Einfluss der Medien auf die Sexualerziehung von Kindern und Jugendlichen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2020

15 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Sexualität der Kinder und Jugendlichen
2.1 Entwicklung und Aufklärung der Sexualität der Kinder und Jugendlichen
2.2. Sexualerziehung von Kindern und Jugendlichen

3. Sexualität in den Medien
3.1. Aufklärung und Erziehung der Sexualität in den Medien der Kinder und Jugendlichen
3.2. Probleme der Erziehung und Einfluss der Medien auf Kinder und Jugendlichen

4. Fazit

Literatur- und Quellenverzeichnis

1. Einführung

Was ist eigentlich Sexualität? Diese Frage zu beantworten, erregte ganz viele Forscher im zwanzigsten Jahrhundert. Die erste Definition kam aus dem Buch „Sexualunterdrückung. Geschichte der Sexualfeindlichkeit“ im Jahr 1977 von Jos van Ussel. Er versteht unter Sexualität „alles, was Verhaltensweisen und Handlungen der Menschen miteinander oder mit sich selber als Geschlechtswesen betrifft“ (vgl. Ussel, 1977, S.10). Nach Lautmann ist Sexualität „eine kommunikative Beziehung, bei der Akteure Gefühle erleben, die eine genitale Lust zum Zentrum haben, ohne sich zu beschränken. Für das sexuelle Erleben ist ein Orgasmus weder notwendig noch hinreichende Bedingung und extragenital festmachte Emotionen gehören dazu.“ (vgl. Lautmann 2002, S. 24f). Erst ab der Mitte des 20. Jahrhunderts wurde Sexualpädagogik als wissenschaftliche Disziplin der Erziehungswissenschaft und Sexualerziehung entwickelt (vgl. Pohling 2014, S.365). Sexualerziehung versucht absichtlich Lernprozesse anzuregen und zu begleiten, während sexuelle Sozialisation unabhängig von der Sexualerziehung stattfindet, z.B. durch mediale Einflüsse wie Pornografie, sexualisierte Werbung oder alltägliche Selbstverständlichkeiten (vgl. Schmidt/ Sielert 2008).

In der vorliegenden Hausarbeit liegt der Schwerpunkt auf der Sexualität von Kindern und Jugendliche. Das Ziel der Hausarbeit ist das Identifizieren von Einflüssen der Medien auf die Erziehung der Sexualität von Kindern und Jugendlichen.

Die Massenmedien haben heutzutage eine sehr große Bedeutung, da sie die wichtigste Informationsquelle sind. Neben Aufklärungsbroschüren, Jugendzeitschriften und Büchern nimmt das Internet eine zunehmende Rolle ein. „Medien dienen nicht nur als Vermittlung von Wissen über körperliche Aspekte der Sexualität, sondern spielen auch eine wesentliche Rolle bei der Vermittlung sexualitätsbezogener Normen und Verhaltensmuster“ (vgl. Krahe, 2014, S.374). Sie öffnen völlig neue Umgangsformen mit Liebe und Beziehung, welche vorzugsweise von den Jüngeren intensiv genutzt werden. Das Internet bietet auch die Möglichkeit für schnelle kurzliebende Bekanntschaften, die vorrangig auf Sex gezielt sind (vgl. Kaufmann 2011, S.125). Mediale Darstellungen prägen daher die Sexualerziehung und die Entwicklung von Vorstellungen über Sexualität (vgl. Krahe u.a. 2004, S. 245).

Neben den positiven Seiten im Sinne der sexuellen Selbstinformierung bringt die leichte Verfügbarkeit sexueller Inhalte in den Medien auch Risiken für die Sexualerziehung und -entwicklung von Kinder und Jugendlichen, die der Fokus in dieser Hausarbeit sind.

2. Sexualität der Kinder und Jugendlichen

Es ist bedeutsam zu wissen, dass der Mensch ein sexuelles Wesen von Geburt an ist. Das sexuelle Verhalten muss erlernt werden und schon in der Kindheit werden die Weichen erstellt. Laut Dr. Birgit Delisle spielen körperliche Nähe und Akzeptanz durch engen Körperkontakt in der frühen Kindheit eine wichtige Rolle und sie beeinflussen den späteren Bindungskontakt (vgl. Dr. Birgit Delisle, S 25). Im Hauptteil dieses Beitrags wurde der Fokus auch auf die Entwicklung und Aufklärung der Sexualität von Kindern und Jugendlichen und auch über ihre Sexualerziehung berichtet.

