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Recht zwischen Rationalismus und Rechtsgefühl. Anwendung und Begründung von Recht und Entscheidungen

Titel: Recht zwischen Rationalismus und Rechtsgefühl. Anwendung und Begründung von Recht und Entscheidungen

Bachelorarbeit , 2019 , 83 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Juliane Kästli (Autor:in)

Jura - Rechtsphilosophie, Rechtssoziologie, Rechtsgeschichte
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Die Arbeit beleuchtet die Frage, in welchem Verhältnis Recht zwischen Rationalismus und Rechtsgefühl steht.

In diesem Kontext wird eingangs ergründet, wie Menschen überhaupt zu ethischen Standards kommen und welche Rolle Gefühle dabei als Grundlage spielen.
Gelassenheit, vernünftige, nüchterne, rationell begründete Entscheidungen und der Ausschluss von Gefühlen gelten als juristisches Ideal.

Welche Rolle aber spielt der spannungsreiche Begriff des Rechtsgefühls bei der Anwendung und Begründung von Recht und Entscheidungen?
Wo kommt es eigentlich her und wo führt es hin? Sollten Gefühle als Motiv richterlichen Handelns allzeit außer Acht gelassen werden oder ist die
Beachtung außerjuristischer Argumente erforderlich, damit die Justiz lebensnah, gerecht und menschlich bleibt ?

Formelles und materielles Rechtsverständnis unterliegen dem Wandel der Zeit.
Gesetze weisen teilweise - weil von Menschen gemacht - rechtliche Unzulänglichkeiten auf.
Neben dem gesetzten Recht existieren Gewohnheitsrecht, moralische, theologische und politische Grundsätze.

In der Arbeit wird primär untersucht, welche Stellung das Recht zwischen Rationalismus und Rechtsgefühl einnimmt und ob und wann dabei eine Divergenz zwischen Vernunft und Gefühl festzustellen ist.
Es werden zunächst die Leitbegriffe des Rationalismus, des Rechts und des Rechtsgefühls bestimmt.
Davon ausgehend wird rekonstruiert, welche historische Entwicklung das Recht dabei durchlaufen hat und wie es sich im Verhältnis zu Moral und Ethik einordnet.
Nachfolgend wird genauer untersucht, wo sich im Recht rationelle Elemente aber auch Einflüsse des Rechtsgefühls identifizieren lassen und sich mögliche Konfliktsituationen zwischen objektivem Recht und subjektiven Rechtsgefühlen ergeben.

Anschließend wird auf aktuelle Entwicklungen im Schrifttum, aber auch auf tagespolitische Ereignisse Bezug genommen.

Dabei beschränkt sich die Untersuchung stets auf das politische System der Bundesrepublik Deutschland.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

