Inklusion von Kindern mit Handicap an Regelschulen. Öffnung der Lernumgebung


Hausarbeit, 2018

16 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Inklusion
2.1 Definition
2.2 aufkommende Probleme bei der Umsetzung
2.3 Lösungsansätze

3. Schluss

Literaturverzeichnis und Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

„Wenn du immer versuchst, normal zu sein, wirst du niemals erfahren, wie besonders du sein kannst.“ Dieses Zitat von Maya Angelou soll deutlich machen, dass anders sein nicht schlimm ist. Man muss nicht normal sein, um als Teil der Gesellschaft an­gesehen zu werden. Das Zitat verdeutlicht, dass man seine Individualität frei entfal­ten sollte, um seine besonderen Fähigkeiten entdecken zu können.

Das Thema Individualität ist nicht nur eines der wichtigsten Themen im Alltag der Menschen, sondern auch eines der relevantesten Themen bei der Gestaltung des Schulsystems. Nicht jeder ist begabt in Mathematik, Deutsch oder Sprachen. Talente können sich auch in den Bereichen wie Kunst oder Musik entfalten. Damit sich ein Talent voll entfalten kann, muss es unterstützt werden. Bei der Entfaltung dieser Ta­lente brauchen manche Kinder jedoch mehr Unterstützung als andere. Manche Kin­der sind aufgrund eines Handicaps daran gehindert, eine Regelschule wie jedes an­dere Kind zu besuchen. Deshalb hat 2009 die UN Behindertenrechtskonvention be­schlossen, Schüler mit und ohne Handicap gemeinsam zu unterrichten.1 In Deutsch­land ist seit dem fast jedes dritte Kind mit Förderbedarf an einer Regelschule unter­gebracht.2 Durch die steigende Anzahl der Inklusionsanteile an Regelschulen, wer­den sowohl Lehrer als auch Schüler vor viele Herausforderungen gestellt. Das Grundprinzip der Inklusion ist klar: Jedes Kind sollte - ob Handicap oder nicht - am Unterricht an Regelschulen teilnehmen dürfen. Die Frage nach der konkreten Um­setzung des inklusiven Bildungssystems und die Bewältigung der vielen Probleme, die die Inklusion mit sich bringt, bleibt aber nach wie vor offen. Gegenstand dieser Arbeit wird die Lösung dieser vielen Probleme und die Behandlung der Möglichkeiten für eine erfolgreiche Umsetzung der Inklusion sein. Dabei soll keine Klassifizierung der Kinder nach „besonders“ oder „normal“ erfolgen, sondern die Kinder sollen mit der Bezeichnung „individuell“ beschrieben werden. Dieser Begriff soll neutral ver­wendet und verstanden werden. Das Ziel der Arbeit ist schließlich, deutlich zu ma­chen, wie es gelingen kann jedes Kind individuell zu fördern und dabei zu unterstüt­zen, sich voll zu entfalten. Damit dieses Ziel verwirklicht werden kann, wird vor allem der Bezug zur Lernumgebung hergestellt. Es wird untersucht wie die geschlossene Lernumgebung verändert und neu gestaltet werden kann. Letztendlich wird die The­matik behandelt, wie man die Lernumgebung öffnen und schlussendlich jeden in sei­ner Vielfalt „zelebrieren“ kann.

In meinem Lehramtsstudium sind mir einige Lücken im Schulsystem aufgefallen. Da es als angehende Lehrerin in meinem Interesse liegt, diese Lücken zu schließen, habe ich mich dazu entschieden die Probleme und Lösungsansätze für ein paar Themenbereiche zu behandeln. Im Seminar ist die „Gestaltung durch Lernumgebun­gen“ und die daraus entstandenen positiven als auch die negativen Effekte bespro­chen worden. Daher wird in dieser Arbeit die Lernumgebung eine entscheidende Rol­le spielen. Dabei ist auch die Aufgabe des Lehrers, jedes Kind individuell zu unter­stützen, ein bedeutender Teil. Die vorliegende Arbeit wird sich zunächst mit dem Be­griff „ Inklusion“ auseinandersetzten. Dann werden die Probleme, die bei der Umset­zung der Inklusion auftauchen, untersucht und es wird versucht Lösungsansätze zu finden. Während der Betrachtung der Lösungsansätze wird klar, dass zum einen die heutige Lernumgebung verändert werden muss und zum anderen, dass man nicht nur die Kinder mit Handicap im Fokus betrachten sollte und individuell fördern sollte, sondern auch die, die kein Handicap haben.