2.1 Entwicklung und Aufklärung der Sexualität der Kinder und Jugendlichen

Die Sexualität beginnt nicht erst in der Pubertät. Kinder zwischen ihrem dritten und vierten Lebensjahr entdecken ihr eigenes Geschlecht und oft werden dabei andere Kinder mit einbezogen (z. B. Doktorspiele). Mit vier Jahren kann ein Kind konstant sein eigenes Geschlecht benennen. Ab neun und zehn Jahren wächst das Interesse für sexuelle Sachverhalte, was sich manchmal in sexualisierter Sprache äußert. Mit elf Jahren treten meist die ersten sexuellen Gefühle auf, ein erstes „sich mögen“ stellt sich ein (vgl. Dr. Birgit Delisle, S 25). Die sich mit kindlicher Sexualität beschäftigte Wissenschaften bestimmen die Grenze zwischen Kindern und Erwachsenen, die sich durch körperliche und psychische Charakteristiken unterscheiden. Die Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung und das Handbuch für Frühpädagogik folgende Meinung über kindliche Sexualität. Das sind: „1. Vielfältig. Kinder empfänden Lust am gesamten Körper und seien nicht auf die Geschlechtsteile konzentriert. Sie würden nicht zwischen Schmusen, Zärtlichkeit und genitaler Lust unterscheiden. 2. Selbstzentriert. Kindliche Sexualität sei in Bezug auf ein Gegenüber (vor allem bezogen auf das andere Geschlecht) bloß ein (Doktor-)Spiel ohne sexuellen Höhepunkt und ohne genitale Vereinigung. Dauerhafte Sexualpartnerschaften würde es unter Kindern nicht geben. 3. Unfertig. Kindliche Sexualität sei in Entwicklung. Deshalb bedürfe sie die Unterstützung von Erwachsenen und pädagogischer Förderung. 4.Unsozialisiert. Kinder äußerten sich in der Öffentlichkeit öfter ungeniert vulgär. Sie hätten (sprachliche) Normen sowie verhaltenssteuernde Werte der Erwachsenen nicht internalisiert.“ (vgl. Achterberg, S. 2010, S.66). Die Jugendphase ist bei der Ausformung der Persönlichkeit und auch der Herstellung der Identität von Mädchen und Jungen sowie deren sexuellen Identität ein wichtiger Zeitpunkt. Die Entwicklung, die in den Sozialisations- und Identitätsfindungsprozess eingebettet wurde, und auch Aneignung von Sexualität wird durch Mädchen und Jungen von verschiedenen Faktoren bestimmt z.B. die Sozialisationsinstanzen Familie, Schule, Jugendarbeit usw., die Sexualaufklärung durch Eltern, Freunde, Schule und Medien und auch die individuelle Auseinandersetzung von den Jugendlichen mit bzw. der Übernahme von kulturell und sozial vermittelten Bildern z.B. Frau- und Mann-Sein oder Weiblichkeit und Männlichkeit. Der Prozess der Aneignung von Sexualität von Mädchen und Jungen wird laut Studien zur Jugendsexualität und zur Sozialisation von Kindern und Jugendlichen in der modernen Gesellschaft nicht nur von äußeren Faktoren und Einflüssen bestimmt, „sondern vor allem vom Individuum selbst inszenierter und interaktiver Aneignungsprozess ist“ (vgl. Funk, H. / Lenz, K. 2005, S.195). Die Pubertät ist in der Sozialisations- und Jugendforschung eine Phase der Entwicklung der körperlichen und sexuellen Reifung, der eigenen Geschlechtsrolle und sie wird eng mit der Jugendphase und zwar mit ihren altersgemäßen Entwicklungsaufgaben und Zielstellungen verbunden (vgl. Funk, H. / Lenz, K. 2005,, S.198). Die Zeit der Pubertät ist laut Böhnisch eine „spannungsgeladene leibseelische und soziale Entwicklungs- und Übergangssituation“, in den Jugendlichen „zwischen Omnipotenzgefühlen, Ohnmacht, Ängsten und lustvollen Selbstinszenierung“ hin und her ins Schwanken kommen (Böhnisch, 2004 S.118). In dieser Lebensphase wird ein Aufbau erster Liebesbeziehung, der Wunsch nach Nähe entwickelt und vor allem der Wunsch anderen zu gefallen und von ihnen geliebt zu werden. Dadurch ist diese Phase eine Zeit der Eifersucht und der Sehnsucht, des Neids auch der Angst vor den Veränderungen. Die Psyche der Jugendlichen wird durch Gefühlsschwankungen bezeichnet und dabei haben sie darüber kein Bedürfnis die Familie oder die Freunde berichten (vgl. Funk, H. / Lenz, K. 2005, S.199). Laut der Untersuchungen von Winter und Neubauer äußern sich besonders die Junge in Familie und Freundkreis, oder in wissenschaftlichen Untersuchungen über die Entwicklung der eigenen Sexualität einschränkend (Winter/Neubauer 1998, S239). Deswegen wird von den Jungen eine andere Austauschmöglichkeiten und mediale Plattformen für ihre Probleme bezüglich der Sexualität genutzt (vgl. Funk, H. / Lenz, K. 2005, S.202). Infolge der Forschung von der BZgA über Jugendsexualität wurden die Ergebnisse von wichtigsten Quellen der Medien bei der Sexualaufklärung der Jugendlichen veröffentlicht. Daraus folgt, dass auf dem ersten Platz im Jahr 2015 für 50 % der Jungen das Internet als die wichtige Aufklärungsplattform geworden ist. Für 30% der Jungen sind es die Jungendzeitschriften gewesen. Was die Mädchen betrifft, sieht es etwas anders aus. An der ersten Stelle stand für denen die Jugendzeitschriften mit 46% und danach nur das Internet mit 39% der Befragten. Bei der Analyse vom Diagramm über Präferierten Medien zur Wissensvermittlung der Sexualität sieht man ganz deutlich auch, dass wie bei den Mädchen mit 59% auch bei den Jungen mit 62% das Internet an der erste Stelle steht (Bode u.a. (2015): Jugendsexualität 2015).

