Sprachspiele im DaF-Unterricht. Spielpädagogik in der Grundschule


Hausarbeit, 2020

42 Seiten, Note: 1

Monika Krotoszynska (Autor:in)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Spiele und ihre Funktionen
1.1 Psychologische Aspekte
1.2 Soziologische Aspekte
1.3 Pädagogische Aspekte

2. Spiele im Deutschunterricht
2.1 Die Spielpädagogik im DaF Unterricht
2.2 Spielerische Sprachübungen

3. Sprachlernspiele
3.1 Klassifikation von Sprachlernspielen
3.2. Kriterien für die Auswahl von Sprachlernspielen

4. Analyse der Sprachlernspiele im DaF Unterricht in der Grundschule am Beispiel des Lehrwerkes „ Der die das“ für die Grundschule
4.1 Wortschatzspiele
4.2. Grammatikspiele
4.3 Orthographiespiele

Zusammenfassung

Streszczenie

Literaturverzeichnis

Einleitung

Sprache und Sprachgebrauch spielten und spielen immer in der Geschichte der Menschheit eine sehr große Rolle. Eine der wichtigsten Funktionen der Sprache ist zweifellos ihre kommunikative Funktion. Sie galt und gilt als eine Form der Verständigung zwischen den Menschen. Im Falle der Sprache hat man mit solch einem Phänomen zu tun, das sich ständig entwickelt. Die Sprache ist doch ein Kommunikationsmittel, die Generationen verbindet. Man übernimmt den Wortschatz von unseren Vorfahren, was aber nicht bedeutet, dass er konstant bleibt. Ganz im Gegenteil. Es entstehen neue Wörter, viele von ihnen werden im Laufe des Globalisierungsprozesses aus anderen Sprachen übernommen.

Von besonderer Bedeutung ist eben der pragmatische Aspekt der Sprache. Sie ist eine Form des sozialen Handels und das wichtigste Mittel der Handlungssteuerung. In dieser Hinsicht sollt man dieses Phänomen als ein Werkzeug des Denkens und Handelns betrachten. Dieser Aspekt der Sprache bezieht sich auch auf die Gemeinschaft der Äußerungen, die in einer Sprachgesellschaft gebraucht werden können.

Deswegen ist von großer Bedeutung die Art der Vermittlung der Sprache, die im Rahmen des Unterrichts den Schülern beigebracht werden sollte. Es ist allgemein bekannt, dass es im Sprachunterricht möglichst authentische kommunikative Situationen eingesetzt werden sollten. Das garantiert das Erlernen des kommunikativen Handelns in einer Fremdsprache. Wichtig ist dabei auch die Vielfalt der Sozialformen, die im Unterricht den festen Platz finden sollten. Natürlich gibt es sehr viele Methoden ihrer Vermittlung, zu denen auch die Sprachspiele gehören.

Was die kommunikative Kompetenz in der Fremdsprache betrifft, sollte sie in spielerischer Form erworben werden, was aber nicht der einzige Grund für den Einsatz von Spielen im Fremdsprachenunterricht ist. Spiele bringen mehr Freude in den Unterricht, gestalten ihn abwechslungsreicher sowie vermitteln Kreativität und unterstützt sehr Interaktions- und Kommunikationskompetenz. Ansonsten bringen sie die Abwechslung in den traditionellen Unterricht, weil sie mit Spannung, Spaß und Erholung verbunden sind. Spielerische Vermittlung der fremden Sprache fördert auch Motivation zum Erlernen.

Es soll dabei bemerkt werden, dass die Spiele eine Schlüsseltätigkeit des kindlichen Lebens sind. Sie stehen im Zusammenhang mit den Verhaltensweisen, die für kindliche Aufmerksamkeit in hohem Maße anlockend sind.

Das freie Spielen ist die Tätigkeit, an der die Kinder sehr gern teilnehmen. Aus diesem Grunde scheint es günstig zu sein, nach dieser Form der Aktivität zu greifen, weil sie ermöglicht, die vorausgesetzten Ziele zu erreichen. Nicht zu vergessen scheint dabei die Tatsache zu sein, dass die Spiele eine gewisse Dynamik im Unterrichtsverlauf gewährleisten, was aber ohne das Engagement des Lehrers nicht zu erreichen ist.

Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, den Einsatz der Sprachspiele im Deutsch als Fremdspracheunterrichts in der Grundschule zu schildern. Die Arbeit besteht aus drei Kapiteln. Das erste Kapitel wird den didaktischen Spielen und ihren Funktionen gewidmet. Es werden da Spiele in Anbetracht verschiedener Aspekte besprochen und analysiert. Im Mittelpunkt stehen hier ihre psychologischen, soziologischen und pädagogischen Faktoren.

Das zweite Kapitel enthält Informationen über Spiele im Deutschunterricht. Den Ausgangspunkt bildet in diesem Kapitel die Spielpädagogik. Es wird ihre Rolle im DaF-Unterricht präsentiert. Berücksichtigt werden dabei auch spielerische Sprachübungen.

Im dritten Kapitel werden die Sprachlernspiele beschrieben. Berücksichtigt werden dabei auch ihre Klassifikation, Funktion sowie Kriterien zu ihrer Auswahl.

Das vierte und zugleich das letzte Kapitel der vorliegenden Arbeit enthält die Analyse der Sprachspiele, die anhand des Lehrwerkes Der, Die, Das für die Grundschule durchgeführt wird. Die Arbeit wird mit einer Zusammenfassung abgeschlossen.

1. Spiele und ihre Funktionen

Jeder von uns kennt Spiele aus seiner Kindheit, als uns die Spiele sehr oft begleiteten und die wir mir der Unterhaltung assoziierten. Mit der Zeit ist es uns aber bekannt geworden, dass das Spiel nicht nur unterhaltende, sondern auch bildende Funktion hat. Dank der bildenden Funktion kann das Spiel im Unterricht eingesetzt werden und eine fördernde Lernfunktion haben.

Es ist nicht einfach eindeutig den Begriff Spiel zu definieren, weil man in diesem Fall mit einer komplexen Erscheinung zu tun hat. Dieser Begriff wird durch viele verschiedene Aspekte beeinflusst, die in Betracht genommen werden sollten. So kommen Pädagogen, Soziologen, Psychologen und andere Wissenschaftler, die sich mit diesem Begriff auseinandersetzen, zu unterschiedlichen Definitionen. Das Wort “Spiel” kommt von dem althochdeutschen Wort “spil”, was ursprünglich “Tanz” bedeutete. Es hat aber auch seinen Ursprung im altdeutschen Wort “spilan”, das als eine “leichte schwankende Bewegung” definiert wurde (vgl. Lazarus 199:64).

Das Spiel wird auch als eine Tätigkeit definiert, die eigentlich ohne bewussten Zweck zum Vergnügen, zur Entspannung führt. Schon alleine ihre Ausübung bereitet doch viel Spaß. Es wird darunter auch eine Beschäftigung verstanden, die in der Gruppe vorgenommen wird. Beim Spielen findet ein Großteil der kognitiven Entwicklung sowie die Entwicklung von motorischen Fähigkeiten statt. Obwohl einem Spiel oft ganz bestimmte Handlungsabläufe sowie Regeln zugrunde liegen, erfreuet es sich nach wie vor einer großen Popularität. Rösler vertritt dabei die Meinung, dass „mit Spielen im Fremdsprachunterricht auf recht unterschiedliche Aktivitäten Bezug genommen werden kann. Es kann sich um Tätigkeiten handeln, die zeitlich sehr begrenzt als Übungen zielgerichtet für das Lernen einer Fertigkeit oder sprachlicher Einheit eingesetzt werden, oder um größere Aktivitäten, die evtl. mit sozialemanzipatorischen Ansprüchen versehen über das Sprachlernen hinaus motiviert sind oder als generelle Alternative zu lehrmaterialgeleitetem Unterricht zu sehen sind“ (Rösler 1994:132).

In seiner Definition spiegelt sich doch wirklich die Komplexität dieser Erscheinung wider. Von Bedeutung ist dabei auch die Tatsache, die nämlich von Schraub und Zenke erwähnt wird, dass im Unterschied zu geplanten Arbeiten das Spiel die zweckfreie, ganz spontane, freiwillige Tätigkeit bedeutet, die nach bestimmten Regeln verläuft. Sie hat dabei auch den motivierenden sowie lustbetonten Charakter (vgl. Schraub/Zenke 1995:328).