2 Inklusion

2.1 Definition

Inklusion ist ein viel diskutiertes und strittiges Thema. Das Wort Inklusion kommt vom lateinischen Subjekt „inclusio“, was „Einschluss“ be- deutet.3 Unter dem Begriff „Inklusion“ versteht man laut Duden im Rahmen der Päd­agogik „die gemeinsame Erziehung behinderter und nicht behinderter Kinder in Kin­dergärten und [Regel]schulen“.4 In Bezug auf die Gesellschaft jedoch kann „Inklusi­on“ als das Miteinbeziehen von jedem und die gleichberechtigte Teilhabe von jedem an etwas definiert werden.5 Der Gegensatz wäre Exklusion. Aufgrunddessen, dass Inklusion in vielen Bereichen von Bedeutung ist, ist hierbei anzumerken, dass es keine allgemein­gültige Definition gibt und die Begriffserklärungen für „Inklusion“ voneinander abweichen können. So ist nach Hinz (2010) die Inklusion „Pädago­gisch betrachtet [...], Vielfalt willkommen zu hei- ßen“6 Um den Rahmen der vorliegenden Arbeit einzugrenzen, wird der Inklusionsgedanke hauptsächlich in Bezug auf das Bildungssystem betrachtet.

Wichtig in diesem Zusammenhang ist außerdem die Abgrenzung der Begriffe „ Inklusion“ und „In­tegration“, da diese oftmals als Synonym ver­wendet werden. Während Integration als das Hineinnehmen eines Menschen in ein bereits existierendes System ist, meint Inklusion hinge­gen eine von Beginn an für jeden einzelnen ge­rechte Struktur, in der keiner abgestempelt oder ausgeschlossen wird. Dabei wird von Minka Wol­ters betont, dass es von Bedeutung ist, dass Kinder mit einer Behinderung an diesem System teilnehmen „wollen“, aber „nicht müssen.“7 8

Im Dezember 2009 wurde von der UN-Behindertenrechtskonvention der Artikel 24 verabschiedet. In jenem Artikel 24 Bildung der Behindertenrechtskonvention wurde entschieden, dass Menschen mit Behinderung ein Recht auf Bildung haben. Die UN­Behindertenrechtskonvention formuliert es folgendermaßen: „Um dieses Recht ohne Diskriminierung und auf den Grundlagen der Chancengleichheit zu verwirklichen, gewährleisten die Vertragsstaaten ein integratives [inklusives]9 Bildungssystem auf allen Ebenen und lebenslanges Lernen.“10 Die angestrebten Ziele sollen dabei im weiteren genauer betrachtet werden. Diese sind von der Behindertenrechtskonventi­on im Artikel 24 Bildung ausgearbeitet worden. Das erste Ziel besagt, dass die Men­schen sich selbst bewusst werden und dieses Bewusstsein voll entfalten können sol­len. Dabei sind „die Achtung vor den Menschenrechten, den Grundfreiheiten und [der] menschlichen Vielfalt“11 wichtige Grundsätze, auf die man bewusst Wert legen soll. Der zweite Absatz betont nochmals ausdrücklich die Möglichkeit, die den Kin­dern mit Handicap gegeben werden sollte. Die Gelegenheit, die eine volle Entfaltung in ihrer Persönlichkeit, ihren Talenten, ihres Ideenreichtums „sowie ihre[r] geistigen und körperlichen Fähigkeiten“12 ermöglicht. Das dritte und somit nochmal ein grund­legendes Ziel ist, dass Menschen mit Handicap eine Bevollmächtigung zur tatsächli­chen Mitwirkung an einer uneingeschränkten Gesellschaft bekommen.13 Den ersten wichtigen Schritt hat die Behindertenrechtskonvention unternommen und sich dazu verpflichtet, ein inklusives Bildungssystem einzuführen. Zusätzliche Ziele stellt Ahr­beck fest ist, die auf verschiedenen Stufen gewinnbringende Entstehung einer schu­lischen Gemeinschaft. Ebenfalls soll dies auch auf Leistungsebene, durch optimale Anpassung des Lehrunterrichts, den Leistungsstärksten zu den am meisten Benach­teiligten profitabel sein.14 Die Ziele, die durch die Inklusion erreicht werden sollen, wurden festgelegt. Der Artikel 24 kommt nun zum zweiten Hauptpunkt und auch zu einem sehr wichtigen. Es geht um die Verwirklichung dieses Rechts. Dabei muss wiederholt die Sicherstellung des Rechts durch die Vertragsstaaten betont werden. Die Kinder sollen nicht von der Teilhabe des allgemeinen Bildungssystems ausge­schlossen werden, dies bezieht sich auf die Grundschule und auch die weiterführen­de Schule.15 Außerdem sollen sie Gleichberechtigung in der Gemeinschaft erfahren. Um am Alltag teilhaben zu können, sollen die entsprechenden Veränderungen und Maßnahmen, die notwendig sind, durchgeführt werden.16 Hinzuzufügen ist, dass im Allgemeinen die Fördermittel die von Nöten sind, für die Kinder mit einer Beeinträch­tigung zur Verfügung gestellt werden sollen, damit sie ebenfalls eine erfolgreiche Bil­dung erfahren können. Aus diesem kurzen Einblick in den Artikel 24, stellt sich her­aus, dass die UN - Behindertenrechtskonvention 2009 die grundlegenden Initiative für einen Erfolg der Inklusion gelegt hat. Jedoch werfen die Ergebnisse folgende Frage auf: Warum kann Inklusion nicht gelingen? Um diese Fragen zu klären, wird das Konzept „Inklusion“ tiefgehender untersucht.

