Das Werk "Die Prinzipien der Ansichten der Bewohner der vortrefflichen Stadt" von Al Farabi. Inwiefern schaffen die Bewohner die vollkommene Stadt?


Hausarbeit, 2020

14 Seiten, Note: 1,3

Anonym


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Die Glückseligkeit des Menschen

3. Die vollkommenen Gemeinschaften
3.1 Die entgegengesetzten Gemeinschaften

4. Der weise Herrscher

5. Die Bewohner der vortrefflichen Stadt
5.1 Die Bewohner entgegengesetzter Städte

6. Fazit

Literatur- und Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Schauen wir uns heutzutage Städte an, kommt es uns gar nicht in den Sinn, uns ihre Bewohner genau anzuschauen. Wir kennen die Stadt durch ihre gute Lage, ihre berühmten Sehenswürdigkeit oder ihre Geschichte. Dass es jedoch letztendlich die Bewohner sind, die diese Städte prägen, ihr eine Seele geben, vergessen wir.

Einer der berühmtesten Vertreter der islamischen Philosophie namens Abü Nasr Al- FäräbT hat sich ausreichend mit dieser Thematik beschäftigt und schrieb seine Theorien nieder über die vollkommene Stadt in seinem Werk Die Prinzipien der Ansichten der Bewohner der vortrefflichen Stadt. Hierbei beschreibt er in einigen Kapiteln einen Staatsentwurf, wie die vollkommene Stadt letztendlich auszusehen hat. Dabei geht er jedoch hauptsächlich auf die Bewohner dieser Stadt ein, denn der besagte Philosoph vertritt die Meinung, dass es letztendlich der Mensch sei, der erst als Individuum und später als Gemeinschaft die Stadt gründe. Um dies näher in Betracht zu nehmen und zu ermitteln, inwiefern die Bewohner letztendlich die vollkommene Stadt bilden, muss erst einmal das Individuum alleine, dann die Gemeinschaft und zuletzt der Herrscher dieser Stadt analysiert werden. Denn al- FäräbT hat eine genug Vorstellung dessen, wie diese Konstellation aussehen muss, damit so eine Stadt gebildet werden kann.

In dieser Arbeit wird zunächst auf den einzelnen vollkommenen Menschen eingegangen, wie er diese Vollkommenheit erreichen kann und welche Aufgaben und Ziele er haben muss. Die Individuen bilden dann eine Gemeinschaft und müssen weiteren Bestrebungen nachgehen. Um dem ein Gegenbeispiel zu geben, werden die Gemeinschaften in Betracht genommen, die es nicht schafften, nach al- FäräbTs Idealen zu leben. Danach wird auf den Herrscher eingegangen und es wird ermittelt, welche Eigenschaften dieser mitbringen muss, um Herrscher der vollkommenen Stadt zu sei. Demnach kann dann ausgesagt werden, ob ein Bewohner der Stadt diesen Status erreichen kann. Zu guter Letzt werden einmal die Bewohner der vollkommenen Stadt gegenüber den Bewohnern der entgegengesetzten Stadt gestellt, um aufzuzeigen, ob es möglich ist, dass Menschen nicht nur vollkommene Städte gründen, sondern auch schlechte und wie es dazu kommen kann. Sobald dies alles analysiert ist, wird die Bedeutung dieser Bewohner für die vollkommene Stadt bewusst und wieso es unumgänglich ist, dass die Vollkommenheit erst beim Volk anfangen müsse.

2. Die Glückseligkeit des Menschen

Die Leitfrage betrachtend ist es wichtig, zunächst einmal auf die Bürger der vortrefflichen Stadt einzugehen. So kann dann erläutert werden, welche Ziele und Eigenschaften sie haben müssen, um Teil einer solchen Stadt zu sein. Bevor diese Bürger jedoch als eine Gemeinschaft in Augenschein genommen werden, muss erst das Individuum analysiert werden. Diese bilden nur dann eine vollkommene Gemeinschaft, wenn sie die Glückseligkeit erreichen.

Nach al- FäräbT sei der Mensch erst dann Mensch, wenn er einen aktiven Intellekt besitzt. Diesen besäße er dann, wenn sich diese natürliche Anlage zur Materie vom passiven Intellekt zum aktiven Intellekt ändere1. Dies müsse im praktischen und theoretischen Vernunft- und Imaginationsvermögen geschehen. Schaffe es der Mensch dann, den aktiven Intellekt zu erreichen so stehe dieser „[...] auf der vollkommensten Stufe des Menschseins und hat den höchsten Grad an Glückseligkeit erreicht“2. Das bedeutet, dass praktisch jeder Mensch diesen Grad des Glücks erreichen kann, denn jeder Mensch hat die Veranlagung, den aktiven Intellekt zu erreichen. Doch was genau mit der Glückseligkeit gemeint ist, wird im nächsten Punkt aufgegriffen.

