Sachsen als Bundesstaat im Deutschen Reich


Referat / Aufsatz (Schule), 1999
4 Seiten, Note: 14 Punkte

Gratis online lesen

1. Sachsen wird Bundesstaat

- Frühjahr 1866 hielt preuß Ministerpräsident Otto von Bismarck entscheidenden Zeitpunkt für Waffengang gegen Österreich

➔ polit. Umgestaltung Deutschlands gekommen (Deutscher Krieg) ➔ kleindt. Lösung

- Sachsen unterstützte Habsburgermonarchie

- Leipzig, Dresden, Chemnitz wurden von Antikriegsbewegungen erfaßt ➔ ging von Süddtl. aus

➔ Volksversammlungen verabschiedeten Beschlüsse gegen friedensbedrohende Politik Preußens

- 16.6.1866 überschritten preuß. Truppen die Grenze Sachsens

➔ König Johann zog sich nach Böhmen zurück

➔ Kriegsentscheidung fiel in Böhmen am 3. Juli 1866 in der Schlacht bei Königgratz

- kampflos besetzte Preußen Sachsen

- nach Sieg Preußens blieb Sachsen nur dank öst. u. franz. Fürsprachen als Staat erhalten

➔ hohe finanzielle Forderungen, Pressezensur, Polizeiwillkür und Befestigungsbau um Dresden ➔ antipreußische Stimmung verschärft

➔ Sachsen mußte nach NL im Dt. Krieg 1866 am 21.10.1866 im Frieden von Berlin den Nordt. Bund (unter preuß Führung) beitreten (staatl. Souveränität eingeengt)

1.1. Sachsen im Nordeutschen Bund

- erhielt 4 der 43 Stimmen im Bundesrat (Preußen 17)

- von 23 Abgeordneten im Reichstag vertreten

- hatte noch Wehrhoheit, Gesetzgebungsbefugnisse

➔ behielt Selbständigkeit in der inneren Verwaltung, im Polizei-, Gemeinde-, Schul-, Hochschul-, und Staatskirchenrecht

1.2 Gründung des Deutschen Reiches

- 18.1. 1871 versammelten sich im Spiegelsaal des Schlosses zu Versailles deutsche Fürsten und hohe Offiziere um König Wilhelm I von Preußen zum dt. Kaiser auszurufen

- Kronprinz Albert + Bruder Georg nahm als Repräsentant der Wettiner an der prunkvollen Zeremonie teil

- Königreich konnte aufblühen ➔ födererale Verfassung gewährleistete eine gewisse Selbständigkeit

- für Sachsen als Bundesstaat im Deutschen Reich änderte sich im Vergleich zum Nordt. Bund kaum etwas

➔ fortschrittliche Wirtschaftsgesetzgebung erleichterte Industrialisierung Sachsens

2. Innenpolitische Entwicklung:

- Sachsen behielt Verfassung (Nordt. Bund) ➔ wenig Freiraum für Politik der Bundesstaaten

- Fläche an fünfter, Einwohnerzahl an dritter Stelle der 25 dt. Bundesstaaten

- Gesetzgebungsbefugnisse der Bundesstaaten wurden durch die Reichsverfassung wesentlich beschnitten

➔ Kompetenz über Polizei, Gemeinde-, Schul-, Hochschul-, Staatskirchenrecht

- Staatshaushalt stützte sich auf direkte Steuern

- Domäne blieb Verwaltung ➔ Verfassung legte Vollzug der Reichsgesetze auf dem Verwaltungswege in die Hände der Bundesstaaten

- Justizwesen lag in ihrer Kompetenz ➔ 1879 geschaffene Reichsgericht bekam seinen Sitz in Leipzig

2.1. Wirtschaftsentwicklung

- in den letzten 3 Jahrzehnten des 19 Jhd. bildete sich das typ. sächs. Wirtschaftsprofil aus

- während im Reichsdurchschnitt 39,1% der Beschäftigten auf Industrie und Handwerk und 35,8% auf LW

entfielen, waren es in Sachsen 58 und 15,1%

- traditionelle Textilindustrie, Konfektionsindustrie, Maschinenbau, Metallverarbeitung

