Welche Vorstellungen über Soziale Arbeit haben angehende Sozialarbeiter_innen, die sich außerhalb wissenschaftlicher Fachdiskurse dem Thema widmen? Welche Erwartungen über die spätere Berufspraxis Sozialer Arbeit schlagen sich in diesen nieder? Und inwiefern beeinflussen Erfahrungen außerhalb der akademischen Ausbildung diese, insbesondere dann, wenn sie in einem Arbeitsfeld der Sozialen Arbeit gesammelt werden, noch dazu in einem öffentlich aufgeladenen Spannungsfeld mit erheblichem Potenzial im Positiven, wie im Negativen? Wie reagieren die Einflussfaktoren eigener „laienhafter“ Erfahrungen auf die Vorstellung einer späteren professionellen Berufspraxis miteinander, wenn sie in einen Sinnzusammenhang gebracht werden?
Diese Abschlussarbeit des Masterstudienganges „Bildung und Soziale Arbeit“ ergründet diese Fragen im kleinen Rahmen einer nicht-repräsentativen Untersuchung im Rückgriff auf zwei für diesen Zweck arrangierte Gruppendiskussionen, an denen Studierende der Sozialen Arbeit teilnahmen, welche sich ehrenamtlich in der Geflüchtetenhilfe engagier(t)en. Sie ist somit eine
inhaltliche Auseinandersetzung mit dem, was sie dadurch im Werden begriffen ist: nicht nur die abschließende Berufsqualifikation des Verfassers, sondern auch ein Entwicklungsschritt zur jeweils eigenen, ganz individuellen Professionalisierung aller Beteiligten. Der Fokus liegt dabei auf den subjektiv wahrgenommenen Einflussfaktoren einer sozialen Tätigkeit, die im Rahmen eines speziellen Arbeitsfeldes der Sozialen Arbeit, der Geflüchtetenhilfe, freiwillig ausgeübt wird.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
I.) Theoretische Grundlagen
1.Profession Soziale Arbeit
1.1 Begriffsbestimmung „Soziale Arbeit“
1.2 Von der Verberuflichung Sozialer Bewegungen zur Professionalisierung
1.3 Begriffsbestimmung „Beruf“, „Profession“ und „Professionalisierung“
1.4 Allgemeine Professionalisierungstheorien
1.5 Spezifika der Sozialen Arbeit
1.6 Professionalisierungskonzepte der Sozialen Arbeit
1.7 Professionsvorstellungen Studierender der Soziale Arbeit
2. Ehrenamtliches Engagement
2.1 Begriffsbestimmung
2.2 Daten (inkl. Bezug zur Geflüchtetenhilfe)
2.2.1 Engagementquote
2.2.2 Tätigkeitsbereiche
2.2.3 Organisationsformen
2.3 Motivationen (inkl. Bezug zur Geflüchtetenhilfe)
2.4 Verhältnis zwischen Beruf, Ehrenamt und Profession
2.5 Ehrenamt und Soziale Arbeit
3. Geflüchtetenhilfe
3.1 Begriff: Geflüchteter vs. Flüchtling
3.2 Aufgaben und Tätigkeitsbereiche
3.3 Besonderheiten
3.3.1 „Verletzbare Gruppen“
3.3.2 Integrationsbarrieren von Geflüchteten
II.) Eigene Untersuchung
4. Empirische Erhebung: „Einflüsse eines ehrenamtlichen Engagements in der Geflüchtetenhilfe auf die Professionsvorstellungen von angehenden Sozialarbeiter_innen“