A. Einleitung

B. Relevante Leitbegriffe

I. Rationalismus

Einleitung

1. Begriffliche Einordnung

2. Wissenschaftliche Methode

3. Entwicklung in der Neuzeit

a. Theologische Bewegung

b. Klassischer Rationalismus

c. Aufklärung

aa. Grundideen

bb. Abgeleitete Ideen

cc. Aufklärung und Gefühl

dd. Kritik der reinen Vernunft

d. Moderner Rationalismus

II. Recht

Einleitung

1. Historische Entwicklung

a. Erstes Gesetz

b. Hebräisches Recht

c. Aufklärung

aa. Radikalisierung

bb. Kalte Quelle

d. Nietzsche

2. Maßgebliche Termini

a. Naturrecht

b. Gewohnheitsrecht

c. Positives Recht

d. Gesetz

e. Objektivität

f. Subjektivität

3. Recht als eine relationale Kategorie

a. Funktionen des Rechts

aa. Politische Funktion

bb. Gesellschaftliche Funktion

cc. Individuelle Funktion

b. Recht im Verhältnis zu Moral

c. Recht im Verhältnis zu Religion

III. Rechtsgefühl

Einleitung

1. Definition

a. Gefühl

b. Rechtsgefühl

c. Differenzierung

aa. intellektuell

bb. emotional

cc. voluntaristisch

2. Abgrenzung

a. zu Gerechtigkeit

b. zu Rechtsakzeptanz

C. Spannungsverhältnis

Einleitung

I. Historische Entwicklung

1. Geisteswissenschaften

a. Romantik

b. Neuhumanismus

2. Jurisprudenz

a. Historische Rechtsschule

b. Begriffsjurisprudenz

c. Freirechtsschule

d. Interessenjurisprudenz

II. Rechtsmethodik

1. Vorbemerkung

2 . Rechtssetzung

a. Rationelle Elemente

b. Grenzen der Vernunft

aa. Nationalsozialismus

bb. Irrationale Elemente

3. Rechtsanwendung

a. Vorbemerkung

b. Juristischer Syllogismus

c. Klassische Auslegung

d. Rechtliche Normativität

III. Objektivität, Subjektivität und Intersubjektivität

1. Vorbemerkung

2. Unparteilichkeit

3. Objektive Dimension von Gefühlen

4. Subjektive und intersubjektive Dimension von Gefühlen

5. Aktuelle Entwicklung

IV. Diskrepanz und Kongruenz

1. Vorbemerkung

2. Beispiele

a. Actio libera in causa

b. Urteil des BVG zur Sterbehilfe

3. Ausgewogenheit

D. Resümee

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das Spannungsverhältnis zwischen dem Recht, das traditionell als rationales System begriffen wird, und dem Rechtsgefühl als emotionaler, subjektiver Komponente. Ziel ist es, zu analysieren, wie sich das Recht zwischen diesen beiden Polen positioniert und unter welchen Umständen eine Divergenz zwischen Vernunft und Gefühl auftritt.

  • Grundlagen des Rationalismus und seine Bedeutung für die Rechtswissenschaft
  • Historische Entwicklung des Rechtsbegriffs und der Rechtsphilosophie
  • Definition und psychologische Aspekte des Rechtsgefühls
  • Die Rolle von Emotionen bei der Rechtsanwendung und Rechtssetzung
  • Konfliktpotentiale zwischen objektivem Recht und subjektivem Rechtsempfinden

Auszug aus dem Buch

A. Einleitung

„Denn wer nach seiner Ueberzeugung handelt, und sey sie noch so mangelhaft, kann nie ganz zugrunde gehen, wogegen nichts seelentödtender wirkt, als gegen das innere Rechtsgefühl das äußere Recht in Anspruch zu nehmen.“

„Die Unabhängigkeit von Gerichten ist ein hohes Gut. Aber Richter sollten immer auch im Blick haben, dass ihre Entscheidungen dem Rechtsempfinden der Bevölkerung entsprechen.“

Das erste Zitat entstammt der Novelle „Die Judenbuche – Ein Sittengemälde aus dem gebirgichten Westfalen“ - einem literarischen Hauptwerk der Schriftstellerin Annette von Droste-Hülshoff und geht zurück auf das Jahr 1842. Die Handlung der Novelle spielt in einem entlegenen westfälischen Dorf in einem deutschen Kleinstaat des 18. Jahrhunderts. Der Protagonist Friedrich Mergel verliert im Laufe seines Lebens sein inneres Rechtsgefühl und fasst volljährig eigenständig den Entschluss zur Verschleierung einer Straftat, nämlich eines Mordes. Ursprünglich als zurückgezogenes Kind mit einem intakten Rechtsgefühl ausgestattet und in der Lage, den Unterschied zwischen Recht und Unrecht sehr wohl zu erkennen, verformt sich Mergels Charakter im Laufe der Handlung negativ, auch bedingt durch eine desolate familiäre Situation. Mergels tragische Lebensgeschichte ist geprägt von einer konfliktträchtigen Wechselwirkung zwischen autonomer Handlungsfreiheit und determiniertem Schicksal. Diese ist verantwortlich für die im Laufe von Friedrichs Kindheit und Jugend anwachsende Diskrepanz von Recht und Rechtsgefühl. In der Novelle verdeutlicht die deutsche Schriftstellerin zu ihrer Zeit, wie die Begriffe Recht und Unrecht durcheinander geraten und welche Spannungen sich zwischen objektivem Recht und subjektiven Rechtsgefühlen ergeben können.