Die Komplexität spiegelt sich auch in der Einteilung von Spielen wider, aufgrund deren es von folgenden Spielarten gesprochen wird:

- Sprachlernspiele werden nach Henrici als „alle Aktivitäten in einem handlungsorientierten, kommunikativen und Lernautonomie fördernden Unterricht“ definiert (Henrici 1996:419). So dienen sie der Festigung von Wortschatz, Strukturen, Wendungen sowie Sprachfertigkeiten.
- Kreative Spiele: Es geht hier darum, etwas Neues zu schaffen, was den Mittelpunkt dieser Spielart bildet. Lerninhalte zu reproduzieren oder eine Lösung zu finden rückt im Falle dieser Spiele in den Hintergrund. Kreative Spiele fördern Gruppenarbeit und beziehen sich auf kreatives Schreiben sowie Malspiele.
- Bewegungsspiele ermöglichen den Schülern körperliche Bewegung, die auch im Fremdsprachenunterricht wichtig ist. Es reicht, wenn zum Beispiel Sitzordnung gewechselt wird. Man bevorzugt auch dabei Spiele an der frischen Luft, wenn das Wetter wirklich schön ist.
- Interaktionsspiele, es geht hier um die Wechselbeziehungen zwischen den Personen. Die Spielregeln können nach Bedarf der Schüler geändert werden. Es gibt da auch keine Sieger und Verlierer. Charakteristische Merkmale sind: Kollektives Durchsetzen, Zusammenarbeit, Verstehen von Körpersignalen sind Prioritäten, auf die man in dieser Spielart setzt.

Rademacher bemerkt dabei, dass „die Chancen dieser Spiele darin liegen, dass sie durch Selbsterfahrung zur Verbesserung der Selbst- und Fremdwahrnehmung führen“ (Rademacher 1991:46). Sie werden oft zur Konzentrationssteigerung, zum Kennenlernen sowie zum Abbau der Stereotype eingesetzt.

- Planspiele: In diesem Fall ist zwar der Spielverlauf sowie die Kommunikationsstruktur offen, aber was die persönliche Handlungsfreiheit betrifft, ist sie wegen der Spielregel einigermaßen begrenzt. Die Aufgabe von Planspielen ist die Entscheidungen in den Konfliktfällen zu reflektieren.
- Erkundungsspiele beziehen sich auf Orientierungsaufgaben, Suchaufgaben sowie auf kreative Aufgaben. Einer großen Popularität erfreut sich im Rahmen des Fremdsprachenunterrichts eine Fotocollage oder ein Gedicht.
- Didaktische Spiele sind auf ein bestimmtes Lernziel zum Beispiel Sprache, Kultur konzentriert. Sie beinhalten Planung, Regeln sowie Auswertbarkeit.

So sollten in Rahmen dieser Spielart auch ihre Eigenschaften besprochen werden, zu denen nach Heyd folgende Aspekte gehören (vgl. Heyd 1991:153):

- das didaktische Spiel ist eng mit den ausformulierten Lernzielen verbunden,
- es ist offen, was bedeutet, dass der Spielausgang nicht festgelegt ist,
- das Spiel ist wiederholbar; es kann jederzeit abgebrochen und neu begonnen werden,
- es zieht keine Sanktionen in der Realität nach sich,
- es folgt nach expliziten also nach sehr deutlichen Regeln, die von den Spielern verändert werden können,
- das Spiel muss Spaß machen.

Von großer Bedeutung ist dabei die Tatsache, dass das Spiel immer von einer bestimmten Idee ausgeht und zu einem bestimmten Ziel führt. So ist auch sein Einsatz im Fremdsprachenunterricht sehr wichtig, denn in dieser Interaktion verlaufen viele Lernvorgänge, die sowohl die soziale, kognitive als auch psychomotorische Entwicklung unterstützen. Zur Zeit ist die Rolle des Spiels im Unterricht wirklich groß, denn durch das Spiel kann den Schülern Spaß, Zufriedenheit und Selbstbetätigung vermittelt werden. Außerdem trägt es zur weiteren Entwicklung der Schüler bei.

Was die Aktivitäten im Unterricht betrifft, bieten Spiele sehr viele Möglichkeiten an, den Unterricht interessanter und effektiver zu gestalten. Von Bedeutung ist dabei die Tatsache, dass sich bei den spielerischen Aktivitäten Interesse, Spontaneität und Kreativität vermischen, die aus der pädagogischen Sicht sehr wichtig sind (vgl. Bohn, Schreiter 1994:20).