- bedeutendste Gründung während der Gründerjahre war 12.11.1872 Dresdener Bank ➔ nach nur 25 Jahren war die Dresdner Bank zur drittgrößten Bank Deutschlands geworden

3. Sachsen als rotes Königreich:

- 1895 erschien der von Wilhelm von Polenz kritisch-realistische Roman "Der Büttnerbauer"

➔ beschreibt Schicksal der in kapitalistischen Schuldknechtschaft geratenen Kleinbauern seiner Heimat

➔ viele Kleinbauern sanken schrittweise ins Proletariat ab, betrieben LW als Nebenerwerb

3.1. In den sechziger Jahren:

- seit Beginn dieses Jahrzehnts bildeten sich zahlreiche Arbeitervereine „wie Pilze nach einem Sommerregen“ (August Bebel)

- in Leipzig existierte neben bürgerlich geführten Gewerblichen Bildungsverein der polit. Arbeiterverein

„Vorwärts“ ➔ Vertreter Wilhelm Fritzsche u. Julius Vahlteich

➔ nahmen Kontakt mit Ferdinand Lassalle auf

➔ war Präsident des im Mai 1863 in Leipzig gegründeten „Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein“ (ADV) auf Grundlage des im März erschienenen „Arbeiterprogramm“

➔ die Arbeitervereine unter liberalem Einfluß wurden Anfang Juni 1863 im Verband Deutscher Arbeitervereine zusammengefaßt

- August Bebel und Wilhelm Liebknecht gründeten 1869 die Eisenacher Partei (sozialdemokratische Arbeiterpartei)

➔ in diese Partei der im VDAV organisierte Arbeitervereine, Gewerkschafter, einige Lassalleaner und Mitlglieder der I. Internationale auf

3.2 In den siebziger Jahren

- nach der Vereinigung von Sozialdemokratischer Arbeiterpartei ADAV 1875 in Gotha erlebte die Sozialdemokratie im Reich und in Sachsen einen enormen Aufschwung

➔ in Sachsen heftiger als in anderen Reichsteilen von Behörden behindert

3.3. Entwicklung der Sozialdemokratie in Sachsen

- Innenpolitk Sachsens im letzten Drittel des 19 Jhd. ➔ Widerspruch zw. fortgeschrittenen sozialökonom. und auf den Stand von 1831 stehengebliebenen politisch-staatl. Verhältnissen charakterisiert

- Eingliederung in Norddt. Bund und in das dt. Reich erforderte die innenpolit. Verhältnisse Sachsens den neuen polit. Bedingungen anzupassen und längst überfällige Reformen nachzuholen

- Innenpolitische Reformen (von konservativen Ministern durchgeführt) am Ende der Regierungszeit König Johanns ließen erkennen daß sich Interressen des Adels und der Bourgeoisie annäherten

- Staatsverwaltung einigen Erfordernissen der kapitalist. Gesellschaft angepaßt

- Adel und Bourgeoisie rücken immer mehr zusammen

➔ das Anwachsen der revolutionären Arbeiterbewegung zur polit. Hauptkraft

➔ Sachsen Entwicklung zum "roten Königreich" konnten sie nicht aufhalten

- marxistische Arbeiterpartei festigte ihre Position in Sachsen rasch durch Verbreitung lokaler Parteizeitung ("Dresdner Volksboten", "Volksstaat")

- 1871 streikten 7000-8000 Metallarbeiter für 60h Woche + höhere Löhne ➔ neue Kräfte zur Arbeiterbewegung

- in Sachsen wurde marxistische Arbeiterbewegung mehr als in anderen Ländern verfolgt

- 1872 Höhepunkt der ersten Verfolgungswelle nach der Reichsgründung ➔ auf Druck Bismarcks hin wurde Leipziger Hochverratsprzeß gegen Bebel, Liebknecht und Hepner inszeniert (Redakteure des "Volksstaates"

- trotz 2 Jahre Haft von Bebel und Liebknecht erhielt Arbeiterbewegung neuen Auftrieb

- 1874 Reichstagswahlen ➔ Sozialdemokraten fast doppelt so viel wie die Konservativen

- in anderen dt. Bundesstaaten zogen Sozialdemokraten erst nach 1890 in Preußen nach 1908 in Landesparlamente ein

- 1875 vereinigen sich in Gotha die sozialdemokrat. Arbeiterpartei unter August Bebel und Wilhelm Liebknecht und der Allgemeine dt. Arbeiterverein der Lassalle Anhänger zur soz. Arbeiterpartei Dtl.