Zusammenfassung der Kapitel

A. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der Arbeit ein, indem sie anhand literarischer und aktueller Beispiele das Spannungsfeld zwischen rational begründetem Recht und subjektivem Rechtsgefühl aufzeigt.

B. Relevante Leitbegriffe: Hier werden die theoretischen Grundlagen des Rationalismus sowie der Begriff des Rechts und des Rechtsgefühls als Ausgangspunkte der Untersuchung bestimmt und definiert.

C. Spannungsverhältnis: Dieses Hauptkapitel analysiert die historische Entwicklung, die Rechtsmethodik sowie das Zusammenspiel von Objektivität, Subjektivität und Intersubjektivität bei der Anwendung von Recht unter Einbeziehung des Rechtsgefühls.

D. Resümee: Das Resümee fasst die gewonnenen Erkenntnisse zusammen und betont die Notwendigkeit eines ausgewogenen Verhältnisses zwischen rationalen und emotionalen Komponenten im Rechtssystem.

Schlüsselwörter

Recht, Rechtsgefühl, Rationalismus, Rechtsphilosophie, Vernunft, Aufklärung, Rechtssicherheit, Jurisprudenz, Rechtsanwendung, Gerechtigkeit, Subjektivität, Objektivität, Rechtsstaat, Rechtsmethodik, Emotionen

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit dem komplexen Spannungsverhältnis zwischen dem rationalen Rechtsverständnis und dem sogenannten Rechtsgefühl.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die Arbeit behandelt die philosophischen Wurzeln des Rationalismus, die historische Entwicklung des Rechtsstaats sowie die psychologischen Dimensionen von Gefühlen in rechtlichen Entscheidungsprozessen.

Welches ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Arbeit untersucht, welche Stellung das Recht zwischen den Polen Vernunft und Gefühl einnimmt und unter welchen Bedingungen Divergenzen zwischen diesen beiden Seiten entstehen.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?

Die Arbeit nutzt eine rechtsphilosophische und historische Rekonstruktion sowie die Analyse aktueller Schrifttum-Debatten und rechtlicher Fallbeispiele.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Begriffsbestimmungen von Rationalismus, Recht und Rechtsgefühl sowie eine detaillierte Analyse der Spannungsverhältnisse in Rechtssetzung und Rechtsanwendung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die zentralen Begriffe sind Recht, Rechtsgefühl, Rationalismus, Vernunft, Rechtsmethodik, Gerechtigkeit und Subjektivität.

Wie spielt das Rechtsgefühl bei der Rechtsanwendung eine Rolle?

Nach der Arbeit kann das Rechtsgefühl als subjektiver Bezug des Richters auf den Zustand der Außenwelt dienen, bleibt jedoch als Kontrollkriterium dem geltenden objektiven Recht untergeordnet.

Welche Bedeutung hat das Beispiel "Die Judenbuche" in dieser Arbeit?

Die Novelle dient als literarisches Fallbeispiel, um die tragische Entwicklung eines Menschen aufzuzeigen, bei dem die Diskrepanz zwischen Recht und Rechtsgefühl zu einer moralischen Entfremdung führt.

Was ist das zentrale Ergebnis bezüglich der aktuellen Rechtslage?

Das Resümee hält fest, dass Recht zwar eine rationale Basis benötigt, aber zur menschlichen Reifung und Stabilität einer Gesellschaft auch das ergänzende Element des Rechtsgefühls und der individuellen moralischen Einbettung erfordert.

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Details

Titel
Recht zwischen Rationalismus und Rechtsgefühl. Anwendung und Begründung von Recht und Entscheidungen
Hochschule
FernUniversität Hagen
Note
1,0
Autor
Juliane Kästli (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2019
Seiten
83
Katalognummer
V955962
ISBN (eBook)
9783346305718
ISBN (Buch)
9783346305725
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Rationalismus und Rechtsgefühl
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Juliane Kästli (Autor:in), 2019, Recht zwischen Rationalismus und Rechtsgefühl. Anwendung und Begründung von Recht und Entscheidungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/955962
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Leseprobe aus  83  Seiten
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