Entscheidend für die Effektivität des Unterrichts ist bei dem Spieleinsatz immerhin die Auswahl des Spieles, bei der bestimmte Kriterien beachtet werden sollten. Das Spiel darf vor allem die Schüler nicht irritieren. Ein weiteres wichtiges Auswahlkriterium ist die Abstimmung der Aktivität mit dem Zweck und Ziel des Spiels, denn sonst bringt das Spiel keinen Erfolg und es hat damit auch keinen Sinn. Es kann auch passieren, dass das Spiel zu keiner Effektivität im Unterricht beiträgt. Wichtig ist deswegen gute Vorbereitung des Spieles sowie seine Durchführung. Bei der Auswahl des Spiels soll man sich wirklich die Mühe geben, denn eine schlechte Vorbereitung sowie die Auswahl eines ungeeigneten Spiels zur Langeweile führt und verursacht, dass die Schüler nichts Neues lernen. Sehr wichtig zu beachten sind auch die Funktionen von Spielen (vgl. Kauke 1992:128).

Man unterscheidet dabei:

- Motivierungsfunktion. Sie ist eine der wichtigsten Funktionen der Spiele. So werden die

Schüler dank dem spielerischen Einsatz im Fremdsprachenunterricht, motiviert was sich auch darin widerspiegelt, dass sie gerne mitarbeiten. Dadurch wird auch das Interesse der Schüler am Unterricht geweckt.

- Aktivierungsfunktion. Dank dem Spiel wird die Konzentration sowie Aufmerksamkeit der Schüler gestärkt. Es hat auch einen positiven Einfluss auf Gedächtnis – und Vorstellungsvermögen.
- Sozialfunktion. Sie betrifft vor allem die Gruppenarbeit, dank der die Schüler neue Kontakte knüpfen können. Ansonsten fühlen sie sich in der Gruppe viel besser als alleine.
- Schöpferische Funktion. Beim Spielen werden schöpferische Leistungen entwickelt.
- Erkenntnisfunktion. Dank der spielerischen Aktivität gewinnen die Schüler neue Erkenntnisse.
- Funktion des Einübens. Es geht hier um die Festigung des Lernstoffes, der dank dem Einsatz von Spielen noch besser eingeübt werden kann. Sie ist mit der diagnostischen Funktion der Spiele eng verbunden.
- Bewegungsfunktion. Sie ist sehr wichtig, was die motorische Entwicklung des Schülers angeht. Ansonsten wird dadurch die Langeweile im Klassenraum bewältigt. So bietet das Spiel auch eine Abwechslung zu anderen Unterrichtsformen.
- Diagnostische Funktion. Dank dem Spiel können auch die Leistungen der Schüler gemessen werden. So können die Schüler selbst erfahren, womit sie noch Probleme haben und was noch geübt und wiederholt werden sollte. Das alles, was hier diagnostiziert wird, kann auch auf spielerische Art und Weise, wie es schon früher gesagt wurde, eingeübt werden.
- Erholungsfunktion. Es wird hier spontane Aktivität ohne Stress und Druck gemeint.

Ansonsten weckt das Spiel bei den Schülern das Gefühl der Freude und Entspannung (vgl. Kauke 1992:130).

Didaktische Spiele dienen vor allem der allseitigen Entwicklung der Persönlichkeit. Sie fördern auch die Geschicklichkeit sowie Selbständigkeit der Schüler. Lernspiele spielen eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung der Initiative sowie der organisatorischen Fähigkeiten der Spieler. Ansonsten bereiten sie sich Freude. Dank den didaktischen Spielen werden unter erzieherischer Anleitung positive den Spielenden der Persönlichkeit entwickelt. Der Schüler erwirbt auch dadurch Fähigkeiten und Fertigkeiten sowie Wissen und Können. Beim Spielen hat der Schüler keine Absicht zu lernen, trotzdem aber ist das Lernen ein Nebenergebnis des Spiels. Der Lernprozess kann durch didaktische Spiele angeregt werden. Ansonsten bieten sie gute Voraussetzungen das Interesse an der Spielhandlung zu erwecken und sie für das Lernen auszunutzen. Behme (1992:11) betont dabei, dass “auch ein freier, spontaner Unterricht mit dem Ziel sich zu unterhalten als ein Teil des didaktischen Spiels angesehen werden kann“.

