Gewaltfreie Kommunikation. Die sanfte Art der Gesprächsführung

Eine wirkungsvolle Methode im Konfliktmanagement?


Bachelorarbeit, 2020

28 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Marshall B. Rosenberg
2.1 Die Gewaltfreie Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg
2.2 Die vier Komponenten der Gewaltfreien Kommunikation
2.2.1 Schritt 1: Beobachtungen und Bewertungen
2.2.2 Schritt 2: Gefühle
2.2.3 Schritt 3: Bedürfnisse
2.2.4 Schritt 4: Bitten

3. Das Hamburger Kommunikationsmodell
3.1 Der Sachinhalt
3.2 Die Selbstoffenbarung
3.3 Die Beziehung
3.4 Der Appell
3.5 Fazit

4. Ärger mithilfe der Gewaltfreien Kommunikation ausdrücken
4.1 Den Auslöser von der Ursache unterscheiden
4.2 Die vier Schritte der Gewaltfreien Kommunikation
4.3 Empathie anbieten
4.3.1 Die Definition von Empathie
4.4 Fazit

5. Was ist ein Konflikt?
5.1 Konfliktentstehung
5.2 Konfliktarten
5.3 Chancen und Risiken von Konflikten
5.4 Konfliktverhalten in Teams
5.4.1 Konflikte verstehen
5.4.2 Umgang mit Konflikten
5.5 Konfliktklärung
5.6 GFK-Konfliktschritte - ein kurzer Überblick

6. Konfliktklärung in Giraffensprache nach GFK
6.1 Der Schakal
6.2 Die Giraffe
6.3 Die GFK-Elemente in der Giraffen- / Schakalsprache

7. Schlusswort

8. Literaturverzeichnis

9. Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

Kommunikation bildet die Grundlage des menschlichen Miteinanders. Menschen sprechen miteinander, ohne darüber nachzudenken, warum sie gerade sprechen.

Alles zwischenmenschliche Sprechen wird von nonverbalen Signalen wie Gestik, Mimik und Bewegungen begleitet. Um uns gegenseitig besser zu verstehen und in unserem Alltag, beruflich oder privat, Konflikte lösen und vorbeugen zu können, bedarf es einer offenen und klaren Kommunikation.

Ich arbeite seit zwei Jahren in der Leitungsfunktion einer Schulkindbetreuung in einer Grundschule. Jeden Tag kümmern wir uns um ca. 105 Grundschulkinder der 1. bis 4. Klasse. Unser multiprofessionelles Team besteht aus Erzieherinnen, pädagogischen Fachkräften, Ergänzungs- und Aushilfskräften, einem Anerkennungspraktikanten und einer Mitarbeiterin im Bundesfreiwilligendienst. Das Alter ist bunt gemischt, es gibt unterschiedliche Herkunftsländer, unterschiedliche fachliche Kompetenzen und damit auch verschiedene Ansichten einer gelungenen Kommunikation.

Konflikte in pädagogischen Teams sind nichts Ungewöhnliches. Betreuungsteams arbeiten täglich unter großen Herausforderungen zusammen. Oft werden aus Zeitmangel nur kurze Notizen für Kollegen geschrieben und Informationen in Stichpunkten weitergegeben. Lautstärke und Stress begleiten diese Teams in ihrer täglichen Arbeit. Gerade deshalb ist es wichtig, respektvolle Gespräche zu führen, einfühlsam, emphatisch und trotzdem zielgerichtet zu sein.

Als Teamleitung möchte ich einen Weg finden, innerhalb meines Teams und in der Beziehung zwischen Team und mir als Leitung einen wertschätzenden Umgang miteinander zu etablieren.

In dieser Facharbeit möchte ich Marshall B. Rosenberg und seine Methode der Gewaltfreien Kommunikation vorstellen, die vier Schritte der GFK erläutern, einen Vergleich zur Hamburger Methode nach Friedemann Schulz von Thun ziehen, Konflikte bearbeiten und Rosenbergs Giraffensprache erklären.