2.2. Sexualerziehung von Kindern und Jugendlichen

Unter Sexualerziehung als Praxis ist die kontinuierliche, intendierte Einflussnahme auf die Entwicklung sexueller Motivationen, Verhaltens- und Ausdrucksformen sowie die Auseinandersetzung mit Sinn- und Einstellungsaspekten der Sexualität von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen gemeint (Pohling 2014, S. 364). Beim Thema Sexualerziehung ist es wichtig zu verstehen, dass es zwischen der kindlichen und der erwachsenen Sexualität ein Unterschied gibt (vgl. Wanzeck-Sielert 2008, S. 363). Kinder haben noch nicht die kulturell gültigen und normativ geprägten Bedeutungszusammenhänge. Sie lernen erst nur ihren eigenen Körper kennen und erkunden ihre Genitalien. Die Fähigkeit über Sexualität zu sprechen ist ein wichtiger Aspekt bei der Sexualerziehung. Die Eltern sollten vom Anfang an mit den Kindern darüber sprechen. Eine der ersten und wichtigsten Aufgaben der Sexualerziehung ist, zunächst für die Genitalien des Kindes liebevolle, individuelle und für alle angenehme Begriffe für Penis und Scheide zu finden. Der Präventionsaspekt spielt hierbei auch eine große Rolle. Man kann davon ausgehen, dass wenn ein Kind nicht gelernt hat über Sexualität zu reden, die Möglichkeit besteht, dass es im Fall eines sexuellen Missbrauchs nicht in der Lage sein wird darüber zu erzählen. Deswegen kann man behaupten, dass eine gute Sexualerziehung vor sexuellem Missbrauch schützt. Ein weiterer wichtiger Aspekt bei der Sexualerziehung ist das Beantworten von Kinderfragen zur Sexualität. Diese Antworten sollen kurz, klar und einfach sein. (Pohling 2014, S.369). Im Laufe der Grundschule können die Kinder verstehen, dass ein Säugling nicht deshalb entsteht, weil die Eltern verheiratet sind, sondern weil nach dem Geschlechtsverkehr im Körper der Mutter eine Befruchtung von Samen und Eizelle stattgefunden hat (vgl. Gnielka, 2012, S.25). Die pädagogische Fachkraft spielt bei der Sexualerziehung auch eine große Rolle, da ihre Reaktion auf kindliche Sexualäußerungen das kindliche Sexualverhalten beeinflusst. „Da kindliche Sexualität vor allem dadurch gekennzeichnet ist, dass noch keine bzw. lediglich minimale gesellschaftliche (sexual-)moralische Vorstellungsmomente verinnerlicht wurden, ist die Reaktion der pädagogischen Fachkraft mitentscheidend für eine positive bzw. negative Sexualvorstellung des Kindes. Bevor dieses Interaktionsverhältnis näher erörtert wird, wird zunächst die Sexualentwicklung des Kleinstkindes nachgezeichnet, um anschließend pädagogische Interventionen durch die Fachkraft näher zu erörtern.“ (Hierholzer, 2017, S.8). Persönliche Einstellungen, Haltungen und Vorerfahrungen von pädagogischen Fachkräften sind der Schlüssel für eine gute und freundliche Sexualerziehung. Z.B. finden sich in jedem Kindergarten Sexualerziehung oder auch das Nichtreagieren, das Versehen und das Verdrängen des Sexuellen auf Grundlage der Haltung der pädagogischen Fachkräfte (vgl. Wanzeck-Sielert, 2014, S.60). Ein unbewusstes, unreflektiertes und unsicheres Handeln der Erzieher kann negativ die sexuelle Entwicklung der Kinder prägen und ihre Ängste können sich auf die Kinder übertragen (vgl. Hubrig, 2014, S.22). Dementsprechend sind für den Umgang mit kindlicher Sexualität in den Kindergärten Fachwissen, Selbstreflexion, Beobachtung und Teamarbeit beachtenswert. Das Fachwissen enthält die Kenntnisse über die Sexualentwicklung der Kinder und das Wissen über die Individualität der kindlichen Entwicklung und kann daher nicht schablonenartig auf das einzelne Kind angewendet werden (Hierholzer, 2017, S.14). Bei den Jugendlichen spielen zunehmend die Gleichaltrigen eine große Rolle, weil nicht alle persönliche Erfahrungen mit Sexualität und Intimität in der Familie oder mit den pädagogischen Fachkräften besprochen werden können. Jugendliche benötigen daneben aber auch eine große Menge an Information über Sexualität. Deswegen können auch bei der Sexualerziehung und -aufklärung das Internet, Zeitschriften und andere Medien helfen (Delisle, 2015, S.26).

