Aktuell sehen sich Textil- und Bekleidungsunternehmen vor der Herausforderung die Umwelt zu schützen und gleichzeitig mit ihren Produkten konkrete Kundenbedürfnisse zu befriedigen. Das Modell der CE bildet einen Ansatz genau diese Herausforderungen zu lösen.
Darauf basierend ist das Ziel dieser wissenschaftlichen Arbeit, die Potenziale zirkulärer Geschäftsmodelle in der Bekleidungsbranche zu analysieren, die dazu beitragen das heutige lineare Model der Bekleidungsindustrie auf praktische Weise in Richtung Zirkularität umzuwandeln. Dafür sollen zum einen die Chancen und Herausforderungen des zirkulären Konzeptes für Bekleidungsunternehmen vorgestellt werden und zum anderen untersucht werden wie die CE einen Lösungsansatz für eine nachhaltige Bekleidungsindustrie darstellt.
Daher wird im Folgenden die Fragestellung analysiert: ‘‘Wie können Bekleidungsunternehmen das Problem kürzerer Produktlebenszyklen sowie wachsenden Mengen an Ressourcenverbrauch lösen und zu einer nachhaltigeren Bekleidungsindustrie beitragen?‘‘
Entsprechend werden die Auswirkungen der Fast Fashion Industrie entlang der Wertschöpfungskette analysiert, um daraufhin näher auf das Prinzip der Kreislaufwirtschaft im Allgemeinen und in der Bekleidungsbranche einzugehen. Das folgende Kapitel erläutert die genaue Vorgehensweise.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
1.1 Hintergrund und Problemstellung
1.2 Zielsetzung der Arbeit
1.3 Methodik und Aufbau
2. Grundstruktur und Auswirkungen der Textil- und Bekleidungsindustrie
2.1 Begriff und Branchenstruktur
2.2 Die Fast Fashion Industrie
2.3 Auswirkungen der Fast Fashion Industrie
2.3.1 Sozioökonomische Auswirkungen
2.3.2 Ökologische Auswirkungen
2.4 Fast Fashion vs. Slow Fashion
3. Das Konzept der Kreislaufwirtschaft
3.1 Herkunft und Definition der Kreislaufwirtschaft
3.2 Cradle-to-Cradle
3.2.1 Dimensionen der Kreislaufwirtschaft
3.3 Closed-Loop-System
4. Die Kreislaufwirtschaft als alternatives Geschäftsmodell
4.1 Nachhaltige Geschäftsmodellinnovationen
4.2 Zirkuläre Geschäftsmodelle
4.2.1 Treiber, Prinzipien und Strategien
4.2.2 ReSOLVE
4.3 Die Verbindung von Zirkularität und Nachhaltigkeit
4.4 Zirkuläre Geschäftsmodelltypen
4.4.1 Circular Business Model Canvas
4.4.2 Fünf zirkuläre Geschäftsmodelle nach Lacy und Rutqvist
4.5 Chancen und Barrieren zirkulärer Geschäftsmodelle
5. Die Kreislaufwirtschaft in der Bekleidungsindustrie
5.1 Definition des Begriffs Textile Kreislaufwirtschaft
5.2 Post-Retail Initiativen
5.3 Das 5 R-Konzept des textilen Wertschöpfungskreislaufes
5.3.1 Redesign und Reimagine
5.3.2 Reduce
5.3.4 Reuse
5.3.5 Recycle
5.4 Zusammenfassung und Fazit
6. Fallstudie Patagonia, Inc.
6.1 Methodische Vorgehensweise
6.1.1 Auswahl des Unternehmens
6.1.2 Erhebung der Daten
6.1.3 Datenanalyse und Interpretation
6.2 Einzelfallanalyse Patagonia, Inc.
6.2.1 Allgemeine Angaben zum Unternehmen
6.2.2 Zirkuläres Geschäftsmodell von Patagonia, Inc.
6.3 Erfolgspotenzial Analyse
6.4 Handlungsempfehlungen für Bekleidungsunternehmen
7. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Bachelorthesis zielt darauf ab, das Potenzial zirkulärer Geschäftsmodelle in der globalen Textil- und Bekleidungsindustrie zu untersuchen, um dem linearen "Take-Make-Dispose"-Modell entgegenzuwirken und Lösungen für Probleme wie kurze Produktlebenszyklen und hohen Ressourcenverbrauch zu finden.