4.1 Zum Untersuchungsgegenstand
4.2 Reflexion der eigenen Involviertheit
4.3 Datenerhebungsmethode und Auswertungsverfahren
4.4 Plan und Durchführung
4.4.1 Auswahl und Suche von Gruppendiskussionsteilnehmer_innen
4.4.2 Gruppenkonstellation
4.4.3 Der geplante Diskussionsaufbau
4.4.4 Erfassung der Gruppendynamik
4.4. 5 Analyse
5. Ergebnisse
5.1 Verläufe der Gruppendiskussionen
5.1.1 Die erste Gruppendiskussion
5.1.2 Die zweite Gruppendiskussion
5.1.3 Gemeinsamkeiten und Unterschiede
5.2 Diskussionsinhalte
5.2.1 „richtige“ und „falsche“ Hilfe
5.2.2 Was ist professionell?
5.2.3 Politische Positionierung
5.3 Professionsvorstellungen der Ehrenamtlichen
5.4 Einflüsse eines ehrenamtlichen Engagements in der Geflüchtetenhilfe
6. Resümee
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, wie ehrenamtliches Engagement in der Geflüchtetenhilfe die Professionsvorstellungen von Studierenden der Sozialen Arbeit beeinflusst. Ziel ist es, durch eine explorative Studie Licht auf die Schnittmenge von Geflüchtetenhilfe, Ehrenamt und dem Professionalisierungsdiskurs der Sozialen Arbeit zu werfen und zu verstehen, wie praktische Erfahrungen außerhalb der akademischen Ausbildung das Bild der angehenden Sozialarbeiter_innen von ihrer Profession prägen.
- Einfluss ehrenamtlicher Praxis auf die berufliche Identitätsbildung
- Verhältnis zwischen professioneller Sozialer Arbeit und Ehrenamt
- Herausforderungen der Geflüchtetenhilfe als Arbeitsfeld
- Entwicklung eines berufsethischen Verständnisses im Studium
- Politisierung der Sozialen Arbeit durch gesellschaftliche Anforderungen
Auszug aus dem Buch
1.1 Begriffsbestimmung „Soziale Arbeit“
Laut Kleve ist es bisweilen ungeklärt und weitgehend unbestimmt, was mit „Soziale Arbeit“, „Sozialarbeit“ und „Sozialpädagogik“ eigentlich gemeint ist (vgl. Kleve 2000, S.67). Die Frage danach, was Soziale Arbeit ist, ist für ihn daher eine Grundfrage sozialarbeiterischer Disziplin und Profession, die aufgrund des ständigen sozialen Wandels immer wieder neu gestellt werden muss (vgl. Kleve, 2003, S.15). Im Wörterbuch Soziale Arbeit heißt es dementsprechend allgemein gehalten, dass die „Soziale Arbeit“ aus unterschiedlichen Gründen als „Oberbegriff für «Sozialpädagogik» und «Sozialarbeit» verwendet“ (Kreft/Mielenz, 2013, S.773) wird. Um diesen Oberbegriff glaubhaft verwenden zu können müsse er „Überzeugende Auskünfte“ (ebd.) über seine Arbeitsfelder, Ziele, zentralen Begrifflichkeiten, Tätigkeiten, Konzepte, Methoden und Verfahren geben (vgl. ebd., S.776f.). Das ist auch deshalb nötig, weil die Soziale Arbeit aus einer Gemengelage an diffusen Aktivitäten besteht, die sich teils ergänzen, teils widersprechen, oder (scheinbar) nicht in Verbindung miteinander stehen (vgl. Wendt, 1995, S.22).
„Der Spielraum Sozialer Arbeit ist offen, und sie erfolgt darin bei synchroner Betrachtung flexibel und variabel. Die Mitwirkenden sind verschieden motiviert, und sie denken sich nicht das Gleiche bei ihrem Engagement. Es wäre recht «unsozial» […] aussagen zu wollen, worin das Wesen der Sozialen Arbeit besteht. [...] In ihr, der Arbeit selber, konkurrieren in der Gesellschaft verbreitete Anschauungen: politische, moralische, religiöse, alltagspragmatische und idealistische von einem besserem [sic] Leben und besseren Welt.“ (Wendt, 1995, S.24f.)
Zusammenfassung der Kapitel
1.Profession Soziale Arbeit: Dieses Kapitel umrahmt die Soziale Arbeit als Profession und Disziplin, beleuchtet ihre Geschichte, professionstheoretische Grundlagen und die bereits bestehende Forschung zu studentischen Professionsvorstellungen.
