gerechtfertigt. Diese Rechtfertigung setzt jedoch auch voraus, dass gleiche Handlungsmöglichkeiten bei den Akteurinnen und Akteuren bestehen müssen. Insbesondere der Pisaschock im Jahr 2001 hat deutlich gemacht, dass etliche Defizite im deutschen Bildungssystem existieren. Zum einen zeigen sich diese bei den kognitiven Fähigkeiten und hier insbesondere in der Lesefähigkeit, im Textverstehen und im Mathematikverständnis. Zum anderen wurde durch die Ergebnisse der PISA-Studie, die von der OECD durch-geführt wird, aber auch deutlich, dass sich in Deutschland anhand der Dimension der sozialen Herkunft eine sehr deutliche Bildungsungleichheit abzeichnet.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zur Situation von Kindern mit Migrationshintergrund im deutschen Bildungssystem

3. Ursachen

3.1. Merkmalsbezogene Ursachen

3.2. Schulorganisatorische und institutionell begründete Ursachen

4. Theoretische Hinwendung zum Begriff Diskriminierung

5. Diskriminierung im schulischen Kontext

6. Wissenschaftliche Positionen

7. Schlussbetrachtung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit analysiert die Ursachen für die bestehenden Bildungsdisparitäten zwischen Kindern mit und ohne Migrationshintergrund in Deutschland, wobei der Fokus insbesondere auf möglichen Formen der Diskriminierung im schulischen Kontext liegt.

  • Bildungsbeteiligung und -erfolg von Kindern mit Migrationshintergrund
  • Merkmalsbezogene vs. institutionelle Erklärungsansätze für Bildungsungleichheit
  • Theoretische Grundlagen und Definitionen von Diskriminierung
  • Institutionelle Diskriminierungsprozesse und Selektionsmechanismen
  • Rolle von Lehrkräften und schulischen Strukturen bei der Leistungsbeurteilung

Auszug aus dem Buch

3.2. Schulorganisatorische und institutionell begründete Ursachen

Die zweite Argumentationslinie nimmt somit die Merkmale der Institution Schule in den Fokus. Hauptargumente für die schlechtere Performance von Kindern mit Migrationshintergrund an deutschen Schulen sind hier die mit dem Schulbesuch zusammenhängenden Kontextbedingungen – beispielsweise die ethnische Zusammensetzung der Klasse oder der Umgang der Lehrkräfte mit den Schülerinnen und Schülern. Die Antidiskriminierungsstelle (ADS) (Bericht der ADS: 88f.) mahnt insbesondere im städtischen Raum Formen einer Segregation an, die anhand eines hohen Anteils an Kindern mit Migrationshintergrund an bestimmten Schulen zum Ausdruck kommt. Einerseits sei dies eine wohnräumliche Segregation, durch die ethnische Zusammensetzung der Stadtteilbewohner_innen verursacht, andererseits durch die Schulwahl der Eltern. Schließlich weisen Studien darauf hin, dass Klassen mit einem sehr hohen Anteil an Kindern mit niedrigem sozioökonomischen Status, und darunter häufig Kinder mit Migrationshintergrund, tatsächlich die Lernfortschritte der Schüler_innen vermindern können (ebd.: 89).

Auch das Argument der niedrigeren Anteile beim Kitabesuch von Kindern mit Migrationshintergrund und die daraus resultierenden Defizite der Kinder bzw. das Nicht-Nutzen eines Angebotes zur Nivellierung von geringeren Bildungschancen, kann innerhalb dieses Argumentationsstranges diskutiert werden. So können auch hier institutionelle Hürden Ursache dafür sein, dass Eltern mit Migrationshintergrund das Kitaangebot weniger für Ihre Kinder nutzen können. Denn es besteht zwar grundsätzlich ein Recht auf einen Kitaplatz, jedoch ist die frühkindliche Bildung nach wie vor freiwillig und kostenpflichtig. Auch das begrenzte Angebot an Kitaplätzen hat eine Reglementierung des Zugangs zur Folge: Meist nur Kindern von arbeitnehmenden Eltern wird ein Platz zur Verfügung gestellt, hinzu kamen/kommen die Kosten eines Kitaplatzes sowie eine mangelnde interkulturelle Öffnung (Ausländerbericht: 52 sowie ADS: 58). Diese Faktoren verursachen eine höhere Barriere, insbesondere für Migrant_innen, die – wie bereits ausgeführt – in weit stärkerem Maße von Arbeitslosigkeit und Armut betroffen sind.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Bedeutung von Bildung als Wirtschaftsfaktor und Ressource, stellt die Bildungsungleichheit im deutschen Schulsystem (insb. PISA-Ergebnisse) dar und definiert den Fokus der Arbeit auf die Rolle von Diskriminierung.

2. Zur Situation von Kindern mit Migrationshintergrund im deutschen Bildungssystem: Dieses Kapitel erörtert die schwierige Datenlage und die Unterschiede in der Bildungsbeteiligung verschiedener Gruppen von Migrant_innen in Deutschland.