➔ Preußen reagiert auf "Rotes Sachsen"

- 1877 berichtete ein peuß Gesandter in Dresden: „Es gibt kein anderes Mittel, der sozialdemokratischen Bewegung mit Erfolg entgegenzutreten, als das Verbot dieser Richtung auf dem Wege der Reichsgesetzgebung §1: Die Sozialdemokratie ist verboten. §2: Wer der Richtung angehört, wird eingesperrt“

- 1878 Reichstagswahlen ➔ 30% aller sozialdemokrat Stimmen kamen aus Sachsen

➔ veranlaßten sächs. Behörden, Bismarcks „Gesetz gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie“ besonders rücksichtslos durchzusetzen

➔ 21.10.1878 Sozialistengesetz vom Reichstag verabschiedet

➔ Erfolg oder Mißerfolg mußte sich wesentlich in Sachsen entscheiden

➔ nach Inkrafttreten des Ausnahmegesetzes am 21.10.1878 zogen sich die starken Parteiorganisationen in Leipzig, Dreseden, Chemnitz in die Illegalität zurück

➔ konnten Einfluß auf Arbeiterklasse weiter vertiefen

- bei den ersten Reichstagswahlen unter dem Sozialistengesetz errangen die Sozialdemokraten einen großen moralischen Sieg

➔ in den Hochburgen der Arbeiterbewegung wie in Leipzig und Chemnitz erzielten sie einen Stimmenzuwachs

- die Wahlen beweisen, daß die Sozialdemokratie durch Ausnahmegesetze nicht zu unterdrücken war

- Versuche Bismarcks, die Arbeiter mit dem „Zuckerbrot“ einiger Sozialgesetz weich zu klopfen scheiterten

➔ Sozialdemokratie vergrößerte Einfluß in Sachsen kontinuierlich und gewann auch in agrarischen Kreisen zunehmend an Boden

- von 1881-1890 stieg die sozialdemokratische Stimmenzahl bei den Reichstagswahlen in harten Kämpfen

- bei den letzten Wahlen unter dem Sozialistengesetz wurden in Sachsen 42,1% aller Stimmen für die Sozialdemokratie abgegeben

➔ es wurde deutlich, daß Sachsen nicht mehr wie in den siebziger Jahren die bedeutendste von einigen wenigen roten Inseln in Deutschland war

➔ revolutionäre Arbeiterbewegung überall im raschen Vormarsch

- 1.5. 1890 begingen sächs. Arbeiter den II. Internationalen Kampftag für Achtstundentag und die internat. proletarische Solidarität

- Sieg über Sozialistengesetz ➔ wiedergewonnene Legalität ➔ günstigere Bedingungen für die Sammlung, Organisierung und Aufklärung der Arbeiterklasse

- in Sachsen bildete sich rasch eine gut funktionierende Landesvereinigung heraus

➔ höchste Organ bildete die jährliche Landesversammlung (Funktionär: August Kaden 1892-1899) ➔ zu einen der Vorsitzenden gewählt

- das Leben im Kampf gegen Sozialistengesetz der Sozialdemokraten war charakteristisch für viele Arbeiterfunktionäre

- in den vier Bezirken (Leipzig, Dresden, Chemnitz u. Zwickau) besaß die Sozialdemokratie auflagenstarke Presseorgane

➔ vorallem LVZ (1894) entwickelte sich zum „Ideal einer sozialdemokratischen Tageszeitung“ ➔ sächs. Arbeiterzeitung

3.4. Wilhelm II reagiert auf Sozialdemokraten - Einführung des Dreiklassenwahlrechts

- 1893 zogen 14 Sozialdemokraten in die zweite Kammer ein

➔ König Albert regte 1894 bei Wilhelm II ein schäferes Vorgehen gegen die Sozialdemokraten im Parlament an

