Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › History of Europe - Middle Ages, Early Modern Age

Wiedergänger und liturgisches Totengedenken

Title: Wiedergänger und liturgisches Totengedenken

Seminar Paper , 1999 , 29 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Alexander Schug (Author)

History of Europe - Middle Ages, Early Modern Age
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Im Zentrum dieser Hausarbeit steht das Motiv der Wiedergänger/Totengeister und die Frage, inwiefern mittelalterliche Berichte über die Wiederkehr von Toten die Entwicklung des liturgischen Totengedenkens widerspiegeln und tradiert haben.
Im ersten Teil wird eine Einführung in das Thema unter Berücksichtigung der literarisch-kulturellen Wurzeln des Wiedergängermotivs und der Grundlagen der liturgischen Memoria geleistet. Der zweite Teil zeigt wie schwer die Kirche und die Kirchenväter sich mit der heidnischen Tradition der Wiedergänger anfänglich taten eh sich die Berichte über Totengeister als ,,didaktisches" Mittel im 6. Jahrhundert entfalten konnten und populärer wurden. Die Akzeptanz und ,,Christianisierung" der Totengeister und die Verknüpfung dieses Motivs mit der liturgischen Memoria ist Thema des dritten Abschnitts. Unter der Überschrift ,,Invasion der Totengeister" wird dann der immer deutlichere Niederschlag von Wiedergängern in schriftlichen Quellen ab dem 10. Jahrhundert verfolgt, was mit der Ausformung der Memorialpraxis in Verbindung gebracht wird. Unter Punkt 5. werden die wichtigen Veränderungen der liturgischen Memorialpraxis, die von Cluny ausgingen, abgehandelt und gezeigt, daß die cluniacensischen Reformen (wie die Einführung des Allerseelenfestes) unter Verwendung des Totengeistermotivs legitimiert wurden. Die Banalisierung der Totengeister, die durch die ,,Predigermaschinerie" sogenannter Bettelorden oder der Zisterzienser bewirkt wurde, wird im sechsten Abschnitt thematisiert. Mit der massenhaften Verbreitung des Totengeistermotivs und der Etablierung eines relativ festen Systems des liturgischen Totengedenkens tritt ab dem 13. Jahrhundert auch eine ,,Säkularisierung" der Totengeisterberichte ein. Nicht nur Kleriker, sondern auch weltliche Autoren verwendeten nun das Wiedergängermotiv und illustrierten damit, daß die kirchlichen Anstrengungen zur gewohnheitsmäßigen Umsetzung des christlichen Totengedenkens erfolgreich waren und in weiten Kreisen, auch außerhalb kirchlicher Institutionen, Anklang fanden und reproduziert wurden. Diesem Gedanken ist Punkt 7. gewidmet. Schließlich werden die Ergebnisse dieser Arbeit in einem Fazit kurz zusammengefaßt. [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

0. Vorwort

1. Einleitung

2. Die frühe kirchliche Ablehnung der Totengeister

3. Akzeptanz und Christianisierung der Totengeister

4. Die „Invasion der Totengeister“ und die Verbreitung kirchlicher Vorstellungen von liturgischem Totengedenken

4a. Cluny, die Erneuerung des Memorialwesens und die Totengeister

4b. Banalisierung und Säkularisierung der Totengeister

5. Fazit

Zielsetzung und Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Motiv der Wiedergänger und Totengeister im Mittelalter und geht der Forschungsfrage nach, inwiefern mittelalterliche Berichte über die Wiederkehr von Toten die Entwicklung, Tradierung und Legitimation des christlichen liturgischen Totengedenkens maßgeblich beeinflusst haben.

  • Historische Entwicklung der kirchlichen Haltung gegenüber Totengeisterberichten.
  • Die Rolle der cluniazensischen Reformen bei der Etablierung des Memorialwesens.
  • Transformation des Wiedergängermotivs durch Predigertätigkeiten der Bettelorden und Zisterzienser.
  • Soziokulturelle Aspekte des interaktiven Totengedenkens zwischen Diesseits und Jenseits.

Auszug aus dem Buch

Die „Invasion der Totengeister“ und die Verbreitung kirchlicher Vorstellungen von liturgischem Totengedenken

Die Hinwendung zur Sorge und Mitverantwortung der Lebenden für die Verstorbenen wird bis zum 9. Jahrhundert also in verschiedenen Quellen unter Verwendung des Motivs der Wiedergänger schon sehr dezidiert festgehalten. Ab dem 9. Jahrhundert und insbesondere nach der Jahrtausendwende finden wir einen ungewöhnlichen Anstieg von Totengeisterberichten. Im 12./13. Jahrhundert gab es – laut Schmitt – sogar eine „Invasion der Totengeister“, die auch von Zeitgenossen wahrgenommen wurde.

Die seit dem 9. Jahrhundert steigende Zahl von Berichten über Totengeister wurde vor allem von Mönchen und Säkularklerikern und ab dem 13. Jahrhundert auch von gebildeten Laien verfaßt. Die Hauptursache für die wachsende Zahl von Berichten war, so behaupte ich, die weitere Ausformung und Verbreitung des liturgischen Totengedenkens. Beides bedingte sich gegenseitig, weil die Totengeisterberichte von der Kirche als ein verhaltenstradierendes Mittel gebraucht wurden. Damit sind die Berichte auch als ein Zeugnis der vermehrten Bemühungen der Kirche zu verstehen, das christliche Totengedenken durchzusetzen – mit im Grunde ursprünglich heidnischer Rhetorik, aber das wird wohl nur um so eingängiger auf ein breites Publikum gewirkt haben.

Zusammenfassung der Kapitel

0. Vorwort: Der Autor erläutert den Aufbau der Hausarbeit und benennt die zentralen wissenschaftlichen Quellen für die Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Totengeistern und Memoria.

1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die vorchristlichen Vorstellungen von Totengeistern ein und skizziert den Übergang zu einem christlichen System der Totenbetreuung.

2. Die frühe kirchliche Ablehnung der Totengeister: Es wird dargelegt, wie die Kirchenväter, insbesondere Tertullian und Augustinus, Erscheinungen von Toten zunächst scharf als heidnischen Aberglauben diskreditierten.

3. Akzeptanz und Christianisierung der Totengeister: Dieses Kapitel beschreibt den Wendepunkt durch Gregor den Großen, der das Motiv des Wiedergängers als didaktisches Instrument in die kirchliche Lehre integrierte.

4. Die „Invasion der Totengeister“ und die Verbreitung kirchlicher Vorstellungen von liturgischem Totengedenken: Das Hauptkapitel analysiert die massenhafte Verbreitung der Berichte und die Institutionalisierung des Totengedenkens durch Reformen.

4a. Cluny, die Erneuerung des Memorialwesens und die Totengeister: Fokus auf der Abtei Cluny und der Bedeutung des Allerseelenfestes für die Verbreitung der Memorialpraxis.

4b. Banalisierung und Säkularisierung der Totengeister: Untersuchung der Rolle der Bettelorden und der Entwicklung des Totengedenkens zu einem ökonomisch geprägten System im 13. Jahrhundert.

5. Fazit: Zusammenfassung der Ergebnisse, die den Erfolg der kirchlichen Bemühungen durch die Verknüpfung von Totengeistererzählungen und liturgischem Totengedenken bestätigen.

Schlüsselwörter

Wiedergänger, Totengeister, liturgisches Totengedenken, Memoria, Cluny, Allerseelenfest, Jenseits, Fegefeuer, Suffragien, Seelenheil, Mittelalter, Visionsliteratur, Caesarius von Heisterbach, Predigertätigkeit, Säkularisierung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das mittelalterliche Phänomen der Wiedergängerberichte und deren Funktion als Instrument der Kirche zur Etablierung und Legitimierung eines liturgischen Systems des Totengedenkens.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Schwerpunkte liegen auf der Entwicklung von einer frühen kirchlichen Ablehnung des Geisterglaubens hin zur aktiven Nutzung dieses Motivs zur Festigung der Seelsorge und der Memorialpraxis.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Ziel ist es zu zeigen, wie das "Sündensystem" der Kirche durch Wiedergänger-Erzählungen anschaulich gemacht und dadurch eine soziale Verpflichtung der Lebenden gegenüber den Toten institutionalisiert wurde.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine literatur- und quellenbasierte historische Untersuchung, die auf zeitgenössischen Exempelsammlungen, Hagiographien und theologischen Schriften der Zeit vom Frühmittelalter bis zum 15. Jahrhundert beruht.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert chronologisch die Wandlung der Totengeisterberichte, von der frühen Ablehnung durch Kirchenväter bis zur massenhaften Verwendung durch die Bettelorden zur Propagierung von Seelenmessen und Ablasszahlungen.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Wesentliche Begriffe sind "Memoria", "liturgisches Totengedenken", "Wiedergänger", "Cluny", "Fegefeuer" und "Suffragien", da sie das Spannungsfeld zwischen Jenseitsvorstellung und kirchlicher Praxis abstecken.

Welche Bedeutung hatten die Reformen von Cluny für das Thema?

Die Abtei Cluny spielte eine entscheidende Rolle, indem sie die institutionalisierte Form des Gedenkens, etwa durch die Einführung des Allerseelenfestes, aktiv durch Visionen von Verstorbenen legitimierte.

Warum spricht der Autor von einer "Säkularisierung" der Totengeister?

Der Begriff bezieht sich auf die Ausbreitung des Motivs außerhalb klösterlicher Kontexte ab dem 13. Jahrhundert, wobei weltliche Autoren die Erzählungen übernahmen und sie vermehrt in einen ökonomischen Kontext von "Dienstleistungen" für Verstorbene stellten.

Excerpt out of 29 pages  - scroll top

Details

Title
Wiedergänger und liturgisches Totengedenken
College
Humboldt-University of Berlin  (Institut für Geschichte)
Grade
1,0
Author
Alexander Schug (Author)
Publication Year
1999
Pages
29
Catalog Number
V9555
ISBN (eBook)
9783638162289
Language
German
Tags
Wiedergänger Totengedenken
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Alexander Schug (Author), 1999, Wiedergänger und liturgisches Totengedenken, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/9555
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  29  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint