Der Strukturalismus nach Claude-Levi Strauss am Beispiel des Ödipusmythos


Hausarbeit, 2020

18 Seiten, Note: 1,7

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Hauptteil
Strukturalismus
Grundzüge des Strukturalismus
Entwicklungsgeschichte des Strukturalismus
Wesenszüge des Strukturalismus von Claude Levi-Strauss
Mythenanalyse
Mythos als Gattung
Mythenanalyse von Levi-Strauss am Beispiel des Ödipusmythos
Kritik

Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

Strukturalismus kommt von Struktur? Oder wovon lässt sich jener ableiten und wonach bestimmen? Laut dem Duden (2020) ist der Strukturalismus eine „wissenschaftliche Richtung, die Sprache als ein geschlossenes Zeichensystem versteht und die Struktur dieses Systems erfassen will“. Zugleich ist er aber auch „eine Forschungsmethode in der Völkerkunde, die eine Beziehung zwischen der Struktur der Sprache und der Kultur einer Gesellschaft herstellt und die alle jetzt sichtbaren Strukturen auf gesichtslose Grundstrukturen zurückführt“ (Ebd.). Doch damit nicht genug, denn ebenso ist er eine „Wissenschaftstheorie, die von einer synchronen Betrachtungsweise ausgeht und allem zugrunde liegende, unwandelbare Grundstrukturen erforschen will“ (Ebd.). Anhand dieser drei Bedeutungen wird klar, dass der Strukturalismus nicht nur schwarz und weiß ist, sondern sehr vielseitig. Er vereint diese drei Benennungen in sich, worauf ich später noch genauer eingehen werde.

Doch warum erwähne ich den Strukturalismus hier überhaupt? Ganz klar, weil es ohne den allgemeinen Strukturalismus, nicht den speziellen nach Claude Levi-Straus geben würde. Jener formulierte eine eigene Grundlage dessen. Und auf dieser wiederum, baut er seine Mythenanalyse auf. Jene Aspekte werden in den Ausarbeitungen meine Themen sein. Zum Anfang beschäftige ich mich mit dem ersten Inhaltspunkt, dem Strukturalismus. D.h. genauer: inwiefern der Strukturalismus entstanden ist, er sich entwickelt hat und was genau ihn charakterisiert. Daraufhin schaue ich mir den Strukturalismus speziell nach Claude Levi-Strauss‘ Auffassungen an.

Im Anschluss tritt der zweite große Themenblock, die Mythenanalyse auf. Das bedeutet, dass ich den Mythos als Form der Gattung untersuche und folgend die Mythenanalyse, nach Claude Levi-Strauss, am Beispiel des Ödipusmythos, bearbeite. Wie schon erwähnt sind diese Gegenstände nicht strikt nach Regeln einzuordnen, sondern lassen einigen Spielraum, hinsichtlich Interpretationen und Auslegungen. Deswegen schließt meine Kritik, positive als auch negative, daran an. Dabei schaue ich, was für mich begründet, nachvollziehbar und anwendbar erscheint und was vielleicht weniger praxisnah und schwieriger umzusetzen ist. Zum Abschluss all dieser Aspekte, werde ich ein Fazit ziehen und meine Meinung begründen. Mein Ziel ist es somit, Claude Levi-Strauss und sein Schaffen in diesem Aufgabenbereich zu untersuchen und aufzuzeigen, dass die Mythenanalyse, verbunden mit dem Strukturalismus, zum ethnografischen Forschen und zur europäischen Volkskunde einfach dazu gehört und ein wesentlicher Bestandteil jener sind.

Hauptteil

Strukturalismus

Grundzüge des Strukturalismus

„Der Strukturalismus ist ein Sammelbegriff für interdisziplinäre Methoden und Forschungsprogramme, die Strukturen und Beziehungsgefüge in den weitgehend unbewusst funktionierenden Mechanismen kultureller Symbolsysteme untersuchen“ (Cassirer, 1945, S.99). Dies einmal kurz zur Begrifflichkeit des Strukturalismus.

