Diese Arbeit befasst sich mit den Auswanderungsmotiven der Puritaner aus England, zunächst nach Leiden und später in das noch kaum besiedelte Amerika. Dabei wird insbesondere auf die wirtschaftlichen, religiösen und monarchischen Konstellationen und Reibungen zwischen den Puritanern und der Krone sowie mit andersgläubigen Bürgern eingegangen.
'The Pilgrim Fathers' – der Pilger wird im Duden als jemand beschrieben, der aus Frömmigkeit eine längere Reise zu einer besonders verehrten Stätte macht. Eine Definition des Vaters aus demselben Nachschlagewerk lautet: "Mann, der als Beschützer, Helfer, Sorgender für andere da ist, eintritt". Der geschichtliche Laie sollte dennoch nicht vorschnell darauf schließen, dass es sich etwa um heilige Schutzpatrone oder gar um einen altertümlichen Beruf handelt, zu dessen Aufgabe die Betreuung frommer Wanderer gehörte.
Konsultiert man den Duden mit dem gesamten Wort, werden die Pilgerväter als "die ersten puritanischen Siedler Neuenglands" beschrieben. Zwar umschreibt diese Definition Personenkreis, Ort und Tätigkeit der Bezeichnung, aber vielmehr die beiden Einzelbegriffe liefern erste Indizien für Intention und Motiv der Reise sowie die gesellschaftliche Stellung der Reisenden.
Mit Unterzeichnung des Pariser Friedens 1783, benötigte die nun unabhängige amerikanische Nation ein geschichtliches Fundament als Ausgangspunkt für das Narrativ eines glorreichen Landes. Zwar war schon 1607 mit Jamestown erstmals erfolgreich eine permanente Siedlung geboren worden, allerdings fiel der Vaterschaftstest dieser ausschließlich männlichen Siedler die zudem permanent mit den eingeborenen Powhatan im Konflikt lagen, nur ungenügend aus.
Die strebsamen, bescheidenen, frommen Puritaner, die wesentlich friedlicher mit den Eingeborenen auskamen, waren für die Vaterrolle hingegen wie geschaffen. In Anlehnung an einen Satz William Bradfords: "They knew they were pilgrims" aus seinem Buch "Of Plimoth Plantation", erhielten die ersten Siedler Plymouths die Bezeichnung 'Pilgrim Fathers' Anfang des 19. Jahrhunderts.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Hauptteil
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die komplexen Motivlagen hinter der Auswanderung der sogenannten "Pilgrim Fathers" um 1620. Dabei wird hinterfragt, ob es sich um eine homogene Gruppe religiös motivierter Idealisten handelte oder ob ökonomische, soziale und existenzielle Faktoren bei der Entscheidung zur Emigration eine ebenso entscheidende Rolle spielten.
- Analyse des puritanischen Selbstverständnisses und der Glaubenspraxis im 17. Jahrhundert.
- Untersuchung der sozioökonomischen Bedingungen in England und der Exilzeit in Leiden.
- Differenzierung zwischen den Motiven puritanischer Separatisten und den sogenannten "Strangers".
- Kritische Dekonstruktion des geschichtlichen Narrativs der "Pilgrim Fathers".
- Bewertung der Rolle von Bediensteten und der Bedeutung individueller Lebensumstände für die Migration.
Auszug aus dem Buch
Die Belastung der Jugend
Weiterhin erwähnt er eine nachlassende Moral durch vorzeitiges Altern, wiederum ein Tribut harter und gesundheitsgefährdender Arbeit. Die harte Arbeit führte zu mannigfaltigen Krankheitsleiden und einer erhöhten Sterblichkeit im Vergleich zur Landbevölkerung. Flachsstaub beispielsweise verursachte Byssinose, welche sich durch chronischen Husten auszeichnete. Diese Effekte machten auch vor den jüngsten Puritanern nicht halt, sondern trafen sie im Gegenteil noch verstärkt: „being in y best & strength of their years, yet old age began to steal on many of them“, „ yet their bodies bowed under ye weight of ye same, and became decreped in their early youth“
Zwar mussten auch in Nottinghamshire schon die Kleinsten Arbeiten verrichten. Allerdings waren sie dort nicht dem Schmutz der Stadt in vergleichbarer Weise ausgesetzt wie im mit stinkenden Kanälen durchzogenen Leiden. Als weiterer Faktor käme hinzu, dass die Not als der Zuchtmeister der Erwachsenen, diese unweigerlich zu den Zuchtmeistern ihrer eigenen Kinder und ihrer Bediensteten machte. Neben der erheblichen Belastung für ihre Zöglinge, gingen damit auch schmerzende Herzen liebender Mütter und Väter einher, die durch die Umstände zu Härte gezwungen wurden.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema ein, erläutert den historischen Kontext der "Pilgrim Fathers" und formuliert die Forschungsfrage bezüglich der Vielschichtigkeit ihrer Migrationsmotive.
Hauptteil: Der Hauptteil analysiert detailliert die verschiedenen Dimensionen der Auswanderung, von den religiösen Überzeugungen der Puritaner über die wirtschaftliche Situation in Leiden bis hin zu den Motiven der mitreisenden "Strangers" und Bediensteten.
Schlüsselwörter
Pilgrim Fathers, Puritanismus, Migration, 17. Jahrhundert, Mayflower, Leiden, Separatisten, Strangers, Religionsfreiheit, Ökonomische Motive, William Bradford, Sozialgeschichte, Siedlungsgeschichte, Nordamerika, Frühe Neuzeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die verschiedenen Motive, die zur Auswanderung der "Pilgrim Fathers" nach Amerika im Jahr 1620 führten, und hinterfragt den traditionellen, rein religiös geprägten Narrativ.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Neben dem religiösen Glaubensgerüst der Puritaner stehen sozioökonomische Faktoren, Arbeitsbedingungen in den Niederlanden und die sozialen Dynamiken innerhalb der Mayflower-Passagiere im Mittelpunkt.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit fragt danach, welche privaten und gesellschaftlichen Umstände die Menschen tatsächlich zur existenziellen Entscheidung der Überfahrt bewogen haben und ob eine homogene Motivlage existierte.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit stützt sich auf eine quellenkritische Analyse historischer Aufzeichnungen, insbesondere von William Bradfords "Of Plimoth Plantation", ergänzt durch moderne historiografische Forschungsliteratur.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil beleuchtet den Konflikt mit der englischen Krone, die Lebensumstände der Puritaner im Exil in Leiden, die Identität der mitreisenden "Strangers" sowie die spezifische Situation der Bediensteten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Puritanismus, Migration, Pilgrim Fathers, Mayflower, wirtschaftliche Motive und die Bedeutung religiöser versus existenzieller Beweggründe.
Welche Rolle spielt die Stadt Leiden in der Argumentation?
Leiden dient als zentraler Exilort, dessen wirtschaftliche Zwänge, das harte Tagwerk und der Einfluss auf die nachfolgende Generation als maßgebliche Fluchtgründe für die Weiterreise nach Amerika identifiziert werden.
Wie werden die sogenannten "Strangers" in die Untersuchung einbezogen?
Die "Strangers" werden als Gruppe mit eigenen, oft ökonomisch geprägten Motiven unterschieden, wobei ihre Einbindung in das Projekt die notwendige kollektive Durchführung der Überfahrt verdeutlicht.
Warum wird die Rolle der Bediensteten gesondert betrachtet?
Die Untersuchung der Bediensteten zeigt auf, dass auch diese Gruppe Handlungsspielräume besaß und durch die Hoffnung auf Landbesitz und bessere Aufstiegschancen in Amerika motiviert war.
Was ist das Fazit der Arbeit bezüglich des Narrativs der "Pilgrim Fathers"?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass der idealisierte religiöse Narrativ zu kurz greift und dass ökonomische und soziale Existenznöte in einem europäischen Kontext die entscheidenden Treiber für die Migration waren.
- Arbeit zitieren
- Patrick Frehner (Autor:in), 2020, Auswanderung der "Pilgrim Fathers" um 1620. Motive für die Pilgerfahrt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/954729