2. Ehrenamtliches Engagement: Hier erfolgt eine Begriffsbestimmung des Ehrenamts, eine Darstellung von Motiven und Strukturen sowie eine Analyse des ambivalenten Verhältnisses zwischen ehrenamtlicher Arbeit und professioneller Sozialer Arbeit.
3. Geflüchtetenhilfe: Dieser Teil beleuchtet das spezifische Arbeitsfeld der Geflüchtetenhilfe, definiert zentrale Begriffe, Tätigkeitsbereiche und thematisiert die besondere Situation sowie Integrationsbarrieren von Geflüchteten.
4. Empirische Erhebung: Dieser Abschnitt beschreibt das Forschungsdesign, die Reflexion der eigenen Involviertheit sowie die Durchführung der Gruppendiskussionen und das gewählte rekonstruktiv-dokumentarische Auswertungsverfahren.
5. Ergebnisse: Die Ergebnisse präsentieren die Verläufe und Inhalte der Gruppendiskussionen, gegliedert in die Kategorien „richtige“ und „falsche“ Hilfe, professionelle Identität und politische Positionierung, und führen diese zur Beantwortung der Forschungsfrage zusammen.
6. Resümee: Das abschließende Kapitel reflektiert den Forschungsprozess und bietet Empfehlungen für eine stärkere Integration von Praxiserfahrungen und politischer Reflexion in das Studium der Sozialen Arbeit.
Schlüsselwörter
Soziale Arbeit, Geflüchtetenhilfe, Ehrenamt, Professionalisierung, Professionsvorstellungen, Gruppendiskussion, Handlungskompetenz, Menschenrechtsorientierung, Integration, politische Positionierung, Freiwilligenarbeit, Identitätsbildung, Beratung, Soziale Gerechtigkeit, Reflexivität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Einfluss, den ehrenamtliches Engagement in der Geflüchtetenhilfe auf die Vorstellungen von angehenden Sozialarbeiter_innen über ihre Profession hat.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das professionelle Selbstverständnis Sozialer Arbeit, die Dynamiken ehrenamtlicher Tätigkeit, die speziellen Anforderungen der Geflüchtetenhilfe sowie die Frage nach politischer Positionierung im professionellen Handeln.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, explorativ zu erforschen, wie Studierende ihre ehrenamtlichen Erfahrungen in der Geflüchtetenhilfe nutzen, um Begriffe wie „Professionalität“ und „richtiges“ Handeln innerhalb ihrer angestrebten Profession zu deuten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Untersuchung nutzt die qualitative Methode der Gruppendiskussion mit einem rekonstruktiv-dokumentarischen Auswertungsansatz, um kollektive Orientierungsmuster der Teilnehmer_innen sichtbar zu machen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Teil zur Soziale-Arbeit-Profession, dem Ehrenamt und der Geflüchtetenhilfe sowie einen empirischen Teil, in dem Gruppendiskussionen mit Studierenden analysiert und nach Kategorien ausgewertet werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Soziale Arbeit, Geflüchtetenhilfe, Ehrenamt, Professionalisierung, Gruppendiskussion und politische Positionierung.
Welche Rolle spielt die politische Positionierung in der Arbeit?
Die Arbeit stellt heraus, dass die Studierenden eine kritische, menschenrechtsorientierte Haltung als zentralen Bestandteil professioneller Sozialer Arbeit wahrnehmen und diese durch ihre Erfahrungen im Ehrenamt als notwendig für eine gelingende Integration erachten.
Wie unterscheidet sich ehrenamtliche Arbeit von professioneller Arbeit laut der Studie?
Obwohl sich die Tätigkeiten in der Geflüchtetenhilfe oft überschneiden, wird professionelle Arbeit von den Studierenden primär über fundiertes Fachwissen, Reflexionsfähigkeit und die Fähigkeit zur Einordnung in systemische Strukturen definiert, während Ehrenamt oft stärker von unmittelbarem, teils unreflektiertem „Helfen-Wollen“ geprägt ist.
- Citar trabajo
- Fabian Borghoff (Autor), 2017, Einflüsse eines ehrenamtlichen Engagements in der Geflüchtetenhilfe auf die Professionsvorstellungen von angehenden Sozialarbeiter_innen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/950122