3. Sexualität in den Medien

Die Medien spielen bei der Gestaltung des Alltags der Kinder und Jugendlichen eine wichtige Rolle (vgl. Von Martial, 2012, S.21). Die Gewohnheit an der Nutzung der Medien beginnt heutzutage ganz früh. Im Kinderzimmer kann man derzeit unterschiedliche mediale Geräte finden wie z.B. ein Radio oder CD-Spieler, sogar ein Fernseher gehört auch ganz oft dazu. Für 45% der sechs -bis13-Jährigen steht ein eigener Fernseher zur Verfügung. Etwa die Hälfte der Kinder besaßen ein eigenes Handy, einen Computer, und etwa jedes zehnte Kind hatte einen Internetanschluss (Feierabend u.a. 2011, S.8). Die Fernsehnutzung wird von manchen Familien bei Kindern stärker als bei Jugendlichen kontrolliert (vgl. Von Martial, 2012, S.21). Die Internetnutzung von Kindern und Jugendliche wird bei vielen Familien jedoch nicht gut beachtet. Es gibt aber in etwa der Hälfte der Familien Regeln für die Auswahl der Inhalte im Internet, die vielfach aber nur locker kontrolliert werden (RTL DISNEY Fernsehen 2008, S.10 und 23, vgl. auch Feierabend u.a. 2011, S.65f.). Laut der KIM-Studie im Jahr 2010 wurde ermittelt, dass die sechs bis 13-Jährigen im Durchschnitt täglich mindestens vier Stunden bei der Nutzung von Medien verbrauchen. Das Fernsehen steht an der Spitze mit 98 Minuten am Tag. Für das Lesen wurde 21 Minuten, für das Radio 33 Minuten und für den Computer 44 Minuten, für das Internet 24 Minuten genutzt (Feierabend u.a. 2011, S.60). Bei den Jugendlichen sieht die Situation etwas anderes aus. Für die zwölf bis 19-Jährigen steht die Internetnutzung an der ersten Stelle, also durchschnittlich 125 Minuten täglich, und 114 Minuten für das Fernsehen. Das Radio wurde durch Jugendliche 109 Minuten am Tag genutzt. Für Mp3-Player wurden 83 Minuten, für das Printmedien 27 Minuten und Zeitschriften zwei Minuten verbracht. Die durchschnittliche Zahl der Nutzung von Medien ist also bei den Jugendlichen doppelt so groß wie zu den Kindern (vgl. van Eimeren/ Fees 2011, S.348).