Nun stellt sich die Frage, auf welchem Fundament jener gebaut ist. Der Strukturalismus bezeichnet ein Vorrecht des großen Ganzen, gegenüber einzelnen Teilen und probiert eine Beziehung von Erscheinungen als Struktur herzustellen. Strukturen an sich sind für die Organisation und Planung der Realität zuständig, jedoch sind sie erst einmal reine Formalität und besitzen keinen inneren Kern. Einzelnen Materien und genauen Gegenständen stehen sie selbständig gegenüber.

Darauf aufbauend, ist kein Strukturalismus aus einem Guss zu finden. Das bedeutet, dass es strukturalistische Grundzüge gibt, die in den unterschiedlichsten Strukturalismen oft erneut tätig werden und von dem Merkmal einer Struktur zehren. Die Struktur macht somit den Nutzen und die Stabilität der Verbundsteile einer Gesamtheit aus. Objekte, die analysiert werden, werden nicht nur für sich alleine angeschaut, sondern im Gesamten, weil jene nur im Zusammenhang mit anderen analysierbar sind und als Ist-Zustand wahrgenommen werden können. Deswegen muss man die Struktur in den Vordergrund stellen, da jene den Zustand eines Objekts überhaupt erst erschaffen kann. Die Begründung eines Objekts erfolgt mithilfe der kontextuellen Struktur, vor allem durch Begrifflichkeiten, die eine Gegenwirkung, die die Objektarten benennbar werden lassen und dessen Dasein somit erklären können, inne haben. „Beispielsweise besteht ein Wort substanziell nicht als ein Zeichen, das etwas bedeutet, sondern durch gegensätzliche Beziehungen zu anderen Elementen der Sprache; es soll anstelle einzelner Äußerungen die Struktur der Sprache untersucht werden“ (Holcroft, 1998, S.4). Ein Objekt lässt sich erst verstehen, wenn man es mit anderen Objekten in das Verhältnis setzt. Dadurch analysiert man dann, welche Stellung es in dem Gefüge besitzt und inwiefern die reziproken Relationen von statten gehen. Dabei besagt die Strukturalismusmethodik, dass Objekte nicht in einem Sein-Zustand existieren, sondern anhand ihrer Einsortierung in die Strukturen fortleben. Jene Strukturen erfahren einen Einfluss, mithilfe der Vereinbarungen der Bemächtigung, durch Menschen. Demnach entschlüsseln sie, inwieweit sich die Objekte verändern, einteilen und bilden lassen. Nach diesem groben Überblick, komme ich nun zu den Grundzügen des Strukturalismus. Dabei werde ich auf zwei Annahmen näher eingehen. Einerseits steht die These im Raum, dass die Struktur sich als eine Eigenschaft von Systemen sehen lässt. Andererseits herrscht aber auch die Segmentierung als Methode vor.

Zunächst aber einmal zu der Form der Eigenschaft. Der Strukturalismus besagt, dass Zeichen durch das Gefüge anderer Zeichen einen Sinn ergeben und nicht mithilfe des Bezugs, zum eigenen Selbst. Sozusagen ist der Sinn nicht allumfassend anzutreffen, hingegen stets verzögert. Weiterhin kann man als Merkmale von Strukturen, Wandelbarkeit und Offenheit nennen. Somit ist die Bedeutung nicht klar festgelegt und veränderbar. Eine Struktur sieht man demnach als eine Eigenschaft von den Systemen an, die unauffällig agiert. Diese Art von Heimlichkeit erklärt sich Forschern nur dann, wenn sie eine angemessene Ausgangshypothese schaffen und mit ihrer Hilfe, sich an das System herantasten. Wenn nun hierbei Strukturen entschlüsselt werden, geht es um die Merkmale der Theorie des Objekts und nicht um die des erforschten Objekts. Jene haben die Funktion der Präzisierung des Verhältnisses der Elemente, im Gefüge. Das bedeutet, dass „ die Elemente alle gegenseitig voneinander abhängen und jede Veränderung eines Elements die Veränderung der übrigen nach sich zieht (Interdependenz). [Weiterhin] verändern sich die Elemente nach gewissen Regeln (Transformation) und regulieren sich dabei selbst (Selbstregulierung). [Nicht zu vergessen ist, dass das] Gefüge durch alle Zustände hindurch, die es annehmen kann, seine Selbstidentität bewahrt“(Albrecht, 2000, S.226ff). In all seiner Beschaffenheit ist es möglich, jenes deutlich von anderen Gefügen abzugrenzen (Invarianz). Eine Entstehung des Gefüges erfolgt durch eine Anzahl von exakt terminierten Operationen (Möglichkeit der effektiven Definition). Zu guter Letzt ist das Gefüge mehr als die Elemente, aus welchen es zusammengesetzt ist (Totalität).