- Analyse der sozioökonomischen und ökologischen Auswirkungen der Fast Fashion Industrie.
- Darstellung theoretischer Grundlagen der Kreislaufwirtschaft (Circular Economy) und zirkulärer Geschäftsmodelle.
- Untersuchung der Implementierung zirkulärer Prinzipien in der Bekleidungsbranche am Beispiel einer Fallstudie.
- Ableitung von Handlungsempfehlungen für Bekleidungsunternehmen zur Transformation in Richtung Zirkularität.
Auszug aus dem Buch
Die Fast Fashion Industrie
In Folge der Internationalisierung und dem Aufkommen des Fast-Fashion-Systems in den 1990ern hat die Modebranche in den vergangenen 25 Jahren viele Veränderungen erfahren (vgl. Schulze, 2015). Dieser Trend führte zu einer Entwicklung vom traditionellen Angebot saisonaler Kollektionen hin zu einer wöchentlichen Auswahl neuer Produkte mit immer kürzeren Produktlebenszyklen sowie einem stetig wachsenden Massenkonsum (vgl. Remy et al., 2016; EMF, 2017; Henninger, 2015). Fast Fashion wird davon bestimmt aktuelle, modisch ausgerichtete Trends von agierenden Designern im hohen Preissegment zu kopieren, diese innerhalb weniger Wochen zu produzieren und zu einem vielfach günstigeren Preis auf dem Markt anzubieten (vgl. Schulze, 2015). Führende Fast Fashion Unternehmen wie Inditex, Nike, H&M oder Adidas weisen ein stetiges Wachstum auf und generieren Milliarden Umsätze innerhalb kürzester Zeit (vgl. Stamm et al., 2019).
Zwischen den Jahren 2000 bis 2015 verdoppelte sich der Gesamtkonsum der globalen Bekleidungskäufe von etwa 50 Milliarden Bekleidungsstücken auf mehr als 100 Milliarden und wird mit fortsetzendem Wachstum bis 2050 schätzungsweise 160 Millionen Tonnen erreichen (vgl. EMF, 2017; Remy et al., 2016; Greenpeace e.V., 2017b). Gleichzeitig sank in den Jahren dabei die Anzahl und Dauer wie oft ein Kleidungsstück im Schnitt getragen wird (vgl. EMF, 2017). Des Weiteren kam es im Vergleich zu steigenden Preisen anderer Konsumgüter, in Folge der expandierenden Mittelschicht, seit Beginn des Jahrhunderts zu einer Preissenkung für Textilien und Bekleidung (vgl. Remy et al., 2016; WRAP, 2018).
Aktuell werden weniger als ein Prozent der zur Herstellung von Kleidung verwendeten Materialien in einem geschlossenen Kreislauf zu neuer Kleidung recycelt. Dies führt zu einem wirtschaftlichen Verlust von mehr als 87 Milliarden Euro jährlich in Form von Material (vgl. EMF, 2017; Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), 2019). Weltweit werden lediglich 20 Prozent der Kleidungsabfälle gesammelt, um wiederverwendet oder recycelt zu werden, während die restlichen 80 Prozent verbrannt oder deponiert werden. Dabei variiert die Infrastruktur für die Sammlung in Bezug auf Umfang und Effizienz, was zu großen Unterschieden zwischen den Ländern führt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Definition der Forschungsfrage und Einbettung in den Kontext des Ressourcenverbrauchs der Modebranche.
2. Grundstruktur und Auswirkungen der Textil- und Bekleidungsindustrie: Analyse der globalen Wertschöpfungsketten und der negativen sozioökonomischen sowie ökologischen Folgen der Fast Fashion Industrie.