3.1. Aufklärung und Erziehung der Sexualität in den Medien der Kinder und Jugendlichen

Sexualität in den Medien ist heutzutage omnipräsent. Sexuelle Darstellungen werden immer öfters in verschiedenen Zeitschriften, Zeitungen, Musikvideos, Filmen usw. gezeigt (vgl. Delisle, B. 2015 S.26). Helmut Lukesch hat u.a. im Jahr 2004 den Inhalt von Fernsehsendungen untersucht, um das Ausmaß sexueller Darstellungen in den Massenmedien zu analysieren. Er fand heraus, dass im deutschen Fernsehprogramm, wozu sowohl die öffentlich-rechtlichen als auch die privaten Sender gehörten, dass etwa ein Drittel und zwar 32,1% der analysierten Beiträge sich mit dem Thema Sexualität beschäftigten. Mit 39,6% war der Anteil nur bei den privaten Sendern und mit 23,3% nur bei den öffentlich-rechtlichen Sendern. In den Musiksendungen wurden bei den privaten Sendern sogar 83,3% sexuelle Inhalte herausgefunden. 5,7% der sexuellen Darstellungen waren in Kindersendungen enthalten. Lukesch und weitere Kollegen haben auch bei der Verfassung der sexuellen Medieninhalte szenische und sprachliche gefunden, wie z.B. Darstellungen zum Geschlechtsverkehr, Küssen, Streicheln von Körperteilen, Vergewaltigung, Sado-Maso-Praktiken häufig vorkommen sind (Lukesch u.a. 2004a, S. 91ff., Lukesch u.a. 2004b, S.305ff.). Eine andere Untersuchung des deutschen Fernsehangebots enthielt fünf Prozent sexuelle Inhalte in den öffentlich-rechtlichen Sendern, RTL, SAT1 und ProSieben. Das Thema Sex und Partnerschaft steht besonders im Vordergrund in verschiedenen Talkshows mit 20% am Anteil (vgl. Krüger 2001, S.173 und S.194). Kunkel und seine Kollegen haben im Jahr 2005 959 Fernsehsendungen analysiert. Daraus folgte, dass diese Sendungen 70% sexuelle Inhalte haben. Im Durchschnitt wurde etwa 5,0 Szenen je Stunde von sexuellen Darstellungen ermittelt. Durch Sprechen über Sexualität wurden mit 68% und zwar 4,6 Szenen je Stunde und durch das bildliche Zeigen von sexuellen Inhalten 35% nämlich 2,0 Szenen je Stunde ermittelt. Bei dem Sprechen über Sexualität wurden Kategorie wie Ratschläge von Experten, Sprechen über das erste Mal, über Geschlechtsverkehr und Oralsex, sprachlicher Flirt, usw. verwendet. Kategorien des sexuellen Verhaltens, das in den bildlichen Darstellungen gezeigt worden sind, waren gestischer Flirt, verschiedene Formen von Küssen und Stufen von Leidenschaft, intime Berührungen unterschiedlicher Art und Intensität, Geschlechtsverkehr und Oralsex. In elf Prozent der Sendungen wurde ein hinweisendes Verhalten von sexuellem Verkehr deutlicher z.B. jemand anderes zu entkleiden oder nackt aus der Dusche kommen usw. präsentiert. In fünf Prozent der Szenen wurden die Akteure komplett nackt gezeigt (vgl. Von Martial, I.2012, S. 15). Das Internet spielt neben Aufklärungsbroschüren, Büchern und Jugendzeitschriften eine wesentliche und zunehmende Rolle, damit entstehende Wissenslücken im Bereich der Sexualität geschlossen werden können (BZgA 2010). Man kann also behaupten, dass sich die Internetplattformen zu einer der Hauptinformationsquellen entwickeln. Die Bedeutung des Mediums Internet in der Aufklärung Jugendlicher hat seit der Jahrtausendwende drastisch zugenommen (Bode ei.al 2015, S. 60). Es ist auch wesentlich leichter im Internet für Kinder und Jugendliche pornografische Darstellungen zu finden, diese das Verhältnis zu ihren sexuellen Beziehungen prägen und dabei verhaltenswirksam werden können (Krahè 2011). Deutsche und