Es ist mir wichtig zu erarbeiten, wie normale Gespräche in Konfliktgespräche umschlagen können und ob die sanfte Art der Gesprächsführung der Gewaltfreie Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg eine wirkungsvolle Methode im Konfliktmanagement sein kann. Ich möchte herausfinden, welche Voraussetzungen gegeben sein müssen, um mit dem Modell der Gewaltfreien Kommunikation im Team arbeiten zu können.

2. Marshall B. Rosenberg

Marshall B. Rosenberg wird am 6. Oktober 1934 in Canton, Ohio geboren. Er beschäftigt sich viele Jahre seines Lebens mit zwei Fragen:

1. Was geschieht, wenn wir die Verbindung zu unserer einfühlsamen Natur verlieren und uns daraufhin gewalttätig und ausbeuterisch verhalten?
2. Wie schaffen es manche Menschen, selbst unter schwierigsten Bedingungen, mit ihrem einfühlsamen Wesen in Kontakt zu bleiben?

Im Sommer 1943 zieht Rosenberg mit seiner Familie nach Detroit, Michigan und er beginnt diese Fragen aufzuarbeiten. Die Familie zieht in ein überwiegend von Schwarzen bewohntes Viertel. Er wird dort oftmals Zeuge von Rassenunruhen und auch selbst Opfer von Diskriminierung. Zwei Wochen nach seiner Ankunft brechen in einem Park Kämpfe zwischen Schwarzen und Weißen aus, mehr als 40 Menschen werden getötet und die Familie Rosenberg wird drei Tage lang zu Hause eingesperrt. Als er wieder zur Schule darf wird ihm bewusst, dass ein Name genauso gefährlich sein kann wie eine Hautfarbe.

Bei der Anwesenheitskontrolle fällt sein Name und zwei Mitschüler fragen ob er Jude sei. Auf dem Heimweg wird er von diesen zwei Jungs verprügelt.

Rosenberg beschäftigt sich daraufhin mit den Umständen, die unsere Fähigkeit beeinflussen einfühlsam zu bleiben und er entwickelt ein starkes Interesse an Formen der Kommunikation, die eine friedliche Alternative darstellen. Er möchte der Menschheit mitteilen, wie wichtig die Kraft der Kommunikation ist. Sprechen, Zuhören, natürliches Einfühlungsvermögen, Empathie und Respekt sind Verbindungen zu unserer einfühlsamen Natur und die Verbindung zu anderen Menschen. Dies müssen wir aufrechterhalten.

Diesen Prozess nennt Marshall B. Rosenberg die Gewaltfreie Kommunikation (GTS), die Kommunikation, die uns dazu bringt, von Herzen zu geben.1 Rosenberg stirbt am 07. Februar 2015.

2.1 Die Gewaltfreie Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg

Der Begriff Gewaltfreie Kommunikation stößt immer wieder auf Ablehnung und Kritik, da er zu implizieren scheint, dass wir alle „gewalttätig" seien. Leider steht „gewaltfrei" auch im direkten Widerspruch zu dem, was die Gewaltfreie Kommunikation lehrt, nämlich zu benennen, was wir wollen, anstatt zu sagen, was wir nicht wollen. Aus diesem Grund bezeichnet Marshall B. Rosenberg die Art, sich in dieser Weise auszudrücken, lieber als „eine lebensbereichernde Sprache", eine „Sprache des Herzens" oder Giraffensprache. Der Begriff „Gewaltfreie Kommunikation" ist inzwischen durch die Vielzahl der Buchveröffentlichungen weltweit etabliert und bekannt.2

Bei der Gewaltfreien Kommunikation handelt es sich nicht um eine Methode oder um ein Modell, sondern vielmehr um eine Haltung, mit der wir mit uns und anderen Menschen umgehen wollen. Es geht nicht um gewinnen oder verlieren, sondern um ein Leben in Gemeinschaft und Respekt vor Menschen und Natur und gegenseitiger Wertschätzung. Gewaltfreie Kommunikation beschreibt dabei den Weg, wie wir miteinander in Kontakt kommen. Sie schließt jede Art der Kommunikation mit ein, die diesem Zweck dient, sei sie verbal oder nonverbal.

