Diese Arbeit geht der Frage nach, welche Standpunkte Eltern von Grundschulkindern bezogen auf die Thematisierung von 'Tod und Sterben' im Sachunterricht der Grundschule einnehmen. Aber auch weitere seitens der Eltern genannte Bedingungen, welche mit der Thematisierung einhergehen, sollen dargestellt werden. Zu diesem Zweck wurde eine qualitative Inhaltsanalyse durchgeführt. Die Grundlage dafür bilden sechs selbstständig durchgeführte Interviews. Innerhalb der theoretischen Abhandlung wird zunächst die Basis für die Ergebnisdarstellung und -auswertung gelegt.
Dabei stehen vor allem die Tabuisierung der Thematik in der heutigen Gesellschaft, das momentane Erleben von Tod und Sterben bei Kindern, deren Todeskonzepte in unterschiedlichen Altersstufen sowie das Trauerverhalten im Vordergrund. Im weiteren Verlauf wird auf Programme der 'Death Education' eingegangen, sowie auf die aktuelle Situation in den Schulen bezogen auf den Lehrinhalt 'Tod und Sterben'. Nach der theoretischen Abhandlung erfolgt die Zusammenfassung der Ergebnisse, welche mittels der qualitativen Inhaltsanalyse gewonnen wurden. Letztendlich sollen diese interpretiert und in Hinblick auf Lösungsvorschläge diskutiert werden.
Sterben, Tod und Trauer gehören ebenso zum Leben dazu, wie auch die Geburt. Wird ein Individuum geboren, so steht fest, dass dieses irgendwann auch wieder gehen muss. Dieses Thema beschäftigt die Menschheit in sämtlichen Lebenssituationen. Dennoch sind viele Erwachsene der Meinung, dass das Thema 'Tod und Sterben' für Kinder nicht interessant wäre, sie gar noch zu jung dafür sind. Aus diesem Grund wollen sie ihre Kinder davor schützen bzw. sie vor solch schweren Themen schonen.
Auch innerhalb der Schule wird dieses Thema nur unzureichend oder meist gar nicht angesprochen. Das liegt daran, dass eine sachliche Auseinandersetzung mit dem Thema 'Tod und Sterben' im Erwachsenenkreis fehlt, sodass es auch zu einem Tabuthema im schulischen Umfeld geworden ist. Die Auseinandersetzung mit diesem Gegenstand ist umstritten und dementsprechend kein typischer Unterrichtsinhalt. Weder der Lehrplan des Sachunterrichts in Thüringen noch der Perspektivrahmen der Gesellschaft für Didaktik des Sachunterrichts (GDSU) führen diese Inhaltsbereiche in ihren Ausführungen auf.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung und Zielsetzung
1.2 Methodisches Vorgehen
2 Grundlagen
2.1 Definitionen
2.1.1 Thanatologie
2.1.2 Sterben
2.1.3 Tod
2.1.4 Trauer
2.2 Gesellschaftliche Entwicklungen zu Tod und Sterben
2.2.1 Tabuthema Tod
2.2.3 Wie Kinder den Tod erleben
2.2.3.1 Früher
2.2.3.2 Heute
3 Umgang mit Tod und Sterben im Kindesalter
3.1 Verlusterfahrungen von Kindern
3.2 Erfahrungen von Kindern im Umgang mit dem Tod
3.2.1 Direkte Erfahrungen
3.2.2 Indirekte Erfahrungen
3.3 Todesvorstellungen / Todeskonzepte
3.3.1 Kognitive Komponenten / Subkonzepte
3.3.2 Todeskonzepte unterschiedlicher Altersstufen
3.3.2.1 Kinder zwischen drei und fünf Jahre
3.3.2.2 Kinder zwischen sechs und acht Jahre
3.3.2.3 Kinder ab dem neunten Lebensjahr
3.4 Der Trauerprozess
3.4.1 Trauerreaktionen
3.4.2 Aufgabenmodell der Trauer nach James William Worden
4 Death Education
4.1 Grundlagen
4.2 Aufgaben und Ziele
4.3 Wirksamkeit der Death Education
5 Tod und Sterben als Sachunterrichtsthema
5.1 Aufgaben und Ziele des Sachunterrichts
5.2 Verortung im Thüringer Lehrplan
5.3 Perspektivrahmen Sachunterricht
5.4 Möglichkeiten der Einbindung in den Sachunterricht
