Heutzutage erlebt der Dolmetscher-Beruf einen großen Wandel. Dazu noch hat die Corona-Krise ihre Auswirkungen auf die Dolmetschtätigkeit. In dieser Arbeit wird offen gelegt, wie die Dolmetscher im Bereich Community Interpreting in diesen harten Zeiten weiterhin ihren Beruf ausüben und welche Auswirkungen die Corona-Maßnahmen auf ihre Arbeit sowie dessen Qualität haben. Die Erkenntnisse stammen aus einem Interview mit einem Dolmetscher und eröffnen die Tür zum verborgenen Wissen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Was zeichnet Dolmetschen vom Übersetzen aus?
3 Remote Interpreting
4 Methodologie
5 Interview-Auswertungen
5.1 Fachexperte?
5.2 Community Interpreting
5.3 Einfluss der Corona-Maßnahmen auf die Dolmetschvorgänge
5.4 Distanz beim Dolmetschen
6 Methodologie-Auswertung und Selbstreflexion
7 Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Auswirkungen der Corona-Pandemie sowie der damit verbundenen Digitalisierung und Distanzgebote auf den Berufsalltag von Dolmetschern. Ziel ist es, ein besseres Verständnis für die Veränderungen des Berufsbildes durch den verstärkten Einsatz von Remote Interpreting und Schutzmaßnahmen wie Maskenpflicht zu entwickeln und der Frage nachzugehen, ob diese Distanz die neue Zukunft des Dolmetschens darstellt.
- Berufswandel im Dolmetscherwesen durch die Corona-Krise
- Herausforderungen des Remote Interpreting (RI) in der Praxis
- Einfluss von Maskenpflicht und Abstandsregeln auf die Dolmetschqualität
- Rolle des menschlichen Kontakts im Community Interpreting
- Qualitative Analyse durch Experteninterviews mit praktizierenden Dolmetschern
Auszug aus dem Buch
Remote Interpreting
Wie bereits in der Einleitung erwähnt, hat sich unsere Welt bis heute sehr weit nach vorne entwickelt. Ma. Jesús González Rodríguez (2016) zufolge leben wir heutzutage in einer globalisierten Welt. Dank den neuen Technologien sowie den neuen Geräten wie Laptops, Smartphones u. a. ist es heutzutage möglich, mit den Menschen am anderen Ende der Welt zu kommunizieren (vgl. González Rodríguez 2016:75). Auf diese Art und Weise erschien auch die Bühne zur Entwicklung von Remote Interpreting. Claudio Fantinuoli (2018) beschreibt RI wie folgend:
Remote interpreting is a broad concept which is commonly used to refer to forms of interpreter-mediated communication delivered by means of information and communication technology. It is not a monolithic notion, but it can rather be used to designate different settings and modalities, for example when all event participants are gathered at one place while the interpreters are located at a different venue, or when the interpreter and one of the interlocutors are both present at the same place. As far as technology is concerned, RI can be carried out by means of different solutions, from simple telephone to advanced videoconference equipment. (Fantinuoli 2018:4)
Auch der Masterarbeit von Maria Shadrina (2015) ist zu entnehmen, dass unter RI Telefon- und Videodolmetschen zu verstehen sind (vgl. Shadrina 2015:9). Laut Elvira Iannone (2020) können verschiedene Dolmetscharten nach unterschiedlichen Kriterien kategorisiert werden. Zu diesen Kriterien gehören Dolmetschmodus, Technikausrüstung, Einsatzort sowie Direktionalität der Kommunikationssituation u. a. Zu der für diese Arbeit relevanten Kategorie gehört die Technikausrüstung. Neben Video- und Telefondolmetschen fällt auch Kabinendolmetschen in diese Kategorie (vgl. Iannone 2020:32). Diese drei Arten des Dolmetschens unterscheiden sich je nach den verwendeten technischen Mitteln, die bereits aus den Namen der Dolmetschformen zu erschließen sind.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den technologischen Wandel und das Interesse der Autorin am Beruf des Dolmetschers unter den erschwerten Bedingungen der Corona-Pandemie.