1.1 Psychologische Aspekte

Aus der psychologischen Sicht können Spiele als eine Grundform der spontanen Aktivität des Kindes bei der Auseinandersetzung mit der Welt angesehen werden (vgl. Behme 1992:12). Kinder, die viel spielen, sind kreativer und intelligenter als ihre Altersgenossen. Spiele entwickeln ihre Phantasie und können dazu dienen, schlimme Erlebnisse zu verarbeiten. Darüber hinaus haben psychoanalytische Spieltheoretiker Spielen auch als eine Möglichkeit erkannt, die zur Selbstheilung des seelisch verletzten Kindes beitragen kann (vgl. Behme 1992:13).

Krappmann (1975:210) vertritt dabei die Meinung, dass die Kinder dank dem Spiel ihre Hemmungen abbauen können. „Wenn das Spiel die Probleme der Kinder nicht entblößt, können sie allmählich Vertrauen fassen, (…) Hemmungen (…) können auf diese Weise nach und nach gemindert werden“.

Die im Spiel verschwommenen Grenzen helfen auch dem Kind den erlebten Stress spielerisch verarbeiten. Dank dem Spiel kann zum Beispiel die Trennungsangst des Kindes gemildert werden, indem das Kind lernt, dass es die Macht und Möglichkeit hat, einen guten Ausgang zu verschaffen. Ansonsten fördern Spiele die Aktivität der Kinder und ermöglichen ihre Bedürfnisse und Gefühle ins Spiel einzusetzen, was auch nicht ohne Bedeutung zu sein scheint.

1.2 Soziologische Aspekte

Für Schraub und Zenke spielen soziologische Aspekte der Spiele eine bedeutende Rolle, indem sie darauf hinweisen, dass „…das Spiel freiwillig, selbstbestimmt und zweckfrei um seiner selbst willen und frei von äußeren Zwängen erfolgt. Es findet losgelöst vom Ernst des Alltags statt und aktiviert Phantasievorstellungen. Es ermöglicht in der handelnden Auseinandersetzung mit Mitspielern und Objekten Realitätserfahrungen und die Verarbeitung von Alltagsproblemen“ (Schraub/ Zenke 1995:328).

Interessant ist auch ihre Feststellung, dass „…im Spiel das Kind seine Personenwerdung beginnt. Dank dem Spielt lernt es sich der Welt von uns allen zu nähern und sich zu nähern und sich zugleich als etwas Eigenständiges von ihr zu distanzieren“ (Schraub/Zenke 1995:329).

Sozialisation bedeutet doch die Einbeziehung eines Menschen in der Gesellschaft. Zuerst findet sie im Kreis der eigenen Familie statt. Man lebt in einer Gesellschaft, wo bestimmte Normen, Werte und Einstellungen vorhanden sind und in der bestimmte Rollen und Konfliktlösungen praktiziert und erwünscht werden. Nur in Familien, Kindergärten und Schulklassen, in denen unter anderem Vertrauen, Sensibilität sowie Kooperationsbereitschaft praktiziert werden, kann es zu Übernahme solcher erwünschter Verhaltensweisen durch Kinder kommen (vgl. Bühler 1978:19).

Es soll dabei aber auch betont werden, dass die Normen, Werte sowie Einstellungen nicht nur durch die Belehrung und Erziehung, sondern auch durch Interaktions - und Lösungsfeldern erzielt werden, aus denen die Werte, Normen und Einstellungen übernommen werden können. Das kann natürlich durch den Einsatz von Spielen realisiert werden. Um zu spielen, müssen die Kinder miteinander kommunizieren können. Besonders bei den Kindern, die blockiert sind, bieten die Spiele Möglichkeiten, ihre eigenen Probleme einzubringen sowie Selbstvertrauen zu gewinnen. Das alles verdankt man ihrer offenen Struktur.

Durch Kontakte mit Erwachsenen und anderen Kindern, die auch Spiele ermöglichen, entwickelt sich das Sozialverhalten. So werden die Kinder in soziale Systeme integriert, wobei ihre Individualität ausgebildet wird. Die Erweiterung ihrer Kontakte trägt dazu bei, dass sie mit neuen Problemen und Konflikten konfrontiert werden, die sie leider alleine lösen müssen. Es soll dabei natürlich nicht vergessen werden, dass Spiele auch eine gewisse Sensibilität verlangen. Wenn neue Bedürfnisse oder neue Mitspieler ins Spiel treten, müssen sich die Kinder der neuen Situation anpassen, oder ihr Spiel geht zu Ende. Auch die Regeln müssen doch von allen Mitspielern akzeptiert werden. Deshalb ist es wichtig, alle Erwartungen bezüglich der Spielregeln wahrzunehmen und zu berücksichtigen.

1.3 Pädagogische Aspekte

In diesem Abschnitt geht es um die Frage, was die Kinder im Spiel lernen können. Nach Flitner können durch Spiele folgende Fähigkeiten sowie Verhaltensweisen gefördert werden (vgl. Flitner1974:120):

- sensomotorisches Können, Auffassung und Geschicklichkeit,
- inhaltliche Beherrschung von Spielen und ihren Regeln,
- Ausdruckslosigkeit und spielerhaltende Ideen,
- Erfassen kognitiver Aufgaben und Elemente,
- Beherrschung sozialer Aufforderungen von Spielen (soziales Lernen).

Was soziales Lernen betrifft, findet es immer in einer Gruppe statt. Eigentlich schon seit der Kindheit wird man der Einwirkung der Gruppe ausgesetzt, die Entwicklung unserer Persönlichkeit beeinflusst. Beim Spielen entwickeln die Kinder bestimmte Verhaltensweisen, die nicht nur auf das Spiel eingeschränkt bleiben, sondern auch in anderen Situation angewendet werden können. Spielen zu können ist nach Bühler zwar eine potentielle Möglichkeit, über die Kinder verfügen, sie kann aber nur in einer Umwelt realisiert werden, die die Voraussetzungen dafür bietet (vgl. Bühler 1978:30).

Die Untersuchung der Spiele unter dem psychologischen, soziologischen und pädagogischen Aspekt zeigt, dass Spielen wirklich sehr die Persönlichkeitsentwicklung beeinflusst. Eben durch Spiele lernen die Kinder ihre Umwelt kennen. Dank der Auseinandersetzung mit Materialien und Personen werden die kognitiven Fähigkeiten entwickelt.

In der Pädagogik werden Spiele oft vom Spielleiter im Entwicklungsprozess vorangetrieben. Dabei können prinzipiell alle Spiele pädagogische Spiele sein, wenn sie gezielt zur Förderung eingesetzt werden. Unter pädagogischen Spielen werden dabei spezielle methodisch aufgebaute Spiele verstanden, die mit sehr unterschiedlichen Zielsetzungen in verschiedensten Situationen eingesetzt werden (vgl. Heyd 1991:153).

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es sehr viele Spielarten gibt, die je nach Gegebenheit eingesetzt werden können. Sehr wichtig sind dabei auch ihre zahlreichen Funktionen und Aspekte. Im Falle des Spiels hat man ohne Zweifel mit einem komplexen Phänomen zu tun, das vielseitig eingesetzt werden kann.

2. Spiele im Deutschunterricht

Spielen im Fremdsprachenunterricht bedeutet zielgerichtet Versuch, dessen Ziel die Entwicklung der sozialen, intellektuellen, kreativen sowie ästhetischen Kompetenzen der Schüler ist. Durch Spiel und Spaß können die Lernziele motivierender, intensiver und effektiver verwirklicht werden. Im Spiel kann man die Sprache gebrauchen und sie auf diese Art und Weise auch lernen. Laut Meyer ist „Spielen im Unterricht nicht zweckfrei, sondern ein zielgerichteter Versuch zur Entwicklung der sozialen, kreativen, intellektuellen und ästhetischen Kompetenzen der Schüler“ (Meyer 1989:344).

So helfen Spiele Lernziele motivierender, intensiver oder effektiver zu gestalten. Ansonsten bieten spielerische Übungen eine Möglichkeit, den Unterricht schülerorientierter zu machen. Nicht ohne Bedeutung ist dabei auch die Tatsache, dass in verschiedenen Spielen verschiedene Fähigkeiten erworben werden. Ansonsten kann das Spiel im Unterricht sowohl als Vorübung, also Einübung, als auch als begleitende Aufgabe oder Nachübung eingesetzt werden. Man kann dadurch das einüben, was der Schüler noch nicht kann und dazu noch das üben, was er schon kann.

Was Spiele angeht, werden in ihnen Informationen aktiv erworben, was auch nicht ohne Bedeutung ist. Der Informationserwerb erfolgt also hier beiläufig. Wegener und Krumm (1982:90) weisen noch darauf hin, dass Spiele im Unterricht eine motivierende Rolle spielen.