Für al- FäräbT ist die Glückseligkeit das Seelenheil3. Sie werde erlangt durch das gemeinsame Nachgehen von Tätigkeiten und Aufgaben, wobei jede Klasse unter sich bleibe. „Je ausdauernder er diese Tätigkeit ausübt, umso stärker und besser wird die Kunst, durch welche diese Tätigkeit hervorgebracht werden [.]“4. Dies wirke sich positiv auf die Seele aus, denn durch die Handlungen werden die Freude und Zufriedenheit des Ausübenden größer und die Seele damit stärker und vollkommener. Die Arten des Glücks unterscheidet der besagte Philosoph nach Qualität und Quantität, ähnlich wie bei Künsten. „Dies ist den Unterschieden bei den Künsten in der diesseitigen Welt ähnlich“5. Die Künste seien verschieden, genau wie die Menschen, die diesen nachgehen, verschieden von Rang und Fähigkeiten sind.

Durch die besagten Handlungen also erreiche die Seele die Glückseligkeit und dies bis zur Vollkommenheit6. Sie sei dann vollkommen, wenn sie auf die Materie verzichten könne, sodass sie auch dann weiter existieren kann, wenn die Materie vergeht. Mit der Materie ist hierbei der menschliche Körper gemeint, der vergänglich ist. Die Seele jedoch bleibt auch nach dem Tod weiter bestehen, weswegen es so wichtig für sie ist, die Glückseligkeit im Leben zu erreichen, damit diese auch später weiter bestehen kann. Auch wenn die getrennte Seele anders sei als die im Körper, bleibt sie geprägt vom „[...] Temperament des Körpers [...]“7. Dies würde nach al- FäräbT, die vielen unterschiedlich Seelen erklären, denn sie stammen aus unterschiedlichen Körpern. Wenn die Körper also verschwinden, werden die Seelen befreit, werden glückselig und andere Menschen im irdischen Leben übernehmen ihre Aufgaben und Tätigkeiten, wobei der Prozess auch bei ihnen wiederholt werde. Diese Seelen im Jenseits finden letztendlich dann wiederum andere Seelen, die ihnen in Qualität und Quantität gleichen und genau so glücklich seien. Dies würde bis ins Unendliche gehen.

„Da aber die Zahl der sich Begegnenden unendlich ist, ist der Zuwachs an Kräften und Freuden einer jeden von ihnen unendlich im ewigen Lauf der Zeit“8.

Wenn die Seelen jedoch schaden erleiden, schädige das somit auch den rationalen Teil der Seele. Und das dieser beschädigt ist, bliebe dieses Leiden unbemerkt, da die Beschäftigung der Sinne fehle. Dies werde dann erst nach der Trennung der Materie bewusst, wobei es dann zu spät wäre, denn diese Seele bleibe dann für immer im Unglück. Träfe diese dann auf eine gleiche Seele, so vergrößere sich der Schmerz bis in die Unendlichkeit. Diese machen das Gegenteil der glücklichen Seelen aus, weswegen ihnen auch das Gegenteil widerfährt, nämlich das Unglück. „Das ist das Unglück, das Gegenteil des Glücks“9. Da diese Individuen geschädigte Seelen haben, bilden sie nicht die vollkommenen Gemeinschaften, sondern entgegengesetzte und somit auch die Bewohner solcher entgegengesetzter Städte. Dazu wird aber noch im Laufe der Arbeit eingegangen.

Das sogenannte vollkommene Glück lässt sich also erst im Jenseits erreichen10, denn es gebe die natürlichen, seienden Dinge aus dem Jenseits und die entgegengesetzten, unnatürlichen seienden Dinge des Diesseits. „Die Existenz die der Mensch jetzt besitzt, sei Zwang und nicht natürlich“11. Die Diesseitige Existenz müsse also überwunden werden, damit die Vollkommenheit entsteht, denn sie sei ein Hindernis zum Erreichen der natürlichen Existenz. Diese Annahme gelten für alle Menschen, denn alle seien gleich.

So entstehen Gemeinschaften, wobei einige vollkommen seien und andere nicht.

„Deswegen kann der Mensch die Vollkommenheit nicht erreichen, die ihm von Natur aus bestimmt ist, bevor sich nicht mehrere Individuen zusammenschließen, die einander mit bestimmten Dingen versorgen“12

So lange der Mensch also den Weg der Glückseligkeit anstrebe, ist es ihm möglich, in einer Gemeinschaft zu leben, die al- FäräbT als vollkommen beschreibt. Wie genau eine vollkommene Gemeinschaft auszusehen hat, wird im Folgenden analysiert, denn diese Gemeinschaft bildet letztendlich eine Stadt. Sie muss also selbst vortrefflich sein, um eine vortreffliche Stadt bilden zu können.