2 Was zeichnet Dolmetschen vom Übersetzen aus?: Dieses Kapitel arbeitet die wesentlichen Unterschiede zwischen Dolmetschen und Übersetzen heraus, wobei insbesondere der soziale Aspekt und die Vielseitigkeit der Arbeit als zentrale Merkmale des Dolmetscherberufs identifiziert werden.
3 Remote Interpreting: Es werden die begrifflichen Grundlagen des Remote Interpreting erläutert sowie verschiedene technische Kategorien wie Telefon- und Videodolmetschen definiert.
4 Methodologie: Das Kapitel begründet die Wahl der qualitativen Sozialforschung in Form eines teil-narrativen Experteninterviews zur Beantwortung der Forschungsfrage.
5 Interview-Auswertungen: In diesem Hauptteil werden die Transkriptionen des Experteninterviews analysiert, wobei besonders auf die Auswirkungen von Masken, Abstandsregeln und technischer Distanz auf die Arbeitsqualität und Rollenwahrnehmung eingegangen wird.
6 Methodologie-Auswertung und Selbstreflexion: Die Autorin reflektiert kritisch über die eigene Interviewführung und die Eignung der gewählten Methode zur Erhebung der Daten.
7 Schluss: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und äußert die Sorge, dass eine fortschreitende Digitalisierung den für den Beruf essenziellen zwischenmenschlichen Kontakt gefährden könnte.
Schlüsselwörter
Dolmetschen, Remote Interpreting, Corona-Krise, Community Interpreting, Distanz, Digitalisierung, Berufsalltag, Experteninterview, Kommunaldolmetschen, Videodolmetschen, Telefondolmetschen, Rollenbild, Sprachmittlung, soziale Interaktion, Arbeitsabläufe.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Situation von Dolmetschern während der Corona-Pandemie und untersucht, wie sich veränderte Arbeitsbedingungen wie Remote Interpreting und Hygienemaßnahmen auf den Berufsalltag und die Qualität der Sprachmittlung auswirken.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themen sind die Digitalisierung des Dolmetscherberufs, der Unterschied zwischen konventionellem Dolmetschen und Distanzdolmetschen, sowie die Auswirkungen dieser Veränderungen auf die Beziehung zwischen Dolmetscher und Klienten.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es zu erforschen, ob Remote Interpreting und die durch Schutzmaßnahmen bedingte Distanz das neue, dauerhafte Berufsbild für Dolmetscher definieren könnten und welche Vor- und Nachteile dies mit sich bringt.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Autorin wählte einen qualitativen Forschungsansatz und führte ein teil-narratives Experteninterview mit einem im Bereich Community Interpreting tätigen Dolmetscher durch.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Ergebnisse des Experteninterviews. Dabei geht es um die Herausforderungen beim Dolmetschen mit Maske, die Einschränkungen der Mimik und Gestik sowie die Frage, ob eine Vertrauensbasis zu Klienten unter digitalen oder distanzierten Bedingungen noch aufrechterhalten werden kann.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Dolmetschen, Remote Interpreting, Corona-Krise, Community Interpreting und Distanz charakterisiert.
Welche spezifische Rolle spielt der Dolmetscher laut der Analyse im Community Interpreting?
Dem Dolmetscher werden im Community Interpreting vielfältige Rollen wie Fürsprecher, Helfer oder Brücke zugeschrieben, die stark auf persönlicher Nähe und dem direkten menschlichen Kontakt basieren.
Wie bewertet der Interviewpartner die Zukunft des Remote Interpreting?
Der Experte sieht zwar eine zunehmende Bedeutung von Remote-Lösungen als Zukunftsperspektive, betont aber, dass diese das konventionelle, persönliche Dolmetschen – insbesondere im Gerichtskontext – nicht vollständig ersetzen können und werden.
- Arbeit zitieren
- Anna Busygina (Autor:in), 2020, Remote Interpreting in Organisationen in der Corona-Zeit. Ist Distanz die neue Berufszukunft?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/956875