ausländische Studien haben bereits ermittelt, dass Kinder und Jugendliche ganz einfach im Internet Pornografie gezielt oder zufällig finden können (vgl. Stahl/Fritz 2002, Mitchel u.a. 2003, Ybarra/Mitchel 2005, Jackson u.a. 2007, Tsitsika u.a. 2009).Laut Weber wurde mehr als bei der Hälfte der Jugendlichen der erste Sex geplant, nachdem sie in Kontakt mit pornografischen Darstellungen kamen (Weber, 2009).!!! Im Jahr 2009 haben hat die Dr. Sommer Studie berichtet, dass 69% der 13-jährigen Jungen und 40% der Mädchen Pornos gesehen haben. Die Anzahl der 17-jährigen Jungen und Mädchen ist groß und zwar 93% und 80% der Befragten (Dr. Sommer Studie 2009). Für jugendliche Nutzer und Nutzerinnen sind über das Internet unter Umgehung der Jugendschutzbeschränkungen, die in Deutschland gelten, explizite und gewaltvolle Darstellungen sexueller Handlungen ohne Problem zugänglich. (vgl. Fegert at.al. 2014 S.375). Laut der Forschung von der Studie Jugendsexualität im Jahr 2015 wurde untersucht, dass das Bildungsniveau der Jugendlichen bei der Informationssuche im Internet unterschiedlich ist. Zum Beispiel dient bei den Mädchen das Medium Internet denjenigen mit der höheren schulischen Bildung zum Zwecke der eigenen Aufklärung als für diejenige, die eine einfache oder mittlere Schulbildung haben. Es wurde auch befragt, ob die Befragten im Internet schon einmal etwas über Sexualität erfahren haben und dabei haben 75 Prozent der Jungen und jungen Männer und 68 Prozent der Mädchen und jungen Frauen dies bejaht. Jeweils rund jedes zweite Mädchen bezieht sich auf Wikipedia und ähnliche Seiten und hat Aufklärungs- oder Beratungsseiten zum Thema besucht oder in Internetforen Fragen und Antworten gesucht/gefunden. Jedes fünfte Mädchen hat in einem Chat Wichtiges erfahren. Auch von Jungen hat etwa jeder zweite bei Wikipedia oder anderen Seiten wissenswertes für sich gefunden. Es scheint für die Jungen nicht wesentlich interessant Aufklärungs- oder Beratungsseiten mit der Kommunikationsvariante, sowie Frage zu stellen und diese zu beantworten (Bode et.al 2015, S. 62). In den letzten Jahren konnte durch Untersuchungen gezeigt werden, dass Jugendliche sehr gut zwischen der virtuellen und realen Welt im Internet unterscheiden können. Laut des Forschungsprojekt des Hamburger Instituts für Sexualforschung und Forensische Psychiatrie hat in den Jahren 2009−2011 die Interviewstudie „Internet 2013 über sexuelle Beziehung und soziale Beziehung Jugendlicher und junger Erwachsener“ eine Befragung mit 160 Teilnehmern zwischen 16 und 19 Jahren durchgeführt und ausgewertet. Daraus folgte, dass die meisten Jugendlichen klar zwischen den realen und virtuellen Welten unterscheiden können und die eine Welt nicht durch die andere ersetzen wollen. Auch das Frauenbild der virtuellen Welt wird nicht übernommen (Schmidt, 2013, S 8-16). Das Internet wird auch häufig genutzt, um Anregungen und sexuelle Fertigkeiten zu erlangen oder als Masturbationsvorlage zu dienen. Die Mädchen haben im Vergleich zu Jungen daran aber wesentlich weniger Interesse, da vor allem die pornografischen Inhalte eher auf die männliche Zielgruppe gerichtet sind (Delisle B., 2015, S. 6). Soziale Netzwerke spielen heutzutage bei den Jugendlichen und Kinder eine große Rolle. Facebook, Instagram, SchülerVZ und StudiVZ dienen nicht nur als Plattformen für Kommunikation unter den Nutzern, sondern auch als eine „Bühne zum Flirten und Partnersuche, wobei auch von Jugendlichen und Kindern z.B. durch Fotos die sexuelle Attraktivität gezeigt wurde (vgl. Ingbert von Martial, 2013, S.89-90). Videoportale wie YouTube, MyVideo, Clipfish und YouPorn werden auch ganz oft von Jugendlichen und Kindern besucht. Hier werden die Videos als Gegenstand von Gesprächen angeschaut und hochgeladen haben (Schorb u.a. 2009, S.23). Von Jugendlichen und Kindern werden expliziert häufig Videos mit sexuellen Inhalten angeschaut. Falls bei der Registrierung auf solchen Seiten keine korrekte Altersgruppe eingetippt wurde, kann dazu auch ein Minderjähriger leicht einen Zugang bekommen (Würfel u.a. 2008, S 55 und 58). Im Internet wurde sowohl bereits für jüngere Nutzern bis hin zu Nutzer im Kindergartenalter eine Gelegenheit für Seiten gefunden, wo erotisch getönte Kontakte geknüpft werden können. Auf der Seite www.knuddels.de wurden z.B. Spalten mit „Flirt“, „Over 20“, „Unter 18“ entdeckt, wo auch Adressatenoptionen angetroffen wurden, die auch unter 17-jährige erreichen sollen (vgl. Von Martial, I. 2013, S 90). Das Internet dient auch als Freiraum für pädophile Erwachsene. In solchen Chats werden potenziell sexuelle Kontakte mit den Kindern hergestellt. Wenn durch Verdächtige das relativ junge Alter des Opfers herausgefunden wurde, wurden von solchen Personen zu dem Betroffenen typische Fragen nach sexuelle Erfahrungen gestellt, die als Richtung zur Annährung sein sollen (vgl. Schindler 2009, S. 24). Im Internet kann man auch verschiedene Online Zeitschriften finden. Beispielweise hat die Jugendzeitschrift BRAVO unter den Adressen www.bravo.de oder die Zeitschrift extra für Mädchen unter www.leilas-haus.de Internetseiten. Auf diesen schon gut für Kinder bekannten Plattformen von BRAVO befindet sich eine Menge von Information über Sexualität und auch das Sexualverhalten von Jugendlichen und Kindern (RTL Disney 2008, S. 18). Diese Seiten bieten sexualtechnische und sexualbiologische Information und Antrieb für die Formung des sexuellen Lebens. Die Interessierende werden auf den Onlineseiten detaillierte Ratschläge bekommen, was sie machen sollen, damit sie lustvolle Sexualerfahrungen haben. Es gibt dort verschiedene Rubriken von Dr. Sommer, so wie z.B. LoveSchool, Interaktiv, Eure Fragen, Help, wodurch verschiedenen sexuellen Themen als Kurzlehrgänge angeboten werden. Das Hauptziel ist deutlich, einen Versuch zur Befreiung der Sexualität von Kindern und Jugendlichen zu erfüllen. Das Ganze wurde Martin Goldstein unter dem Pseudonym Dr. Sommer von 1969-1984 seine sexualpädagogische Arbeit unter die Zeitschrift BRAVO gestellt, was auch bis heute benutzt wird (vgl. Goldstein 2006, S. 116). Auf der Seite wurden nicht nur viele verschiedene Varianten des Geschlechtsverkehr geklärt und mit den Bildern detailliert angedeutet, sondern auch Hilfe zum straffreien Sex nachgewiesen, wie z.B. §§ 174ff StGB zur sexuellen Selbstbestimmung (vgl. Von Martial, I. 2013, S. 93). Eine vollständige Beratung über das Thema Sexualität wird auch auf der Onlineseite www.loveline.de von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung von 12- bis 17-Jährigen besucht (vgl. Huchler 2006, S. 117). Das Hauptziel ist hier aber Kinder und Jugendliche in der gesundheitlichen Richtung auszubilden. Die Haupthemen der Sexualaufklärung sind solche wie z.B. Körperbild und Schönheitsideale, Pille und Pille danach, Frauenärzte, Pubertät, Homosexualität usw. (vgl. Von Martial, I. 2013, S.93).