5.4.1 Thematische Zugänge
5.4.2 Praxisbeispiele
5.4.3 Rituale in der schulischen Trauerarbeit
5.4.4 Zusammenfassung
5.5 Schwierigkeiten der Thematisierung von Tod und Sterben innerhalb der Grundschule
6 Qualitative Forschungsmethoden
6.1 Qualitative Sozialforschung
6.1.1 Begründung der Forschungsmethode
6.1.2 Theoretische Hintergründe
6.2 Erhebungsverfahren
6.2.1 Begründung der Methodenwahl
6.2.2 Das problemzentrierte Interview mit Leitfaden
6.2.3.1 Vorbereitungen
6.2.3.2 Durchführung der Interviews
6.3 Datenauswertung mittels qualitativer Inhaltsanalyse nach Udo Kuckartz
6.3.1 Begründung zur Wahl der Auswertungsmethode
6.3.2 Merkmale & Ablauf der qualitativen Inhaltsanalyse
6.3.2.2 Grundbegriff der „Einheiten“
6.3.3 Merkmale und Ablauf der inhaltlich strukturierenden Inhaltsanalyse mittels induktiver Kategorienbildung
6.3.3.1 MAXQDA-Software
6.3.3.2 Vorgehen bei der Analyse
7 Ergebnisse
7.1 Beschreibung der Stichprobe
7.2 Beschreibung der Kategorien
7.2.1 Thematisierung im gesellschaftlichen/privaten Kontext
7.2.2 Thematisierung im schulischen Kontext
7.2.3 Gründe für Tabuisierung
7.2.4 Vorteile
7.2.5 Nachteile
7.2.6 Kontextueller Zusammenhang
7.2.7 Mögliche Unterrichtsthemen
7.2.8 Keine Unterrichtsthemen
7.2.9 Thematisierung in Abhängigkeit der Klassenstufe
7.2.10 Religiöser Bezug
7.2.11 Information an Eltern
7.2.12 Unterstützung des Trauerprozesses
7.2.13 Wahlrecht der Eltern
7.3 Diskussion
8 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Forschungsarbeit untersucht, welche Standpunkte Eltern von Grundschulkindern zur Thematisierung von „Tod und Sterben“ im Sachunterricht einnehmen und welche Bedingungen sie mit diesem Prozess verknüpfen. Das primäre Ziel ist es, ein besseres Verständnis für die elterliche Haltung zu gewinnen, um eine fundierte Basis für die Integration dieses sensiblen Themas in den schulischen Bildungsalltag zu schaffen.
- Tabuisierung von Tod und Sterben in der modernen Gesellschaft
- Kindliche Todeskonzepte und Trauerprozesse im Grundschulalter
- Möglichkeiten und Grenzen einer schulischen „Death Education“
- Qualitative Analyse der elterlichen Standpunkte mittels problemzentrierter Interviews
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Tabuthema Tod
Bis in das 20. Jahrhundert war für die meisten Menschen der Tod ein öffentliches Ereignis und dementsprechend selbstverständlicher Bestandteil des eigenen Lebens und der Gemeinschaft. Es hatte einen enormen Einfluss auf das Lebensgefühl der Menschen.
Doch in der heutigen Zeit kann man eine Ausgrenzung dieser Problematik aus dem persönlichen, familiären und gesellschaftlichen Leben erkennen (vgl. Jennessen 2007, S.7). Der Öffentlichkeitscharakter des Todes ist nicht mehr zu erkennen (vgl. Iskenius-Emmler 1988, S.47). Dies zeigt sich durch eine „gewisse Sprachlosigkeit bzw. eine gehemmte Kommunikation“ (Zingrosch, zit. nach Jennessen 2007, S.7) in Zusammenhang mit dem Thema Tod und Sterben eingesetzt hat.
Über sehr lange Zeit war es selbstverständlich, dass die Menschen ihre eigenen Sterblichkeit bewusst wahrgenommen haben und offen damit umgingen. Es ist allerdings Tatsache, dass die Menschen zu früheren Zeiten ein anderes Bild vom Tod und folglich auch ein anderes Todeskonzept verinnerlicht hatten als in der heutigen Zeit. Denn es ist nicht abstreitbar, dass heutzutage das Thema Tod oft aus dem alltäglichen Leben ausgeklammert wird (vgl. Specht-Tomann & Tropper 2000, S.22).