3. Ursachen: Es werden zwei Hauptargumentationsstränge diskutiert: merkmalsbezogene Ursachen (u.a. soziale Herkunft, Theorie von Boudon) sowie institutionelle Ursachen.

3.1. Merkmalsbezogene Ursachen: Dieser Abschnitt fokussiert auf familiäre Merkmale, sozioökonomische Faktoren und Bildungsaspirationen als Erklärungsmodelle für Bildungsunterschiede.

3.2. Schulorganisatorische und institutionell begründete Ursachen: Hier steht die Institution Schule selbst im Mittelpunkt, insbesondere Kontextbedingungen wie Segregation, der Zugang zur frühkindlichen Bildung und strukturelle institutionelle Hürden.

4. Theoretische Hinwendung zum Begriff Diskriminierung: Definition und Differenzierung des Diskriminierungsbegriffs (direkt vs. indirekt, individuell vs. institutionell) werden theoretisch hergeleitet.

5. Diskriminierung im schulischen Kontext: Die Übertragung der Diskriminierungsbegriffe auf das Schulsystem, insbesondere statistische und institutionelle Diskriminierung durch Lehrkräfte und Selektionspraktiken, wird analysiert.

6. Wissenschaftliche Positionen: Zusammenfassung der Debatte zwischen Forschenden, die institutionelle Diskriminierung als zentrale Ursache sehen, und jenen, die eher auf andere Einflussfaktoren wie soziale Herkunft verweisen.

7. Schlussbetrachtung: Die Arbeit fasst die Ergebnisse zusammen, plädiert für eine Reorganisation des Schulsystems sowie mehr Sensibilität für Diskriminierung und betont die Notwendigkeit politischer Maßnahmen.

Schlüsselwörter

Bildungserfolg, Migrationshintergrund, Diskriminierung, Institutionelle Diskriminierung, Bildungsungleichheit, Soziale Herkunft, Selektion, Segregation, Lehrkräftebeurteilung, Schulsystem, Bildungsrisiken, Integration, Chancengleichheit, Stereotype, PISA-Studie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Gründe für den unterschiedlichen Bildungserfolg von Kindern mit und ohne Migrationshintergrund in Deutschland und analysiert dabei insbesondere die Bedeutung von Diskriminierungsprozessen im Bildungssystem.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die zentralen Themen umfassen die Bildungsbeteiligung von Migrant_innen, die Unterscheidung zwischen individueller und institutioneller Diskriminierung sowie die Auswirkungen von schulischen Strukturen auf den Bildungserfolg.

Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?

Das Ziel ist es, die Ursachen für Bildungsdisparitäten zu ergründen und aufzuzeigen, an welchen Stellen Diskriminierung im Bildungssystem auftritt und wie diese den schulischen Werdegang von Kindern mit Migrationshintergrund negativ beeinflussen kann.

Welche wissenschaftlichen Methoden kommen zum Einsatz?

Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Aufarbeitung und Synthese bestehender Forschungsergebnisse, Literaturberichte (u.a. PISA-Studie, Bildungsbericht) und soziologischer Theorien (z.B. von Raymond Boudon oder Mechtild Gomolla).

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine Bestandsaufnahme der Bildungssituation, eine differenzierte Analyse merkmalsbezogener und institutioneller Ursachen von Bildungsungleichheit sowie eine theoretische Einordnung und praktische Untersuchung von Diskriminierung im schulischen Umfeld.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind u.a. institutionelle Diskriminierung, sozioökonomischer Status, Bildungsungleichheit, Segregation, Selektionspraxis und ethnische Herkunft.

Was versteht die Autorin unter "institutioneller Diskriminierung" im Schulalltag?

Sie beschreibt damit Strukturen, Routinen und Regeln innerhalb von Schulen, die unabhängig von individuellen Vorurteilen dazu führen können, dass bestimmte Schülergruppen systemisch benachteiligt werden, etwa durch Selektionsentscheidungen beim Schulübergang.

Warum spielt das "meritokratische Modell" in der Argumentation eine Rolle?

Es dient als Referenzpunkt, um zu verdeutlichen, dass das deutsche Schulsystem vorgibt, Leistungen objektiv zu bewerten, während die Autorin aufzeigt, dass soziale und ethnische Faktoren diese "objektive" Beurteilung verzerren können.

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Details

Title
Der Bildungserfolg von Kindern mit Migrationshintergrund. Die Rolle von ethnischer und institutioneller Diskriminierung
College
University of Potsdam
Grade
1,3
Author
Katrin Geier (Author)
Publication Year
2016
Pages
24
Catalog Number
V949603
ISBN (eBook)
9783346288264
ISBN (Book)
9783346288271
Language
German
Tags
Migrationssoziologie Bildung Migrantenkinder Bildungssystem Diskriminierung Institutionelle Diskriminierung Institutioneller Rassismus Rassismus
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Katrin Geier (Author), 2016, Der Bildungserfolg von Kindern mit Migrationshintergrund. Die Rolle von ethnischer und institutioneller Diskriminierung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/949603
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