2.2 Aufkommende Probleme bei der Umsetzung

Die theoretische Grundlagen für das Recht zur Inklusion hat die UN-Behinderten­rechtskonvention gesetzt und sich dazu verpflichtet. Allerdings wird man in der Praxis mit sehr vielen Problemen konfrontiert. Um welche Probleme es sich dabei handelt, wird im Folgenden erläutert. Bernd Ahrbeck setzt sich mit dem Konzept Inklusion kri­tisch auseinander. Laut ihm sind die Anforderungen und Erwartungen, die die Inklu­sion erfordert, enorm. Diese verlangen eine massive Umstrukturierung des Schulsys­tems.17

Solch eine Umstrukturierung bedingt allerdings ein solides Finanzierungskonzept. Somit ist Inklusion mit einem Kostenaufwand verbunden, den es gilt zu verringern.18 Daher ist eine oft gestellte Frage: Ist eine Auflösung der Förderschulen sinnvoll oder sollen Förder- und Regelschulen nebeneinander bestehen bleiben? Eine Beantwor­tung dieser Frage gestaltet sich jedoch schwierig. Der Umgang mit dieser Thematik ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. Während einige Bundesländer eine zeitnahe und völlige Auflösung der Förderschulen anstreben, setzten andere Bundesländer wiederum auf eine sukzessive Reduktion dieser. Das bedeutet eine Beobachtung der Entwicklung von Inklusionsschulen, sodass Förderschulen nach Bedarf aufgelöst oder beibehalten werden.19 Gemäß Udo Beckmann ist diese Pro­blematik nicht alleine durch den Abbau von Förderschulen geklärt.20

Damit Inklusion überhaupt gelingen kann, spielen mehrere Faktoren eine Rolle. Eine ganz wichtige Voraussetzung laut Trapp ist es, angemessene Rahmenbedingungen zu schaffen. Hierfür ist es wiederum entscheidend, betroffene Mitarbeiter entspre­chend weiterzubilden und dabei schrittweise vorzugehen.21

Ein weiteres Problem ist die Inklusion als solche, da sie sich auf den Schulablauf in verschiedenen Bereichen auswirkt. Auf die Individualität eines Inklusionskindes muss unterschiedlich eingegangen werden. Dies erfordert vom Lehrer eine Auseinander­setzung mit dem entsprechenden Handicap des Kindes. Doch das ist bei Weitem nicht alles. Es stellt sich die Frage nach der Einbindung in den Unterricht und der un­terschiedlichen Aktivitäten in der Schule. Nach der Aufgabenverteilung und der dazu­gehörigen Betreuung sowie der Notengebung. Allen Kindern gerecht zu werden ist dabei die größte Herausforderung für einen Lehrer.22 Fehlt außerdem die entspre­chende Unterstützung, Vorbereitung oder wichtige Schulungen, wundert es nicht, dass die Angst der Lehrer vor der Inklusion ein großes Problem darstellt.23 Entschei­dend ist es, ein Bewusstsein für die Inklusion bei Lehrern hervorzurufen und die Ein­bindung von Kindern mit Handicap als Potenzial zu sehen, welches richtig genutzt werden soll.24

[...]


1 Vgl. Kotzer, M./ Richter, C. S.82

2 Vgl. Klemm, Klaus (2015). S.6

3 Quack A./ Schmidt A. (2013). S.4

4 https://www.duden.de/rechtschreibung/Inklusion

5 Ebd.

6 Hinz, A. (2010). S.191

7 Wolters, M. (2014). S.14

8 UN - Behindertenrechtskonvention (2009). Artikel 24

9 UN - Behindertenrechtskonvention (2009). Artikel 24

10 Ebd.

11 Ebd.

12 Ebd.

13 Vgl. Ahrbeck, B. (2016). S.6, 11

14 Vgl. Ahrbeck, B. (2016). S.6

15 Vgl. Ebd. S.69

16 Vgl. Ebd. S.12

17 Vgl. Ebd. S.69

18 Vgl. Wolters, Minka (2014). S.68-69

19 Vgl. Ebd.

20 Vgl. Schenz, C. / Schenz A. (2013). S.135

21 Vgl. Wolter, M. (2014). S.68

22 Vgl. Ebd.

23 Kiel, E. (2014). S.5

24 Wolters, M (2014). S.68

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Inklusion von Kindern mit Handicap an Regelschulen. Öffnung der Lernumgebung
Note
1,7
Autor
Jahr
2018
Seiten
16
Katalognummer
V950045
ISBN (eBook)
9783346290465
ISBN (Buch)
9783346290472
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Inklusion, Lernumgebung, Sonderpädagogik, offener Unterricht, Individualism, Vielfalt
Arbeit zitieren
Cansu Günay (Autor), 2018, Inklusion von Kindern mit Handicap an Regelschulen. Öffnung der Lernumgebung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/950045

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