Die vorliegende Arbeit wird sich erstens mit Dramen im Deutschunterricht beschäftigen und dahingehend drei dramendidaktische Ansätze vorstellen, zweitens das von Spinner entworfene Konzept des literarischen Lernens vorstellen und Bezug auf die Rezeption nehmen. In einem dritten Schritt werden diese beiden Themen verknüpft.
So werden in der folgenden Darstellungen unter anderem die Fragen beantwortet, unter welcher Prämisse guter Dramenunterricht stattfinden kann – oder genauer: Welcher dramendidaktische Ansatz verfolgt werden sollte; ob Spinners Konzept des literarischen Lernens als vollendet und als selbstständige Methode gelten kann, worauf sich literarisches Lernen überhaupt bezieht und inwiefern literarisches Lernen im Dramenunterricht gelingen kann.
Inhaltsverzeichnis
0. Vorhaben und Vorgehen
1. Dramen im Deutschunterricht
1.1. Vorstellung dreier didaktischer Konzepte
a) Der gattungstheoretische Ansatz
b) Der theaterpädagogische Ansatz
c) Der produktionsorientierte Ansatz
1.2 Fazit
2. Literarisches Lernen
2.1. Beim Lesen und Hören Vorstellungen entwickeln
2.2. Subjektive Involviertheit und genaue Wahrnehmung miteinander ins Spiel bringen
2.3. Sprachliche Gestaltung aufmerksam wahrnehmen
2.4. Perspektiven literarischer Figuren nachvollziehen
2.5. Narrative und dramaturgische Handlungslogik verstehen
2.6. Mit Fiktionalität bewusst umgehen
2.7. Metaphorische und symbolische Ausdrucksweise verstehen
2.8. Sich auf die Unabschließbarkeit des Sinnbildungsprozesses einlassen
2.9. Mit dem literarischen Gespräch vertraut werden
2.10. Prototypische Vorstellungen von Gattungen / Genres gewinnen
2.11. Literaturhistorisches Bewusstsein entwickeln
2.12 Zusammenfassung
3. Literarisches Lernen im Dramenunterricht
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Verbindung zwischen der Behandlung von Dramen im Deutschunterricht und dem von Kaspar Spinner entwickelten Konzept des literarischen Lernens. Das Ziel besteht darin, didaktische Ansätze zu analysieren und aufzuzeigen, wie diese zur Förderung literarischer Kompetenzen bei Schülerinnen und Schülern beitragen können.
- Didaktische Konzepte des Dramenunterrichts (gattungstheoretisch, theaterpädagogisch, produktionsorientiert)
- Die elf Aspekte literarischen Lernens nach Kaspar Spinner
- Methodische Ansätze zur Verknüpfung von Drama und literarischem Lernen
- Die Rolle von subjektiver Involviertheit und Textwahrnehmung
- Anforderungen und Potenziale im gymnasialen Deutschunterricht
Auszug aus dem Buch
2.4. Perspektiven literarischer Figuren nachvollziehen
Die ersten beiden Aspekte spielen eine tragende Rolle bei dem Nachvollziehen von der Perspektive literarischer Figuren. Die Figuren müssen schließlich imaginiert werden, bevor sie nachvollzogen werden können, subjektive Involviertheit und Textwahrnehmung sind insofern relevant, als sie Rezipierenden die Identifikation mit und Abgrenzung von den literarischen Figuren ermöglicht.
Ein intensiver Bezug zu literarischen Figuren entsteht in der Regel dadurch, dass man eigene Gefühle und Sichtweisen, auch Wunschvorstellungen anderer Lebensmöglichkeiten im Text wiederfindet; aber zugleich heißt literarisches Verstehen, dass man in der Logik des Textes denkt und auch die Fremdheit von Figuren wahrnimmt.
Spinner zufolge lassen sich insgesamt fünf Stufen beim Entwicklungsverlauf des Erlernens der Fähigkeit zur literarischen Perspektivübernahme differenzieren. Auf der ersten Stufe wird der literarische Text vor Allem aus der Perspektive der Person verstanden, mit dem sich in Spinners Beispiel das Kind aufgrund eigenen Erfahrungen identifizieren kann. Wenn der Unterschied zwischen einzelnen Figuren, etwa bezogen auf Eindrücke, Eigenschaften und Einschätzungen genauer erkannt wird, ist die zweite Stufe erreicht. Die dritte wiederum beinhaltet das miteinander in Bezug setzen dieser Erkenntnisse über literarische Fähigkeit, den Zusammenhang zu ihrer Lebenswelt aufzeigen zu können. Die vierte Stufe schließt nun die Perspektivierung des Erzählers mit ein, als Beispiel führt Spinner hier die Ironisierung bei der Figurendarstellung durch Thomas Mann an. Die fünfte und letzte Stufe ist erreicht, wenn all die vorherigen Stufen in Verbindung gebracht werden. Der Lernzuwachs für Schülerinnen und Schüler besteht unter anderem darin, dass sie mit der Widersprüchlichkeit oder Wandelbarkeit von Figuren und ihren Meinungen und Ansichten besser umzugehen wissen und in ihren Interpretationen flexibler sind. Bei dramatischen Texten eigne sich das szenische besonders, um die literarischen Figuren besser nachvollziehen zu können. „Den Figuren eine Stimme geben,“ so Spinner: „[ist] im Unterricht ein interessanter Zugang zur Figurencharakterisierung.“
Zusammenfassung der Kapitel
0. Vorhaben und Vorgehen: Diese Einleitung skizziert die Fragestellung der Arbeit bezüglich der didaktischen Prämissen für einen erfolgreichen Dramenunterricht.
1. Dramen im Deutschunterricht: Dieses Kapitel erläutert die Bedeutung des Dramas im Deutschunterricht und stellt die drei zentralen didaktischen Konzepte vor.
2. Literarisches Lernen: Hier werden die elf Aspekte des literarischen Lernens nach Kaspar Spinner detailliert theoretisch fundiert und analysiert.
3. Literarisches Lernen im Dramenunterricht: Das letzte Kapitel führt die Ergebnisse aus den ersten beiden Teilen zusammen, um den Nutzen der vorgestellten Ansätze für den Dramenunterricht zu bewerten.
Schlüsselwörter
Dramenunterricht, Kaspar Spinner, Literarisches Lernen, didaktische Konzepte, Literaturdidaktik, Szenische Interpretation, Lesekompetenz, Dramaturgie, Literaturgeschichte, Rezeption, Deutschunterricht, Schulisches Lernen, Perspektivübernahme, Gattungsdidaktik, Produktionsorientierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Vermittlung von Dramen im Deutschunterricht und untersucht, wie diese mit dem Konzept des literarischen Lernens von Kaspar Spinner sinnvoll verknüpft werden können.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themenfelder umfassen dramatische Didaktik, die elf Aspekte literarischen Lernens nach Spinner und die methodische Umsetzung in der schulischen Praxis.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, unter welchen Prämissen ein gelungener Dramenunterricht stattfinden kann und welcher didaktische Ansatz hierfür am besten geeignet ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Analyse und Literaturarbeit, die bestehende didaktische Ansätze sowie fachwissenschaftliche Grundlagentexte kritisch gegenüberstellt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert erst drei didaktische Konzepte für Dramen (gattungstheoretisch, theaterpädagogisch, produktionsorientiert) und widmet sich anschließend ausführlich den elf Aspekten des literarischen Lernens.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Dramenunterricht, literarisches Lernen, didaktische Konzepte, Lesekompetenz, Dramaturgie, Szenische Interpretation und Literaturdidaktik sind hier zentral.
Warum betont die Arbeit die Rolle der szenischen Interpretation?
Szenische Interpretation wird als besonders wertvoll erachtet, da sie den Schülern hilft, literarische Figuren besser nachzuvollziehen und das Verständnis des Dramentextes zu vertiefen.
Wie bewertet der Autor die gattungstheoretische Didaktik?
Der Autor weist darauf hin, dass diese zwar Strukturwissen vermittelt, aber in die Gefahr gerät, das literarische Erzeugnis rein analytisch zu betrachten und das ästhetische Moment zu vernachlässigen.
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- David Prelle (Autor), 2020, Dramen im Unterricht und Kaspar Spinners literarisches Lernen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/955661