Der Tod ist, wie bereits erwähnt, aus dem familiären Umfeld verdrängt worden, was letztendlich dazu führt, dass der selbstverständliche Umgang mit Leben und Sterben nicht mehr unmittelbar erfahren werden kann. In Folge der Ausgliederung dieser wichtigen Lebenserfahrungen aus dem Familienumfeld bzw. eines kleinen sozialen Rahmens kommt es auf lange Sicht zur Absonderung bestimmter Gefühle, die eigentlich zum Leben der Menschen dazugehören. Das kommt daher, dass ihnen in der heutigen Zeit konkrete Erfahrungen im Umgang mit dem Tod fehlen (vgl. Specht-Tomann & Tropper 2000, S.23).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Arbeit problematisiert die gesellschaftliche Verdrängung des Todes und formuliert das Forschungsziel, elterliche Standpunkte zur Thematisierung im Sachunterricht zu erheben.
2 Grundlagen: Es werden zentrale Begrifflichkeiten wie Thanatologie, Sterben, Tod und Trauer definiert sowie der gesellschaftliche Wandel zum Tabuthema Tod dargelegt.
3 Umgang mit Tod und Sterben im Kindesalter: Dieses Kapitel behandelt kindliche Verlusterfahrungen, die Entwicklung von Todeskonzepten in verschiedenen Altersstufen und den Trauerprozess bei Kindern.
4 Death Education: Es werden die Grundlagen, Ziele sowie die Wirksamkeit von Death-Education-Programmen beschrieben, die als pädagogische Ansätze zur Enttabuisierung dienen.
5 Tod und Sterben als Sachunterrichtsthema: Dieses Kapitel erläutert, wie das Thema im Sachunterricht verankert werden kann, präsentiert Praxisbeispiele und diskutiert die Herausforderungen für Lehrkräfte.
6 Qualitative Forschungsmethoden: Die Arbeit begründet den Einsatz der qualitativen Sozialforschung, des problemzentrierten Interviews und der qualitativen Inhaltsanalyse nach Kuckartz für die Datenerhebung und -auswertung.
7 Ergebnisse: Die empirischen Ergebnisse werden strukturiert dargestellt, wobei die verschiedenen Kategorien der elterlichen Meinungen (Thematisierung, Gründe für Tabuisierung, Vorteile/Nachteile) detailliert analysiert werden.
8 Fazit: Die Arbeit resümiert die gewonnenen Erkenntnisse und unterstreicht die Notwendigkeit, das Thema Tod und Sterben kindgerecht und in enger Kommunikation mit den Eltern in den Unterricht zu integrieren.
Schlüsselwörter
Tod, Sterben, Trauer, Sachunterricht, Grundschule, Todeskonzepte, Elternstandpunkte, Death Education, Tabuisierung, Qualitative Inhaltsanalyse, Trauerarbeit, kindgerechte Aufklärung, Lernorte, Sozialforschung, Erziehung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Forschungsarbeit grundlegend?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, wie Eltern von Grundschulkindern zur Integration der Thematik „Tod und Sterben“ im Sachunterricht stehen und welche Bedingungen sie dabei für wichtig erachten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Felder sind die gesellschaftliche Tabuisierung von Tod und Sterben, die kindliche Entwicklung von Todeskonzepten, die Möglichkeiten der schulischen Trauerarbeit und die elterlichen Erwartungen an eine transparente Kommunikation.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist es, die Standpunkte der Eltern empirisch zu erfassen, um Lehrkräften Orientierung für einen sensiblen, kindgerechten Umgang mit dieser Thematik im Unterricht zu bieten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wurde ein qualitativer Forschungsansatz gewählt, der auf problemzentrierten Interviews mit Eltern basiert, die mittels qualitativer Inhaltsanalyse nach Udo Kuckartz ausgewertet wurden.
Was behandelt der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen zu Tod und Trauer, pädagogische Konzepte (Death Education) sowie eine detaillierte Auswertung der geführten Interviews zu Chancen und Herausforderungen im schulischen Kontext.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Todeskonzepte, Trauerbegleitung, elterliche Mitsprache, Sachunterricht und Enttabuisierung definiert.
Warum ist die Kommunikation mit den Eltern laut der Ergebnisse so wichtig?
Da das Thema „Tod und Sterben“ als hochsensibel empfunden wird, fordern die befragten Eltern mehrheitlich Transparenz und Information, um Ängste abzubauen und sicherzustellen, dass die schulische Thematisierung mit ihren Erziehungsvorstellungen vereinbar ist.
Wie bewerten die Eltern die Einbindung von Experten im Unterricht?
Ein Großteil der Eltern sieht in der Einbindung von externen Experten oder Fachkräften eine wertvolle Unterstützung, um spezifische Fragen der Kinder kompetent und sachlich zu beantworten.
- Citar trabajo
- Anonym (Autor), 2020, Das Thema 'Tod und Sterben' im Sachunterricht der Grundschule. Positionierung der Eltern, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/956928