Die vorliegende Ausarbeitung basiert auf dem Seminar „Internationalität und Globalisierung als erziehungswissenschaftliches Forschungsfeld: Evidenz und die Optimierung pädagogischen Handelns. Gegenwärtige bildungspolitische Bewegungen und Phänomene im (nord)europäischen Bildungsbereich“ und thematisiert den Artikel „Making teaching a 21st century profession: Tony Blair’s big prize“ von John Furlong, welcher 2008 erschienen ist. In dem Artikel werden die Hintergründe des Modernisierungsanspruchs und die komplexen Zusammenhänge zwischen den politischen Maßnahmen, welche zur Erreichung der Bildungsreform eingesetzt wurden, skizziert. Dies umfasst eine veränderte Rolle für die Lehrererstausbildung; eine differenziertere Belegschaft; Strategien zur Fokussierung der Professionalität und eine Neudefinition des Fachwissens. Den Abschluss des Artikels bildet eine Diskussion über die Auswirkungen und Folgen sowie die Kritik an Tony Blairs Bildungsreformen auf nationaler und internationaler Ebene.
Die Publikation von John Furlong bildet die Grundlage der vorliegenden Ausarbeitung und fungiert hierbei als literarische Hauptquelle. Inhaltlich gliedert sich die vorliegende Arbeit in die Vorstellung von Blairs Person, seine Bildungsreformen und ihren Auswirkungen. Neben seiner Vita werden vor allem seine politischen Bemühungen und Erfolge hinsichtlich des britischen Bildungssystems beleuchtet. Angefangen mit dem Status quo und der Notwendigkeit der Modernisierung, wird die Legitimierung der Reformen beschrieben. Daraufhin werden die Green Paper Reformen hinsichtlich ihrer Ziele und deren Umsetzung thematisiert. Anschließend wird die daraus resultierende politische Zentralisierung der Bildung skizziert und die positiven sowie negativen Auswirkungen der Modernisierung gegenübergestellt. Die Ausarbeitung endet mit einer Zusammenfassung der Kernaussagen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Tony Blair
3. Bildungsreformen des Lehrerberufes
3.1. Bildung als nationale Kampagne
3.2. Status quo und die Notwendigkeit der Modernisierung
3.3. Die Green Paper Reformen
4. Die überwachten Schulen
5. Gegenüberstellung der positiven und negativen Auswirkungen der Bildungsreform
6. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die von Tony Blair in Großbritannien initiierten Bildungsreformen, wobei der Fokus insbesondere auf der Modernisierung des Lehrerberufs liegt. Ziel ist es, die politischen Hintergründe und komplexen Zusammenhänge der Reformmaßnahmen kritisch zu beleuchten und zu hinterfragen, inwieweit das Ziel einer "Making teaching a 21st century profession" erreicht wurde.
- Analyse des Status quo und der Legitimierung der Bildungsreformen.
- Untersuchung der Green Paper Reformen als Instrument der Professionalisierung.
- Bewertung der Auswirkungen staatlicher Zentralisierung und Kontrolle auf das Schulwesen.
- Gegenüberstellung der positiven Reformerfolge und der negativen Folgen für die Lehrerschaft.
- Diskussion des Spannungsfeldes zwischen Bildungsreform und persönlicher beruflicher Freiheit.
Auszug aus dem Buch
3.3. Die Green Paper Reformen
Im Jahr 1998 führte Tony Blair die Green Paper Reformen ein, da die vorherrschenden Mängel im Bildungssystem, insbesondere im Lehrkörper nicht mehr tragbar waren. Ziel der Reformen war die Modernisierung des Lehrerberufes „Teachers: meeting a challange of change“ (Furlong, 2008). Diese umfasste die Steigerung der Attraktivität und Akzeptanz des Berufes sowie die Förderung des nationalen Wohlergehens, welche sich in den folgenden vier Dimensionen äußerten:
(1) Better leadership: pay, performance and development
(2) Better rewards for teaching
(3) Better training
(4) Better support and new possibilities (vgl. Furlong, 2008, S.729-731)
Die ersten großen Veränderungen betrafen Angebot und Qualität neuer Lehrkräfte, wobei vor allem die Lehrererstausbildung von großer Bedeutung war. Das Einstiegsgehalt der Lehrkräfte wurde um 10% erhöht und somit den Gehältern anderer Branchen angepasst. Gleichzeitig stieg die Anzahl der Bewerber um 30%. Eine Reihe von Stipendien, mit denen Lehrer für die Fächer Mathematik und in den Naturwissenschaften geworben wurde, zogen weitere Bewerber an, sodass die Vakanzen dieser eher schwer zu besetzenden Stellen geschlossen werden konnten. Darüber hinaus postulierte die Regierung mehr Arbeitssicherheit für bereits eingestellte sowie für künftige Lehrer.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik des britischen Bildungssystems vor 1997 ein und skizziert das Ziel der Arbeit, die Bildungsreformen unter Tony Blair anhand der Publikation von John Furlong zu untersuchen.
2. Tony Blair: Dieses Kapitel zeichnet den biografischen und politischen Werdegang von Tony Blair nach und ordnet sein Handeln in den Kontext des „Dritten Weges“ ein.
3. Bildungsreformen des Lehrerberufes: Hier werden Blairs Verständnis von Bildung als wirtschaftspolitische Notwendigkeit sowie die spezifischen Maßnahmen der Modernisierung, inklusive der Green Paper Reformen, dargelegt.
3.1. Bildung als nationale Kampagne: Dieses Kapitel beschreibt, wie Bildung von Blair zur obersten Priorität erklärt und als Instrument für nationalen Wohlstand und sozialen Zusammenhalt eingesetzt wurde.
3.2. Status quo und die Notwendigkeit der Modernisierung: Es werden die Mängel des alten Systems, wie fehlende Differenzierung und mangelnde Rechenschaftspflicht der Lehrer, als notwendige Bedingung für die Reformen identifiziert.
3.3. Die Green Paper Reformen: Dieser Abschnitt erläutert die vier zentralen Dimensionen der Reformen, die auf eine Professionalisierung, bessere Entlohnung und attraktivere Arbeitsbedingungen abzielten.
4. Die überwachten Schulen: Es wird analysiert, wie durch IT-Einsatz, Standards und Leistungsindikatoren eine zunehmende staatliche Zentralisierung und Kontrolle des Unterrichts etabliert wurde.
5. Gegenüberstellung der positiven und negativen Auswirkungen der Bildungsreform: Dieses Kapitel wägt die gestiegenen Bewerberzahlen und besseren Arbeitsbedingungen gegen den erhöhten Leistungsdruck und den Verlust beruflicher Identität ab.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Ambivalenz der Reformen zusammen, die zwar das Bildungssystem modernisierten, es aber gleichzeitig einer starken politischen Steuerung unterwarfen.
Schlüsselwörter
Tony Blair, Bildungsreformen, Lehrerberuf, Green Paper, Professionalisierung, Modernisierung, Schulpolitik, Leistungsmanagement, Zentralisierung, Großbritannien, Lehrkräfte, Bildungssystem, Unterrichtsqualität, Wirtschaftspolitik, Arbeitsbedingungen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die umfangreichen Bildungsreformen, die der ehemalige britische Premierminister Tony Blair ab 1997 initiiert hat, um den Lehrerberuf zu modernisieren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Zentrum stehen die politische Agenda von Tony Blair, die spezifischen Maßnahmen der sogenannten Green Paper Reformen und deren Auswirkungen auf die Qualität sowie die Autonomie der Lehrer.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen den erklärten Absichten der Reformen, wie der Steigerung der Attraktivität des Lehrerberufs, und der tatsächlichen Umsetzung, die zu starker staatlicher Überwachung führte, aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, wobei primär der Artikel „Making teaching a 21st century profession“ von John Furlong als wissenschaftliche Quelle herangezogen wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der Person Blair, die theoretische Begründung der Reformen, die konkrete Umsetzung durch Green Paper und IT-gestützte Überwachungssysteme sowie eine kritische Abwägung der Resultate.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Professionalisierung, Bildungsreform, Zentralisierung, Leistungsmanagement und die Transformation von Bildung zu einer Form von Wirtschaftspolitik.
Welche Rolle spielten die Green Paper Reformen?
Sie waren das zentrale Instrument Blairs, um durch finanzielle Anreize, Stipendien und eine standardisierte Ausbildung das Personalproblem an Schulen nachhaltig zu lösen.
Wie bewertet die Autorin die Auswirkungen der Reformen?
Die Autorin bewertet die Reformen als zweigliedrig: Sie erkennt die Erfolge bei der Personalgewinnung an, kritisiert jedoch massiv den entstandenen Leistungsdruck und die Einschränkung der pädagogischen Freiheit.
- Quote paper
- Linda Wieczorek (Author), 2020, Tony Blairs Bildungsreformen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/951149