In Spielen wird doch indirekt der geschickte Umgang mit den Situationen geübt, der mit Flexibilität, Offenheit, Ideen sowie Originalität verbunden ist. Wichtig ist dabei auch eine unterstützende Lernatmosphäre, die durch Spiele geschaffen werden kann. Durch Spiele können Sprachhemmungen, die die Kommunikation erschweren, überwunden werden, was im Fremdsprachenunterricht nicht ohne Bedeutung bleibt. Eckert und Klemm (1988:34) betonen, dass alle Spiele sowohl verbale als auch nonverbale sprachliche Kommunikation beeinflussen.

Man kommuniziert während des Spiels und über das Spiel. In Spielen wird nach ihnen „…nicht kontextlos, sondern personenbezogen und inhaltsorientiert kommuniziert.“ (Eckert/Klemm 1988:57). Ansonsten lernen die Schüler im Spiel viel voneinander. Da gibt es natürlich auch Momente, die echte Kommunikation begünstigen und allen neuen und interessanten Informationen liefern, denn „Spielen heißt vor allem genügend Spielraum und damit auch den nötigen Freiraum für dialogisches Lernen zu haben“ (Eckert/Klemm 1988:57), worauf im Fremdsprachenunterricht gesetzt wird und was da die Priorität ist.

Spiele unterstützen auch im Rahmen des Fremdsprachenunterrichts interkulturelles Lernen. So wird im Spiel nicht nur das Sprachwissen vermittelt, sondern auch interkulturelle Aspekte des Landes, dessen Sprache gelernt wird. Was die Interkulturalität betrifft, ist sie doch ein Bestandteil des Fremdsprachenunterrichts, was kulturelle Werte und Normen ein Teil der menschlichen Kommunikation sind, die im Rahmen des Fremdsprachenunterrichts realisiert wird.

Wierlacher vertritt dabei die Meinung, dass sich durch Spiele Kulturen sowie ihre Spiellust und ihr Spielverständnis erkennen lassen. So fördern sie interkulturelle Kommunikation sowie Kulturkontakte. Sie helfen auch kulturelle Barrieren überwinden.

„Denn als suchendes und explorierendes Verhalten bricht das Spielen Abschottungen auf, es initiiert das Sehen mit anderen Augen, nähert die Neugier, ermöglicht Grenz- und Selbsterfahrungen und ist mither immer schon eine Form aktiven Lernens, als solche ein Ferment aller Kultur. Kulturverstehen realisiert sich insoweit als Spielen und Mitspielen“ (Wierlacher 1982:102).

Im Falle der Spiele hat man mit der Intention und mit der Aktion zu tun. Die Intention geht von Lehrer heraus und was die Aktion betrifft, ist dafür der Schüler zuständig1. Der Lehrer schlägt ein Spiel vor und motiviert die Schüler dafür. Die Schüler bringen sich selbst ein und damit auch ihre Kenntnisse, Erfahrungen sowie Gefühle.

- Der Lehrer vermittelt Freude am Lernen und die Schüler haben Spaß im Spiel und lernen im Unterricht entspannt sowie stärker selbstgesteuert,
- Der Lehrer vermittelt das Wissen und die Schüler nehmen dank der Einsatz vom Spiel mehr Informationen auf. Ansonsten verarbeiten sie sie und vernetzen sie dadurch viel besser,
- Der Lehrer veranschaulicht Gedanken und zeigt Problemlösungen auf und die Schüler treten in den Austausch ein, lernen neben dem Lösen von Problemen den Umgang mit Menschen, anderen Denkweisen sowie eigenen und fremden Normen,
- Der Lehrer trainiert Fertigkeiten und Fähigkeiten, wendet das Gelernte an und erprobt es in neuen Zusammenhängen. Die Schüler erfahren ihr Können und Denken, lernen neue Sichtweisen kennen und prüfen neue Verhaltensmöglichkeiten,
- Der Lehrer bildet Einstellungen und Prägt das Verhalten. Die Schüler erwerben Sach-, Interaktions- und Kommunikationskompetenz für soziale, ökonomische und politische Entwicklungen. Ansonsten gewinnen sie auf diese Art und Weise das Vertrauen in ihr eigenes Können.

Zusammenfassend lässt sich einfach sagen, dass die Rolle der Spiele im Fremdsprachenunterricht sehr groß ist. Sie können doch nicht nur beim Festigen, Anwenden, Wiederholen, sondern auch bei Erarbeiten eines neuen Sprachmaterials eingesetzt werden. So kann durch Spiele der Lehrstoff sowohl präsentiert, vermittelt als auch geübt und gefestigt werden.