Die Methodik der vier Schritte der Gewaltfreien Kommunikation, auf die ich in der nächsten Untergliederung eingehen werde, ist allerdings lediglich ein Hilfsmittel, Handwerkszeug, mit dem wir lernen können uns auszudrücken. Oft öffnet ein Lächeln, Musik oder ein Bild mehr Herzen als viele Worte.

Die Gewaltfreie Kommunikation hilft uns bei der Umgestaltung unseres sprachlichen Ausdrucks und unserer Art zuzuhören. Wir werden angeregt, uns ehrlich und klar auszudrücken und gleichzeitig anderen Menschen unsere respektvolle und einfühlsame Aufmerksamkeit zu schenken. Um die Gewaltfreie Kommunikation anzuwenden, müssen die Menschen mit denen wir kommunizieren, nicht in der Gewaltfreien Kommunikation ausgebildet sein. Sie müssen nicht einmal die Absicht haben, sich im Kontakt mit uns einfühlsam zu verhalten. Wenn wir selbst mit den Prinzipien der Gewaltfreien Kommunikation im Einklang bleiben - einzig und allein, um einfühlend zu geben und zu nehmen- dann werde wir am Ende in der Lage sein, einfühlsam miteinander kommunizieren zu können. Auch wenn es nicht immer schnell geht, das Einfühlungsvermögen wird sich unvermeidlich entfalten, wenn wir den Prinzipien der Gewaltfreien Kommunikation treu bleiben.3

Zusammenfassend können wir festhalten:

Mit falschen und unangebrachten Worten können wir andere Menschen sehr verletzen. Die Gewaltfreie Kommunikation thematisiert den Prozess, sich in andere und in uns selbst einzufühlen.

Die Gewaltfreie Kommunikation ist eine Methode, mit deren Hilfe wir lernen können unsere Gefühle und Bedürfnisse klar und ehrlich auszudrücken, ohne unsere Mitmenschen zu beschuldigen oder zu bewerten. Wir lernen unsere Bitten klar zu formulieren, ohne andere zu verletzen, zu drohen oder zu manipulieren. Kritische und feindselige Aussagen anderer dürfen wir nicht persönlich nehmen, wir müssen versuchen, unausgesprochene Gefühle und Bedürfnisse, die hinter diesen Aussagen stehen, wahrzunehmen.

2.2 Die vier Komponenten der Gewaltfreien Kommunikation

Im Folgenden werde ich auf die vier Komponenten der Gewaltfreien Kommunikation eingehen, um die Funktion des Modells der Gewaltfreien Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg aufzuzeigen. Wenn wir im Konfliktmanagement innerhalb unseres multiprofessionellen Teams erfolgreich nach diesem Modell arbeiten wollen, müssen wir selbst in dieser Sprache kommunizieren, um uns in andere Menschen hineinfühlen zu können. Ich möchte als Teamleitung in Konfliktsituationen mit meinen Mitarbeitern die Gewaltfreie Kommunikation anwenden. Ebenso lege ich sehr viel Wert darauf, dass mein Team untereinander diese sanfte Gesprächsführung anwendet, ebenso im Dialog mit den Kindern. Damit wir in der Gewaltfreien Kommunikation sicherer werden, sind immer wieder Schulungen und pädagogische Tage nötig. Die Gewaltfreie Kommunikation ist ein stetiger Lernprozess.