3.2. Probleme der Erziehung und Einfluss der Medien auf Kinder und Jugendlichen

Die Wirkung der Medien ist offensichtlich, und zwar wenn Sprechweise und Sprache, Kleidung und Make-Up, Meinungen, Verhaltensweisen und Emotionalität von den Akteuren der Medien übernommen werden. Die Sozialisation wurden häufig durch einige präsentierte Modelle der Medien geprägt. Das wäre z.B. der Fall, wenn Gewalt oder sexuelle Freiheit in positivem Licht gezeigt wird und dazu eine Bestrafung unterbleibt. Sexuelle Aktivität wird in mehreren Medien öfters als nur Spaß, Glück und Befriedigung dargestellt. Irgendwelche Probleme, Verantwortung und Risiko kommen überhaupt nicht oder nicht entsprechend in Frage (vgl. Von Martial 2012, S.24). Laut einer Jugendmedienforschung spielen Medien bei der Formung von Peergroup-Interaktionen eine wesentliche Rolle, da Kinder und Jugendliche mediale Darstellung und Muster als soziale Orientierung aufnehmen (vgl. Barhelmes/ Sander 1997). Die oft nicht in der Realität entsprechende Schönheitsideale werden in den Medien häufig vorgemacht. Die Fotos werden öfters durch Bearbeitung schöner gemacht. Schönheitsoperationen werden sogar für Minderjährigen angeboten (BZgA 2010 Jugendsexualität). Verschiedene Diäten werden schon im Kinderalter ausprobiert. Für Mädchen, die gerne abnehmen möchten, gibt es Blogs im Netz, wo hungernde Magersüchtige ein gemeinsames Hungern anbieten (vgl. Dr. Delisle, 2015, S.28). Durch mediale Darstellung mittels Werbung für Kosmetik- und Pflegeartikel durch die Modeindustrie oder Inszenierung eines modernen Gesundheits- und Körperbewusstseins wird nicht nur ein neues Modell von Schönheit der Frauen, sondern auch ein neues Männlichkeitsbild dargestellt (vgl. Funk/ Lenz, 2005, S.203). Das individuelle Körperkonzept orientiert sich immer am Wechsel mit der sozialen Umwelt und an kulturelle Ideale, die zeitlich gebunden sind. Es wird nicht nur durch den konstruktivistischen Genderdiskurs thematisiert, sondern auch aus den Studien zur Jugendsexualität deutlich. Laut einer Untersuchung von Milhoffer für die acht bis 14-Jährigen fühlen 80% der befragten eine Unzufriedenheit mit ihrem Körper, obwohl weitgehend sportliche Aktivität herausgestellt wurden (vgl. Milhoffer, 2000, S.47ff). In der Studie von Krahè (2011) wurden typische Merkmale für den ersten Geschlechtsverkehr mit einem neuen Partner bzw. einer neuen Partnerin untersucht. Insbesondere abgebildete Merkmale wurden als risikoträchtig im Hinblick auf sexuelle Aggression und Opfererfahrung angesehen, wie z.B. eine kurze Bekanntschaftsdauer bis zum ersten Geschlechtsverkehr, der Konsum vom Alkohol im Kontext sexueller Kontakte und die uneindeutige Kommunikation der eigenen sexuellen Absichten (vgl. Krahe, 2011, S. 139). Durch die Untersuchung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung von 2010 wurde z.B. ein erhebliches Risiko für unfreiwillige Sexualkontakte bei Mädchen gefunden. Sie hatten ihren ersten Sexualkontakt mit einem Partner, den sie kaum kannten und einige sexuelle Verhaltensdrehbücher enthalten dieses Verhalten, und zwar Sex nach kurzer Bekanntschaft als typisch und normativ, obwohl dies als riskant im Hinblick auf sexuelle Opfererfahrung betrachtet werden kann (vgl. Krahe u.a. 2007, S. 690). Je häufiger die Kinder und Jugendlichen pornografische Medieninhalte nutzen, desto höher ist die Ausprägung dieser Risikomerkmale. Damit wurde festgestellt, dass in pornografischen Darstellungen ein Bild sexueller Aktivität vermittelt wird, dass einige bewiesenen Risikofaktoren sexueller Aggression anspricht, und dass sich dieses Bild in den Vorstellungen von Jugendlichen über Merkmale sexueller Interaktion widerspiegelt (vgl. Krahe B, 2014, S.375). Mediendarstellungen können einen kausalen Einfluss auf die Einstellungen der Nutzer/innen ausüben. Als ein Beispiel wären sozusagen weibliche Zuschauerinnen, die Filme mit stereotypen Darstellungen sexueller Beziehungen anschauen, mit den Themen wie Sex als Freizeitbeschäftigung, Frauen als Sexobjekte und Männer als Sexbesessene. Diese Stereotypen stimmten anschließend stärker zu als Zuschaurinnen in einer Kontrollbedingung (Ward/ Friedman, 2006, S.150). Ein privater Austausch von selbst produzierten erotischen Fotos ist heutzutage per Handy oder im Internet auch eine populäre und im Moment gefährliche soziale Praktik von Jugendlichen. Dies hat ein Name, und zwar Sexting. Dadurch können Jungen Respekt und Popularität von anderen Jungen gewinnen, wenn sie mehr nackte Fotos von verschiedenen Mädchen gesendet bekommen (vgl. Ringrose u.a. 2013, S.313). Die Mädchen, die diese Fotos schicken, haben hingegen einen anderen Ruf. Mädchen, die z.B. keine Fotos verschicken, gelten als anständig. Die Ungleichheit in der Bewertung von Mädchen und Jungen wird deutlich in Bildern von Sexszenen. Jungen gelten als cool, Mädchen als dumm oder als Schlampe (vgl. Ringrose u.a. 2013, S.315).

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Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Einfluss der Medien auf die Sexualerziehung von Kindern und Jugendlichen
Hochschule
Universität zu Köln
Note
1,7
Autor
Jahr
2020
Seiten
15
Katalognummer
V952180
ISBN (eBook)
9783346293473
ISBN (Buch)
9783346293480
Sprache
Deutsch
Schlagworte
einfluss, medien, sexualerziehung, kindern, jugendlichen
Arbeit zitieren
Marianna Krokhmalna (Autor), 2020, Einfluss der Medien auf die Sexualerziehung von Kindern und Jugendlichen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/952180

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