Wie es schon früher erwähnt wurde, vermitteln Spiele auch kulturelle Inhalte und so schaffen sie, dass das Interesse und Motivation am Fremdsprachenerwerb immer größer wird. Sie unterstützen auch positive Einstellung zur Fremdsprache, indem die Schüler durch das Spiel merken, dass sie das Gelernte in die Praxis einsetzen können. Nach dem Einsatz von Spielen ändert sich auch die Rolle des Lehrers im Fremdsprachenunterricht. So wird der Lehrer als Helfer und Berater angesehen (vgl. Eckert/Klemm 1988:62).

Ansonsten beeinflussen Spiele Gruppendynamik. Ihr Einsatz im Unterricht unterstützt Förderung der Gruppenarbeit als sozialer Arbeitsform, die im Rahmen des Fremdsprachenunterrichts realisiert wird. Im Spiel können Kooperationsfähigkeit, Emphatiefähigkeit, Rollenflexibilität entwickelt werden, was auch im Fall des Fremdsprachenunterrichts nicht ohne Bedeutung bleibt. Es können dadurch auch soziale Verhaltensweisen sowie situationsangemessenes Verhalten in der Fremdsprache geübt werden, denn Spiele fördern doch das Lernen durch Emotionen. (Affektivität). Spielen bietet die Möglichkeit eines interaktiv-kommunikativen und ganzheitlichen, eigenverantwortlichen Lernens.

2.1 Die Spielpädagogik im DaF Unterricht

Es gibt viele Definitionen, die die Erscheinung der Spiele erklären. Spiele im Unterricht sollen jedoch nicht der Unterhaltung, sondern der Stärkung des Lernprozesses dienen. Spiele im Unterricht gelten also als ein didaktisches Mittel. Das Ziel des Einsatzes der Spiele ist demzufolge die Beschleunigung des Lernprozesses, sowie seine Abwechslung. Die Grundlagen der Spiele sind das Üben und Wiederholen vom neuen Stoff, sowie Festigung von den schon erworbenen Kenntnissen mit Hilfe von Zahlenbildern, Ziffern, Symbolen, Bildern und anderen didaktischen Instrumenten (vgl. Behme 1988:11).

Spielpädagogik bezieht sich auf das Engagement von Erwachsenen in das hauptsächlich kindliche Spiel mit der Absicht, die Fähigkeit des Kindes zu unterstützen, selbstbestimmt ein Spiel zu unternehmen. Die Rolle der Spielpädagogik ist auch, einem Kind die unentbehrliche Umgebung, Ausstattung und Möglichkeit zu gewährleisten, um sein Spiel durchführen zu können. Ebenso soll ein Kind über einen Raum verfügen, der ihm ermöglicht, anhand von Spielen selbständig zu lernen und auf dieser Grundlage eigene Erfahrungen zu sammeln. Außerdem wird die Spielpädagogik als eine der Methoden der Erziehung betrachtet, die auf Anwendung von Spielen basiert. Die Unterdisziplinen der Spielpädagogik sind Spieldidaktik und Spielmethodik. Dabei soll es bemerkt werden, dass bei dem Einsatz der Spiele didaktische und pädagogische Zusammenhänge in Betracht gezogen werden sollten. Das Spielen, besonders in der Grundschule, benötigt das Gleichgewicht zwischen spielerischer Dynamik und pädagogischer Bearbeitung. Die didaktischen und pädagogischen Ziele sollen also in Bezug auf den Gesamtzusammenhang bestimmt werden.

[...]


1 Vgl. http://www.freire.de/node/69 (Zugiff am 18.12.2016).

Ende der Leseprobe aus 42 Seiten

Details

Titel
Sprachspiele im DaF-Unterricht. Spielpädagogik in der Grundschule
Hochschule
Wyższa Szkoła Filologiczna we Wrocławiu
Note
1
Autor
Jahr
2020
Seiten
42
Katalognummer
V957010
ISBN (eBook)
9783346301659
ISBN (Buch)
9783346301666
Sprache
Deutsch
Schlagworte
sprachspiele, daf-unterricht, spielpädagogik, grundschule
Arbeit zitieren
Monika Krotoszynska (Autor:in), 2020, Sprachspiele im DaF-Unterricht. Spielpädagogik in der Grundschule, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/957010

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