➔ Sozialdemokraten forderten gleiches, geheimes und direktes Wahlrecht zur 2. Kammer für alle Staatsbürger über 21 Jahre

➔ Konservativen brachten 1896 ein an Preußen orientiertes Dreiklassenwahlrecht (schloß alle Nichtsteuerzahler vom Wahlrecht aus)

➔ löst das seit 1861 geltende Zensuswahlrecht ab

➔ das Wahlgesetz bereitet der sozialdemokratischen Vertretung im sächs. Parlament ein Ende

➔ dieses Gesetz diskriminierte 80% der Wähler polit. und machte eine Wahl von Sozialdemokraten in den Landtag fast unmöglich

Inhalt: - die 82 Abgeordeneten der zweiten Kammer werden indirekt durch Wahlmänner auf sechs Jahre gewählt

- Die Wähler der Urwahlbezirke werden in drei Klassen eingeteilt, die sich nach der Höhe der gezahlten Grund- und Einkommenssteuer richten

- Nichtsteuerzahler sind nicht wahlberechtigt

4. Zusammenfassung:

- Sachsen war zwischen 1871 und 1918 der einzige deutsche Staat, der einen derart gravierenden Wahlrechtsraub vollzog
- Folge: bis 1901 schieden alle Sozialdemokraten aus der Zweiten Kammer aus ➔ Konservativen erlangten sogar die verfassungsändernde 2/3 Mehrheit
- Wahlrechtsverschlechterung verschärfte an der Jahrhundertwende die Klassengegensätze besonders

➔ treffend bezeichnete die „Sächsische Arbeiterzeitung“ Sachsen als „Musterländchen der Reaktion“

5. Quellen:

- Chronik der Deutschen / Chronik Verlag

- Aus der Geschichte Sachsens / Cornelsen

- Bundesstaat im Deutschen Reich / Roland Zeise und Bernd Rüdiger

- Meyers Neues Lexikon

- Bertelsmann Lexikon

- LEXI ROM

- Internet

Bewertung: 14NP (Geschichte Leistungskurs 11/I)

4 von 4 Seiten

Details

Titel
Sachsen als Bundesstaat im Deutschen Reich
Note
14 Punkte
Autor
Jahr
1999
Seiten
4
Katalognummer
V95227
Dateigröße
342 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sachsen, Bundesstaat, Deutschen, Reich
Arbeit zitieren
Matthias Kahnt (Autor), 1999, Sachsen als Bundesstaat im Deutschen Reich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/95227

Kommentare

  • Gast am 9.3.2001

    "Danke".

    Ich bin wahnsinnig dankbar für dieses referat. Es hat mein geschichtsvortrag gerettet!!!

  • Gast am 20.1.2002

    Danke - Part two.

    Wir sind echt dankbar, dass es auf dieser Welt noch History-Freaks wie dich gibt. Denn sonst wären wir als Geschichtshasser echt aufgeschmissen!
    Also DAAAAAAAAAAAAAAAAAAAANKE!!!!!!!!

  • Gast am 17.4.2002

    Super!!!.

    Ich danke dir vielmals, denn ich hatte genau die selbe Aufgabe zu erledigen!!!!

    Da ich nix gefunden habe wurde mir diese Seite empfolhen und siehe da...

    Du warst meine Rettung...

    DANKE DANKE DANKE

    MfG Lars

    Ich sage dir bescheid, was ich auf den Vortrag bekommen habe

  • Gast am 1.12.2002

    genau was ich brauch!.

    wahnsinn!mein erster versuch,und ich find direkt das,was ich brauch,denn genau darüber soll ich auch einen vortrag halten.ein großes dankeschön an deinen lehrer,weil er dir diese aufgabe gegeben hat.

  • Gast am 11.2.2004

    Danke Danke Danke....

    He Mathias ich such die ganze Zeit rum im Netz und wollt es schon aufgeben und dann deine Arbeit!!!Danke die ist ist echt gut und ich hoffe mein Vortrag wird auch 14 Punkte!

Im eBook lesen
Titel: Sachsen als Bundesstaat im Deutschen Reich


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden