Dokumentation in der Reggio-Pädagogik. Leitlinien zum Bildungsauftrag Schleswig-Holsteins


Hausarbeit, 2018

15 Seiten, Note: 1.0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung und Einordnung

2. Leitlinien zum Bildungsauftrag Schleswig-Holsteins

3. Dokumentation in der Reggio-Pädagogik
3.1 Was und warum wird dokumentiert?
3.2 Portfolioarbeit
3.3 Projektarbeit und "Sprechende Wände"
3.4 Die Rolle der Fachkraft und das Bild vom Kind

4. Bedeutung für die pädagogsiche Praxis

5. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung und Einordnung

Im Zuge der PISA Studie 2000 und der Weiterentwicklung des Bildungssystems kommt es immer wieder zu Veränderungen des Bildungsauftrags von Kindertagesstätten. In der Kita werden die Grundsteine kindlicher Bildungsprozesse gelegt und diese gilt es optimal und an moderne Lebenswelten angepasst zu gestalten. Bildung ist landespolitisches Thema, sodass jedes deutsche Bundesland seine eigenen Regularien und Leitlinien erstellt hat. Um Bildungsprozesse angemessen zu unterstützen, stehen Fachkräften diverse Dokumentationsformen zur Verfügung. Mithilfe dieser gelingt es, kindliches Verhalten zu reflektieren und Kinder entwicklungsangemessen zu begleiten. Für Fachkräfte stellen Dokumentationen ein wichtiges Instrument zur Qualitätssicherung dar. Im Rahmen dieser Hausarbeit soll der Fragestellung nachgegangen werden, in welchem Rahmen die Reggio-Pädagogik fest in den Leitlinien zum Bildungsauftrag des Landes Schleswig-Holstein verankert ist und inwiefern die Bildungsprozesse von Kindern von dieser pädagogischen Philosophie profitieren und gefördert werden.

2. Leitlinien zum Bildungsauftrag Schleswig-Holsteins

Besondere Berücksichtigung sollen an dieser Stelle die Leitlinien zum Bildungsauftrag des Landes Schleswig-Holstein finden, die bereits seit 2004 wichtige Elemente der Reggio-Pädagogik enthalten und sie somit zum politischen Thema auf Landesebene macht. Bildungspläne der Bundesrepublik Deutschland nennen Inhalte und Vorgaben dafür, „wie frühkindliche Bildung und vorschulische Förderung ablaufen soll.“ (Stamm 2010, S. 101). Es werden spezifische Bereiche genannt, die bereits im Kindesalter gefördert werden sollen (vgl. ebenda). Die Leitlinien Schleswig-Holsteins (im Folgenden SH) nennen folgende Bereiche:

- Musisch-Ästhetische Bildung
- Körper, Gesundheit und Bewegung
- Sprache(n), Zeichen/Schrift und Kommunikation
- Mathematik, Naturwissenschaft und Technik
- Kultur, Gesellschaft und Politik
- Ethik, Religion und Philosophie (vgl. Landesportal SH 2018b, S. 3)

In ihren Ausführungen sind die Pläne von Land zu Land unterschiedlich; ihnen gemeinsam ist, dass sie einen Rahmen und Orientierungshilfe für pädagogisches Sehen, Denken und Handeln liefern (vgl. Stamm 2010, S. 113). Der „Gemeinsame Rahmen der Länder für die frühe Bildung in Kindertageseinrichtungen“ aus dem Jahr 2004 betont aber auch den bundespolitischen Stellenwert der Bildung (vgl. Fried & Roux 2006, S. 150). Die Leitlinien Schleswig-Holsteins liefern eine Handreichung von „Bausteinen zur Begleitung von Bildungsprozessen“ (Landesportal SH 2018a), die die grundlegenden Elemente pädagogischen Handelns betrachten (vgl. ebenda). Hierbei wird, neben einer Auflistung der zu beachtenden Bildungsbereiche, zwischen Didaktik und Methodik unterschieden. Didaktik legt den Fokus auf das Ganze, also „die Analyse, Entscheidung für Ziele, Inhalte und Verfahren, das Handeln und die Reflexion“ (ebenda), während die Methodik konkret Bezug zur Planung und Umsetzung nimmt (vgl. ebenda). Der Beobachtungs- und Dokumentationsprozess soll laut Leitlinien vom „erkunden, planen, handeln und reflektieren“ (ebenda) bestimmt sein. Ferner dient eine Beobachtung der Erforschung von „kindlichen Vorstellungen, Interessen, Denk- und Problemlösungswegen“, die den Ausgangspunkt pädagogischen Handelns bilden (ebenda). Welches Beobachtungsverfahren die Fachkraft wählt, ist abhängig von der möglichen Umsetzung im Arbeitsalltag sowie vom ihr verfolgten Ziel (vgl. ebenda). Des Weiteren gibt es eine Unterscheidung zwischen der Reflexion und der Evaluation. Die Reflexion einer Beobachtung dient als Resümee des Handlungsgeschehens (vgl. ebenda). Die Reflexion erfolgt nach individuellen und persönlichen Wahrnehmungen und benennt gelungene und misslungene Umstände (vgl. ebenda) Die Evaluation hingegen überprüft basierend auf der gesammelten Datenlage systematisch das fachliche Handeln (vgl. ebenda). Die Evaluation erfolgt auf den Ebenen der Prozess-, Ergebnis- und Strukturqualität (vgl. ebenda). Hierbei ist es von Bedeutung, dass nicht die Anzahl oder der Umfang von getätigten Beobachtungen entscheidend für Optimierungen und Verbesserungen sei; die Fachkraft soll eher die Kompetenz besitzen zu erkennen, was für ihre weitere Arbeit von Wichtigkeit ist (vgl. ebenda). Dokumentationen dienen laut der Bildungsleitlinien dazu, das Beobachtete sichtbar und zugänglich zu machen (vgl. ebenda). Vorrangig geht es hierbei um kindliche Entwicklungsprozesse, aber auch Geschehnisse in der Gruppe und Projektarbeiten können dokumentiert werden (vgl. ebenda). Als mögliche Mittel der Dokumentation nennen die Leitlinien beispielsweise Wandzeitungen, Lerngeschichten, Projektordner oder, entsprechend der Reggio-Pädagogik, „sprechende Wände“, (vgl. ebenda). Welche Form gewählt wird basiert darauf, welche Zielrichtung im Team besprochen wird (vgl. ebenda). Die Dokumentation einer Beobachtung soll also nicht nur Grundlage der Fachkräfte für ihre Arbeit bieten, sondern auch den Kindern sowie deren Eltern, Möglichkeit bieten, ihre Entwicklung und ihre Interessen nachzuvollziehen (vgl. ebenda).

3. Dokumentation in der Reggio-Pädagogik

Im Folgenden geht es zunächst um eine Darstellung darüber, was und warum in Kindertagesstätten überhaupt dokumentiert wird. Die Besonderheiten von Portfolios in der Reggio-Pädagogik und die Ausstellung der Dokumentation in Form von „sprechenden Wänden“ werden anschließend hervorgehoben. Die Rolle des Erziehers und sein Bild vom Kind stellen in der Reggio-Pädagogik entscheidende Faktoren für eine gelungene Dokumentation dar und bilden den Abschluss dieses Kapitels.

3.1 Was und warum wird dokumentiert?

Sowohl Knauf als auch Lingenauber sprechen der Dokumentation in der Reggio-Pädagogik einen entscheidenden Unterschied hinsichtlich anderer pädagogischer Ausrichtungen zu. Der Anspruch der Dokumentation liege darin, eine möglichst detailtreue und akkurate Wiedergabe der Beobachtung zu liefern (vgl. Knauf, o.J.) Die Dokumentation ist für Kinder, Erzieher, Eltern und auch die Öffentlichkeit von Bedeutung und ersichtlich. Der Sinn einer Dokumentation besteht darin, Bildungsprozesse festzuhalten und transparent zu machen (vgl. Landesportal SH 2018b, S. 52). Dies geschieht in vielfältiger Form: Fachkräfte können zwischen diversen Formen wie die der Wandzeitungen, Projektordern, Gruppentagebücher, Kindergartenzeitungen oder Portfolios und Lerngeschichten nach Carr wählen (vgl. ebenda). Diese Dokumentationsformen bieten der Fachkraft einen fundierten „Ausgangspunkt für ihre professionelle Bildungsbegleitung (Handeln)“ (ebenda, S.53). So können Fachkräfte die Dokumentation im Austausch mit den Eltern bei Entwicklungsgesprächen und auch der Öffentlichkeit nutzen (vgl. ebenda). Die Leitlinien betonen ebenfalls, dass sich der Inhalt der Dokumentation daran orientiert, was Kindern, Fachkräften und Eltern wichtig ist, da alle Parteien an der Gestaltung beteiligt sind (vgl. ebenda). Die Bildungsbereiche sollen hierfür nicht einzeln abgearbeitet, sondern dann aufgegriffen werden, wenn die Kinder Interessen daran zeigen und thematisch eingebettet werden können (vgl. ebenda, S. 54). Auch Notizen, Fotos und Tonaufnahmen können für ein besseres Verständnis genutzt werden (vgl. Krieg 2002, S. 44). In der Dokumentation der Reggio-Pädagogik ist zwischen der kindlichen Beobachtung mitsamt ihrer eigenen Dokumentation beispielsweise durch Portfolios sowie der Projektarbeit, die meist die Gruppe betreffen und durch die Ausstellungsform der „sprechenden Wände“ dokumentiert wird, zu unterscheiden (vgl. Lingenauber 2011, S. 49). Diese Unterscheidung findet sich ebenfalls in den Bildungsleitlinien (vgl. Landesportal SH 2018b, S. 54).

3.2 Portfolioarbeit

Als Portfolio wird eine zielgerichtete Sammlung von Dokumenten (Werke, Fotos und Beobachtungen) bezeichnet (vgl. Fthenakis 2009, S. 11). Es vereint im Laufe einer Prozessentwicklung eine Beobachtung mit der entsprechenden Dokumentation (vgl. ebenda). Eine Dokumentation soll „beobachtetes sichtbar machen“ und dient der Prozessdarstellung, als Qualitätsmerkmal, als Reflexion und Austausch, als Erinnerung und für kritische Übergänge (vgl. Fthenakis 2009, S. 23). Das Portfolio in der Reggio-Pädagogik wird in Form einer Mappe oder eines Ordners zusammen mit dem Kind im Laufe der Kita Zeit erstellt (vgl. Lingenauber 2011, S. 33). Es beinhaltet Dokumente über das Kind, seine Interessen, Fähigkeiten und Stärken (vgl. Knauf 2011). Durch die Beteiligung des Kindes erlernt das Kind so erste Medienkompetenzen, beispielsweise durch die Herstellung von „Ich-Büchern“ oder Selbstporträts (vgl. ebenda). Der Inhalt richtet sich immer nach dem Ziel des Besitzers und wird selbstbestimmt gestaltet (vgl. Fthenakis 2009, S. 27). Zur Struktur nennt Knauf folgende Punkte:

- "Das bin ich"
- "Das kann ich"
- "Dafür interessiere ich mich"
- "Damit haben wir uns beschäftigt"
- "Meine schönsten Bilder"
- "Meine Lieblingslieder und -reime"
- Schöne Ereignisse
- Beobachtungen der Erzieher/innen. (Knauf 2011)

So entsteht für das Kind nicht nur eine entwicklungspsychologische Bedeutung eines Ereignisses, sondern auch eine emotionale (vgl. Bostelmann 2010, S. 30). Das Portfolio belegt das Lernen durch Spielen mit Bilddokumentation und unterstreicht immer den eigenen Weg des Kindes, nicht einen „richtigen“ oder „besseren“ (vgl. ebenda). Durch die stetige Sammlung eröffnet das Kind, welche Lernwege es bevorzugt und welche Strategien des dabei anwendet (vgl. ebenda, S. 32). Durch farbige Trennblätter, die mit Kategorien versehen werden, ist es auch Kita-Kindern möglich, sich selbständig in ihrem Portfolio zurecht zu finden (vgl. Knauf 2011). Das Portfolio ist als Sammlung ein Teil von Erinnerungsarbeit, die es dem Kind ermöglicht, auf Vergangenes und Gelerntes zurückzublicken (vgl. ebenda). Der Transfer von Vergangenheit zu Gegenwart eröffnet dem Kind eine gedankliche emotionale Auseinandersetzung mit seiner eigenen Persönlichkeit und seinen Erlebnissen (vgl. ebenda). Rückschauen bieten sich an, um dem Kind Einblicke über Gelerntes und erworbene Kompetenzen zu geben, und für die Fachkräfte für weitere Planungen (vgl. Bostelmann 2010, S. 34).

Für weitere Planungen kann die Fachkraft dem Portfolio entnehmen, welche Kompetenzen ein Kind aktuell erwirbt oder anstrebt und diese gezielt fördern (vgl. Bostelmann 2007, S. 21). Hierbei wird klar formuliert, um welche Kompetenzen es sich handelt und wie diese erreicht werden sollen, jedoch bleiben dem Kind beim Erwerb viele Wege und Möglichkeiten offen (vgl. ebenda, S. 27). Zur Orientierung kann der Bildungsplan herangezogen werden, mithilfe dessen der zu fördernde Bildungsbereich festgelegt und Kompetenz-Ziele formuliert werden (vgl. ebenda S. 28).

3.3 Projektarbeit und „Sprechende Wände“

Die Projektarbeit, die als eigentliche Dokumentationsaufgabe aus der Reggio-Pädagogik bekannt ist (vgl. Knauf o.J.), entsteht „unmittelbar aus der Lebenswelt des Kindes“ (Moser 2006). Somit lässt sich aus sämtlichen Themen, die die Kinder beschäftigen, ein Projekt erschaffen. Oft entwickeln sich Projekte auch aus Spielhandlungen oder aus konkret erlebten Situationen heraus (vgl. Stamm 2010, S. 107). Fokus hierbei liegt auf der Ganzheitlichkeit, sodass das Thema für die Kinder mit allen Sinnen greifbar gemacht wird (vgl. ebenda). Durch Neugierde wird dem Projekt Impuls gegeben; aber auch der Austausch unter den Kindern durch die Möglichkeit der freien Entfaltung der Interessen sorgt stetig für Impulse, die das Projekt in verschiedenste Richtungen lenken kann (vgl. ebenda). Ist ein Thema von der Gruppe festgelegt, ist es die Aufgabe der Erzieher*in, für eine anregende Umgebung zu sorgen (vgl. ebenda). Eine einladende und lernfreundliche Umgebung sorgt für die in der Reggio-Pädagogik gewünschte selbsttätige und aktive Erkundung des Kindes (vgl. ebenda). Der Zeitraum ist hier variabel und abhängig vom Umfang des Projekts; es kann ebenfalls ins Spiel der Kinder integriert werden (vgl. Stamm 2010, S. 107). Sprechende Wände oder Wanddokumentationen werden in der Reggio-Pädagogik als Projektdokumentation für aktuelle Aktionen gewählt (vgl. Lingenauber 2011, S. 30). Sprechende Wände sind immer prozessorientiert, also wandelbar, da nicht auf ein Ergebnis hingearbeitet wird, sondern der Prozess und die Entstehung von Themen in der Gruppe im Vordergrund stehen (vgl. ebenda). Sie spiegeln außerdem die Metapher der „100 Sprachen der Kinder“ wieder, da sie vielfältige Gestaltungsformen annehmen kann. Zur Darstellung eignen sich Papier- und Papprollen, die über mehrere Meter Länge und in ein bis zwei Metern Höhe angebracht werden (vgl. Knauf o.J.). Dokumentiert werden können Zeichnungen, Bilder, Fotos, Aussagen, komplette Diskussionsstränge, Kommentare und Daten zu den jeweiligen Aktionen (vgl. ebenda). Die Form der Wanddokumentation dient außerdem als Information für Eltern, da sie so Teilhabe an den Entwicklungsprozessen ihrer Kinder erfahren (vgl. Krieg 2002, S. 28). Die sprechenden Wände bilden ein Wechselspiel zwischen Kindern, Fachkräften und Eltern (vgl. ebenda, S. 55).

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Dokumentation in der Reggio-Pädagogik. Leitlinien zum Bildungsauftrag Schleswig-Holsteins
Hochschule
DIPLOMA Fachhochschule Nordhessen; Zentrale
Note
1.0
Autor
Jahr
2018
Seiten
15
Katalognummer
V955656
ISBN (eBook)
9783346295743
ISBN (Buch)
9783346295750
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Dokumentation, Reggio, Reggiopädagogik
Arbeit zitieren
Lisa-Marie Egdmann (Autor:in), 2018, Dokumentation in der Reggio-Pädagogik. Leitlinien zum Bildungsauftrag Schleswig-Holsteins, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/955656

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