Die vier Komponenten der Gewaltfreien Kommunikation sind:

1. Beobachtungen und Bewertungen
2. Gefühle und Gedanken
3. Bedürfnisse und Strategien zur Erfüllung eines Bedürfnisses
4. Bitten und Forderungen

2.2.1 Schritt 1: Beobachtungen und Bewertungen

Das genaue Beobachten der Mitarbeiter und Teamkollegen ist von größter Bedeutung in der Gewaltfreien Kommunikation, damit wir kommunizieren können wie es uns geht. Jedoch sind hierbei das Beobachten und das Bewerten klar zu differenzieren. Wird beides verknüpft, besteht die Möglichkeit das andere Menschen unsere Informationen falsch interpretieren und als Angriff oder Kritik sehen. Das Beobachten ohne zu bewerten fällt uns gerade in Konfliktsituationen noch schwer. Für mich als Leitung und auch für die Teammitglieder untereinander stellt es eine sehr große Herausforderung dar, Beobachtungen und Bewertungen im Konfliktgespräch nicht zu vermischen.

Die Trennung zwischen Beobachten und dazugehörigen Interpretationen ist einer der Kernpunkte der Gewaltfreien Kommunikation. Es geht in der GFK nicht darum, Bewertungen ihren Sinn abzusprechen. Sie tragen jedoch erst dann zum Gelingen eines Gesprächs bei, wenn wir zwischen der Bewertung und der Beobachtung unterscheiden.4

Beim 1. Schritt der Gewaltfreien Kommunikation geht es um wertfreies Beobachten. „Ich habe gehört, gesehen, gelesen.“. Die Gewaltfreie Kommunikation unterscheidet wertfreies Beobachten von Bewertungen, Analysen, Diagnosen und Schuldzuweisungen. Wertfreies Beobachten hilft, in schwierigen Situationen einen konstruktiven Gesprächseinstieg zu finden. Hilfreiche Fragen für wertfreies Beobachten sind:

- Was ist wertfrei betrachtet geschehen?
- Was wurde gesagt und getan?
- Was haben Sie konkret beobachtet? (ebd., S. 1)

Die Interpretation und Bewertung von Informationen sind notwendig, um sich eine Meinung zu bilden und angemessene Entscheidungen zu treffen. Wenn wir aussprechen, auf welche Beobachtungen sich unsere Interpretationen stützen, bleiben unsere Gedankengänge auch für Außenstehende nachvollziehbar. Vermeiden sollten wir dagegen die Vermischung von Beobachtung und Interpretation. Bewertungen wie „Ihre Präsentation ging voll an der Sache vorbei“ lösen bei unserem Gegenüber nicht Interesse sondern Abwehr aus. (ebd., S. 35)

Beobachtungen sind ein wichtiges Element in der Gewaltfreien Kommunikation, wenn wir einem anderen Menschen klar und ehrlich mitteilen wollen, wie es uns geht. Wenn wir die Beobachtung mit einer Wertung verknüpfen, vermindern wir die Wahrscheinlichkeit, dass andere das hören, was wir sagen wollen. Sie neigen dann eher dazu, Kritik zu hören, und wehren so ab, was wir eigentlich sagen wollen.5

Die folgende kleine Tabelle soll veranschaulichen, wie wir Beobachtungen von Bewertungen unterscheiden können:6

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Tabelle Beobachten von Bewertungen unterscheiden (Quelle: Rosenberg, Marshall B. (2016): Gewaltfreie Kommunikation, Eine Sprache des Lebens, S. 42

2.2.2 Schritt 2: Gefühle

Der 2. Schritt der Gewaltfreien Kommunikation beschreibt, wie wichtig das Ausdrücken von Gefühlen im Miteinander mit unseren Mitmenschen ist. Als Leitung versuche ich täglich, mein Team nach dem Befinden zu fragen. In der ersten Zeit waren die Reaktionen darauf sehr verhalten. In der heutigen Zeit sind wir es nicht gewohnt nach unseren Gefühlen gefragt zu werden, ehrliche Antworten geben wir auf diese Fragen nur selten. Die Gewaltfreie Kommunikation zeigt uns auf, dass das Ausdrücken von Gefühlen eine sehr große Herausforderung für uns alle zu sein scheint. Wir müssen lernen, unsere Gefühle richtig auszudrücken.

Es geht in diesem 2. Schritt um die Wahrnehmung von Gefühlen. Die Gewaltfreie Kommunikation unterscheidet zwischen Gefühlen und Gedanken. Sie benutzt ein Vokabular von angenehmen und unangenehmen Gefühlen, die auf erfüllte und unerfüllte Bedürfnisse hinweisen. Alle Menschen auf der Welt verfügen grundsätzlich über denselben Gefühlsschatz. Zwischenmenschliches Vertrauen entsteht über gegenseitige Einfühlung.7

Hilfreiche Fragen zu Gefühlen sind:

- Wie geht es Ihnen mit dem Gehörten (Gesagten, Beobachteten...)?
- Wie fühlen Sie sich dabei?
- Was löst das bei Ihnen aus?8

Durch das Entwickeln eines Wortschatzes, der es uns ermöglicht, unsere Gefühle klar und deutlich zu beschreiben, können wir leichter miteinander in Kontakt treten. Es kann bei der Konfliktlösung hilfreich sein, wenn wir uns zugestehen, mit dem Ausdrücken unserer Gefühle auch Verletzlichkeit zu zeigen. Die GFK unterscheidet zwischen dem tatsächlichen Ausdruck von Gefühlen einerseits und Wörtern sowie Aussagen, die Gedanken, Einschätzungen und Interpretationen wiedergeben, andererseits.

Hier einige Beispiele, wie wir Gefühle verbal ausdrücken können:

- Ich bin traurig, dass du gehst.
- Ich bekomme Angst, wenn du das sagst.

Hier einige Formulierungen, die kein Gefühl ausdrücken, sondern zeigen was die Person darüber denkt:

- Ich habe das Gefühl, dass / als ob.
- Ich fühle mich wie.9

2.2.3 Schritt 3: Bedürfnisse

Alles, was wir tun, tun wir aufgrund von Bedürfnissen. Konflikte entstehen, wenn die Bedürfnisse einer Partei auf Koste der Bedürfnisse einer anderen befriedigt werden. Die Gewaltfreie Kommunikation unterscheidet Bedürfnisse von Strategien zur Erfüllung von Bedürfnissen. Während man über Strategien zur Erfüllung von Bedürfnissen vortrefflich streiten kann, erzeugt das Gespräch über die individuellen Bedürfnisse gegenseitiges Verständnis. Gewaltfreie Kommunikation zielt auf Lösungen ab, die die Bedürfnisse aller Beteiligten im Blick haben.

Hilfreiche Fragen zu Bedürfnissen lauten:

- Was genau ist Ihnen wichtig?
- Geht es Ihnen um.?
- Was soll sich dabei für Sie erfüllen?10

Hinter jedem Gefühl steckt ein Bedürfnis. Ich möchte aufzeigen, dass zwischen Gefühlen und Bedürfnissen ein Zusammenhang besteht. In unserer täglichen Arbeit innerhalb des Teams und als Leitung mit Mitarbeitern stoßen wir oft auf Kritik. Gerade in Stresssituationen urteilen wir über Situationen und das Verhalten der Kollegen und Mitarbeiter. Den meisten Menschen wurde nicht beigebracht, Gefühle zu verbalisieren.

Wenn wir uns in Alltagssituationen bewegen und feststellen, dass Bedürfnisse unerfüllt sind, läuft ein automatisierter Denkprozess in uns ab, welcher den Fehler bei unseren Mitmenschen sucht, statt bewusst darüber nachzudenken, was uns fehlt. Dies führt dazu, dass wir andere Menschen kritisieren.