3. Das Konzept der Kreislaufwirtschaft: Theoretische Herleitung des Circular Economy Modells, inklusive Cradle-to-Cradle und Closed-Loop-Systemen.
4. Die Kreislaufwirtschaft als alternatives Geschäftsmodell: Vorstellung von Strategien und Modellen wie dem Circular Business Model Canvas und dem ReSOLVE-Framework.
5. Die Kreislaufwirtschaft in der Bekleidungsindustrie: Untersuchung von Post-Retail Initiativen und dem 5 R-Konzept für eine zirkuläre textile Wertschöpfung.
6. Fallstudie Patagonia, Inc.: Empirische Analyse des Unternehmens Patagonia als Vorreiter für zirkuläre Geschäftsmodelle in der Outdoor-Branche.
7. Fazit und Ausblick: Kritische Reflexion der Ergebnisse und Ausblick auf die zukünftige Transformation der Branche.
Schlüsselwörter
Kreislaufwirtschaft, Circular Economy, Textilindustrie, Bekleidungsindustrie, Fast Fashion, Nachhaltigkeit, Geschäftsmodellinnovation, Patagonia, Ressourcenverbrauch, Cradle-to-Cradle, Closed-Loop-System, Wertschöpfungskette, Recycling, Produktlebenszyklus, Nachhaltige Entwicklung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es grundsätzlich in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der Transformation der globalen Textil- und Bekleidungsindustrie von einem linearen Wirtschaftsmodell hin zu einer zirkulären Kreislaufwirtschaft, um ökologische und soziale Missstände zu minimieren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zu den zentralen Themen gehören die Fast Fashion Problematik, das Konzept der Circular Economy, verschiedene zirkuläre Geschäftsmodelltypen sowie deren praktische Umsetzung anhand des 5 R-Konzepts und des Circular Business Model Canvas.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage dieser Arbeit?
Die Forschungsfrage lautet: „Wie können Bekleidungsunternehmen das Problem kürzerer Produktlebenszyklen sowie wachsenden Mengen an Ressourcenverbrauch lösen und zu einer nachhaltigeren Bekleidungsindustrie beitragen?“
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Die Arbeit kombiniert einen theoretischen Teil mit einer empirischen Einzelfallanalyse (Fallstudie) des Unternehmens Patagonia, Inc., wobei die qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring zur Auswertung verwendet wird.
Was wird schwerpunktmäßig im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung des zirkulären Wirtschaftens, die Analyse der Auswirkungen der Fast Fashion Industrie und die detaillierte Fallstudie zu Patagonia, Inc., inklusive einer Untersuchung ihres Worn Wear Programms.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Kreislaufwirtschaft (Circular Economy), Textil-Wertschöpfungskette, Nachhaltigkeit, zirkuläre Geschäftsmodelle und die Transformation hin zur ökologischen Verantwortung in der Bekleidungsproduktion.
Warum wurde Patagonia, Inc. als Fallbeispiel gewählt?
Patagonia wurde aufgrund seiner Vorreiterrolle gewählt, da das Unternehmen bereits umfassend und erfolgreich zirkuläre Praktiken wie kostenlose Reparaturen und recycelte Materialien in sein Geschäftsmodell integriert hat und 2017 den „Accenture Strategy Award for Circular Economy“ gewann.
Wie trägt das Worn Wear Programm zur Zirkularität bei?
Das Worn Wear Programm verlängert den Produktlebenszyklus durch Reparaturen und den Weiterverkauf gebrauchter Kleidung, wodurch der Neukonsum reduziert und Ressourcen geschont werden.
Welche Rolle spielt die Politik bei der Förderung der Kreislaufwirtschaft?
Politische Rahmenbedingungen, wie der Aktionsplan zur Kreislaufwirtschaft der Europäischen Kommission, sind essenziell, um Anreize für Unternehmen zu schaffen und nationale Grenzen bei der Umsetzung zirkulärer Praktiken zu überwinden.
- Citar trabajo
- Neele Bösche (Autor), 2020, Circular Economy. Chancen und Risiken zirkulärer Geschäftsmodelle in der Bekleidungsindustrie, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/956829