Anschließend an die erste These des Strukturalismus, folgt nun die Segmentierung als Methode. Der Strukturalismus geht davon aus, dass Phänomene nicht einzeln vorkommen, sondern im Verhältnis mit anderen Phänomenen stehen. Aufgrund dessen schaut man sich die Beziehung zwischen den Dingen an und nicht jene allein für sich. Diese Vorkommnisse sind dabei sehr umfangreich. Deswegen muss man als erstes spezielle Vorstellungen ausklammern und die Teilpunkte separat betrachten. Mithilfe dessen sei es möglich einen Einblick in größere Relationen zu erlangen (vgl., Ebd.). Um dies besser greifen zu können, unterscheidet man in zwei Abteilungen des Beobachtbaren. Die da wären: strukturell beschreibbare und strukturell nicht beschreibbare Gegebenheiten. Jene wiederum unterliegen einer Segmentierung, genauer: eine Beziehung zwischen den Segmenten findet statt. „Der strukturale Mensch nimmt das Gegebene, zerlegt es, setzt es wieder zusammen; das ist scheinbar wenig […]. Und doch ist dieses Wenige, […] entscheidend, denn zwischen den beiden Objekten […] bildet sich etwas Neues, […] das Simulacrum, das ist der dem Objekt hinzugefügte Intellekt, und dieser Zusatz hat insofern einen anthropologischen Wert, als er der Mensch selbst ist, seine Geschichte, seine Situation, seine Freiheit und der Widerstand, den die Natur seinem Geist entgegensetzt“ (Barthes, 1966, S.191). Jener Autor beschreibt die Struktur somit als ein Abbild des Objekts. Laut ihm sind die Reflexion und die Schöpfung keine richtige Abbildung der Welt, vielmehr eine Erschaffung der Welt, die der ersten nahe kommt, aber sie nicht nachahmen, sondern deutlich machen möchte. Das Objekt wird neu erschaffen, d.h. um Funktionen aufrufen zu können. Denn das ist der Weg, welcher das Stück herausbringt. Genau deswegen spricht man von der strukturalistischen Tätigkeit und nicht vom strukturalistischen Werk.

Des Weiteren gibt es noch eine weitere Form der Beschreibung, auf welcher erneut die Segmentierung der Gesamtheit machbar ist. Hierbei möchte man immer die erschlossenen Vorkommnisse, mit einem sogenannten Gitternetz (diachronische und synchronische Anordnung) festhalten. Dort wird jedes Element für sich, anhand von Beziehungen, Gegensätzen und Eigenschaften bestimmt und demnach lassen sich die Relationen der Elemente untereinander herleiten. Wichtig ist dabei, dass das Einzelelement in der Ganzheit seiner Funktion, des synchronischen Systems, erkannt werden muss. Daher stellt man all dies in einem kohärenten und strukturierten System dar.

Nun muss aber beachtet werden, dass die Kenntnisnahme der synchronischen Relationen vor dem Anschauen der diachronischen Abläufe anstehen muss. Um Unterschiede zu erkennen, werden die Relationen des Systems mit anderen Systemen menschlicher Taten verglichen (vgl., Ebd.).