3. Die vollkommenen Gemeinschaften

Al- FäräbT benennt drei Arten von vollkommenen Gemeinschaften13. Die Große, die alle Bewohner der Erde betrifft, die mittlere, die die Gemeinschaft einer Nation mit einschließt und die kleine, welche die Gemeinschaft der Bewohner einer Stadt darstellt. Unvollkommen seien dabei die Gemeinschaften, welche in einem Dorf, in einem Viertel, in einer Straße oder in einem Haus gebildet werden. Je größer also die Gemeinschaft, desto größer die Vollkommenheit. Die höchste Vollkommenheit jedoch werde in der Stadt erreicht, nicht in einer minderen Gemeinschaft. Als gut auszuzeichnen sei sie dann, wenn die Bewohner sich das Ziel nehmen, zusammenzuarbeiten, um gemeinsam die Glückseligkeit zu erreichen. Sobald die Städte dann zusammenarbeiten, um dies zu erreichen, werde die Nation somit vortrefflich.

„Die Stadt [...] in der sich die Gemeinschaft zum Ziel setzt zusammenzuarbeiten, um damit die Dinge zu erreichen, durch die man zur Glückseligkeit kommt, ist die vortreffliche Stadt [...]“14 Die vollkommene Gemeinschaft schaffe somit die vortreffliche Stadt. Diese ähnele mit der Gemeinschaft dem gesunden Körper, dessen Organe Zusammenarbeiten, um dies zu erhalten. Al- FäräbT übernimmt ein organologisches Staatsdenken, nach dem das Gemeinwesen als ein menschlicher Körper zu verstehen ist15. Sie seien alle unterschiedlich im Rang und in ihren Fähigkeiten, genau wie die Menschen der Stadt16. Der einzige Unterschied liege darin, dass Organe und Glieder natürlich sind, während Personen einer Stadt ihre Aktionen willentlich steuern und sie nicht von der Natur gegeben sind. „Den natürlichen Fähigkeiten der Organe des Körpers entsprechen die willentliche Charaktereigenschaft und die Dispositionen in den Teilen der Stadt“17. Die Bewohner haben also gemeinsame Aufgaben und Dinge, die sie verstehen, wobei manche Aufgaben nur Mitglieder einer bestimmten Klasse ausführen können. Multikulturalismus ist in diesem Staat die notwendige Folge der Vielfalt der Gemeinschaften; sie ergeben sich aufgrund der Gleichheit aller Individuen18. Selbst die Könige der vortrefflichen Stadt fungieren wie eine einzige Seele, genau wie bei den unteren Klassen. Diese Einheit bestehe über Raum und Zeit hinweg.

[...]


1 vgl. Abu Nasr Al- Farabi: Die Prinzipien der Ansichten der Bewohner der vortrefflichen Stadt, S. 90

2 ebd. S. 91

3 vgl. ebd. S. 98

4 ebd. S. 98

5 ebd.S100

6 Abü Nasr Al- FäräbT: Die Prinzipien der Ansichten der Bewohner der vortrefflichen Stadt, S. 98

7 ebd. S. 99

8 ebd. S. 100

9 ebd.S104

10 vgl. Höffe, Otfried: Geschichte des politisches Denkens. Zwölf Porträts und acht Miniaturen, München 2016, S. 126, S. 128 3

11 Abu Nasr Al- Färäbi: Die Prinzipien der Ansichten der Bewohner der vortrefflichen Stadt, S. 124

12 ebd. S. 83

13 vgl. ebd. S. 83

14 vgl. ebd. S. 84

15 vgl. Höffe, Otfried: Geschichte des politisches Denkens. Zwölf Porträts und acht Miniaturen, München 2016, S. 125

16 vgl. Abü Nasr Al- FäräbT: Die Prinzipien der Ansichten der Bewohner der vortrefflichen Stadt, S. 85

17 ebd. S. 84

18 vgl. Ayadi, Salem: Der Freiheitsstaat bei al- FäräbT, in: Dhouib Sarah (Hrsg.): Kultur, Identität und Menschenrechte, Göttingen 2012, S. 280

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Das Werk "Die Prinzipien der Ansichten der Bewohner der vortrefflichen Stadt" von Al Farabi. Inwiefern schaffen die Bewohner die vollkommene Stadt?
Hochschule
Freie Universität Berlin
Note
1,3
Jahr
2020
Seiten
14
Katalognummer
V953860
ISBN (eBook)
9783346294678
ISBN (Buch)
9783346294685
Sprache
Deutsch
Schlagworte
werk, prinzipien, ansichten, bewohner, stadt, farabi, inwiefern
Arbeit zitieren
Anonym, 2020, Das Werk "Die Prinzipien der Ansichten der Bewohner der vortrefflichen Stadt" von Al Farabi. Inwiefern schaffen die Bewohner die vollkommene Stadt?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/953860

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