Äußert sich jemand uns gegenüber negativ, gibt Rosenberg uns 4 Reaktionsmöglichkeiten vor:

- Uns selbst die Schuld geben: Wir nehmen es persönlich, Vorwürfe oder Kritik zu hören. Wir akzeptieren das Urteil des anderen und geben uns selbst die Schuld. Die Wahl dieser Möglichkeit geht stark auf Kosten unseres Selbstvertrauens.
- Anderen die Schuld geben: Wir beschuldigen den Sprecher, dann ist unser Gefühl wahrscheinlich Ärger.
- Unsere eigenen Gefühle und Bedürfnisse wahrnehmen: Indem wir unsere Aufmerksamkeit auf unsere eigenen Gefühle und Bedürfnisse richten, wird uns bewusst, dass unser aktuelles Gefühl von Verletzungen aus dem Bedürfnis herrührt, dass unsere Bemühungen anerkannt werden.
- Die Gefühle und Bedürfnisse der anderen wahrnehmen: Wir nutzen die Kritik und nehmen die Gefühle und Bedürfnisse der anderen wahr.

Urteile, Kritik, Diagnosen und Interpretationen sind alles entfremdete Äußerungen unserer eigenen Bedürfnisse und Werte. Wenn andere Kritik hören, dann neigen sie dazu, ihre Energie in Selbstverteidigung oder einen Gegenangriff zu stecken. Je direkter wir unsere Gefühle mit unseren Bedürfnissen in Verbindung bringen können, desto leichter ist es für andere, einfühlsam zu agieren.11

2.2.4 Schritt 4: Bitten

Im vierten Schritt der Gewaltfreien Kommunikation teilen wir unserem Gegenüber in Form einer Bitte mit, wie wir uns die Erfüllung unserer Bedürfnisse konkret vorstellen. Die Gewaltfreie Kommunikation unterscheidet zwischen Bitten und Forderungen. Wenn wir unserem Gegenüber die Wahl lassen, über die Erfüllung unserer Bitten frei zu entscheiden, erhöhen wir die Bereitschaft für gegenseitige Einfühlung, flexible Verhandlungen und gute Lösungen.12

[...]


1 Rosenberg, Marshall B. (2016): Gewaltfreie Kommunikation, Eine Sprache des Lebens, 12., Überarbeitete und erweiterte Ausgabe, Junfermann Verlag, Paderborn

2 Gaschler, Gundi und Frank (2007): Ich will verstehen, was du wirklich brauchst, 11. Auflage, München, Kösel- Verlag

3 Rosenberg: Gewaltfreie Kommunikation, 18ff.

4 Weckert, Al (2017): Gewaltfreie Kommunikation für Dummies, 3. Nachdruck, Weinheim, Wiley-vch Verlag GmbH & Co. KGaA

5 Rosenberg: Gewaltfreie Kommunikation, 38.

6 Rosenberg: Gewaltfreie Kommunikation, 42.

7 Weckert: Gewaltfreie Kommunikation für Dummies, 1

8 Weckert: Gewaltfreie Kommunikation für Dummies, 1

9 Rosenberg: Gewaltfreie Kommunikation,56ff

10 Weckert: Gewaltfreie Kommunikation für Dummies, 1

11 Rosenberg: Gewaltfreie Kommunikation,59ff

12 Weckert: Gewaltfreie Kommunikation für Dummies, 2.

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten

Details

Titel
Gewaltfreie Kommunikation. Die sanfte Art der Gesprächsführung
Untertitel
Eine wirkungsvolle Methode im Konfliktmanagement?
Autor
Jahr
2020
Seiten
28
Katalognummer
V953151
ISBN (eBook)
9783346293435
ISBN (Buch)
9783346293442
Sprache
Deutsch
Schlagworte
gewaltfreie, kommunikation, gesprächsführung, eine, methode, konfliktmanagement, Team, Rosenberg, Schulkindbetreuung, Ganztag, Alternative, Multiprofessionelles Team
Arbeit zitieren
Claudia Börner (Autor), 2020, Gewaltfreie Kommunikation. Die sanfte Art der Gesprächsführung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/953151

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