Entwicklungsgeschichte des Strukturalismus

Eben analysierte Grundzüge zeigen die Vielfalt des Strukturalismus, bezüglich der Methoden. Aber nicht nur dort, sondern auch in der Geschichte der Entwicklung des Strukturalismus sind viele verschiedene Ansätze zu finden. Im Folgenden konzentriere ich mich neben Claude Levi-Strauss, welcher ausführlicher später anschließt, auf Ferdinand de Saussure, Edward Bradford Titchener, Roman Jakobson, Lucien Goldmann, Jacques Lacan und Gilles Deleuze.

Zunächst zu Ferdinand de Saussure (1857-1913). Jenen kann man als Mitgründer des Strukturalismus sehen. Denn der Sprachwissenschaftler hielt als Dozent Vorlesungen über die Allgemeine Sprachwissenschaft und dadurch erschuf er eine neue Methodik. „Einzelne Redeereignisse (parole) gründen sich, durch die die Möglichkeiten des Systems (langue) variantenreich verwirklicht werden, in einem Beziehungsgefüge, dessen Glieder nicht substantiell bestimmt sind, sondern in dem Geltung und Wert des einen nur aus dem gleichzeitigen Vorhandensein des anderen sich ergeben“ (De Saussure, 1967, S.136). Daraus erschließt sich, dass de Saussure Sprache als eine Art System von Zeichen versteht. Die Bedeutung wird dabei nur mithilfe von jenen Zeichen geschaffen. Dafür sorgen schließlich allein die Unterschiede des einen Zeichens, im Vergleich zu anderen im System. De Saussure erarbeitete sich immens viel neues Wissen, aber währenddessen ließ er die Struktur links liegen. D.h. er nahm nie das Wort Strukturalismus in den Mund und sprach von der Struktur auch nur sehr selten.

Zur etwa derselben Zeit, von 1867 bis 1927, lebte Edward Bradford Titchener, der als einer der frühzeitigen Vertreter des Strukturalismus, im Bereich der Psychologie, zu nennen ist. Jener stellte als erster überhaupt die klare Abgrenzung zwischen dem Funktionalismus und dem Strukturalismus, auf. Jedoch eine der tragendsten Rollen im 20. Jahrhundert übernahm Roman Ossipowitsch Jakobson. Sein Steckenpferd waren die Literatur-, Sprach-, Kommunikations- und Zeichentheorien. Für ihn ist der Strukturalismus, „Phänomene, die als ein strukturiertes Ganzes betrachtet werden und die statistischen oder dynamischen Gesetze des jeweiligen Systems freilegen. [Des Weiteren] muss die Überwindung der Statik, der Vertreibung des Absoluten, das ist das wesentliche Pathos der neuen Zeit [berücksichtigt werden]“ (Jakobson, 1988, S.44). Jakobson glaubt nicht an schier willkürliche Zeichen. Denn alle seien auf irgendeine Art und Weise immer beeinflusst. Synchronie und Diachronie schaffen demnach ein unzerstörbares dynamisches Ganzes. Nun aber genug von Jakobson. Jetzt würde Claude Levi-Strauss anschließen. Jenen werde ich aber umfangreich und gesondert in meinem nächsten Gliederungspunkt untersuchen. Erst einmal zum nächsten wichtigen Vertreter: Lucien Goldmann. Jener ist Befürworter des genetischen Strukturalismus. Das bedeutet, dass er der Meinung ist, die sinngebende Struktur sei nach einiger Zeit im Geist des Menschen aufgetreten. Zentral dabei sind die Kunst und die Kreativität des Künstlers. Die sozial eingestellte Gruppe muss somit als das Subjekt der kulturellen Schöpfung verstanden werden. „Der genetische Strukturalismus geht von der Hypothese aus, dass jedes menschliche Verhalten ein Versuch ist, auf eine besondere Situation eine sinnvolle Antwort zu geben, und dass dieses Verhalten dem Gleichgewicht zwischen dem Subjekt der Handlung und dem Objekt, auf das sie sich bezieht, d.h. der umgebenden Welt, zustrebt.“ (Goldmann, 1970, S.235), so der Forscher. Von einer Struktur kann man nur dann sprechen, wenn die Elemente durch die Totalität verbunden miteinander sind. Für ihn sei jene eine Art Kohärenz von innen und eine erwähnte Totalität, deren Details sich gegenseitig stützen und sich nur mithilfe der ganzen Struktur nachvollziehen lassen. Wenn diese Merkmale exakt zu treffen, kann Goldmann von einer sinnvollen Struktur sprechen. Als eines der wichtigsten Ziele nennt jener folglich die Endgesellschaft, in Form einer Transparenz, die nur aus denjenigen Strukturen zusammengesetzt ist, welche ein angebrachtes und menschliches Betragen von Personen miteinander und zur Gesellschaft ermöglichen.

Jacques Lacan verfolgt hingegen einen anderen Ansatz. Laut ihm, entstand das Subjekt im symbolischen System. Ähnlich wie eine Sprache ist das Unbewusste also aufgebaut und wurde auch von der Sprache erschaffen. Dabei berief er sich teils auf Sigmund Freud und vollendete so die Struktur des Unbewussten. Die Metapher und die Metonymie, als rhetorische Richtlinien, spielen eine wichtige Rolle hierbei und zeigen, dass anhand von der Beziehung des Signifikaten und des Signifikanten eine Auslassung denkbar wäre, wodurch der Signifikant den Ist-Mangel in die Relation des Objektes einleite. Folglich tritt das Verlangen auf.

Aber die Struktur kann man noch aus einer und auch vielen weiteren Sichtweisen betrachten. So Gilles Deleuze. „Es gebe Struktur nur von dem, was Sprache sei; auch wenn es eine esoterische oder nicht verbale Sprache sei. Die Orte hätten den Vorrang vor denen, die sie potenziell ausfüllten, das wahre Subjekt sei die Struktur.“ (Deleuze, 1975, S.270). Den Strukturalismus beschrieb er anhand seiner folgenden sieben Kriterien, die ich kurz zusammenfasse. Als erstes ist das Symbolische das, wovon man ausgeht. D.h. es wird als eine Abschottung zum Unglaublichen und Glaubwürdigen genutzt. Der zweite Aspekt stellt klar, dass die Struktur relational und topologisch ist. Außerhalb bleibt hierbei sowohl das Reale, als auch das Unvorstellbare. Daraus wiederum ergibt sich eine Nichtsubjektivierung, also dass die Orte zentraler sind als die Subjekte, welche in ihnen vorkommen. Mithilfe dessen und der Zusammenfügung von Elementen, kann der Sinn entstehen. Drittens steht die Struktur der Elemente mit ihren Besonderheiten im Fokus, also auch dass sie unterschiedlich aufgestellt sind. Weiterhin, als viertes zu nennen ist, dass die Strukturen sozusagen perfekte Orte sind und schließlich eine Vielfältigkeit virtuellen Zusammenlebens. Fünftens sei die Struktur nur ab und an möglich und passiert in gewissen Abfolgen, die eine Form der Versetzung erfahren. Die Intersubjektivität steht im Fokus, aber nur mit der (reziproken) Wirkung. Als sechster Punkt wird von einem Subjekt gesprochen, welches eine Relation zwischen den Abfolgen schafft. Es besteht die Möglichkeit, dass Beobachtende nicht alles erfassen können und so entsteht der blinde Fleck. Deswegen können Erneuerungen und Werteänderungen vollzogen werden. Zum Abschluss, als siebtes Kriterium, soll sich das Subjekt den Beziehungen und Orten unterwerfen. Das ursprüngliche Subjekt agiert dabei nicht mehr als eindeutige Gesamtheit, sondern es unterliegt einer Verpflichtung und beweist seine Veränderbarkeit.

Im Allgemeinen lässt sich nun sagen, dass der Strukturalismus oftmals eng mit den Kulturwissenschaften verknüpft ist. Denn die Linguistik, die Anthropologie (welche auch Claude Levi-Strauss untersuchte), die Literaturwissenschaft und die mythischen Ansätze wurden hinsichtlich dessen, zur Genüge analysiert. So z.B. Tzvetan Todorov, Roland Barthes, Louis Althusser und Jan Mukarovsky, der dem Prager literaturwissenschaftlichen Strukturalismus angehörte. Jener in der Kultur angesiedelte Strukturalismus, erfuhr seine wichtigste Stellung in den 1960er bis 1970er Jahren. All diese Methoden bestehen in der Systemtheorie, der Psychoanalyse, der Semiotik und der Literaturtheorie fort. In der Praxis erfahren sie unter anderem Anwendung in der Psychologie, der Architektur, der Erkenntnistheorie, der Linguistik, der Soziologie und der Anthropologie. Ebenso dazu zählt der ökonomische Strukturalismus, der auf die Differenzierung von Peripherie ausgerichtet ist und der Mitte als maßgebender struktureller Charakter der Wirtschaft auf der ganzen Welt fungiert (vgl. Palma, 2008, S.136).

Wesenszüge des Strukturalismus von Claude Levi-Strauss

Nach diesen ausführlichen Betrachtungen des Strukturalismus, bezüglich seiner Geschichte, seiner Entwicklung und seinen Vertretern, komme ich nun dazu, wie Claude Levi-Strauss jenen betrachtet. Sein Grundgedanke lautet: „Der Mensch ist Teil der Natur und deswegen findet er seine Deutungen für menschliches Denken und Agieren auch nur in ihr. Der Mensch müsse im Zusammenhang der Konditionen des biologisch gegebenen interpretiert werden“ (De Ruijter, 1991, S.22).

Levi-Strauss nutzt den Strukturalismus um Mythen erklären zu können und schafft so die strukturalistische Mythenanalyse, worauf ich in meinen nächsten Gliederungspunkten Bezug nehme. Strukturen an sich sind überall zu finden: in Richtlinien und Vorgaben, in der Planung, in der Aufstellung von Tatsachen und im System. Wie ich vorher erwähnte, kann man den Strukturalismus mithilfe der verschiedensten Ansätze untersuchen. Claude Levi-Strauss fokussierte sich dabei auf die Linguistik. Er studierte nämlich die Verwandtschaft und stellte dabei fest, dass die strukturale Methodenanalyse bei jedweden kulturellen Vorkommnissen von statten gehen kann. Weiterhin wird er darauf aufmerksam, dass das strukturalistische Merkmal des menschlichen Unterbewusstseins hinter der Kultur und dem Sinn zu finden ist. Für das symbolische Denken ist demnach das Intuitive verantwortlich, schließlich sei es eine Einteilung des kollektiven Denkens. Daraufhin beschloss der Forscher die strukturale Mythenanalyse aufzubauen. Als mit sein wichtiges Ziel kann man die neue Übertragung der Methodik, auf nicht-linguistische kulturelle Erscheinungen, nennen. Jedoch ein noch ausschlaggebenderes Anliegen war es ihm, dass symbolische Systeme eine Erkenntnis in den Verstand des Menschen erlangen können und zwar anhand des Studiums. Demnach lässt sich festhalten, dass Levi-Strauss ein Mitbegründer des Strukturalismus ist, aber auch des Panstrukturalismus. Jener setzt sich mit der Thematik der Hilflosigkeit des Einzelnen und seine Unterjochung unter Strukturen, welche fortwährend sind, auseinander. Dabei bestimmen die Kräfte des befehlshaberischen Sprach- und Denksystems das Gerüst. Aber all dies wurde von anderen Denkern nicht einfach so hingenommen und akzeptiert. Viel negative Kritik wurde geäußert, auf die ich später in meinem Gliederungspunkt Kritik noch näher eingehen werde.

[...]

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Der Strukturalismus nach Claude-Levi Strauss am Beispiel des Ödipusmythos
Hochschule
Universität Rostock
Note
1,7
Jahr
2020
Seiten
18
Katalognummer
V950908
ISBN (eBook)
9783346293305
ISBN (Buch)
9783346293312
Sprache
Deutsch
Schlagworte
strukturalismus, claude-levi, strauss, beispiel, ödipusmythos
Arbeit zitieren
Anonym, 2020, Der Strukturalismus nach Claude-Levi Strauss am Beispiel des Ödipusmythos, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/950908

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